unglücklich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-glück-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›unglücklich‹ als Erstglied: ↗unglücklicherweise  ·  mit ›unglücklich‹ als Letztglied: ↗kreuzunglücklich · ↗sterbensunglücklich · ↗todunglücklich
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
traurig und bedrückt
Beispiele:
über etw. sehr unglücklich sein
sie ist tief unglücklich darüber, dass ...
sich unglücklich fühlen
unglücklich aussehen
ein unglückliches Gesicht, einen unglücklichen Eindruck machen
jmdn., sich unglücklich machen
umgangssprachlich du machst mich noch unglücklich! (= bringst mich noch zur Verzweiflung!)
Sie wollen das Mädchen, das Sie liebt ... unglücklich machen [WedekindErdgeistIII 10]
von anderen wegen seines Unglücks bedauert, beklagt
Beispiele:
der Unglückliche, er kann einem leid tun
die Unglücklichen waren von der Umwelt abgeschnitten
weil mir die Augen über das Los einiger Unglücklichen naß geworden [BüchnerDantonIII]
2.
ungünstig, verhängnisvoll
Beispiele:
ein unglücklicher Zufall
ein unglückliches Zusammentreffen
eine unglückliche Verkettung verschiedener Umstände
ein unglückliches Geschehen
eine unglückliche Lage
eine unglückliche (= nicht erwiderte) Liebe
er ist in unglücklichen Verhältnissen aufgewachsen
ohne günstigen Verlauf
Beispiele:
ein unglücklicher Ausgang, Verlauf einer Sache
etw. ist unglücklich abgelaufen
er stürzte, fiel so unglücklich, dass er sich [Dativ] das Bein brach
ungeschickt
Beispiele:
eine unglückliche Bewegung machen und sich dabei den Arm verrenken
das war unglücklich formuliert, übersetzt
bildlich
Beispiele:
jmd. hat eine unglückliche Hand (= jmdm. gelingt nichts) (= jmd. hat kein Glück)
umgangssprachlich eine unglückliche Figur abgeben, machen (= sich unbeholfen, etwas linkisch bewegen und etwas komisch wirken)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Glück · glücken · beglücken · glücklich · Unglück · unglücklich · verunglücken · glückselig · Glückseligkeit · Glückskind · Glückspilz · Glücksrad · Glücksritter
Glück n. ‘zufälliges, überraschendes Zusammentreffen günstiger Umstände, Schicksal, Gemütszustand innerer Befriedigung’, mhd. g(e)lücke, mnd. (ge)lükke, mnl. (ghe)lucke, (ge)luc, nl. geluk; entlehnt aus dem Mnd. sind afries. lukk, mengl. luk(e), engl. luck, anord. lukka, lykka, schwed. lycka. Mhd. g(e)lücke ist erstmals in der frühhöfischen Dichtung (1160) bezeugt und verbreitet sich mit der höfisch-ritterlichen Kultur vom Rhein aus über das dt. Sprachgebiet. Es bedeutet anfangs ‘Schicksal, Geschick, Ausgang eines Geschehens oder einer Angelegenheit (sowohl zum Guten als auch zum Bösen)’ und tritt als Schicksalsbegriff in Konkurrenz mit mhd. sælde und heil (s. ↗selig und ↗Heil), den älteren Ausdrücken für ‘Segen, Heil, Glück’. Aus dem engeren Gebrauch im Sinne von ‘günstiger Verlauf oder Ausgang eines Geschehens, günstiges Geschick’ entwickelt sich Glück zur Bezeichnung des wünschenswerten ‘Zustandes starker innerer Befriedigung und Freude’. Im 14. Jh. nimmt Glück auch die Bedeutung von ‘Beruf, Lebensunterhalt’ an. Die Herkunft des erst relativ spät auftretenden Wortes ist nicht geklärt. Verschiedene, jedoch sämtlich nicht befriedigende Herleitungsversuche sind zusammengestellt in ¹DWB 4, 1, 5, 226 f. glücken Vb. ‘gelingen, nach Wunsch ablaufen’, mhd. g(e)lücken, zum Substantiv gebildet; im Mhd. nur selten, erst in nhd. Zeit sich ausbreitend. beglücken Vb. ‘glücklich machen, erfreuen’ (Anfang 17. Jh.). glücklich Adj. ‘vom Glück begünstigt, erfolgreich, zufrieden, vorteilhaft, günstig’, mhd. gelückelich ‘vom Zufall, vom Schicksal abhängig, günstig’. Unglück n. ‘verhängnisvolles Ereignis, schweres Mißgeschick, Schicksalsschlag, Pech’, mhd. ung(e)lücke. unglücklich Adj. ‘traurig, niedergeschlagen, bedrückt, verhängnisvoll’ (15. Jh.). verunglücken Vb. ‘einen Unfall erleiden, mißlingen, mißraten’ (17. Jh.). glückselig Adj. ‘sehr glücklich, überglücklich’, mhd. gelücksælec. Glückseligkeit f. spätmhd. gelücksælecheit. Glückskind n. ‘vom Glück Begünstigter, wem alles gelingt’ (16. Jh.), vielleicht nach lat. fortunae filius. Glückspilz m. zunächst im Sinne von ‘Emporkömmling, Parvenü’ (2. Hälfte 18. Jh.), eigentlich ‘wer wie ein Pilz plötzlich aus dem Nichts aufschießt’ (vielleicht unter Einfluß von engl. mushroom, das sowohl ‘Pilz’ wie auch ‘Emporkömmling’ bedeutet); von der 2. Hälfte des 19. Jhs. an gleichbed. mit Glückskind. Glücksrad n. Sinnbild für die Veränderlichkeit des Glücks, auch ‘das sich drehende Rad bei Verlosungen und bestimmten Glücksspielen’, mhd. des gelückes rat, auch gelückrat, später glükrad (14. Jh.), seit dem 17. Jh. Glücksrad, seltener Glückrad. Glücksritter m. ‘wer sich in seinem Handeln sorglos auf sein Glück verläßt’, auch abschätzig ‘Abenteurer’ (2. Hälfte 18. Jh.), zunächst auf mittelalterliche Verhältnisse bezogen ‘Ritter, der auf Glück auszieht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bedauerlich · unglücklich · ↗unglückselig
Synonymgruppe
glücklos · unglücklich · ↗unglückselig · vom Pech verfolgt · vom Unglück verfolgt
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem ist) schwer ums Herz · bedrückt · ↗bekümmert · ↗betrübt · ↗freudlos · ↗gedrückt · ↗kummervoll · ↗lustlos · nicht aufzuheitern · ↗niedergedrückt · ↗niedergeschlagen · ↗resigniert · ↗trübselig · ↗trübsinnig · ↗unfroh · unglücklich  ●  ↗traurig  Hauptform · dasitzen wie ein Häufchen Elend  ugs. · ↗geknickt  ugs. · ↗unlustig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Mitleid erregend · ↗arm · armer Kerl · ↗armselig · ↗beklagenswert · ↗bemitleidenswert · ↗erbärmlich · ↗heruntergekommen · ↗hoffnungslos · ↗jammervoll · ↗jämmerlich · ↗kläglich · unglücklich · zu bedauern (sein)  ●  armer Tropf  veraltend · ↗bedauernswert  Hauptform · arm dran  ugs., ruhrdt. · arme Sau  derb · armer Teufel  ugs. · armes Schwein  ugs. · ↗bejammernswert  fachspr. · ↗erbarmungswürdig  geh. · letztklassig  ugs., österr. · ↗miserabel  geh.
Assoziationen
  • (armer) Wicht · ↗Hanswurst · Lachplatte · ↗Witzblattfigur · dummer August  ●  ↗Fuzzi  ugs. · ↗Komiker  ugs. · ↗Pflaumenaugust  ugs. · ↗Schießbudenfigur  ugs. · ↗Witzfigur  ugs., Hauptform · ↗Wurst  ugs.
  • abgehalftert · ↗abgerissen · ↗abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · ↗desolat · in einem schlechten Zustand · ↗marode · ↗mies · ruiniert · ↗schäbig · ↗ungepflegt · verdorben · ↗verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · ↗verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · ↗zerlumpt · zerschlissen  ●  ↗(äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · ↗abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · ↗gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
  • (schon) bessere Tage gesehen haben · abgewirtschaftet · an den Bettelstab gekommen · arm geworden · auf den Hund gekommen · ↗heruntergekommen · ruiniert · verarmt · verelendet  ●  in Armut abgesunken  geh. · in Armut gesunken  geh. · prekarisiert  fachspr., Jargon
  • (sich) nicht wehren können · nichts ausrichten können (gegen)  ●  über den Tisch gezogen werden  ugs., fig.
  • Nichtskönner · ↗Verlierer(typ) · armer Wicht  ●  ↗Versager  Hauptform · ↗(armes) Würstchen  ugs. · ↗Blindgänger  ugs. · ↗Flasche  ugs. · ↗Graupe  ugs. · ↗Heini  ugs., ruhrdt., veraltend · ↗Krücke  ugs. · Lohle  ugs., schwäbisch · ↗Loser  ugs., engl. · ↗Lulli  ugs. · ↗Lusche  ugs. · Luschi  ugs. · ↗Niete  ugs. · ↗Null  ugs. · ↗Nulpe  ugs. · ↗Opfer (jugendspr.)  ugs. · ↗Pfeife  ugs. · Pfeifenheini  ugs., regional · ↗Schwachmat  ugs. · ↗Wurst  ugs.
  • (etwas ist) kein Zuckerschlecken (für) · (vom Schicksal) (schwer) gebeutelt werden · eine schwere Zeit durchmachen · einiges einstecken (müssen) · schwer zu kämpfen haben  ●  (einige) Nackenschläge einstecken (müssen)  variabel, fig.
Synonymgruppe
undiplomatisch · ↗ungeschickt · unglücklich · ↗unsensibel · verunglückt · wenig einfühlsam
Assoziationen
Synonymgruppe
Unglück · ↗Unglücksfall · Zusammentreffen (mehrerer) ungünstiger Umstände · fatales Zusammentreffen · unglücklich · unglückliche Umstände · unglücklicher Zufall · unglückliches Zusammentreffen · ungünstige Umstände · unseliges Aufeinandertreffen · verhängnisvoller Zufall  ●  dummer Zufall  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausgang Ausscheiden Bewußtsein Ehe Eigentor Figur Formulierung Kindheit Konstellation Liebe Liebesgeschichte Niederlage Umstand Verkettung Zufall Zusammenprall Zusammentreffen agieren agierend einsam fälschen glücklich höchst sehr verheiratet verlaufen verlieben verliebt zutiefst äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unglücklich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Darf man über eine Wahl, die das nun fortsetzt, nicht unglücklich sein?
Der Tagesspiegel, 29.09.2002
Vielleicht war ich hier glücklich, weil es unmöglich war, unglücklich zu sein.
Süddeutsche Zeitung, 13.05.2002
Auf eine unglückliche Frau kann ein Mann sich schließlich nicht freuen.
Zwerenz, Gerhard: Die Ehe der Maria Braun, München: Goldmann 1979, S. 128
Ich bin so glücklich, oftmals aber auch sehr unglücklich zugleich.
Brief von Ernst G. an Frau R. vom 01.05.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Vielleicht gelingt es noch mit Gottes Hilfe, diese unglückliche Stadt von dem furchtbaren Banne zu befreien.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter in Konitz. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 6197
Zitationshilfe
„unglücklich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unglücklich>, abgerufen am 16.02.2019.

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