unbewusst

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-be-wusst (computergeneriert)
Wortzerlegungun-bewusst
Ungültige Schreibungunbewußt
Rechtschreibregeln§ 2, § 25 (E1)
Wortbildung mit ›unbewusst‹ als Erstglied: ↗Unbewusstheit  ·  mit ›unbewusst‹ als Grundform: ↗Unbewusste
eWDG, 1976

Bedeutung

nicht bewusst, ohne sich dessen bewusst zu werden, ohne dass es zum Bewusstsein kommt
a)
instinktiv, rein gefühlsmäßig
Beispiele:
er hat ganz unbewusst gehandelt, das Richtige getan
eine unbewusste Angst, Scheu
b)
ohne etw. mit voll aktivem Bewusstsein, in seiner Gänze erfasst zu haben
Beispiel:
er nahm das Gehörte unbewusst auf, das Geschehene unbewusst wahr
c)
nicht wissentlich, unbeabsichtigt
Beispiele:
eine unbewusste Kränkung
eine unbewusste Komik
Unbewußt, ganz ohne es zu wollen, legte ich ihm ... meinen Arm um die Schulter [St. ZweigAmok57]
Humor ist eine ... unbewußte Haltung [H. KantAula241]
d)
von S. Freud ausgearbeiteter, von der Tiefenpsychologie überbewerteter hypothetischer Begriff eines besonderen Bereiches ehemals bewußt gewesener, dann aber vergessener, verdrängter oder nie bewußt gewesener psychischer Prozesse, die funktional wirksam sind und das Bewußtsein beeinflussen können
Beispiel:
Der Psycholog des Unbewußten, Freud ... [sagte:] das Seelenreich des Unbewußten, das Gebiet des Es »ist der dunkle unzugängliche Teil unserer Persönlichkeit« [Th. Mann10,505]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bewußt · Bewußtsein · selbstbewußt · Selbstbewußtsein · schuldbewußt · Schuldbewußtsein · unbewußt · das Unbewußte · bewußtlos
bewußt Adj. ‘mit klarem Verstand handelnd, erkennend, absichtlich, bekannt, in Rede stehend’. Frühnhd. bewust steht als md. Form neben frühnhd. bewist, bewüst, Part. Prät. eines inzwischen untergegangen Verbs frühnhd. bewissen ‘genau kennen, wissen’, reflexiv ‘sich auskennen, zurechtfinden’, das seinerseits wie mnd. bewēten ‘etw. ins Auge fassen, auf etw. bedacht sein, (um etw.) wissen’ (Part. Prät. bewēten ‘bei klarem Verstand, Bewußtsein’, bewust ‘bewußt, bekannt’) und aengl. bewitan ‘Sorge tragen, achten auf, Aufsicht führen’ eine Präfixbildung zu dem unter ↗wissen (s. d.) behandelten Simplex ist. Zuvor erscheint die hd. Präfixbildung nur als negiertes Part. Präs. in ahd. unbiwiʒʒanti (8. Jh.), Übersetzung von lat. ignorāns. Das Nebeneinander der Wurzelsilbenvokale i und u findet sich ebenso im Part. Prät. des Simplex, vgl. mhd. gewist, gewest (neben fast nur adjektivisch gebrauchtem gewiʒʒen), md. auch gewust. Die semantische Entwicklung des Part.adj. geht aus von den Bedeutungen ‘bekannt’ und ‘genau wissend’, wie sie in den seit frühnhd. Zeit bezeugten Verwendungen mir ist bewußt und (rückbezüglichem) ich bin mir bewußt (‘weiß genau’) vorliegen. Bewußtsein n. ‘spezifisch menschlich ideelle Widerspiegelung der objektiven Realität, klares Wissen, Gewißheit, Zustand, in dem der Mensch seiner Sinne mächtig ist’. Als philosophischer Terminus 1720 von Chr. Wolff geprägt, anfangs auch getrennt geschrieben (das bewust Sein). selbstbewußt Adj. ‘eine klare Vorstellung von sich selbst, von seiner Existenz besitzend’, meist in dem speziellen Sinn ‘vom eigenen Wert überzeugt, ihn deutlich betonend’; Selbstbewußtsein n. (beide um 1800). schuldbewußt Adj. ‘um seine Schuld wissend, reuig’ (18. Jh.); Schuldbewußtsein n. (19. Jh.). unbewußt Adj. ‘ohne etw. in ausgeprägter Weise im Bewußtsein zu reflektieren, instinktiv, nur vom Gefühl her’. Wie bei den nichtnegierten Formen findet sich auch hier ein Nebeneinander verschiedener Wurzelsilbenvokale, frühnhd. unbewist (15. bis 17. Jh.), unbewüst, md. unbewust, unbewost. Bereits im Frühnhd. erscheinen die Bedeutungen ‘unbekannt, nicht erinnerlich’ und ‘nicht wissend, ahnungslos, ohne Überlegung’. Substantiviert das Unbewußte n. in der Philosophie für das, was sich der Beachtung und Aufmerksamkeit entzieht (Jean Paul, 1804), in der analytischen Psychologie für abgewiesene und verdrängte Erlebnisse (Freud, 1900). bewußtlos Adj. ‘ohne Bewußtsein, ohnmächtig, zu keinem bewußten Verhalten, Erleben fähig’. Eine frühe Abstraktbildung zu bewußt (s. oben) ist das in der Literatursprache wieder untergegangene Substantiv Bewußt f. m. ‘Wissen, Bewußtsein, Kenntnis’ (15. Jh.), erhalten in der Ableitung bewußtlos (Ende 18. Jh.), zunächst meist in der Bedeutung ‘unwissentlich, unbewußt’, heute nur noch im oben angegebenen Sinn.

Thesaurus

Synonymgruppe
latent · unbewusst · ↗unterschwellig · ↗verborgen · ↗versteckt
Assoziationen
Medizin
Synonymgruppe
das autonome Nervensystem betreffend · unbewusst · ↗unwillkürlich  ●  ↗vegetativ  fachspr.
Synonymgruppe
automatisch · ohne zu überlegen · ohne Überlegen · ohne Überlegung · ↗reflexartig · ↗reflexhaft · ↗unabsichtlich · ↗unbeabsichtigt · unbewusst · ↗ungewollt · ↗unwillentlich · ↗unwillkürlich · wie von selbst
Assoziationen
  • (ein) Versehen · aus Versehen · kein böser Wille · ohne es zu wollen · ↗unabsichtlich · ↗unbeabsichtigt · ↗ungewollt · ↗versehentlich
  • gefühlsmäßig · ↗instinktgesteuert · ↗instinktiv · ↗instinktmäßig · ↗intuitiv · mit schlafwandlerischer Sicherheit · ↗unterbewusst  ●  aus dem Bauch (heraus)  fig. · mit nachtwandlerischer Sicherheit  fig. · mit traumwandlerischer Sicherheit  fig. · nach Bauchgefühl  fig. · nach Nase  ugs. · stinkelingpief  ugs.
  • als solche/r/s · an sich · durch sich selbst · für sich  ●  ↗per se  geh., bildungssprachlich
  • aus Spaß an der Freud(e) · im Scherz · nicht ernst gemeint · nur so · ohne (dabei) nachzudenken · ohne Sinn und Verstand · ohne sich etwas dabei zu denken · scherzeshalber · ↗scherzweise · sollte ein Scherz sein · ↗spaßeshalber  ●  aus Übermut  Hauptform · just for fun  engl. · (in seinem) jugendlichen Leichtsinn  ugs., variabel, Spruch, scherzhaft · (nur so) zum Spaß  ugs. · aus Daffke  ugs., berlinerisch · aus Flachs  ugs. · aus Jux  ugs. · aus Jux und Tollerei  ugs. · aus Scheiß  ugs. · aus Spaß  ugs. · einfach so  ugs. · ↗hetzhalber  ugs., österr. · mal eben so  ugs. · nur mal eben so  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gedächtnis Identifikation Körperfunktion Phantasie Reflex Regung Schuldgefühl Seelenleben Trieb Triebkraft Triebwunsch Voreingenommenheit Vorgang Wahrnehmung Zählen ablaufend bewußt halbbewußt instinktiv irrational meist minder unbeabsichtigt uneingestanden ungewollt unwillkürlich verdrängt vielleicht vorbewußt willentlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unbewusst‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst eine erneute Suggestion erlöst sie von dem unbewussten Zwang.
Süddeutsche Zeitung, 14.04.2003
Sein schwarzes Haar ist gescheitelt, fahrig legt er die Hände immer wieder glättend darauf, ein unbewusster Tick.
Der Tagesspiegel, 23.06.2002
Er begann in seiner unbewußt entschlossenen Art mit den Zähnen zu knirschen.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 69
Die I. ist diejenige psychologische Funktion, welche Wahrnehmungen auf unbewußtem Wege vermittelt.
Jung, Carl Gustav: Psychologische Typen. In: ders., Gesammelte Werke, Bd. VI, Zürich u. a.: Rascher 1967 [1921], S. 600
Als unbewußtem Pädagogen hatte er ihm überhaupt noch manches zu verdanken.
Raabe, Wilhelm: Altershausen, Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht 1968 [1911], S. 209
Zitationshilfe
„unbewusst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unbewusst>, abgerufen am 16.10.2019.

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