ungestalt
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-ge-stalt
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
gehoben gestaltlos, formlos
Beispiele:
eine ungestalte Masse
aus dem ungestalten Erdenkloß Form herauszuholen [Sibylle1972]
zwei ungestalt ineinander fließende Wolkenzüge [MusilMann130]
2.
veraltet von missgestaltetem und unförmigem Äußeren
Beispiel:
Die Füße des ungestalten überlangen Körpers [LuserkeErzwungener Bruder54]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gestalt · gestalt · ungestalt · Ungestalt · gestalten · Gestaltung
Gestalt f. ‘Beschaffenheit, Äußeres, Figur’. Das alte, noch Rückumlaut zeigende Part. Prät. des unter ↗stellen (s. d.) behandelten Verbs ahd. gistalt, mhd. gestalt, nhd. gestalt geht in der Bedeutung ‘aussehend, beschaffen, eingerichtet’ in adjektivischen Gebrauch über (vgl. schöngestalte Glieder Schiller). Das substantivierte Adjektiv ergibt mhd. gestalt f. ‘Aussehen, Beschaffenheit, Ursache’, während das Part. Prät. des Verbs im Nhd. durch gestellt ersetzt wird. ungestalt Adj. ‘übel beschaffen, unförmig, häßlich’, mhd. ungestalt. Substantiviert Ungestalt f. ‘Mißgestalt’, mhd. ungestalt f. gestalten Vb. ‘bilden, formen’ (16. Jh.), abgeleitet von Gestalt. Gestaltung f. ‘Formgebung’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Auge beleidigen(d) · (eine) Beleidigung fürs Auge · kein schöner Anblick · ↗reizlos · ↗unansehnlich · ↗unattraktiv · ↗unschön · ↗unästhetisch  ●  ↗hässlich  Hauptform · schiach  ugs., bair., österr. · ↗schiech  ugs., bair., österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
aus der Form geraten · ↗massiv · ↗monströs · monströs dick · ↗tonnenförmig · ↗unförmig
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um das drohende Chaos ungestalter Empfindungen einzudämmen, schrecken die Künste vor gewaltsamen Opfern nicht zurück.
Süddeutsche Zeitung, 21.08.2000
Auf den ersten Blick erscheint die Mehrheit des Neins ungestalt und widersprüchlich.
Die Welt, 01.06.2005
Sein gigantisch angewachsener Schatten wanderte dabei wolkenhaft über Decke und Wände und neigte die Gewichtigkeit eines ungestalten felsigen Hauptes.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 309
Treffender als in der Ungestalt der „wilden Kerle“ hätten kindliche Unarten nicht mehr erfaßt werden können.
Die Zeit, 24.11.1967, Nr. 47
Wie zuvor Charles Ives findet Messiaen die Natur hier in ungestalten Schwingen.
Der Tagesspiegel, 15.02.2000
Zitationshilfe
„ungestalt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ungestalt>, abgerufen am 20.11.2017.

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