ungenügend

GrammatikAdjektiv
Worttrennungun-ge-nü-gend (computergeneriert)
Wortzerlegungun-genügend
eWDG, 1976

Bedeutung

nicht ausreichend und damit dem erwarteten Umfang, Grad nicht entsprechend
Beispiele:
es stand nur eine ungenügende (= zu geringe) Summe, Menge zur Verfügung
ein ungenügender Vorrat
mangelhaft
Beispiele:
eine ungenügende Beleuchtung, Ernährung
ungenügende Angaben, Beweise, Kenntnisse
eine ungenügende Leistung, Arbeit
das Zimmer war ungenügend beleuchtet, geheizt
ungenügend (= zu wenig) essen, schlafen, lernen
er hatte ungenügend für sie gesorgt
als Zensur
Beispiele:
er hat (die Note) ›ungenügend‹ erhalten
sein Aufsatz wurde mit ›ungenügend‹ bewertet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

genug · Genüge · genügen · genügend · ungenügend · begnügen · genugsam · genügsam · Genügsamkeit · genugtun · Genugtuung
genug ‘ausreichend, in notwendiger Menge, zufriedenstellendem Maße vorhanden’ (in der Funktion eines Substantivs ‘ausreichende Menge’), ironisch untertreibend auch ‘bis an die Grenze des Erträglichen gehend’ (vgl. die bereits für das Ahd. öfter zu belegende Bedeutung ‘reichlich, im Überfluß’). Die einem Indefinitpronomen oder Adverb ähnelnde, im Nhd. (wie in den anderen modernen germ. Sprachen) stets flexionslose Quantitätsangabe geht (als erstarrte endungslose Form des Neutrums) auf ein altes Adjektiv zurück, das in den frühen germ. Sprachstufen (einschließlich des Mhd.) noch in vielfacher (attributiver, prädikativer und adverbieller) Verwendung lebendig ist, ahd. ginuog (8. Jh.), ginuogi (9. Jh.), mhd. genuoc (selten genuoge mit regulärer Adverbendung), asächs. ginōg(i), mnd. genōch, (en)nōch, mnl. ghenoech, nl. genoeg, afries. (e)nōch, aengl. genōg, genōh, engl. enough, anord. gnōgr, nōgr, schwed. nog, got. ganōhs (germ. *ga-nōga-). Die Bildungen gehören zu einem nur in Resten nachweisbaren germ. Präteritopräsens ahd. ginah (um 800), aengl. geneah, got. ganah ‘es genügt’ (hierher vielleicht auch anord. ‘nahen, erreichen’ mit Ablaut). Dieser germ. Verbalstamm und seine außergerm. Entsprechungen wie aind. aśnṓti ‘erlangt, erreicht’, nákṣati ‘erreicht, kommt an, erlangt’, griech. (Aorist) enenké͞in (ἐνεγκεῖν) ‘herbeischaffen, davontragen’, ónkos (ὄγκος) ‘Tracht, Last’, lat. nancīscī ‘erlangen, bekommen’, aslaw. nesti, russ. nestí (нести), lit. nèšti ‘tragen’ führen auf ie. *enk̑-, *nek̑- ‘reichen, erreichen, erlangen, tragen’. Auf md. Gebiet findet sich seit dem 14. Jh. eine nasalierte Nebenform spätmhd. genunk, nhd. genung, die aber im 19. Jh. wieder aus der Literatursprache verschwindet. Genüge f. n. (nur im Sing.) ‘ausreichendes Maß, Befriedigung’, Abstraktbildung zum Adjektiv genug (s. oben), jetzt vor allem inder adverbiellen Fügung zur Genüge ‘in ausreichendem Maße’, ahd. ginuogi n. (9. Jh.; daneben auch ginuogī f.?, 8. Jh.), mhd. genüege f. ‘Genüge, Fülle’, asächs. ginōgi f., mnd. genȫge, (g)nȫge f.; im Nhd. seit dem 17. Jh. auch wieder als Neutr., wohl unter Einfluß von gleichbed. Genügen n. (mhd. genüegen n.), dem substantivierten Infinitiv des folgenden Verbs. genügen Vb. ‘ausreichen, befriedigen, erfüllen’, ahd. ginuogen ‘genügen, befriedigen, reichlich vorhanden sein’ (9. Jh.), mhd. genüegen, genuogen, mnd. (ge)nȫgen, mnl. ghenoegen, nl. genoegen ‘befriedigen, erfreuen, ausreichen’, reflexiv ‘Genüge finden’, anord. gnœgja, nœgja ‘genug, reichlich geben’, got. ganōhjan ‘Genüge leisten’, ganōhnan ‘genug sein’; das Part. Präs. des nhd. Verbs verselbständigt sich im 18. Jh., als genügend Part.adj. ‘ausreichend, zufriedenstellend’ ersetzt es genug in adjektivischem, oft auch in adverbiellem Gebrauch; dazu ungenügend Adj. ‘unbefriedigend, nicht ausreichend’ (18. Jh.). Erweiterungen von genügen sind ↗vergnügen (s. d.) und begnügen Vb. ‘sich zufriedengeben’ (reflexiv seit dem 18. Jh.), mhd. begenüegen ‘befriedigen, zufriedenstellen’, kontaminiert aus mhd. genüegen (s. oben) und mhd. benüegen ‘genug haben’, frühnhd. benügen ‘genügen, zufrieden sein, befriedigen’. genugsam Adv. ‘in ausreichendem Maße, vollauf’ (heute auf altertümelnde Ausdrucksweise beschränkt), ahd. ginuogsam (8. Jh.), mhd. genuocsam Adj. ‘Genüge oder Fülle habend, bietend’, nhd. noch bis zur 1. Hälfte des 19. Jhs. in adjektivischer Verwendung (‘ausreichend, zufriedenstellend’), als Adverb seit dem 15. Jh. üblich; daneben in den älteren Sprachstufen häufiger gleichbed. ahd. ginuhtsam (8. Jh.), mhd. genuhtsam Adj., von einem im Frühnhd. untergehenden Substantiv ahd. ginuht ‘Fülle, Überfluß’ (8. Jh.), mhd. genuht ‘Genüge, Fülle, Freude’ (vgl. aengl. genyht, anord. gnōtt ‘Genüge, Überfluß, reichlicher Vorrat’). genügsam Adj. ‘leicht zu befriedigen, anspruchslos’, umgelautete Form von genugsam (s. oben, nhd. vereinzelt bis in jüngere Zeit noch in dessen Sinn vorkommend), nimmt seit dem 16. Jh. durch Anlehnung an das Verb genügen (s. oben) die heutige Bedeutung an; dazu Genügsamkeit f. ‘Anspruchslosigkeit’, frühnhd. meist genuocsamkeit, Genugsamkeit; in dieser Verwendung vom 15. Jh. an zu belegen, aber erst Ende des 17. Jhs. üblich, anfangs häufiger ‘Genüge, Überfluß’. genugtun Vb. ‘Genüge leisten, befriedigen’ (frühnhd. auch ‘bezahlen, Buße tun’), Übersetzung von lat. satisfacere als Ausdruck des Rechtswesens und der Kirche, zunächst dafür Fügungen wie ahd. ginuog, ginuhtsam tuon, mhd. genuoc, genüege tuon (Getrenntschreibung häufig noch nhd. bis ins 19. Jh.), Zusammenrückung seit dem 15. Jh.; dazu Genugtuung f. ‘Befriedigung, Wiedergutmachung, Buße’ (15. Jh.), entsprechend lat. satisfactio.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemand) hätte mehr erwartet · hapern mit (es) · ↗mangelhaft · nicht den Erwartungen entsprechen · nicht genug · nicht in Ordnung · ↗schlecht · ungenügend · unter Soll · ↗unzulänglich · ↗unzureichend · ↗zu wenig · zu wünschen übrig lassen  ●  ↗(durchaus) ausbaufähig  ironisch, verhüllend · ↗(eine) Herausforderung  verhüllend, fig. · ↗(es gibt) Entwicklungsbedarf  ironisch, variabel · nicht ausreichend  Hauptform · ↗steigerungsfähig  ironisch · ↗insuffizient  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitsleistung Auslastung Berücksichtigung Beweislage Brandschutz Chancenverwertung Deutschkenntnis Eigenkapitalausstattung Ernährung Informationspolitik Kapitalausstattung Personalausstattung Schallschutz Schulbildung Sicherheitsabstand Sicherheitsvorkehrung Sprachkenntnis Verkehrserschließung Vorbereitung Vorbildung Wohnverhältnis Zufuhr ausgebildet empfunden erforscht erhitzt gegart gesichert mangelhaft vorbereitet

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ungenügend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Team um Zimmer steht stark in der Kritik, denn das sportliche Abschneiden war ungenügend.
Süddeutsche Zeitung, 10.04.2002
Die Sicherheit ist kaum gewährleistet, die sanitären Einrichtungen sind ungenügend.
Die Welt, 27.07.1999
Auch dieses Bild ist, wie alle räumlichen Vergleiche, natürlich ungenügend.
Freyer, Hans: Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft, Leipzig u. a.: B.G. Teubner 1930, S. 166
Die Ausbildung war, wie wohl jeder denken kann, vollkommen ungenügend.
Corinth, Lovis: Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1926], S. 30211
Aber die Begründungen, die dafür ins Feld geführt wurden, müssen als durchaus ungenügend zurückgewiesen werden.
Hesse, Richard: Der Tierkörper als selbständiger Organismus, Leipzig u. a.: B. G. Teubner 1910, S. 939
Zitationshilfe
„ungenügend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ungenügend>, abgerufen am 19.09.2019.

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