ungelenk

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-ge-lenk
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
steif, schwerfällig in den Bewegungen
Beispiele:
ein ungelenker alter Mann
er hatte ungelenke Glieder, Finger
Gura ... war Schlangenmensch; allerdings schien er bereits ein wenig ungelenk geworden [KlepperKahn48]
die Hände sind schwielig und ungelenk vom Werkzeug [WaggerlJahr44]
2.
ungewandt, ohne Übung, unbeholfen
Beispiele:
eine ungelenke Handschrift
er war ungelenk in der Rede
sich ungelenk ausdrücken, entschuldigen
ein ungelenker Stil
er ist ein etwas ungelenker (= linkischer) Mensch
von ungelenker Kinderhand hingeworfene geometrische Figuren [U. BecherMänner219]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gelenk · gelenkig · gelenk · ungelenk · ungelenkig · Gelenkigkeit
Gelenk n. ‘bewegliche Verbindung von Knochen, von (Maschinen)bauteilen’, ahd. gi(h)lenki (11./12. Jh.), mhd. gelenke ‘der biegsame schmale Leib zwischen Hüfte und Brust, Taille’ ist eine Kollektivbildung zu ahd. (h)lanka (um 800), mhd. lanke ‘Hüfte, Lende’, eigentlich ‘Einbiegung, Stelle, an der man sich biegt’, dann auf alle anderen biegsamen Teile des Körpers übertragen, meist mit Angabe des betreffenden Körperteils wie Fuß-, Hand-, Hüft-, Kniegelenk. Ahd. (h)lanca und mhd. lanke (mit ↗lenken und ↗Flanke, s. d.) sind verwandt mit aengl. hlanc ‘schlank, dünn’, eigentlich ‘biegsam’, aengl. hlence, anord. hlekkr ‘Kette, Kettenglied’, hlykkr ‘Krümmung, Biegung’ und mit lat. clingere ‘umgürten, schließen’. gelenkig Adj. ‘behende, flink in den Bewegungen’ (17. Jh.), Weiterbildung von gleichbed., heute selten gebrauchtem gelenk Adj. mhd. gelenke ‘biegsam, gewandt’, das in ungelenk Adj. ‘steif, schwerfällig in den Bewegungen’ (mhd. ungelenke) heute verbreiteter ist als erweitertes ungelenkig Adj. (18. Jh.). Gelenkigkeit f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
linkisch · ↗tapsig · ↗tollpatschig · trampelig · ↗täppisch · ↗unbeholfen · ungelenk · ↗ungeschickt · ↗ungewandt · ↗ungeübt  ●  ↗patschert  österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
steif wie ein Stock · ↗stocksteif · ungelenk · verspannt  ●  (als wenn er/sie einen) Stock im Arsch (hätte)  derb · ↗bocksteif  ugs. · ↗stakig  ugs., regional · ↗staksig  ugs. · wie der Storch im Salat  ugs. · wie ein Storch im Salat  ugs. · wie ein Stück Holz  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
linkisch · ↗schlaksig · ungelenk
Synonymgruppe
hölzern · ↗unbeholfen · ungelenk · ↗unprofessionell
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewegung Buchstabe Charme Deutsch Formulierung Handschrift Kinderschrift Pose Schrift Zunge bisweilen blass eckig hilflos hölzern hüpfen manchmal plump rührend schlaksig schwerfällig schüchtern staksen staksig steif stolpern unbeholfen verlegen wirkend Übersetzung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ungelenk‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schweigend füllte sie dem Vater das Glas, ungelenk, nichts mehr war selbstverständlich, nicht einmal den Hahn aufzudrehen.
Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 164
Leider ist die Übersetzung über weite Passagen ungelenk, scheint der komplexen Terminologie bisweilen nicht gewachsen.
Süddeutsche Zeitung, 16.01.1999
Mit ungelenker Hand war auf ihm ein auf tobender See tanzender Kahn eingeritzt.
Die Zeit, 06.11.1964, Nr. 45
So schlug es in ungelenken, klagenden Worten aus ihm hervor.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Das dritte Reich des Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1925], S. 660
Aber was an der Schrift von Kindern ungelenk und unbeholfen ist, war hier gewaltsam.
Schlink, Bernhard: Der Vorleser, Zürich: Diogenes 1995, S. 169
Zitationshilfe
„ungelenk“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ungelenk>, abgerufen am 12.11.2019.

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