unerfindlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-er-find-lich
eWDG, 1976

Bedeutung

gehoben unerklärlich, unverständlich
Beispiele:
aus unerfindlichen Gründen wurde die Haltestelle verlegt
es ist uns unerfindlich, dass ...
es ist mir unerfindlich, wie das geschehen konnte
was er sich dabei gedacht haben mag, bleibt unerfindlich
Warum diese Wüste verschiedene Namen hatte, war unerfindlich [Th. MannGesetz9,889]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

finden · abfinden · Abfindung · erfinden · Erfindung · Erfinder · erfinderisch · unerfindlich · Fund · Fundgrube · Findelkind · Findling · findig · spitzfindig · ausfindig · fündig
finden Vb. ‘durch Zufall, durch Suchen, durch Nachdenken auf etw. stoßen’, ahd. findan (8. Jh.), mhd. vinden, asächs. fīðan, findan, mnd. mnl. nl. vinden, aengl. findan, engl. to find, anord. schwed. finna, got. finþan. Herkunft ungewiß. Vielleicht mit griech. paté͞in (πατεῖν) ‘auf etw. treten’ und lat. pōns (Genitiv pontis) ‘Knüppelweg, Brücke’ zur Wurzel ie. *pent(h)- ‘treten, gehen, worauf treten, antreffen, finden’ (s. auch ↗fahnden). abfinden Vb. ‘Ansprüche befriedigen’, reflexiv ‘sich zufriedengeben’ (16. Jh.); zuerst (14. Jh.) in der nd. Rechtssprache belegt mit der Bedeutung ‘durch Gerichtsurteil absprechen, aberkennen’. Abfindung f. ‘Befriedigung von Ansprüchen, Entschädigung’ (16. Jh.). erfinden Vb. ‘bisher noch nicht Vorhandenes ersinnen, erschaffen’, ahd. irfindan ‘erfahren, erkennen, erfassen’ (9. Jh.), mhd. ervinden ‘ausfindig machen, bemerken, erfahren’. Erfindung f. ‘das Ersonnene, Erschaffene’ (15. Jh.). Erfinder m. ‘wer bisher nicht Vorhandenes ersinnt, erschafft’ (15. Jh.), heute besonders im technischen Bereich. erfinderisch Adj. ‘einfallsreich’ (18. Jh.). unerfindlich Adj. ‘unerklärlich’, spätmhd. unervindelich. Fund m. ‘das Finden, das Gefundene’, in der Schwundstufe des Verbs, mhd. vunt, auch bergmannssprachlich ‘neuentdeckte Lagerstätte von Erzen’, dafür auch Fundgrube f. (14. Jh.), übertragen ‘Ort, wo eine Fülle von Erkenntnissen, Belehrungen anzutreffen ist’ (Ende 15. Jh.). Ursprünglich wohl zu ablautendem Fund gebildet und nachträglich (meist im 16. Jh.) an finden angelehnt sind: Findelkind n. ‘ausgesetztes, von Fremden gefundenes Kind’, vgl. mhd. vuntkint, dann auch frühnhd. vündelkint, zu frühnhd. vündel, vindel ‘Findelkind’, Deminutivum zu vunt. Findling m. ‘Findelkind’, mhd. vundelinc; seit dem 19. Jh. auch ‘ein durch Gletscher transportierter Gesteinsblock’. findig Adj. ‘erfinderisch, schlau’, mhd. vündec, vündic ‘erfinderisch, findbar’, seit dem 16. Jh. in der Form findig, s. aber unten fündig. spitzfindig Adj. älter spitzfündig, ‘listig, überklug’ (16. Jh.), vgl. auch spitzer Fund (Luther) und Spitzfund m. (16. Jh.) ‘überklug, trügerisch Erdachtes’. ausfindig Adj. älter ausfündig, meist in festen Wendungen ausfindig machen, werden ‘bekanntmachen, bekannt werden, herausfinden, erforschen’ (15. Jh.). fündig Adj. ‘Bodenschätze aufweisend, ergiebig’, seit dem 16. Jh. bedeutungsdifferenzierend die alte Form gegenüber findig (s. oben) bewahrend.

Thesaurus

Synonymgruppe
enigmatisch · ↗geheimnisvoll · ↗rätselhaft · ↗unbegreiflich · unerfindlich · ↗unergründlich · ↗unfassbar · ↗unfasslich · ↗änigmatisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(es gibt) keine Erklärung (für) · (jemandem) ein Rätsel · ↗(jemandem) unbegreiflich · ↗(jemandem) unerklärlich · aus unbegreiflichen Gründen · keine Erklärung haben (für) · nicht nachvollziehbar · ↗schleierhaft · schwer nachzuvollziehen · ↗schwer verständlich · ↗unklar · ↗unverständlich  ●  (ein) Buch mit sieben Siegeln  fig. · (jemandem) unerfindlich  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gründen Ratschluß bisher bleibt ebenso einigermaßen schlechterdings schlechthin

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unerfindlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie er gleichwohl gegen die Folge dieses Verhaltens in zulässiger Weise klagen will, bleibt unerfindlich.
Die Zeit, 07.07.2005, Nr. 28
Die Dinge kommen zwar recht zügig aus der Küche, aber nach einem unerfindlichen Rhythmus einzeln nacheinander.
Der Tagesspiegel, 28.05.2000
Es ist mir heute noch unerfindlich, wie sie es schaffte, aus fast nichts schmackhafte Mahlzeiten zuzubereiten.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 198
Ein Mädchen, das vielleicht ein Jahr älter war als ich, nahm mich aus unerfindlichen Gründen unter ihre Fittiche.
Brussig, Thomas: Helden wie wir, Berlin: Verl. Volk und Welt 1996 [1995], S. 43
Aus welchem Grunde sie nun wiederholt in die Synagoge gegangen sein sollen, ist absolut unerfindlich.
Friedländer, Hugo: Der Brand der Neustettiner Synagoge vor den Schwurgerichten zu Köslin und Konitz. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 29028
Zitationshilfe
„unerfindlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unerfindlich>, abgerufen am 28.05.2018.

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