Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

unflätig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung un-flä-tig
Wortbildung  mit ›unflätig‹ als Erstglied: Unflätigkeit
eWDG

Bedeutung

abwertend unanständig, sehr gemein
Beispiele:
ein unflätiges Benehmen, Verhalten
unflätige Manieren
unflätige Reden führen
jmdn. mit unflätigen Worten, Ausdrücken, Schimpfworten überschütten
unflätige Witze reißen
jmdn. in unflätigster Weise beschimpfen
[er] belegte die Gäste mit den unflätigsten Namen [ H. W. RichterSpuren80]
Sie … grölten unflätige Lieder [ R. WernerBenario45]
Er war ein roher, unflätiger Mensch [ MarchwitzaJugend89]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Unflat · unflätig
Unflat m. ‘widerlicher Dreck’, mhd. unvlāt m. n., unvlāt(e) f. ‘Schmutz, Unsauberkeit, Unreinigkeit, Sünde, Unkeuschheit, Schande, Schmach, unsauberes Wesen, Auswurf’, mnd. unvlāt m. n., unvlēde f. ‘Unreinigkeit, Schmutz’, nl. (älter) onvlaet ‘Schmutz, gemeiner Kerl’ sind von einem in mhd. vlāt f. ‘Sauberkeit, Zierlichkeit, Schönheit’ (vgl. das zweite Kompositionsglied in Namen wie ahd. Gundiflāt, Sigiflāt) belegten t(i)-Abstraktum gebildet, das zum Verb ahd. flewen ‘waschen’ (9. Jh.), mhd. vlæjen, vlæ(e)en, vlöu(we)en ‘spülen, waschen, säubern, sich (im Wasser) hin und her bewegen’ und zu der unter Flut (s. d.) behandelten Wortgruppe gehört. Maskulines Genus setzt sich vom 17. Jh. an durch, vielleicht unter Einfluß von Schmutz, Dreck. unflätig Adj. ‘grob, unanständig’, mhd. unvlætic ‘schmutzig, unsauber, unrein’; vgl. mhd. vlætec, vlætic ‘sauber, zierlich, schön’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abweisend · barsch · brüsk · derb · flegelhaft · forsch · grob · grobklotzig · grobschlächtig · gröblich · kurz angebunden · rau · raubeinig · rauborstig · ruppig · rüde · rüpelhaft · schroff · uncharmant · unflätig · unfreundlich · ungalant · ungehobelt · ungeschliffen · unhöflich · unsanft · unwirsch · unzivilisiert · wenig galant · wirsch  ●  nicht (gerade) die feine englische Art  fig. · bärbeißig  geh., fig. · hantig  ugs., bayr. · harsch  geh. · hau-drauf-mäßig  ugs. · in Wildwest-Manier  ugs. · nassforsch  geh. · pampig  ugs. · raubauzig  ugs. · rotzig  ugs. · rustikal  ugs., scherzhaft-ironisch · wie die Axt im Walde  ugs.
Synonymgruppe
anmaßend · dreist · flapsig · respektlos · rücksichtslos · salopp · schlecht erzogen · unangemessen · unanständig · unartig · unflätig · ungebührend · ungebührlich · ungehobelt · ungehörig · ungeschliffen · ungesittet · ungezogen · unhöflich · unmanierlich · unverfroren · unverschämt  ●  frech  Hauptform · präpotent  österr. · dreibastig  ugs., regional · einen Ton am Leib (haben)!  ugs. · frech wie Dreck  ugs. · impertinent  geh. · kodderig  ugs. · koddrig  ugs. · kotzbrockig  derb · nassforsch  ugs. · nickelig  ugs. · pampig  ugs. · patzig  ugs. · rotzfrech  ugs. · rotzig  ugs. · rotznäsig  ugs. · schnodderig  ugs. · unbotmäßig  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›unflätig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unflätig‹.

Verwendungsbeispiele für ›unflätig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da zogen die beiden Bürger in unflätiger Weise über den Minister her. [Die Zeit, 17.04.1995, Nr. 16]
Sie können zwar unflätig austeilen, aber Kritik vertragen sie nicht. [Süddeutsche Zeitung, 14.03.1997]
Wenn seine Söhne von ihrer Mutter sprachen, mußte er sich mehr noch als früher zusammennehmen, nicht unflätig zu werden. [Süddeutsche Zeitung, 30.12.1995]
Erst mal kam er schon viel zu spät, hatte bereits einen im Tee und befingerte die Damen in unflätigster Weise. [Süddeutsche Zeitung, 13.10.1995]
Er riß unflätige Witze, lachte, schlug auf den Tisch, drückte jetzt die, dann die, und wurde zuletzt windelweich. [Viebig, Clara: Das Weiberdorf, Briedel u. Mosel: Houben 1996 [1900], S. 98]
Zitationshilfe
„unflätig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unfl%C3%A4tig>.

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