Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ungestalt

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung un-ge-stalt

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [gehoben] gestaltlos, formlos
  2. 2. [veraltet] von missgestaltetem und unförmigem Äußeren
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben gestaltlos, formlos
Beispiele:
eine ungestalte Masse
aus dem ungestalten Erdenkloß Form herauszuholen [ Sibylle1972]
zwei ungestalt ineinander fließende Wolkenzüge [ MusilMann130]
2.
veraltet von missgestaltetem und unförmigem Äußeren
Beispiel:
Die Füße des ungestalten überlangen Körpers [ LuserkeErzwungener Bruder54]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gestalt · gestalt · ungestalt · Ungestalt · gestalten · Gestaltung
Gestalt f. ‘Beschaffenheit, Äußeres, Figur’. Das alte, noch Rückumlaut zeigende Part. Prät. des unter stellen (s. d.) behandelten Verbs ahd. gistalt, mhd. gestalt, nhd. gestalt geht in der Bedeutung ‘aussehend, beschaffen, eingerichtet’ in adjektivischen Gebrauch über (vgl. schöngestalte Glieder Schiller). Das substantivierte Adjektiv ergibt mhd. gestalt f. ‘Aussehen, Beschaffenheit, Ursache’, während das Part. Prät. des Verbs im Nhd. durch gestellt ersetzt wird. ungestalt Adj. ‘übel beschaffen, unförmig, häßlich’, mhd. ungestalt. Substantiviert Ungestalt f. ‘Mißgestalt’, mhd. ungestalt f. gestalten Vb. ‘bilden, formen’ (16. Jh.), abgeleitet von Gestalt. Gestaltung f. ‘Formgebung’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Auge beleidigen(d) · (eine) Beleidigung fürs Auge · kein schöner Anblick · reizlos · unansehnlich · unattraktiv · ungestalt · unschön · unästhetisch  ●  hässlich  Hauptform · hässliches Entlein  fig. · nicht sehr einnehmend  geh. · schiach  ugs., bayr., österr. · schiech  ugs., bayr., österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
aus der Form geraten · massiv · monströs · monströs dick · tonnenförmig · unförmig · ungestalt

Verwendungsbeispiele für ›ungestalt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um das drohende Chaos ungestalter Empfindungen einzudämmen, schrecken die Künste vor gewaltsamen Opfern nicht zurück. [Süddeutsche Zeitung, 21.08.2000]
Die größte Überraschung dieser Dokumentation über die Ungestalt öffentlicher Räume sind die im Abspann nachgelieferten Namen der Orte, an denen der Film aufgenommen worden ist. [Süddeutsche Zeitung, 12.06.2004]
Auf den ersten Blick erscheint die Mehrheit des Neins ungestalt und widersprüchlich. [Die Welt, 01.06.2005]
Sein gigantisch angewachsener Schatten wanderte dabei wolkenhaft über Decke und Wände und neigte die Gewichtigkeit eines ungestalten felsigen Hauptes. [Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 309]
Sein Körper ist ungestalt, aber sein Geist ist gewandt, seine Rede voller Finessen. [Die Zeit, 29.07.1999, Nr. 31]
Zitationshilfe
„ungestalt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ungestalt>.

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