unfehlbar

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-fehl-bar
Wortzerlegungun-fehlbar
Wortbildung mit ›unfehlbar‹ als Erstglied: ↗Unfehlbarkeit
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
sich niemals irrend und keinen Fehler begehend, keinem Irrtum, Fehler unterworfen
Beispiele:
kein Mensch ist unfehlbar
er hält sich für unfehlbar
untrüglich, zuverlässig, sicher
Beispiele:
einen unfehlbaren Instinkt, Geruchssinn, Geschmack besitzen
[das absolute Gehör] erweist sich, bei kompliziertesten Versuchen, als unfehlbar [Th. Mann11,761]
2.
adverbiell
unweigerlich, ganz gewiss
Beispiele:
wenn er dort weitergeht, wird er unfehlbar abstürzen
die Katastrophe kommt unfehlbar
Unfehlbar wäre er dem Arzt an die Kehle gefahren, hätte dieser es gewagt, ihm näher zu treten [WerfelJeremias372]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fehlen · Fehl · fehl · Fehltritt · Fehlschluß · Fehlgeburt · Fehlanzeige · fehlbar · unfehlbar · Fehler · verfehlen · Verfehlung
fehlen Vb. ‘abwesend, nicht vorhanden sein, einen Irrtum, ein Unrecht begehen’, Aus afrz. falir, faillir ‘verfehlen, im Stich lassen, versagen, fehlschlagen, sich irren’ (frz. faillir ‘einen Fehler begehen, sich irren, versagen’), dann auch ‘jmdm. entgehen, mangeln, nötig sein’ (oft unpersönlich afrz. frz. il faut ‘es ist nötig’), das über vlat. *fallīre auf lat. fallere ‘betrügen, täuschen, irreführen’ zurückgeht, wird mhd. vælen, vēlen ‘verfehlen, nicht treffen’ entlehnt, daneben gleichbed. mhd. failieren, fālieren, fallieren mit stärkerer Bewahrung der fremden Form (zu unterscheiden von nhd. fallieren ‘Bankrott machen’, Übernahme des 16. Jhs. von gleichbed. ital. fallire, im 16./17. Jh. auch ‘betrügen’, in diesem Sinne unmittelbar aus dem Lat.). Das zunächst als Turnierausdruck aufgenommene Verb (‘beim Stoß mit der Lanze das Ziel verfehlen’) gilt bereits im Mhd. entsprechend dem afrz. Vorbild auch für ‘sich irren’, für ‘fehlschlagen’ und ‘mangeln, nicht zur Verfügung stehen’. Eine Variante mhd. veilen setzt sich noch in frühnhd. feilen fort, namentlich im Md., wohl beeinflußt durch ebenfalls aus dem Frz. stammendes mnd. fēilen ‘verfehlen, fehlschlagen, mangeln, im Stich lassen’. Fehl m. ‘Makel, Mangel, Verfehlung’, mhd. væle f., Entlehnung aus afrz. faille ‘Mißerfolg, Irrtum, Mangel’, das über vlat. *fallia auf lat. falla ‘Betrug’ zurückgeht. Maskulines Genus entwickelt sich wohl bei der verkürzten artikellosen Form des Substantivs in den Fügungen mhd. āne væl, sunder væl ‘jeden Irrtum ausschließend, zweifelsfrei, ganz gewiß’, die gleichbed. afrz. sans faille nachbilden (vgl. dagegen mit anderer Auffassung nhd. ohne Fehl ‘makellos’). Wahrscheinlich aus Verb und abhängigem Akkusativ (vgl. einen Fehl gebären bei Luther und danach im älteren Nhd.) sind Bildungen wie fehlgehen, fehlgreifen, fehlschlagen entstanden; diese werden bis ins 19. Jh. häufig getrennt geschrieben (fehl gehen usw.), da das erste Glied einem Adverb ähnelt. Hieraus erklärt sich fehl Adj. Adv. ‘falsch, irrig, ergebnislos’, das seit Ende des 15. Jhs. vielfach nachweisbar ist, heute nur noch in der jungen Wendung fehl am Platz(e) sein ‘unpassend, unangebracht sein’. Der genannte verbale Bildungstyp ermöglicht substantivische Zusammensetzungen, ohne daß in jedem Falle das entsprechende Verb vorausgeht: Fehltritt m. ‘falscher Schritt, Vergehen’ (16. Jh.); Fehlschluß m. ‘falsche Schlußfolgerung’ (16. Jh.); Fehlgeburt f. ‘Abgang einer nicht lebensfähigen Leibesfrucht’ (18. Jh.); Fehlanzeige f. ‘negativer Bescheid’ (um 1900, zuerst soldatensprachlich vom negativen Schießergebnis). Das Kompositionsglied fehl- ist bis in die Gegenwart produktiv, vgl. Fehlentscheidung, Fehlkonstruktion, Fehlleistung, Fehlverhalten, Fehlzündung. fehlbar Adj. ‘mit Mängeln behaftet, unvollkommen’, schweiz. ‘einer Verfehlung schuldig’ (um 1600), wohl Rückbildung zu unfehlbar Adj. ‘frei von Irrtum, untrüglich’ (16. Jh.). Fehler m. ‘Irrtum, Versehen’, anfangs auch ‘Fehlschuß’ (16. Jh.). verfehlen Vb. ‘nicht erreichen, nicht treffen’, mhd. vervælen ‘fehlen, sich irren, trügen, nicht treffen’; Verfehlung f. ‘Irrtum, Vergehen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
unfehlbar  ●  Irrtum ausgeschlossen.  ugs., Spruch · ↗ex cathedra (Adv.)  geh., auch figurativ, lat. · ↗infallibel  geh.
Assoziationen
Antonyme
  • unfehlbar

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autorität Führer Gedächtnis Geschmack Gespür Heilmittel Instanz Instinkt Kompaß Lehramt Lehrautorität Lehre Lichtgestalt Mittel Papst Pfeil Präzision Rezept Sicherheit allmächtig allwissend angeblich beinahe eben erliegen keineswegs nahezu schier unantastbar vollkommen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unfehlbar‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er ist jung, er ist erfolgreich, aber er ist nicht unfehlbar.
Die Welt, 10.09.2002
Und außerdem, die Zeit ist doch nicht bei Luther stehen geblieben, und unfehlbar war er auch nicht.
Süddeutsche Zeitung, 13.11.1999
Er ist nicht bewußt, er ist viel schneller, viel sicherer, viel unfehlbarer als das Bewußtsein.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 52
Unfehlbare Technik und reiche Erfahrung verbanden sich in ihm mit einem starken, lebendigen Temperament.
Mila, Massimo: Marinuzzi (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 42136
Danach bedürfen die Gläubigen der ständigen religiösen Führung durch einen unfehlbaren Lehrer.
Heine, Peter: Imam. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 645
Zitationshilfe
„unfehlbar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unfehlbar>, abgerufen am 19.10.2019.

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