ungeschoren

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung un-ge-scho-ren

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. attributiv
    1. [umgangssprachlich] ...
  2. 2. nicht geschoren
eWDG

Bedeutungen

1.
Grammatik: nicht attributiv
umgangssprachlich
Beispiele:
jmdn. ungeschoren lassen (= jmdn. in Ruhe lassen, jmdn. nicht behelligen)
(von etw.) ungeschoren bleiben
ungeschoren davonkommen (= von etw. Unangenehmen nicht betroffen, nicht behelligt werden)
[er] sei ungeschoren (= unbehelligt, ungehindert), ohne einem Menschen zu begegnen, […] in die Wohnung des Direktors gelangt [ WerfelMusa Dagh405]
[in der Zeit des Nazismus, als] jedermann, um ungeschoren (= von Verfolgung verschont) zu bleiben, eines seriösen Stammbaums bedurfte [ EisenreichUrgroßvater8]
2.
nicht geschoren
Grammatik: häufig attributiv, in Verbindung mit »sein«
Beispiele:
ein ungeschorenes Lammfell, Schaffell
das Tier ist noch ungeschoren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheren1 · ungeschoren · Schererei
scheren1 Vb. ‘(eine Oberfläche) kahlschneiden, rasieren, etw. kurz abschneiden’. Das starke Verbum ahd. skeran ‘schneiden, scheren’ (8. Jh.), mhd. schern ‘(ab)schneiden, scheren, durch Scheren der Tonsur zum Mönch bestimmen, abernten, belästigen, quälen, abteilen, ordnen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘schaben, kratzen, scheren’, nl. scheren, aengl. sceran, engl. to shear ‘scheren, abschneiden, mähen’, anord. skera ‘schneiden, schlachten’, schwed. skära hat neben sich ein (im Nhd. nicht erhaltenes) schwaches Verbum ahd. skerren ‘einordnen, einlassen, begrenzen’ (um 800), mhd. schern ‘(ab)teilen, wohin schaffen, absondern, ausschließen, zuteilen’, asächs. skerian ‘zu-, einteilen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘zuteilen’, aengl. scearian ‘zuteilen, bestimmen’. Das schwache Verb gehört semantisch eng zu den unter ↗Schar1 (s. d.) behandelten Substantivformen und ist wohl als Denominativum aufzufassen. Außergerm. sind verwandt aind. kṛṇā́ti ‘verletzt, tötet’, utkīrṇa ‘ausgeschnitten, eingeritzt’, griech. ké͞irein (κείρειν) ‘abschneiden, scheren’, lit. skìrti ‘trennen, teilen, scheiden, zuteilen’, lat. caro ‘Fleisch’, eigentlich ‘Stück (Fleisch)’ sowie air. scar(a)im ‘trenne’. Erschließbar ist eine verbreitete und vielfach erweiterte Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. Hierher gehören Wendungen wie sich (nicht) um etw. scheren ‘sich (nicht) kümmern, sorgen um etw.’ (17. Jh.), heute meist schwach flektiert (unter dem Einfluß von ↗scheren2?, s. d.), wohl auf die Bedeutung von mhd. schern ‘belästigen, quälen’ (s. oben) zurückgehend; (alles) über einen Kamm scheren ‘mit demselben Maß messen, auf gleiche Weise behandeln’ (16. Jh.); sein Schäfchen scheren ‘seinen Vorteil wahrnehmen’ (18. Jh.). ungeschoren Part.adj. (bleiben oder lassen) ‘unbelästigt, unbehelligt’, ahd. ungiscoran (10. Jh.), mhd. ungeschorn. Schererei f. ‘Unannehmlichkeit’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
unbehelligt · ↗unbelästigt · ↗unbeschwert · ungeschoren · ↗ungestört
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›ungeschoren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ungeschoren‹.

Verwendungsbeispiele für ›ungeschoren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es lässt auch die Wissenschaftler nicht ungeschoren, die gerne glauben, sich auf eine neutrale Position - hier hinter der Kamera - zurückziehen zu können.
Der Tagesspiegel, 06.03.2001
Offensichtlich seien die Täter immer mehr davon überzeugt, ungeschoren davonzukommen.
Die Welt, 27.06.2000
Euch läßt man scheinbar noch ungeschoren oder hat man Euch wohl vergessen?
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 19.03.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Froh waren wir aber doch jedesmal, wenn wir ihm ungeschoren aus dem Wege kommen konnten.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Dabei kommen selbst die stoischen Helden Cato oder Brutus nicht ungeschoren davon.
Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 19
Zitationshilfe
„ungeschoren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ungeschoren>, abgerufen am 09.03.2021.

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