unendlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-end-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›unendlich‹ als Erstglied: ↗Unendlichkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

unbegrenzt, unermesslich, unabsehbar
a)
von unabsehbarem räumlichem Ausmaß
Beispiele:
die Berge lagen in unendlicher Ferne
die unendliche Weite des Meeres
der unendliche Weltraum
eine unendliche Tiefe, ein unendlicher Abgrund
dieser Weg schien (bis) ins Unendliche zu führen
Fotografie das Objekt auf Unendlich (= auf eine unbegrenzte Entfernung) einstellen
Unter uns das unendliche Häusermeer [UnruhNike40]
gehoben [der Mensch] fühlt, das Unendliche (= die Ewigkeit) wird ihn berühren [MörikeMozart3,267]
b)
Mathematik größer als jeder endliche Wert, ∞
Beispiele:
eine unendliche Größe, Zahl, Reihe
die beiden parallelen Linien schneiden sich im Unendlichen
Wird die große Halbachse dagegen unendlich ... so geht die Ellipse in eine Parabel über [Urania1960]
c)
Philosophie, Marxismus Merkmal der sich bewegenden Materie, das in der dialektischen Einheit mit dem Endlichen allen objektiv-realen Struktur-, Bewegungs- und Entwicklungsformen der Materie zukommt   in räumlicher, zeitlicher, quantitativer, qualitativer Unbegrenztheit, zugleich aber relativ sich in einer unerschöpflichen Vielzahl konkreter Erscheinungsformen äußernd
Beispiele:
die unendliche Materie
daß wir das Unendliche im Endlichen, das Ewige im Vergänglichen auffinden und feststellen ... Alle wahre Naturerkenntnis ist Erkenntnis von Ewigem, Unendlichem und daher wesentlich absolut [EngelsDialektik d. Natur249]
d)
von ungeheurem (zeitlichem) Ausmaß
Beispiele:
die Minuten erschienen uns unendlich
die Stunden wurden mir unendlich
unendliche (= zahllose) Male hatte ich es ihr gesagt
übertrieben alles Vergleichbare übersteigend, überaus groß
Beispiele:
eine unendliche Geduld haben
mit unendlicher Sorgfalt, Behutsamkeit etw. tun
es kostete ihn unendliche Mühe, dieses Ziel zu erreichen
eine unendliche Einsamkeit
adverbiell
sehr, außerordentlich
Beispiele:
etw. ist unendlich groß, weit, hoch
unendlich viele Menschen waren gekommen
unendlich müde, traurig sein
sie war unendlich froh, ihn wiederzusehen
ich habe mich unendlich über den Besuch gefreut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ende · enden · beenden · endigen · beendigen · verenden · Endung · endlich · unendlich
Ende n. ‘Ort oder Zeitpunkt des Aufhörens, Abschluß, äußerste Begrenzung’, auch ‘letztes, äußerstes Stück’, ahd. enti ‘Ende, Endpunkt, Zielpunkt’ (8. Jh.), mhd. ende ‘Ende, Ziel, Richtung’, asächs. endi, mnd. ende, mnl. e(i)nde, nl. einde, afries. enda, ende, aengl. ende, engl. end, anord. endir, daneben endi, schwed. ända, got. andeis. Germ. *andja- ‘Ende’ führt mit griech. antíos (ἀντίος) ‘gegenüberstehend, entgegengesetzt’ auf ie. *anti̯o- ‘gegenüber, vor einem liegend’, eine Ableitung von ie. *anti ‘gegenüber’ (Adv. und Präp.); vgl. aind. ánti ‘gegenüber, vor, nahe’, griech. antí (ἀντί) ‘angesichts, gegenüber, anstatt’, lat. ante ‘vorn, vor’. Dieses ie. *anti, ursprünglich ‘im Angesicht’, gehört als erstarrter Lokativ zu ie. *ants ‘Vorderseite, Stirn’ (vgl. hethit. ḫanza ‘Vorderseite, Front’), daneben mit o-Suffix ie. *anto-, worauf aind. ántaḥ m. ‘Ende, Grenze, Rand’ und air. ētan ‘Stirn’ beruhen. Die Präfixe dt. ant- (s. ↗Antlitz, ↗Antwort) und ↗ent- (s. d.) stellen sich ebenfalls zu dieser Wortgruppe. Im Dt. dringt bei Ende, das im räumlichen Sinne auch in der Mehrzahl gebräuchlich ist, seit dem 18. Jh. die schwache Pluralform Enden durch. enden Vb. ‘aufhören, einen Abschluß finden’, ahd. entōn (8. Jh.), mhd. enden ‘beenden, vollbringen, enden, sterben’ sowie gleichbed. asächs. endion, mnd. enden, mnl. e(i)nden, nl. einden, afries. enda, endia, aengl. endian, engl. to end, anord. enda; früh zum unter Ende (s. oben) dargestellten Substantiv gebildet; im Dt. in älterer Zeit überwiegend transitiv, heute nur noch intransitiv mit der Bedeutung ‘aufhören’, die bis Anfang des 19. Jhs. auch durch reflexiven Gebrauch ausgedrückt wird. Als transitives Verb ist jetzt die Präfixbildung beenden ‘zum Abschluß bringen’ (17. Jh.) üblich. Völlig bedeutungsgleich mit enden und beenden, in der Gegenwart aber zurücktretend und gewähltem Stil vorbehalten sind die jüngeren Verben endigen (15. Jh., vorher schon mnd. endegen, 13. Jh., vgl. auch nl. eindigen) und beendigen (17. Jh.), für deren Bildung auf das Adjektiv spätmhd. endec ‘zu Ende kommend, schnell, eifrig’, mnd. endich ‘endgültig, rasch’ hinzuweisen ist. Eine weitere Präfixbildung zu enden ist verenden Vb. ‘sterben’ (von Tieren), ahd. firentōn ‘beenden, vernichten, sterben’ (um 1000), mhd. verenden ‘beenden, ein Ende nehmen, sterben’, im Nhd. vom 18. Jh. an auf die heutige Verwendung eingeschränkt. Endung f. ‘Wortausgang, Endsilbe’, namentlich als Flexionszeichen, ahd. entunga ‘das Aufhören, Ende, Begriffsbestimmung’ (9. Jh.), gientunga ‘Begriffsbestimmung’ (8. Jh.), spätmhd. endunge ‘Ende, Vollendung, Austrag’; vgl. mnd. endinge, mnl. e(i)ndinge, aengl. endung, engl. ending, anord. ending ‘Ende, Beendigung’; als grammatisches Fachwort seit dem 15. Jh. endlich Adj. ‘in Raum und Zeit begrenzt’, auch ‘abschließend, am Ende kommend’, so vor allem adverbiell ‘schließlich, zuletzt’, häufig Ausdruck der Ungeduld nach langem Warten, mhd. endelich ‘am Ende kommend, endgültig, eifrig, eilig’; von den mhd. Bedeutungen gilt ‘eifrig, eilig’ (eigentlich ‘zielstrebig’) auch frühnhd. bis ins 17. Jh., ‘endgültig’ gelegentlich noch im 19. Jh.; seit dem 17. Jh. steht endlich außerdem (entsprechend vorausgehendem unendlich, s. unten) im Sinne von ‘irdisch, sterblich’, in der Mathematik etwa seit 1700 für ‘räumlich und zeitlich begrenzt’ (eine endliche Größe, Menge). unendlich Adj. ‘kein Ende habend, unbegrenzt unermeßlich’, ahd. unentilīh ‘unbegrenzt, endlos’ (9. Jh.), mhd. unendelich ‘endlos, zahllos, unvollendet, untüchtig’, diese Verwendungen leben noch im älteren Nhd.; Anfang des 16. Jhs. wird unendlich philosophischer und mathematischer Terminus; rein verstärkender adverbieller Gebrauch seit dem 18. Jh.

Thesaurus

Synonymgruppe
unbegrenzt · ↗unbeschränkt · unendlich · ↗unerschöpflich
Synonymgruppe
...marathon · Endlos... · Marathon... · ↗endlos · endlos weiter · immer weiter · nicht abreißen · nicht enden wollen · nicht enden wollend · ohne dass ein Ende abzusehen ist · ↗uferlos · ↗unaufhörlich · ↗unbeschränkt · unendlich · ↗unermesslich · ↗unmessbar · ↗unzählig · ↗überlang  ●  ↗ad infinitum  lat. · bis zum Gehtnichtmehr  ugs.
Assoziationen
  • kein Ende abzusehen · kein Ende in Sicht  ●  (eine) unendliche Geschichte  ugs. · kein Land in Sicht  ugs., fig.
  • andauernd · ↗endlos · immer wieder einmal · immer wieder mal · immer wiederkehrend · in regelmäßigen Abständen · ↗laufend · ↗turnusmäßig · wieder und wieder · ↗wiederholt · wiederholte Male · zum wiederholten Male  ●  (und) täglich grüßt das Murmeltier  Spruch · immer wieder  Hauptform · (es ist) immer wieder das Gleiche  ugs. · aber und abermals  geh., veraltet · ↗dauernd  ugs. · ein(s) ums andere Mal  ugs. · ↗ewig  ugs. · immer und ewig  ugs. · immer wieder das gleiche Spiel  ugs. · ↗ständig  ugs.
  • bis zum Überdruss  ●  ↗ad nauseam  geh., lat. · bis der Arzt kommt  ugs., fig. · bis die Haare bluten  ugs., fig. · bis es jemandem zu den Ohren wieder herauskommt  ugs. · bis jemand schwarz wird  ugs., fig. · bis zum Abwinken  ugs., fig. · bis zum Erbrechen  ugs., fig. · bis zum Gehtnichtmehr  ugs. · bis zum Tezett  ugs., veraltend · bis zum Umfallen  ugs., fig. · bis zum tz  ugs., veraltend · bis zur Vergasung  derb, fig., veraltend · ohne Ende  ugs.
  • ausgedehnt · enervierend (langsam) · ganz allmählich · geraume Zeit dauernd · ↗langatmig · lange Zeit dauernd · lange dauernd · ↗langwierig · ↗mühsam · ↗nervtötend · quälend · ↗schleppend · ↗umständlich · viel Zeit kostend · ↗weitläufig · ↗zeitraubend  ●  ↗harzig  schweiz.
  • (ein) Dauerzustand (sein) · (gar) nicht wieder aufhören (zu) · kein Ende finden · unaufhörlich weiter...
  • allzeit · ↗fortwährend · immer nur · immer und ewig · ↗immerdar · ↗immerwährend · in Zeit und Ewigkeit · ↗konstant · ↗kontinuierlich · ↗persistent · ↗stetig · ↗stets · stets und ständig · ↗ständig  ●  ↗alleweil  süddt. · ↗allweil  süddt. · ↗immer  Hauptform · ↗perpetuell  geh. · perpetuierlich  geh.
  • beständig · die ganze Zeit · die ganze Zeit über · ↗durchgehend · ↗durchgängig · ↗fortgesetzt · ↗fortlaufend · ↗fortwährend · ↗immerfort · ↗immerzu · in einem durch · in einem fort · ohne Unterbrechung · ↗pausenlos · ↗permanent · ↗unablässig · unterbrechungsfrei · ↗ununterbrochen · ↗unverwandt  ●  die ganze Zeit hindurch  Hauptform · ↗andauernd  ugs. · ↗dauernd  ugs. · ↗ständig  ugs.
  • (sich) (endlos) in die Länge ziehen · endlos dauern · jeden zeitlichen Rahmen sprengen · unerwünscht viel Zeit in Anspruch nehmen  ●  (sich) endlos hinziehen  ugs. · ↗(sich) hinschleppen  ugs. · ↗(sich) hinziehen  ugs. · ↗(sich) ziehen  ugs. · (sich) ziehen und ziehen  ugs. · ↗(sich) ziehen wie (ein) Kaugummi  ugs. · ↗dauern (gesprochene Sprache, mit langgezogenem 'au')  ugs. · dauern und dauern  ugs. · kein Ende nehmen  ugs. · später und später werden (und)  ugs.
Synonymgruppe
dauerhaft · ↗ewig · für immer · ↗immer während · ↗perpetuell · perpetuierlich · ↗unaufhörlich · unendlich  ●  ↗ewiglich  veraltet · auf ewig  geh. · in Ewigkeit  geh. · in alle Ewigkeit  geh.
Assoziationen
  • kein Ende abzusehen · kein Ende in Sicht  ●  (eine) unendliche Geschichte  ugs. · kein Land in Sicht  ugs., fig.
Synonymgruppe
unbegrenzt · unendlich · ↗unvorstellbar
Synonymgruppe
abgöttisch · aus tiefster Seele · ↗rasend · unendlich · ↗überschwänglich  ●  ↗blind  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Einsamkeit Ferne Fülle Geduld Geschichte Güte Kette Langsamkeit Leere Leid Mannigfaltigkeit Melodie Menge Mühe Qual Reichtum Trauer Traurigkeit Universum Variation Vielfalt Weite Weltall Wiederholung endlich nahezu scheinbar scheinend schier traurig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unendlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit diesen Namen ist eine unendliche Zahl von Opfern verbunden.
Die Zeit, 23.01.2012, Nr. 04
Damals wie heute schlägt er den Ball anscheinend unendlich weit.
Die Welt, 09.11.2004
Zwar nur eine halbe Stunde, aber solche dreißig Minuten die sind unendlich lang.
o. A.: Frontbericht von der Ostfront, 15.08.1944
In seinen Briefen an sie liegt unendlich viel Verständnis für die einfache Frau.
Die Landfrau, 10.10.1925
Zitationshilfe
„unendlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unendlich>, abgerufen am 23.02.2019.

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