Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

unbewusst

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung un-be-wusst
Wortzerlegung un- bewusst
Ungültige Schreibung unbewußt
Rechtschreibregel § 2
Wortbildung  mit ›unbewusst‹ als Erstglied: Unbewusstheit  ·  mit ›unbewusst‹ als Grundform: Unbewusste
eWDG

Bedeutung

nicht bewusst, ohne sich dessen bewusst zu werden, ohne dass es zum Bewusstsein kommt
a)
instinktiv, rein gefühlsmäßig
Beispiele:
er hat ganz unbewusst gehandelt, das Richtige getan
eine unbewusste Angst, Scheu
b)
ohne etw. mit voll aktivem Bewusstsein, in seiner Gänze erfasst zu haben
Beispiel:
er nahm das Gehörte unbewusst auf, das Geschehene unbewusst wahr
c)
nicht wissentlich, unbeabsichtigt
Beispiele:
eine unbewusste Kränkung
eine unbewusste Komik
Unbewußt, ganz ohne es zu wollen, legte ich ihm … meinen Arm um die Schulter [ St. ZweigAmok57]
Humor ist eine … unbewußte Haltung [ H. KantAula241]
d)
von S. Freud ausgearbeiteter, von der Tiefenpsychologie überbewerteter hypothetischer Begriff eines besonderen Bereiches ehemals bewußt gewesener, dann aber vergessener, verdrängter oder nie bewußt gewesener psychischer Prozesse, die funktional wirksam sind und das Bewußtsein beeinflussen können
Beispiel:
Der Psycholog des Unbewußten, Freud … [sagte:] das Seelenreich des Unbewußten, das Gebiet des Es »ist der dunkle unzugängliche Teil unserer Persönlichkeit« [ Th. Mann10,505]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bewußt · Bewußtsein · selbstbewußt · Selbstbewußtsein · schuldbewußt · Schuldbewußtsein · unbewußt · das Unbewußte · bewußtlos
bewußt Adj. ‘mit klarem Verstand handelnd, erkennend, absichtlich, bekannt, in Rede stehend’. Frühnhd. bewust steht als md. Form neben frühnhd. bewist, bewüst, Part. Prät. eines inzwischen untergegangen Verbs frühnhd. bewissen ‘genau kennen, wissen’, reflexiv ‘sich auskennen, zurechtfinden’, das seinerseits wie mnd. bewēten ‘etw. ins Auge fassen, auf etw. bedacht sein, (um etw.) wissen’ (Part. Prät. bewēten ‘bei klarem Verstand, Bewußtsein’, bewust ‘bewußt, bekannt’) und aengl. bewitan ‘Sorge tragen, achten auf, Aufsicht führen’ eine Präfixbildung zu dem unter wissen (s. d.) behandelten Simplex ist. Zuvor erscheint die hd. Präfixbildung nur als negiertes Part. Präs. in ahd. unbiwiʒʒanti (8. Jh.), Übersetzung von lat. ignorāns. Das Nebeneinander der Wurzelsilbenvokale i und u findet sich ebenso im Part. Prät. des Simplex, vgl. mhd. gewist, gewest (neben fast nur adjektivisch gebrauchtem gewiʒʒen), md. auch gewust. Die semantische Entwicklung des Part.adj. geht aus von den Bedeutungen ‘bekannt’ und ‘genau wissend’, wie sie in den seit frühnhd. Zeit bezeugten Verwendungen mir ist bewußt und (rückbezüglichem) ich bin mir bewußt (‘weiß genau’) vorliegen. Bewußtsein n. ‘spezifisch menschlich ideelle Widerspiegelung der objektiven Realität, klares Wissen, Gewißheit, Zustand, in dem der Mensch seiner Sinne mächtig ist’. Als philosophischer Terminus 1720 von Chr. Wolff geprägt, anfangs auch getrennt geschrieben (das bewust Sein). selbstbewußt Adj. ‘eine klare Vorstellung von sich selbst, von seiner Existenz besitzend’, meist in dem speziellen Sinn ‘vom eigenen Wert überzeugt, ihn deutlich betonend’; Selbstbewußtsein n. (beide um 1800). schuldbewußt Adj. ‘um seine Schuld wissend, reuig’ (18. Jh.); Schuldbewußtsein n. (19. Jh.). unbewußt Adj. ‘ohne etw. in ausgeprägter Weise im Bewußtsein zu reflektieren, instinktiv, nur vom Gefühl her’. Wie bei den nichtnegierten Formen findet sich auch hier ein Nebeneinander verschiedener Wurzelsilbenvokale, frühnhd. unbewist (15. bis 17. Jh.), unbewüst, md. unbewust, unbewost. Bereits im Frühnhd. erscheinen die Bedeutungen ‘unbekannt, nicht erinnerlich’ und ‘nicht wissend, ahnungslos, ohne Überlegung’. Substantiviert das Unbewußte n. in der Philosophie für das, was sich der Beachtung und Aufmerksamkeit entzieht (Jean Paul, 1804), in der analytischen Psychologie für abgewiesene und verdrängte Erlebnisse (Freud, 1900). bewußtlos Adj. ‘ohne Bewußtsein, ohnmächtig, zu keinem bewußten Verhalten, Erleben fähig’. Eine frühe Abstraktbildung zu bewußt (s. oben) ist das in der Literatursprache wieder untergegangene Substantiv Bewußt f. m. ‘Wissen, Bewußtsein, Kenntnis’ (15. Jh.), erhalten in der Ableitung bewußtlos (Ende 18. Jh.), zunächst meist in der Bedeutung ‘unwissentlich, unbewußt’, heute nur noch im oben angegebenen Sinn.

Thesaurus

Synonymgruppe
getarnt · latent · unbewusst · unterschwellig · verborgen · versteckt
Medizin
Synonymgruppe
das autonome Nervensystem betreffend · unbewusst · unwillkürlich  ●  vegetativ  fachspr.
Synonymgruppe
gedankenlos · mechanisch · routinemäßig · schematisch · seelenlos · unbewusst · unwillkürlich · wie von selbst  ●  nach Schema F  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas ist / war) nicht jemandes Absicht · ohne (böse) Absicht · ohne dies beabsichtigt zu haben · ohne es zu wollen · unabsichtlich · unbeabsichtigt · unbewusst · ungewollt · unwillentlich
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›unbewusst‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bieten die DWDS-Wortprofile zu ›unbewusst‹ und ›unbewußt‹.

Verwendungsbeispiele für ›unbewusst‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es sperrt sich unbewußt gegen das verstehende Erfassen gedruckter Texte; es wird »wortblind«. [Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 386]
Ja, sage ich, drei Jahre in der ersten Klasse, aber ein Jahr unbewußt. [Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 900]
Um so mehr verfällt das unbewußte Denken der Macht des Objektiven. [Jung, Carl Gustav: Psychologische Typen. In: ders., Gesammelte Werke, Bd. VI, Zürich u. a.: Rascher 1967 [1921], S. 421]
Dann hätten wir es mit einem unbewußten Akt der Opposition zu tun. [konkret, 1999]
Wenn man all die glücklichen Paare sieht, denkt man doch unbewußt an die eigene Ehe. [konkret, 1995]
Zitationshilfe
„unbewusst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unbewusst>.

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