unfasslich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung un-fass-lich
Ungültige Schreibung unfaßlich
Rechtschreibregeln § 2
eWDG, 1976

Bedeutung

unfassbar
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fassen · faßlich · faßbar · unfaßlich · unfaßbar · gefaßt · Fassung · fassungslos · abfassen · befassen · erfassen · einfassen · Einfassung · umfassen · umfassend
fassen Vb. ‘(mit der Hand) ergreifen, in Gewahrsam nehmen, enthalten, eine Fassung, Umrahmung geben, sich innerlich zu eigen machen, begreifen’, reflexiv ‘die Selbstbeherrschung (wieder)erlangen’, ahd. faʒʒōn ‘in ein Gefäß füllen, gießen, beladen, bepacken, mit etw. bekleiden’ (9./10. Jh.), mhd. vaʒʒen ‘ergreifen, zusammenpacken, aufladen, überziehen mit etw., rüsten, kleiden, schmücken’, mnd. mnl. vāten, vatten, nl. vatten, anord. fata ‘lose zusamenfügen’ ist wohl zu einem in ahd. faʒʒa ‘Bündel, Bürde, Gepäck, Last’ (um 800), anord. fata ‘Kanne, Bütte’ belegten Substantiv gebildet und gehört daher etymologisch zu ↗Faß (s. d.); vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 12. Ausgangsbedeutung ist ‘(in ein Gefäß) füllen, umhüllen, bekleiden’, die in den heute vielfältigen Verwendungsweisen sowie in den meisten Ableitungen und Komposita noch erkennbar ist. faßlich Adj. (17. Jh.), faßbar Adj. (19. Jh.) ‘gut verständlich, einprägsam, konkret’; unfaßlich Adj. (16. Jh.), unfaßbar Adj. (17. Jh.) ‘das geistige Fassungsvermögen übersteigend, absurd’; gefaßt Part.adj. ‘innerlich gerüstet, beherrscht, gelassen’ (16. Jh.). Fassung f. ‘Umrahmung, Vorlage, Version, Selbstbeherrschung’, ahd. faʒʒunga ‘Last, Ladung’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vaʒʒunge ‘Faß, Bekleidung, Schmuck’; fassungslos Adj. ‘bestürzt, außer sich’ (19. Jh.). abfassen Vb. ‘in Schriftform bringen, konzipieren’ (17. Jh.), ‘abfangen, festnehmen’ (19. Jh.). befassen Vb. mhd. bevaʒʒen ‘besetzen, befestigen’, später (bis zum 17. Jh.) ‘mit den Händen begreifen, umfassen, einschließen, erfassen’, heute meist reflexiv sich mit etw. befassen ‘beschäftigen’ (18. Jh.). erfassen Vb. ‘ergreifen, begreifen, registrieren’ (17. Jh.). einfassen Vb. ‘umgeben, umschließen, einfüllen’, mhd. īnvaʒʒen; Einfassung f. ‘Einrahmung’ (16. Jh.). umfassen Vb. ‘(mit den Armen) umfangen, einschließen’ (15. Jh.); umfassend Adj. ‘weitreichend, universal’ (18. Jh.). Ferner s. ↗verfassen.

Thesaurus

Synonymgruppe
enigmatisch · ↗geheimnisvoll · ↗rätselhaft · ↗unbegreiflich · ↗unerfindlich · ↗unergründlich · ↗unfassbar · unfasslich · ↗änigmatisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(das) kannst du dir nicht vorstellen · nicht zu fassen · nicht zu glauben · ↗unfassbar · unfasslich · ↗unglaublich  ●  nein so etwas!  ugs.
Assoziationen
  • nicht auszudenken sein  ●  ich will nicht wissen, was (+ Konjunktiv ...)  floskelhaft · man mag (es) sich (gar) nicht vorstellen  variabel
  • (die) menschliche Vorstellungskraft übersteigen · (etwas) kann man sich nicht vorstellen · außerhalb des (menschlichen) Vorstellungsvermögens liegen · kaum vorstellbar (sein)
  • ob du es (nun) glaubst oder nicht  ugs. · und siehe  geh., ironisch, biblisch · und siehe da  ugs. · und soll ich dir was sagen  ugs.
  • (einer Sache) misstrauen · Zweifel hegen · ↗anzweifeln · ↗beargwöhnen · ↗bezweifeln · ↗in Frage stellen · in Zweifel ziehen · ↗infrage stellen · kaum glauben können (was man sieht) · kaum glauben können (was man zu hören bekommt) · nicht glauben (wollen) · skeptisch sein · ↗zweifeln (an)  ●  (jemandem etwas) nicht abnehmen  ugs. · ins Reich der Fabeln verweisen  geh. · ↗nicht (so) recht glauben (wollen)  ugs.
  • Mirakel · ↗Wunder · ↗Wunderding(e) · ↗Zeichen
  • du wirst es kaum für möglich halten · du wirst es kaum glauben · man glaubt es kaum · ob du es glaubst oder nicht · so unglaublich es auch klingt  ●  du machst dir (ja) keine Vorstellung!  ugs. · tataa!  ugs. · und jetzt halt dich fest: ...  ugs.
  • empörend · himmelsschreiend · ↗schreiend (Ungerechtigkeit) · schwer erträglich · ↗skandalös · ↗unerhört · ↗unerträglich · ↗unfassbar · ↗ungeheuerlich  ●  es fehlen einem die Worte  ugs.
  • und zwar richtig!  ●  aber hallo!  ugs. · aber sowas von!  ugs.
  • ich glaub' es nicht! · man glaubt es nicht!  ●  (ach du) heiliger Bimbam!  ugs. · (ach du) heiliger Strohsack!  ugs. · (ach) du lieber Himmel!  ugs. · (es ist) nicht zu fassen!  ugs. · (es ist) nicht zu glauben!  ugs. · (na) sieh mal einer guck!  ugs. · (nein) sag bloß!  ugs. · Ach Gott!  ugs. · Ach Gottchen!  ugs. · Ach du Scheiße!  derb · Ach du dickes Ei!  ugs. · Ach du liebes Herrgöttle!  ugs. · Ach du liebes Lieschen!  ugs. · Ach du liebes bisschen!  ugs. · Ach du meine Nase!  ugs., ostdeutsch, Kindersprache · Ach herrjemine!  ugs. · Ach, du Schreck!  ugs. · Das haut einen glatt vom Stuhl  ugs. · Jetzt schau sich das einer an!  ugs. · ↗Mensch (+ Name)  ugs. · Oh Gott!  ugs. · Oh Gottogott!  ugs. · Schockschwerenot!  ugs., veraltet · Schreck lass nach!  ugs. · Teufel auch!  ugs., variabel · Wahnsinn!  ugs. · ach du grüne Neune!  ugs. · ach du lieber Gott!  ugs. · ach herrje!  ugs. · ach was!  ugs. · auch das noch  ugs. · da legst di nieda!  ugs., bair. · da schau her!  ugs. · das darf (doch) nicht wahr sein!  ugs. · das hat (mir) gerade noch gefehlt  ugs. · heilig's Blechle!  ugs., schwäbisch · ich glaub' ich steh im Wald!  ugs. · ich glaub' mein Schwein pfeift!  ugs. · ich krieg' zu viel!  ugs. · ich werd' nicht mehr!  ugs. · ist nicht wahr!  ugs. · mein lieber Mann!  ugs. · meine Herren!  ugs. · nein, so etwas!  ugs. · nein, so was!  ugs. · nein, sowas!  ugs. · oh je!  ugs. · oh jemine!  ugs., veraltet · oh là là  ugs., franz. · unglaublich!  ugs., Hauptform

Typische Verbindungen zu ›unfasslich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unfaßlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›unfasslich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was er trotzdem manchmal erzählt hat, ist in der Tat unfasslich.
Die Welt, 07.02.2003
Ich glaube, viel treffender kann man die unfassliche Geschichte, die Sie in den vergangenen zwölf Monaten erlebt haben, nicht fassen.
Süddeutsche Zeitung, 24.12.2002
Es schien ihm noch unfaßlich, daß abseits von aller Politik einer aus Wien kam, um von seinem Regiment zu lernen.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 372
Das aber ist es eben, was dem präkapitalistischen Menschen so unfaßlich und rätselhaft, so schmutzig und verächtlich erscheint.
Weber, Max: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I, Tübingen: Mohr 1920 [1920], S. 48
Man hörte von einer schier unfaßlichen Promillezahl und einem dreimal lebenslang gesperrten Führerschein.
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 52
Zitationshilfe
„unfasslich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unfasslich>, abgerufen am 25.09.2020.

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