ungestüm

GrammatikAdjektiv
Worttrennungun-ge-stüm (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutung

gehoben
1.
überaus temperamentvoll und jede Zurückhaltung außer Acht lassend, stürmisch
Beispiele:
ein junger, ungestümer Mann, Bursche
jmd. ist sehr ungestüm
sei nicht so ungestüm!
jmd. hat ein ungestümes Wesen, Temperament, Benehmen
eine ungestüme Umarmung, Liebkosung
jmdn. ungestüm umarmen, küssen, begrüßen
er sprang ungestüm auf
Huhl lachte auf, ungestüm und schallend [AndresLiebesschaukel117]
heftig, nachdrücklich
Beispiel:
etw. ungestüm verlangen, fordern, begehren
2.
von Naturgewalten   wild und unbändig
Beispiele:
das ungestüme Meer
ein ungestümer Wind
mit ungestümer Macht brach das Unwetter herein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ungestüm · Ungestüm
ungestüm Adj. ‘heftig, unbändig’, ahd. ungistuomi ‘sich nicht beherrschend, übermütig, lustig, ausgelassen’ (um 900), mhd. ungestüeme ‘heftig, stürmisch, schlecht, übertrieben, dreist’, mnd. ungestūme ist mit verneinendem ↗un- (s. d.) zu einem in mhd. gestüeme ‘sanft, still, ruhig’ belegten Adjektiv gebildet, das wohl im Ablaut zu den unter ↗stemmen (s. d.) angeführten Verbformen ahd. gistemen ‘bezähmen’ (8. Jh.), gistemōn ‘(sich) beruhigen’ (11. Jh.), mhd. gestemen ‘Einhalt tun, einhalten’ steht und auf die dort angeführte Wurzel ie. *stem- ‘stoßen, anstoßen, stottern, stammeln, hemmen’ zurückzuführen ist. Oder mit m-Suffix (wie ↗Stamm s. d.) zur Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ (s. ↗stehen)? Ungestüm n. ‘Heftigkeit, Unbändigkeit’, ahd. ungistuomi n. (11. Jh.), mhd. ungestüeme n. ‘das Vorwärtsdrängen, Anprall, Drang, Sturm’; daneben ahd. ungistuomī f. ‘Ausgelassenheit, Frechheit’ (11. Jh.), mhd. ungestüeme f.

Thesaurus

Synonymgruppe
emotional erregt · ↗heißblütig · ↗leidenschaftlich · mit Verzückung · ↗temperamentvoll · ungestüm · voller Leidenschaft  ●  ↗feurig  ugs. · ↗hitzig  ugs.
Synonymgruppe
furios · glühend · ↗heftig · ↗hitzig · ↗rasend · ↗stürmisch · ↗turbulent · ungestüm · ↗unruhig · ↗wild  ●  ↗ungezügelt  selten
Synonymgruppe
(es gibt) kein Halten mehr · ↗ausgelassen · bacchisch · ↗hemmungslos · mit Überschwang · ↗orgiastisch · ↗stürmisch · ungestüm · ↗ungezähmt · ↗ungezügelt · ↗wild · ↗zügellos · ↗übermütig · ↗überschwänglich  ●  überschäumend  fig. · als ob es kein Morgen gäb(e)  ugs., Redensart · außer Rand und Band  ugs. · total aus dem Häuschen  ugs. · vom Teufel geritten  ugs. · völlig aus dem Häuschen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anrennen Attack Attacke Aufbegehren Begehren Drang Draufgänger Drängen Expansionsdrang Fahrweise Foul Leidenschaft Reformer Tatendrang Temperament Verlangen Vormarsch Vorpreschen Vorwärtsdrang Vorwärtsdrängen angreifend anrennen anrennend bisweilen drängend gebärden roh rücksichtslos ungeduldig wild

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ungestüm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wir sind zu ungestüm auf dem Weg zum Tor.
Bild, 29.10.2004
Wir waren zu hektisch, oft zu ungestüm, so daß kein geordnetes Spiel mehr stattfinden konnte.
Süddeutsche Zeitung, 15.10.1998
Mit einer ungestümen Bewegung reißt sie das Mädchen an sich.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 385
Aber das Blut jagte so ungestüm durch ihre Adern, daß sie fast umgesunken wäre.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 81
Wenn man einem Manne den kleinen Finger zeigt, wird er sehr bald ungestüm die ganze Hand verlangen.
Rafaeli, Max u. Le Mang, Erwin: Ueber die Liebe. In: Das große Aufklärungswerk für Braut- und Eheleute, Dresden: Buchversand Gutenberg o.J. 1933 [1927], S. 136
Zitationshilfe
„ungestüm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ungestüm>, abgerufen am 21.11.2019.

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