ungefähr

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-ge-fähr (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
annähernd, schätzungsweise
Beispiele:
eine ungefähre Vorstellung, einen ungefähren Begriff von etw., jmdm. haben
eine ungefähre Übereinstimmung feststellen
man konnte nur die ungefähren Umrisse der Berge erkennen
adverbiell
Beispiele:
hier weiß ich ungefähr Bescheid
er berichtete ungefähr den Handlungsverlauf
Bentsch gab ... nur ungefähr Auskunft [SeghersRettung3,47]
drückt eine nicht ganz genaue, jedoch annähernd zutreffende Angabe besonders von Zahlen, Zeit- oder Ortsbestimmungen aus   etwa, gegen, zirka
Beispiele:
wir waren ungefähr 20 Personen
dieses Gerät kostet ungefähr 500 Euro
das ist ungefähr das Doppelte, die Hälfte
ungefähr ein halbes Pfund Mehl
ungefähr zwei Monate
er ist ungefähr zehn Jahre alt
ungefähr eine Woche lang
eine Stunde ungefähr, ungefähr zehn Minuten wird es dauern
ich komme ungefähr um vier Uhr
wann wirst du ungefähr ankommen?
der Tisch steht ungefähr in der Mitte des Zimmers
er fuhr ungefähr bis zum Stadtrand
betont
umgangssprachlich
Beispiel:
»hast du denn alles allein bezahlt?« »So ungefähr
2.
a)
von ungefährdurch Zufall, zufällig, beiläufig
Beispiele:
jmdn. von ungefähr auf der Straße sehen, treffen
von ungefähr etw. finden, auf etw. stoßen
wie von ungefähr näherte er sich ihm (= scheinbar zufällig, scheinbar absichtslos näherte er sich ihm)
Corinna stand dann wie von ungefähr auf, um das Briefchen in ihrem Zimmer zu lesen [FontaneTreibelI 3,479]
b)
nicht von ungefährnicht zufällig, nicht ohne Ursache, Grund
Beispiele:
etw. geschieht nicht von ungefähr
Nicht von ungefähr spricht manche Händelsche Arie noch heute Millionen Menschen an [Urania1959]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ungefähr Adv. ‘annähernd, etwa’, Adj. ‘annähernd richtig, nicht ganz genau’ geht auf die präpositionale Fügung mhd. āne gevære (14. Jh.) zurück, die wie mhd. āne geværde, āne vāre zunächst ‘ohne Hinterlist, ohne böse Absicht’ bedeutet (zu mhd. āne ‘ohne’ und mhd. (ge)vāre, gevære, geværde ‘Nachstellung, Hinterlist, Betrug’, s. ↗ohne und ↗Gefahr). Die lautliche Entwicklung der Präposition führt zu frühnhd. on Gefer, ohn Gefehr (Getrenntschreibung bis ins 17. Jh.) und zusammengewachsenem ongefer, ohngefehr (seit dem 16. Jh.). Da sich im Frühnhd. die Formen der Präposition ohne allgemein mit denen des Präfixes ↗un- (s. d.), das in den Mundarten vielfach zu on- geschwächt ist, vermischen und neben mhd. āne gevære, frühnhd. ohngefehr ein weitgehend synonymes mhd. ungeværlīche(n) Adv., spätmhd. ungeverlich Adj., frühnhd. ungeverlich, ungefehrlich Adj. Adv. (Präfixbildung zu mhd. geværlich, s. ↗gefährlich) steht, kommen vom 15. Jh. an Varianten wie frühnhd. ungevar, ungefer(de), ungefehr auf; im 18. Jh., als in vielen Wörtern fälschlich durch ohn- ersetztes un- wiederhergestellt wird, verdrängt ungefähr das historisch richtige ohngefähr aus der Literatursprache. Die Bedeutung des Adverbs erweitert sich im älteren Nhd. von ‘ohne böse Absicht’ zu ‘ohne jede Absicht, zufällig’ (bis 19. Jh.). Der heutige Gebrauch ‘annähernd, etwa’ wird seit dem 15. Jh. üblich (doch vgl. schon one vier ‘etwa’, Straßburg 1362); er beruht auf dem früher im Rechtsverkehr an Zahl- und Maßangaben angefügten Zusatz, möglicherweise auftretende Ungenauigkeiten seien unwillentlich, ohne betrügerische Absicht erfolgt. Seit dem 16. Jh. wird nhd. ohngefähr, ungefähr auch adjektivisch im Sinne von ‘annähernd richtig’, im 17./18. Jh. für ‘zufällig, unbeabsichtigt’ verwendet. Substantivierung begegnet vor allem in der noch jetzt geläufigen adverbiellen Fügung von ungefähr, älter von ohngefähr ‘zufällig, beiläufig’ (frühnhd. von ungevärden, Anfang 16. Jh.); selbständiges Ungefähr, Ohngefähr n. ‘Zufall’ (18. Jh.) findet sich bei Rechtshistorikern des 19. Jhs. und in poetischer Ausdrucksweise.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Betrag) plus/minus (Abweichungsbetrag/Toleranz) · Stücker (+ Zahl) · ↗annähernd · ↗annäherungsweise · ↗etwa · ↗gegen · geschätzt · ↗grob (geschätzt) · grob gesagt · in etwa · ↗rund · ↗schätzungsweise · ↗um · ↗vielleicht · ↗zirka · ↗überschlägig (kaufm.)  ●  ↗ca.  Abkürzung · ↗circa  Abkürzung · ungefähr  Hauptform · (so) in dem Dreh  ugs. · Pi mal Daumen  ugs. · ↗approximativ  fachspr., mathematisch · gefühlt (relativ neu)  ugs. · mehr oder weniger  ugs. · ↗näherungsweise  geh. · plus/minus (Betrag)  ugs. · so (in) etwa  ugs. · so circa  ugs. · so gegen  ugs. · so um die  ugs. · um den Dreh (rum)  ugs. · um die  ugs. · ↗wohl  geh. · über den Daumen (gepeilt)  ugs.
Assoziationen
  • Schätzung
  • im Großen und Ganzen · in etwa · könnte man sagen · mehr oder weniger · ↗sozusagen  ●  ↗irgendwie  ugs. · keine Ahnung  ugs. · oder so  ugs. · ↗praktisch  ugs. · ↗quasi  ugs. · so ungefähr  ugs., Hauptform · so(was) in der Art  ugs. · sone Art  ugs. · sowas wie  ugs.
  • (etwas) nicht (so) genau nehmen  ●  nicht alles auf die Goldwaage legen  fig. · (alle) fünf gerade sein lassen  ugs. · ↗(sich) nicht (so kleinlich) anstellen  ugs. · den lieben Gott 'en guten Mann sein lassen  ugs. · nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen  ugs. · nicht päpstlicher als der Papst sein (wollen)  ugs. · wir wollen mal nicht so sein  ugs., regional, Spruch, variabel
  • annähernd · ↗bald · ↗beinahe · etwas weniger (als) · ↗knapp · nicht ganz  ●  ↗fast  Hauptform · (wohl) an die (vor Zahlwörtern)  ugs. · ein bisschen weniger (als)  ugs. · ↗nahezu  geh. · so ziemlich  ugs.
  • schwammig · ↗ungenau · ↗unklar · ↗unpräzise · ↗unsauber · ↗unscharf · ↗vage  ●  ↗unspezifisch  fachspr. · ↗wischi-waschi  ugs.
  • Anhaltspunkt · ↗Bereich · ↗Größenordnung · grobe Schätzung · ungefähre Größe  ●  ↗Hausnummer  ugs., Hauptform, fig.
Synonymgruppe
dunkel · ↗obskur · ↗schattenhaft · ↗undeutlich · ungefähr · ↗unklar · ↗unscharf
Assoziationen
Synonymgruppe
blumig · ↗launig · ungefähr · ↗unpräzise · ↗unverbindlich · ↗vage · ↗wolkig
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ahnung Anhalt Anhaltspunkt Aufenthaltsort Gleichgewicht Gleichstand Größenordnung Parität Vorstellung acht also besagen betragen dauern entsprechen ermessen fünf gleichaltrig gleichbleiben hinkommen jeweils klingen kosen kosten lauten so verdoppeln wenigstens wiegen zusammenfallen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ungefähr‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da muss zumindest eine ungefähre Linie erkennbar sein, das ist hier offenkundig nicht der Fall gewesen.
Die Zeit, 25.02.2013, Nr. 08
Während der 17 Jahre freundschaftlicher Zusammenarbeit habe man zunächst ungefähr 400 Mill.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1970]
Die Dauer der Anwendung beträgt ungefähr 3 bis 5 Minuten.
Hasler, Ulrich E.: Eubiotik, Heidelberg: Haug 1967, S. 21
In erster Linie läßt die eigentümliche Anordnung der Modi ungefähr auf die Zeit des Franko von Köln schließen, der jedoch nicht erwähnt wird.
Reaney, Gilbert: Lambertus. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 44243
Und wie hat sich dies ungefähr, in kurzen Worten, entwickelt?
o. A.: Einhundertzweiunddreißigster Tag. Freitag, 17. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 25465
Zitationshilfe
„ungefähr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ungefähr>, abgerufen am 23.10.2019.

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