ungeheuerlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-ge-heu-er-lich
Wortbildung mit ›ungeheuerlich‹ als Erstglied: ↗Ungeheuerlichkeit
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
empörend, unerhört
Beispiele:
diese Behauptung, Anschuldigung, Unterstellung, Verdrehung ist ungeheuerlich
er hat ein ungeheuerliches Ansinnen an ihn gestellt
jmdm. etw. Ungeheuerliches zumuten
Was Sie sagen, ist ungeheuerlich [GoetzHokuspokusII]
2.
selten ungeheuer, riesig
Beispiele:
an den ungeheuerlichen Mauern [G. KellerGr. Heinrich4,138]
[ein] Betrag, der so ungeheuerlich war, daß ich erblaßte [KusenbergNicht zu glauben26]
3.
nicht geheuer, unheimlich
Beispiel:
das Grauen vor etwas Ungeheuerlichem, Schauerlichem wurde stärker [NablOrtliebsche Frauen456]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geheuer · ungeheuer · Ungeheuer · ungeheuerlich
geheuer Adj. heute nur noch verneint nicht geheuer ‘unheimlich’ gebräuchlich. Mhd. gehiure ‘nichts Unheimliches an sich habend, lieblich, angenehm, trefflich’ ist mit Präfix zu einem mhd. nicht belegten Adjektiv ahd. hiuri ‘einfältig, schlicht’ (um 800) gebildet, dem aengl. hēore ‘angenehm, freundlich, mild’, anord. hȳrr ‘mild, froh, freundlich’ entspricht. Es gehört etymologisch als Bildung mit r-Suffix zu germ. *hī̌w-, ie. *k̑(e)iu̯- und damit zu ↗Heirat (s. d.) und weiter zu ↗Heim (s. d.). geheuer bedeutet ursprünglich ‘zum Haushalt, Hauswesen gehörig’ und deshalb ‘vertraut, angenehm’. ungeheuer Adj. ‘unheimlich, grauenhaft’, adverbial mit Bedeutungsabblassung ‘sehr’, ahd. ungihiuri Adj. ‘unnatürlich, mißgestaltet’ (um 800), mhd. ungehiure. Ungeheuer n. ‘Unhold, Scheusal’, ahd. ungihiuri n. (um 800), mhd. ungehiure m. f. n.; Substantivierung des Adjektivs; erst seit dem 18. Jh. durchgehend mit neutralem Genus. ungeheuerlich Adj. ‘schrecklich, fremd, unvorstellbar’, mhd. ungehiurlīche Adv.; vgl. ahd. (substantiviert) unhiurlīh ‘Ungeheuer’ (11. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
empörend · himmelsschreiend · ↗schreiend (Ungerechtigkeit) · schwer erträglich · ↗skandalös · ↗unerhört · ↗unerträglich · ↗unfassbar · ungeheuerlich  ●  es fehlen einem die Worte  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affront Anmaßung Anschuldigung Ansinnen Begebenheit Behauptung Beschuldigung Diffamierung Entgleisung Gotteslästerung Greueltat Kränkung Lüge Naziverbrechen Provokation Schandtat Schlamperei Unterstellung Verbrechen Verdacht Verdächtigung Verleumdung Vorgang Vorwurf Wortwahl Zumutung ehrenrührig geradezu unfassbar Übertretung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ungeheuerlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch selbst dann würde man diese Bilder noch ungeheuerlich finden, beschämend, abstoßend.
Süddeutsche Zeitung, 22.11.2002
Es wurden in dieser agitatorischen Rede viele, oft ungeheuerliche Behauptungen aufgestellt.
Barthel, Henner (Hg.), Politische Reden in der DDR, St. Ingbert: Röhrig 1998, S. 43
Die Zahl der Opfer war für die damalige Zeit ungeheuerlich.
Die Zeit, 05.10.1962, Nr. 40
Mir erschien das ungeheuerlich, und ich lehnte es ab, dem anschließenden geselligen Beisammensein beizuwohnen.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 1121
Die ungeheuerliche Überlegenheit des Mannes über das Weib stammt aus seiner sexuellen Freiheit weit mehr, denn aus seinem wirtschaftlichen Übergewicht.
Meisel-Hess, Grete: Die sexuelle Krise. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8652
Zitationshilfe
„ungeheuerlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ungeheuerlich>, abgerufen am 18.03.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Ungeheuer
ungeheuchelt
Ungehemmtheit
ungehemmt
ungeheizt
Ungeheuerlichkeit
Ungeheure
ungehindert
ungehobelt
ungehörig