unerhört

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung un-er-hört
Wortbildung  mit ›unerhört‹ als Grundform: Unerhörte · Unerhörtheit
eWDG

Bedeutungen

1.
abwertend empörend, schändlich, unverschämt
Beispiele:
das ist eine unerhörte Frechheit, Dreistigkeit, Gemeinheit, Beleidigung!
ein unerhörtes Ansinnen
sich unerhört aufführen
dein Verhalten ist geradezu, einfach unerhört!
das ist ja unerhört!
2.
noch nie dagewesen, einmalig in seiner Besonderheit
Beispiele:
eine unerhörte Begebenheit
Er … wittert überall, wo er auch anpackt, Geheimnis und unerhörtes Wunder [ JensMann80]
Etwas Neues und Unerhörtes war geschehen [ WeismantelRiemenschneider232]
3.
übertrieben ungeheuer, gewaltig, groß, unglaublich
Beispiele:
eine unerhörte Menge, Summe
er hat unerhörtes Glück gehabt
eine unerhörte Leistung
ein Fest mit unerhörter Pracht, mit unerhörtem Aufwand feiern
eine unerhörte Steigerung der Produktion
[der Komponist] der für den einen Abend das unerhörte Honorar von sechstausend Dollar erhielt [ Kellerm.Tunnel7]
sehr
Grammatik: adverbiell
Beispiele:
das ganze ist unerhört einfach
er hatte unerhört offen und kühn gesprochen
der Vortrag war unerhört spannend, unerhört interessant
er hat unerhört viel geleistet
4.
veraltend nicht erhört, nicht erfüllt
Schreibung: unerhört
Beispiel:
eine unerhörte Bitte
Grammatik: oft mit »bleiben«
Beispiele:
ihre Wünsche blieben unerhört
seine Liebe blieb unerhört (= unerwidert)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hören · Hörer · hörig · Hörigkeit · aufhören · erhören · unerhört · Gehör · verhören · Verhör · Hörensagen
hören Vb. ‘mit dem Ohr wahrnehmen, vernehmen’, ahd. hōren (8. Jh.), mhd. hœren, asächs. hōrian, mnd. hȫren, mnl. hōren, nl. horen, aengl. (angl.) hēran, (westsächs.) hīeran, engl. to hear, anord. heyra, schwed. höra, got. hausjan. Das zu erschließende germ. jan-Verb für unwillkürliches Wahrnehmen mit dem Ohr, das später auch Bedeutungen wie ‘absichtlich vernehmen’ und weiter ‘gehorchen’ annimmt (vgl. wer nicht hören will, muß fühlen und s. gehorsam), führt mit russ. (landschaftlich) čúchat’ (чухать) ‘wahrnehmen, riechen, schmecken’ und wohl auch mit (nicht eindeutig geklärtem) griech. akū́ein (ὀκούειν) ‘hören, gehorchen’ auf ie. *keus-, *kūs-, eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *kē̌u- ‘worauf achten, beobachten, schauen’, auch ‘hören, fühlen, merken’, wozu (mit anlautendem s-) schauen und schön (s. d.) sowie auch aind. kavíḥ ‘klug, weise, Seher, Weiser, Dichter’, griech. koé͞in (κοεῖν) ‘bemerken, vernehmen, hören’, lat. cavēre ‘sich in acht nehmen, sich vorsehen’, lett. kavēt ‘zaudern, zögern’, aslaw. čuti ‘empfinden, erkennen’, russ. (älter) čut’ (чуть) ‘empfinden, fühlen, wittern, wahrnehmen’ gehören. Hörer m. ‘Zuhörer’, mhd. hœrære, hœrer. hörig Adj. ‘sich dem Willen eines anderen unterwerfend, triebhaft, sexuell abhängig’, älter (zuerst mnd., 14. Jh.) ‘abhängig vom Feudalherrn, an die Scholle gebunden, unfrei’, mhd. hœrec ‘auf einen anderen hörend, folgsam’, mnd. hȫrich ‘gehorsam, ergeben, zugehörig, an die Scholle gebunden’; dazu Hörigkeit f. (18. Jh.), mnd. hȫrichēt. aufhören Vb. ‘ablassen, nicht länger andauern, aufmerksam hinhören (aus aktuellem Anlaß)’, mhd. ūfhœren ‘ab-, unterlassen’. erhören Vb. ‘anhörend erfüllen, Erbetenes gewähren’, ahd. irhōren ‘hören’ (11. Jh.), mhd. erhœren ‘hören, hörend wahrnehmen, erfüllen’. unerhört Part.adj. ‘nicht erhört, nicht gebilligt, erstaunlich, empörend’, spätmhd. unerhōrt, eigentlich ‘nie gehört, beispiellos’. Gehör n. ‘das Hören, Hörsinn’, mhd. gehœre; vgl. häufigeres mhd. gehœrde, ahd. gihōrida (9. Jh.). verhören Vb. ‘eingehend befragen und anhören’, mhd. verhœren ‘hören, anhören, vernehmen, prüfen, erhören, überhören’, auch etw., sich verhören ‘falsch hören’ (17. Jh.); Verhör n. ‘eindringliche Befragung’, spätmhd. verhœr(e). Hörensagen n. heute meist in der präpositionalen Fügung vom Hörensagen (älter auch auf, durchs Hörensagen) ‘aus Erzählungen anderer’, mhd. hœrsagen (14. Jh.), frühnhd. hör(en)sagen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) starkes Stück · (eine) Frechheit · (eine) Unverschämtheit · (etwas) spottet jeder Beschreibung · dreist · haarsträubend · hanebüchen · jeder Beschreibung spotten · skandalträchtig · unerhört · unglaublich · unsäglich · unverschämt  ●  hagebüchen  veraltet · nichts für schwache Nerven  übertreibend · (da) bleibt einem die Spucke weg  ugs., fig. · (da) hört sich doch alles auf!  ugs. · (das ist) der Gipfel der Unverschämtheit  ugs. · (das) schlägt dem Fass den Boden aus!  ugs. · (das) schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht  ugs., scherzhaft-ironisch, salopp · (das) setzt dem ganzen die Krone auf!  ugs. · (dazu) fällt einem nichts mehr ein  ugs. · (ein) dicker Hund  ugs., fig. · (eine) Zumutung!  ugs. · (etwas) geht auf keine Kuhhaut  ugs. · Ist das (noch) zu fassen!?  ugs. · also so etwas!  ugs. · bodenlos  ugs. · das Allerletzte  ugs. · das Letzte  ugs. · das ist (ja wohl) die Höhe!  ugs. · heftig!  ugs. · ja gibt's denn sowas!?  ugs. · kaum zu fassen  ugs. · man fasst es nicht!  ugs. · nicht zu fassen  ugs., Hauptform · unmöglich  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
empörend · himmelsschreiend · schreiend (Ungerechtigkeit) · schwer erträglich · skandalös · unerhört · unerträglich · unfassbar · ungeheuerlich  ●  es fehlen einem die Worte  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›unerhört‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unerhört‹.

Verwendungsbeispiele für ›unerhört‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber wenn sie etwas sagte, klang es in meinen Ohren unerhört echt. [Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 365]
Es waren unerhörte Theorien und sie lösten sich fast unbewußt von seinem Munde. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 351]
Innerhalb ihres Betriebes gelang es ihnen, die Arbeit unerhört zu beschleunigen. [Wochenpost, 29.08.1965]
Die Musik hat eine unerhörte Höhe erreicht; es ist kaum zu verstehen, wie sie dazu gelangt ist. [Pfannkuch, Wilhelm u. Blume, Friedrich: Renaissance. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 44631]
Der Adel hat von der neuen Kunst lange nichts wissen wollen – im Epos ist es unerhört, daß ein Held schreiben könnte. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. III. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 10796]
Zitationshilfe
„unerhört“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unerh%C3%B6rt>.

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