Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

unerfindlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung un-er-find-lich
eWDG

Bedeutung

gehoben unerklärlich, unverständlich
Beispiele:
aus unerfindlichen Gründen wurde die Haltestelle verlegt
es ist uns unerfindlich, dass …
es ist mir unerfindlich, wie das geschehen konnte
was er sich dabei gedacht haben mag, bleibt unerfindlich
Warum diese Wüste verschiedene Namen hatte, war unerfindlich [ Th. MannGesetz9,889]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

finden · abfinden · Abfindung · erfinden · Erfindung · Erfinder · erfinderisch · unerfindlich · Fund · Fundgrube · Findelkind · Findling · findig · spitzfindig · ausfindig · fündig
finden Vb. ‘durch Zufall, durch Suchen, durch Nachdenken auf etw. stoßen’, ahd. findan (8. Jh.), mhd. vinden, asächs. fīðan, findan, mnd. mnl. nl. vinden, aengl. findan, engl. to find, anord. schwed. finna, got. finþan. Herkunft ungewiß. Vielleicht mit griech. paté͞in (πατεῖν) ‘auf etw. treten’ und lat. pōns (Genitiv pontis) ‘Knüppelweg, Brücke’ zur Wurzel ie. *pent(h)- ‘treten, gehen, worauf treten, antreffen, finden’ (s. auch fahnden). abfinden Vb. ‘Ansprüche befriedigen’, reflexiv ‘sich zufriedengeben’ (16. Jh.); zuerst (14. Jh.) in der nd. Rechtssprache belegt mit der Bedeutung ‘durch Gerichtsurteil absprechen, aberkennen’. Abfindung f. ‘Befriedigung von Ansprüchen, Entschädigung’ (16. Jh.). erfinden Vb. ‘bisher noch nicht Vorhandenes ersinnen, erschaffen’, ahd. irfindan ‘erfahren, erkennen, erfassen’ (9. Jh.), mhd. ervinden ‘ausfindig machen, bemerken, erfahren’. Erfindung f. ‘das Ersonnene, Erschaffene’ (15. Jh.). Erfinder m. ‘wer bisher nicht Vorhandenes ersinnt, erschafft’ (15. Jh.), heute besonders im technischen Bereich. erfinderisch Adj. ‘einfallsreich’ (18. Jh.). unerfindlich Adj. ‘unerklärlich’, spätmhd. unervindelich. Fund m. ‘das Finden, das Gefundene’, in der Schwundstufe des Verbs, mhd. vunt, auch bergmannssprachlich ‘neuentdeckte Lagerstätte von Erzen’, dafür auch Fundgrube f. (14. Jh.), übertragen ‘Ort, wo eine Fülle von Erkenntnissen, Belehrungen anzutreffen ist’ (Ende 15. Jh.). Ursprünglich wohl zu ablautendem Fund gebildet und nachträglich (meist im 16. Jh.) an finden angelehnt sind: Findelkind n. ‘ausgesetztes, von Fremden gefundenes Kind’, vgl. mhd. vuntkint, dann auch frühnhd. vündelkint, zu frühnhd. vündel, vindel ‘Findelkind’, Deminutivum zu vunt. Findling m. ‘Findelkind’, mhd. vundelinc; seit dem 19. Jh. auch ‘ein durch Gletscher transportierter Gesteinsblock’. findig Adj. ‘erfinderisch, schlau’, mhd. vündec, vündic ‘erfinderisch, findbar’, seit dem 16. Jh. in der Form findig, s. aber unten fündig. spitzfindig Adj. älter spitzfündig, ‘listig, überklug’ (16. Jh.), vgl. auch spitzer Fund (Luther) und Spitzfund m. (16. Jh.) ‘überklug, trügerisch Erdachtes’. ausfindig Adj. älter ausfündig, meist in festen Wendungen ausfindig machen, werden ‘bekanntmachen, bekannt werden, herausfinden, erforschen’ (15. Jh.). fündig Adj. ‘Bodenschätze aufweisend, ergiebig’, seit dem 16. Jh. bedeutungsdifferenzierend die alte Form gegenüber findig (s. oben) bewahrend.

Thesaurus

Synonymgruppe
geheimnisvoll · rätselhaft · unbegreiflich · unerfindlich · unergründlich · unfassbar · unfasslich  ●  enigmatisch  geh. · änigmatisch  geh.
Synonymgruppe
(jemandem) ein Rätsel · (jemandem) schleierhaft · (jemandem) unbegreiflich · (jemandem) unerklärlich · nicht nachvollziehbar · schwer nachzuvollziehen · schwer verständlich · unklar · unverständlich  ●  (ein) Buch mit sieben Siegeln (für jemanden)  fig. · (jemandem) unerfindlich  geh.
Assoziationen
  • diffus · konturlos · nebelhaft · nebulös · nicht deutlich zu erkennen · nicht klar zu erkennen · schemenhaft · schleierhaft · undeutlich · unklar · vage · verschwommen
  • ein Rätsel · im Dunkeln · mysteriös · rätselhaft · schleierhaft · unklar · verborgen  ●  (jemandes) Geheimnis  fig.
  • außergewöhnlich · eigenartig · eigentümlich · komisch · merkwürdig · obskur · sonderbar · ungewöhnlich · wunderlich  ●  seltsam (unerklärlich)  Hauptform · (ein) eigen Ding  geh., veraltend · ominös  geh.
  • ironischerweise · komischerweise · kurioserweise · merkwürdigerweise · paradoxerweise · seltsamerweise  ●  was (ja schon) ziemlich seltsam ist  variabel · seltsam genug (Einschub)  geh., Anglizismus
  • (ich) weiß nicht · keine Ahnung (haben) · nicht die leiseste Ahnung haben · nicht wissen, wovon jemand spricht · von nichts wissen  ●  Da fragst du den Falschen.  ugs., Spruch · Frag mich (mal) was Leichteres.  ugs., Spruch · Frag mich mal was Schweres!  ugs., Spruch · Ich nix wissen, ich andere Baustelle.  ugs. · Kein Plan.  ugs., jugendsprachlich · Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.  ugs., Spruch · keinen Plan (haben)  ugs. · keinen Plan haben (von)  ugs., salopp · keinen blassen Dunst (haben)  ugs. · keinen blassen Schimmer (haben)  ugs. · von nix wissen  ugs.
  • frag mich nicht  ugs. · gute Frage!  ugs., ironisch · keine Ahnung  ugs., salopp · was weiß ich denn!  ugs. · weiß der Geier  ugs. · weiß der Henker  ugs. · weiß der Kuckuck  ugs., Hauptform · weiß der Schinder  ugs. · weiß der Teufel  ugs. · wer weiß  ugs. · wer weiß das schon  ugs.
  • abgründig · entrückt · geheimnisvoll · unbegreiflich · unerforschbar · unerforschlich · unergründlich · unerkundbar · unzugänglich
  • (etwas) nicht begreifen · (etwas) nicht einsehen · (etwas) nicht verstehen  ●  (etwas) geht (jemandem) nicht in den Kopf  ugs. · (etwas) nicht in den Kopf kriegen  ugs. · (sich jemandem) nicht erschließen  geh. · (sich) keinen Reim auf etwas machen können  ugs. · (sich) keinen Vers auf etwas machen können  ugs.
  • (schön) dumm dastehen  ●  verständnislos sein  Hauptform · (dastehen / aussehen) wie eine Kuh wenn's donnert  ugs. · dastehen wie (der / ein) Ochs(e) vorm neuen Tor  ugs. · dastehen wie Pik Sieben  ugs. · dastehen wie der Ochs vorm Berg  ugs. · dastehen wie der Ochs(e) vorm Scheunentor  ugs.
  • dunkel · nicht zu entschlüsseln · schwer auszudeuten · schwer deutbar · unverständlich · verdeckt · verdunkelt  ●  hermetisch  geh. · kryptisch  geh. · unergründlich  geh.

Typische Verbindungen zu ›unerfindlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unerfindlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›unerfindlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie er gleichwohl gegen die Folge dieses Verhaltens in zulässiger Weise klagen will, bleibt unerfindlich. [Die Zeit, 07.07.2005, Nr. 28]
Wie sich die beiden dreißig Jahre lang ausgehalten haben, bleibt unerfindlich. [Die Zeit, 02.07.2003, Nr. 27]
Warum noch eine vierte europäische Macht dazukommen soll, bleibt unerfindlich. [Die Zeit, 07.07.2005, Nr. 28]
Die Dinge kommen zwar recht zügig aus der Küche, aber nach einem unerfindlichen Rhythmus einzeln nacheinander. [Der Tagesspiegel, 28.05.2000]
Es ist mir heute noch unerfindlich, wie sie es schaffte, aus fast nichts schmackhafte Mahlzeiten zuzubereiten. [Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 198]
Zitationshilfe
„unerfindlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unerfindlich>.

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