unfassbar
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-fass-bar (computergeneriert)
Wortzerlegungun-fassbar
Ungültige Schreibungunfaßbar, s. Regelwerk: § 2
eWDG, 1976

Bedeutung

das Vorstellungsvermögen übersteigend, so beschaffen, dass man glaubt, es nicht fassen, begreifen zu können
a)
Beispiele:
ein unfassbares Wunder
der Tod des Freundes war ihm unfassbar
das unfaßbare Weltall [TralowKepler281]
der Gedanke an eine Revolution gegen das Bismarcksche Preußen war ihm unfaßbar (= unbegreiflich) [BebelAus meinem Leben120]
b)
unverständlich, nicht nachvollziehbar
Beispiel:
es ist mir unfassbar, wie er das hat tun können
c)
alles Vergleichbare übersteigend, unvorstellbar
Beispiele:
ein unfassbares Glück
eine unfassbare (= erschreckende) Grausamkeit
eine unfassbare Armut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fassen · faßlich · faßbar · unfaßlich · unfaßbar · gefaßt · Fassung · fassungslos · abfassen · befassen · erfassen · einfassen · Einfassung · umfassen · umfassend
fassen Vb. ‘(mit der Hand) ergreifen, in Gewahrsam nehmen, enthalten, eine Fassung, Umrahmung geben, sich innerlich zu eigen machen, begreifen’, refl. ‘die Selbstbeherrschung (wieder)erlangen’, ahd. faʒʒōn ‘in ein Gefäß füllen, gießen, beladen, bepacken, mit etw. bekleiden’ (9./10. Jh.), mhd. vaʒʒen ‘ergreifen, zusammenpacken, aufladen, überziehen mit etw., rüsten, kleiden, schmücken’, mnd. mnl. vāten, vatten, nl. vatten, anord. fata ‘lose zusamenfügen’ ist wohl zu einem in ahd. faʒʒa ‘Bündel, Bürde, Gepäck, Last’ (um 800), anord. fata ‘Kanne, Bütte’ belegten Substantiv gebildet und gehört daher etymologisch zu ↗Faß (s. d.); vgl. Wissmann Nomina postverbalia 1 (1932) 12. Ausgangsbedeutung ist ‘(in ein Gefäß) füllen, umhüllen, bekleiden’, die in den heute vielfältigen Verwendungsweisen sowie in den meisten Ableitungen und Komposita noch erkennbar ist. faßlich Adj. (17. Jh.), faßbar Adj. (19. Jh.) ‘gut verständlich, einprägsam, konkret’; unfaßlich Adj. (16. Jh.), unfaßbar Adj. (17. Jh.) ‘das geistige Fassungsvermögen übersteigend, absurd’; gefaßt Part.adj. ‘innerlich gerüstet, beherrscht, gelassen’ (16. Jh.). Fassung f. ‘Umrahmung, Vorlage, Version, Selbstbeherrschung’, ahd. faʒʒunga ‘Last, Ladung’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vaʒʒunge ‘Faß, Bekleidung, Schmuck’; fassungslos Adj. ‘bestürzt, außer sich’ (19. Jh.). abfassen Vb. ‘in Schriftform bringen, konzipieren’ (17. Jh.), ‘abfangen, festnehmen’ (19. Jh.). befassen Vb. mhd. bevaʒʒen ‘besetzen, befestigen’, später (bis zum 17. Jh.) ‘mit den Händen begreifen, umfassen, einschließen, erfassen’, heute meist refl. sich mit etw. befassen ‘beschäftigen’ (18. Jh.). erfassen Vb. ‘ergreifen, begreifen, registrieren’ (17. Jh.). einfassen Vb. ‘umgeben, umschließen, einfüllen’, mhd. īnvaʒʒen; Einfassung f. ‘Einrahmung’ (16. Jh.). umfassen Vb. ‘(mit den Armen) umfangen, einschließen’ (15. Jh.); umfassend Adj. ‘weitreichend, universal’ (18. Jh.). Ferner s. ↗verfassen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
elfenhaft · ↗engelhaft · ↗feenhaft · ↗imaginär · ↗immateriell · ↗körperlos · nicht fassbar · nicht greifbar · ↗unkörperlich · ↗unstofflich · vergeistigt  ●  ↗ätherisch  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) starkes Stück · ↗(eine) Frechheit · ↗(eine) Unverschämtheit · ↗dreist · ↗haarsträubend · hagebüchen · ↗hanebüchen · ↗himmelschreiend · jeder Beschreibung spotten · ↗skandalträchtig · ↗skandalös · ↗unerhört · ↗ungeheuerlich · ↗unglaublich · ↗unsäglich · ↗unverschämt  ●  ↗empörend  Hauptform · (da) bleibt einem die Spucke weg  ugs., fig. · (da) hört sich doch alles auf!  ugs. · (das ist) der Gipfel der Unverschämtheit  ugs. · (das) schlägt dem Fass den Boden aus!  ugs. · (das) schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht  ugs., scherzhaft-ironisch, salopp · (das) setzt dem ganzen die Krone auf!  ugs. · (dazu) fällt einem nichts mehr ein  ugs. · (ein) dicker Hund  ugs., fig. · (eine) Zumutung!  ugs. · (etwas) geht auf keine Kuhhaut  ugs. · also so etwas!  ugs. · ↗bodenlos  ugs. · das Allerletzte  ugs. · das Letzte  ugs. · das ist (ja wohl) die Höhe!  ugs. · heftig!  ugs. · ja gibt's denn sowas!?  ugs. · kaum zu fassen  ugs. · man fasst es nicht!  ugs. · nicht zu fassen  ugs. · ↗unmöglich  ugs.
Assoziationen
  • geschmacklos · ↗niveaulos · ↗pietätlos · ↗pöbelhaft · ↗stillos · ↗taktlos · ↗unangebracht · ↗unfein · ↗wüst  ●  ↗platt  fig. · ↗proletenhaft  derb · unterste Schublade  ugs., fig.
  • tatsächlich? · wirklich?  ●  ↗(ja) allerhand  ugs., ironisierend · (jetzt) mach keine Sachen!  ugs. · ach was!  ugs. · du ahnst es nicht!  ugs. · nein sowas!  ugs. · sag bloß!  ugs. · ↗soso  ugs. · sowas aber auch!  ugs., ironisierend · stell dir vor!  ugs. · was Sie nicht sagen!  ugs. · was du nicht sagst!  ugs.
  • Affäre · ↗Aufsehen · ↗Schande · ↗Skandal
  • ausgeschlossen · diskussionsunwürdig · geht zu weit · ↗inakzeptabel · ↗indiskutabel · ↗intolerabel · keiner Diskussion würdig · nicht haltbar · nicht hinnehmbar · nicht hinzunehmen · nicht tragbar · niemandem zuzumuten · ↗tadelnswert · ↗unannehmbar · ↗unhaltbar · ↗untragbar · ↗unvertretbar · ↗unzumutbar  ●  nicht akzeptabel  Hauptform
  • also hören Sie mal!  ugs. · entschuldige mal!  ugs. · entschuldigen Sie mal!  ugs. · ich bitte Sie!  ugs. · ich bitte dich!  ugs. · ich darf doch sehr bitten!  ugs. · ich muss doch sehr bitten!  ugs. · sagen Sie mal!  ugs.
  • Erlauben Sie mal!  ugs. · Was erlauben Sie sich!?  ugs. · Was fällt Ihnen ein!  ugs. · Wie kann man nur!  ugs. · Wie käm ich (denn) dazu?!  ugs. · Wo sind wir denn (hier)!?  ugs.
  • (schon) nicht mehr feierlich · (schon) nicht mehr schön · darf eigentlich nicht sein · kaum mit anzusehen  ●  schwer erträglich  geh. · so langsam reicht es (wirklich)  ugs.
  • anmaßend · ↗dreist · ↗flapsig · ↗respektlos · ↗rücksichtslos · ↗salopp · schlecht erzogen · ↗unangemessen · ↗unanständig · ↗unartig · ↗unflätig · ↗ungebührend · ↗ungebührlich · ↗ungehobelt · ↗ungehörig · ↗ungeschliffen · ↗ungesittet · ↗ungezogen · ↗unhöflich · ↗unmanierlich · ↗unverfroren · ↗unverschämt  ●  ↗frech  Hauptform · ↗präpotent  österr. · ↗dreibastig  ugs., regional · einen Ton am Leib (haben)!  ugs. · frech wie Dreck  ugs. · ↗impertinent  geh. · ↗kodderig  ugs. · ↗koddrig  ugs. · kotzbrockig  derb · ↗nassforsch  ugs. · ↗nickelig  ugs. · ↗pampig  ugs. · ↗patzig  ugs. · ↗rotzfrech  ugs. · ↗rotzig  ugs. · ↗rotznäsig  ugs. · ↗schnodderig  ugs. · ↗unbotmäßig  geh.
  • (das ist ja) (ein) dolles Ding  ugs. · (ja) ist denn das die Möglichkeit!?  ugs. · Ist nicht wahr!  ugs., salopp, Spruch · Jetzt wird (aber) der Hund in der Pfanne verrückt!  ugs., Spruch, variabel · Mich laust der Affe!  ugs., Spruch · das darf nicht wahr sein!  ugs. · das gibt's doch nicht!  ugs. · das kann doch einfach nicht wahr sein!  ugs. · das kann doch wohl nicht wahr sein!  ugs. · du glaubst es nicht!  ugs. · du kriegst die Motten!  ugs., Spruch · ich fress 'en Besen!  ugs., Spruch · ich glaub ich werd zum Elch  ugs., Spruch · ich glaub, es geht los!  ugs., Spruch · ich glaub, ich steh im Wald!  ugs., Spruch · ich glaub, mich holn'se ab!  ugs. · ich krieg die Motten!  ugs., Spruch · ich werd' verrückt!  ugs. · ich werd' zum Elch!  ugs., Spruch · ja isset denn möglich!?  ugs. · jetzt brat mir (aber) einer einen Storch!  ugs., Spruch · jetzt brat mir einer 'en Storch  ugs., veraltet · man glaubt es nicht!  ugs. · wie (...) ist das denn!?  ugs., jugendsprachlich · wie isset denn möglich?!  ugs.
  • Dreistigkeit · ↗Keckheit · ↗Unverfrorenheit · ↗Unverschämtheit · ↗Zumutung · harter Tobak · starker Tobak
  • Fehlverhalten · ↗Flegelhaftigkeit(en) · ↗Ungezogenheit(en) · schlechtes Betragen · unzivilisiertes Benehmen · unzivilisiertes Verhalten  ●  schlechtes Benehmen  Hauptform · (ein) Benehmen wie eine offene Hose  ugs. · ↗Ungebührlichkeit(en)  geh. · ↗Ungehörigkeit(en)  geh. · kein Benehmen  ugs. · keine Art (und Weise)!  ugs.
Synonymgruppe
(das) kannst du dir nicht vorstellen · nicht zu fassen · nicht zu glauben · ↗unfasslich · ↗unglaublich  ●  nein so etwas!  ugs.
Assoziationen
  • nicht auszudenken sein  ●  man mag (es) sich (gar) nicht vorstellen  variabel
  • (die) menschliche Vorstellungskraft übersteigen · (etwas) kann man sich nicht vorstellen · außerhalb des (menschlichen) Vorstellungsvermögens liegen · kaum vorstellbar (sein)
  • ob du es (nun) glaubst oder nicht  ugs. · und siehe  geh., ironisch, biblisch · und siehe da  ugs. · und soll ich dir was sagen  ugs.
  • (einer Sache) misstrauen · Zweifel hegen · ↗anzweifeln · ↗beargwöhnen · ↗bezweifeln · ↗in Frage stellen · in Zweifel ziehen · ↗infrage stellen · kaum glauben können (was man sieht) · kaum glauben können (was man zu hören bekommt) · nicht glauben (wollen) · skeptisch sein · ↗zweifeln (an)  ●  (jemandem etwas) nicht abnehmen  ugs. · ins Reich der Fabeln verweisen  geh. · nicht (so) recht glauben (wollen)  ugs.
  • Mirakel · ↗Wunder · ↗Wunderding(e) · ↗Zeichen
  • du wirst es kaum für möglich halten · du wirst es kaum glauben · man glaubt es kaum · ob du es glaubst oder nicht · so unglaublich es auch klingt  ●  du machst dir (ja) keine Vorstellung!  ugs. · tataa!  ugs. · und jetzt halt dich fest: ...  ugs.
Ökonomie
Synonymgruppe
immateriell · intangibel · ↗ungreifbar
Synonymgruppe
ausgemacht · ↗beispiellos · ↗haarsträubend · hagebüchen · ↗hanebüchen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausmaß Bluttat Brutalität Elend Entgleisungen Geschehen Geschehnisse Gleichgültigkeit Grauen Grausamkeit Greueltaten Kaltblütigkeit Komplexität Leid Leidensgeschichte Schlamperei Tat Tragödie Unglück Verbrechen Weite beinahe empörend geradezu grausamen nahezu scheinenden schier unbegreiflich ungeheuerliche

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unfassbar‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es hat geklappt, sie haben einen Tisch ergattert, wenige Tage vor Weihnachten, unfassbar.
Süddeutsche Zeitung, 20.12.1999
Es fallen zwar immer wieder Namen, doch die sind unkonkret, unfaßbar.
Der Tagesspiegel, 05.11.1997
Ihre fortzeugende Kraft beziehen sie gerade aus dem unfaßbaren Rest.
Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 174
Was verbindet ihn eigentlich so unfaßbar mit dieser kranken Frau?
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 306
Unfaßbar schien es mir beinahe, daß ich auch einmal so weit gelangen könnte.
Schnitzler, Arthur: Jugend in Wien, Eine Autobiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1918], S. 40070
Zitationshilfe
„unfassbar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unfassbar>, abgerufen am 20.09.2017.

Weitere Informationen …