unparteiisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-par-tei-isch
Wortzerlegungun-parteiisch
Wortbildung mit ›unparteiisch‹ als Grundform: ↗Unparteiische
eWDG, 1976

Bedeutung

(in einem Streitfall) keine Partei ergreifend, nicht einseitig für jmdn. oder eine Gruppe eingestellt, unvoreingenommen
Beispiele:
ein unparteiischer Kritiker, Beobachter, Vermittler
den unparteiischen Zuschauer spielen
eine unparteiische Haltung, Position einnehmen
er bemühte sich, in dem Streit unparteiisch zu sein, zu bleiben
ein unparteiischer Schiedsrichter
Jura in einem Rechtsstreit keine der streitenden Parteien begünstigend
Beispiele:
ein unparteiischer Zeuge, ein unparteiisches Urteil
das Recht unparteiisch handhaben
Sport der Unparteiischeder Schiedsrichter
Beispiel:
Selbstverständlich wäre es falsch, die Ursachen für das Unentschieden ... beim Unparteiischen zu suchen [Tageszeitung1963]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Partei · Parte1 · Parteigänger · Parteigenosse · parteiisch · unparteiisch · parteilich · Parteilichkeit · Parteiung
Partei f. ‘Gruppe Gleichgesinnter, Vereinigung von Personen mit der gleichen politischen Überzeugung, um bestimmte Ziele durchzusetzen’, auch ‘Partner eines Vertrags, einer der beiden Gegner im Rechtsstreit’, mhd. partīe ‘Abteilung, Personengruppe, Gruppierung’, mnd. partī(g)e ‘Personenverband, Parteiung, einseitige Parteinahme, Prozeßpartei’, entlehnt aus afrz. partie ‘Teil, Gebiet, Anteil, Verteilung, Trennung, Rechtshandel, Heiratsmöglichkeit, Seite, Richtung, Gegner’, dem substantivierten Femininum des Part. Perf. von afrz. mfrz. partir ‘teilen, verteilen, trennen, sich entfernen, aufbrechen’ (frz. partir ‘abreisen, aufbrechen, losgehen’), dem lat. partīre (partītum), auch partīrī ‘teilen, trennen, zuteilen’ zugrunde liegt; dieses ist gebildet zu lat. pars (Genitiv partis) ‘Teil, Anteil, Seite’. Partei ‘Personengruppe mit gemeinsamen Interessen’, das in einigen Verwendungen noch längere Zeit im Wechsel mit später entlehntem ↗Partie (s. d.) gebraucht wird, bezeichnet seit dem 15. Jh. auch jede der in Verhandlungen oder einem Rechtsgeschäft sich gegenüberstehenden Seiten (‘Vertragspartner, Prozeßgegner’) sowie (zuerst niederrhein.) eine Gruppe mit gemeinsamem Wohnsitz (‘Haushaltung, Familie, Mietspartei’, obsächs. Parte1 f. ); vom 16. Jh. an steht es für ‘sich von anderen sondernde politische oder konfessionelle Gesinnungsgemeinschaft’ und vereinzelt schon für ‘Heiratsmöglichkeit, zu heiratende Person’ (besonders unter dem Gesichtspunkt der Vermögensverhältnisse, hierfür seit dem 17. Jh. auch Partie, das sich schließlich durchsetzt); in der Militärsprache des 17. Jhs. ist es außerdem ‘Streifzüge unternehmende kleine Schar’. In mehreren seiner Bedeutungen, namentlich im Sinne von ‘politische Organisation’, zeigt Partei semantischen Einfluß des (ebenfalls zu afrz. mfrz. partir gehörenden) Maskulinums mfrz. frz. parti ‘Anteil, Lage, Beruf, Stand, zu heiratende Person, Entschluß, Interessengruppe, Organisation’, frz. auch ‘Trupp von Soldaten, Streifkorps’ (afrz. parti ‘Teil, Anteil, Menge, Lage’). Parteigänger m. ‘Anhänger einer politischen Richtung, einer Persönlichkeit’ (Anfang 19. Jh., meist abschätzig), zuvor ‘Führer oder Angehöriger einer Streifzüge unternehmenden Schar’ (17. Jh.). Parteigenosse m. ‘Mitglied einer politischen Partei’ (Anfang 19. Jh.), in der Sozialdemokratie seit den 70er Jahren des 19. Jhs. allmählich durch die kürzere Form ↗Genosse (s. d.) verdrängt. parteiisch Adj. ‘einseitig für eine Partei, eine bestimmte Interessengruppe, einen von zwei Gegnern eingestellt, voreingenommen, befangen’ (16. Jh.), auch ‘einer Gruppe, Partei angehörend, zu ihr stehend’ (15. Jh.); entsprechend unparteiisch Adj. (15. Jh.). parteilich Adj. ‘eine Partei betreffend, vertretend, Partei ergreifend’ (20. Jh.), ‘parteiisch’ (15. Jh.). Parteilichkeit f. ‘theoretisches und praktisches Eintreten für die Interessen einer Partei’ (20. Jh.), ‘einseitige Stellungnahme oder Beurteilung’, auch ‘Uneinigkeit’ (um 1500). Parteiung f. ‘Zersplitterung in einander bekämpfende Parteien, Spaltung, Zwietracht’ (Ende 15. Jh.); vgl. mhd. partīen ‘(sich) in Parteien spalten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
objektiv · ↗unbefangen · unparteiisch · ↗unvoreingenommen · ↗vorurteilsfrei · werturteilsfrei
Assoziationen
Synonymgruppe
neutral · parteifrei · ↗parteilos · unparteiisch · ↗wertfrei
Assoziationen
  • Partei · politische Partei  ●  politische Kraft  ugs.
  • parteifreie Regierung · parteilose Regierung
  • nicht parteigebunden · von (politischen) Parteien unabhängig · über den (politischen) Parteien stehend  ●  ↗überparteilich  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amtsführung Beobachter Berichterstatter Berichterstattung Fachmann Geschworene Makler Sachwalter Schiedsgericht Schiedsrichter Schlichter Schlichtung Unparteiische Untersuchungskommission Vermittler Wolfgang Wächter fair gerecht gewissenhaft glaubwürdig loyal neutral objektiv sachverständig transparent unabhängig unbestechlich unvoreingenommen überparteilich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unparteiisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihr grundsätzliches Anliegen ist die Bitte um eine unparteiische Beurteilung.
Die Welt, 13.10.2000
Sind solche Ausschüsse überhaupt in der Lage, unparteiische Untersuchungen anzustellen?
Die Zeit, 14.08.1959, Nr. 33
Bald aber hatte ich die Freude, meine 4 unparteiisch und sicher ihres Amtes walten zu sehen.
Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung, 1913, Nr. 10, Bd. 65
Ich bin ein unparteiischer Mann und nehme Zimmer nicht aus.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter in Konitz. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 6199
Durch welche Mittel nun erziehen die Kinder den Lehrer zur unparteiischen Gerechtigkeit?
Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung, Bd. 53, Nr. 1/2, 1901
Zitationshilfe
„unparteiisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unparteiisch>, abgerufen am 13.11.2019.

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