Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

unken

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung un-ken
Wortbildung  mit ›unken‹ als Erstglied: Unkerei
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend Unheilvolles befürchten, voraussagen
Beispiele:
»wenn das nur gut geht«, unkte sie
sie unkten, es würde ein Unglück geschehen
hatte er geunkt: der wird am Galgen enden [ Wasserm.Wahnschaffe2,277]
Nun hören Sie bloß auf mit Ihrem Unken [ FalladaBauern137]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Unke · unken
Unke f. Kröte mit dunkler Färbung und gelben bis roten Flecken am Bauch, ‘Feuerkröte’. Ahd. unk m. (8. Jh.), unko m. (11. Jh.) ‘Schlange’, mhd. unc, unke m. ‘Schlange, Basilisk’, mnl. unc, unck ‘Eidechse, Chamäleon’ steht schwundstufig neben verwandtem lat. anguis ‘Schlange’, mir. escung ‘Aal’, lit. angìs ‘Schlange’, aruss. užь, russ. (уж) ‘Natter, kleinere Schlange’, poln. wąż ‘Schlange’, apreuß. angis ‘Schlange’ und den unter Engerling (s. d.) genannten, mit r-Suffix gebildeten Wörtern. Auszugehen ist von ie. *angu̯(h)- bzw. *angu̯(h)i- ‘Schlange’ (wozu auch Formen ohne Nasal, s. Eidechse). Entsprechend bezeichnet Unke ursprünglich nur Schlangen und schlangenartige Tiere; im 17. Jh. aber, als Schlangen in Deutschland seltener werden, geht der Ausdruck auf die in einem ähnlichen mythischen Zusammenhang stehenden Kröten über. Deren alter Name ahd. ūhha f. (9. Jh.), mhd. ūche f. ‘Kröte’, daneben (j-Stamm) mnd. ūtze f. ‘Kröte’, aengl. ȳce f. m. ‘Kröte, Frosch’ (wohl lautnachahmenden Ursprungs nach dem Ruf in der Laichzeit) wird (bis auf mundartliche Reste) im 17./18. Jh. aufgegeben und durch Unke (mit nunmehr fem. Genus) ersetzt (doch vgl. noch Unke für ‘Schlange’ bei Bürger). In übertragener Verwendung steht Unke für ‘Stubenhocker’ (Mitte 18. Jh.) und für ‘Schwarzseher, wer (ständig) Unheil voraussagt’ (um 1800). unken Vb. ‘jammern, Unheil vorhersagen’ (19. Jh.), älter (nach Schlangenart) ‘zischen, pfeifen’ (Ende 17. Jh.), auch ‘sich verborgen halten’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(negativ) prophezeien · beschreien · herbeireden  ●  unken  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • pessimistische Prognose · ungünstige Prognose (med.)  ●  Unkenruf  fig. · Kassandraruf  geh.
  • nur das Negative sehen · nur das Schlechte sehen · pessimistisch darstellen · pessimistisch sehen  ●  schwarzmalen  Hauptform

Typische Verbindungen zu ›unken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unken‹.

Verwendungsbeispiele für ›unken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schon unkt mancher, anscheinend solle nur eine Holding über die alten Strukturen gestülpt werden. [Die Zeit, 04.06.1998, Nr. 24]
Ein Hotel, das eine Million Dollar am Tag verschlinge, könne nicht funktionieren, unkten sie. [Die Zeit, 27.12.2010, Nr. 52]
Seine Kritiker aber unken, er habe nun vier weitere Jahre, um die Folgen der Fehler, für die er verantwortlich zeichnet, auch selbst auszubaden. [Süddeutsche Zeitung, 04.11.2004]
Weil er es nervlich nicht durchgestanden habe, unkten die einen. [Süddeutsche Zeitung, 16.02.2004]
Andere unken, sowohl den Bauern als auch den Banken gehe es heute schlechter als vor fünf Jahren. [Süddeutsche Zeitung, 15.03.2003]
Zitationshilfe
„unken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unken>.

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