unsinnlich

GrammatikAdjektiv · Komparativ: unsinnlicher · Superlativ: am unsinnlichsten
Aussprache
Worttrennungun-sinn-lich
Wortzerlegungun-sinnlich
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
die Sinne nicht ansprechend, kein Gefühl hervorrufend; den Sinnen nicht zugänglich, durch die Sinnesorgane nicht wahrnehmbar
Gegenwort zu sinnlich (Lesart 1)
Beispiele:
Natürlich hat das LiMo (= Literaturmuseum der Moderne in Marbach) auch Gegner. Die einen finden den Grundmodus zu unsinnlich und intellektualistisch, die anderen die Archivalien zu aufgebahrt, viele Besucher halten das Raumklima für zu frostig. [Die Welt, 04.06.2016]
Vorbei […] die Zeiten, da am Ende des Jahres eine abgegriffene Agenda voller Einträge und eingelegter fliegender Blätter mir die vielen Geschichten eines Jahres noch einmal erzählte. Wie unsinnlich sieht dagegen die Liste der Ereignisse aus, die mir mein [Smartphone] […] aus früheren Monaten und Jahren gerade noch zu rekapitulieren vermag. [Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2014]
Was zur Eröffnung des Höchster Schlossfestes 2000 [unter dem Motto »Frankfurt amüsiert sich«] im Bolongaropalast präsentiert wird, ist eine Schau, wie man sie sich lebloser und unsinnlicher kaum vorstellen kann. Müde hängen zahllose Schwarzweiß-Kopien an Stellwänden. Von Amusement ist weit und breit nichts zu spüren. [Frankfurter Rundschau, 23.06.2000]
Ähnlich wie die Programmierung von computergesteuerten Werkzeugmaschinen stellt auch die Programmierung der Roboter meist eine abstrakte, unsinnliche Aufgabe dar. [Die Zeit, 10.01.1997, Nr. 3]
Darüber hinaus ist die Bedrohung selbst extrem unsinnlich, […] wahrzunehmen nur noch an abstrakten Meßdaten, wahrzunehmen freilich auch am Leid der Opfer […]. [Die Zeit, 02.01.1987, Nr. 02]
Was [durch ein religiöses Bildzeichen] symbolisiert wird, ist also gewiß der Darstellung bedürftig, sofern es selber unsinnlich, unendlich, undarstellbar ist[…]. [Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 146]
2.
spezieller nicht auf Sinnengenuss ausgerichtet, nicht für Sinnengenuss empfänglich; eher rational, nüchtern, streng, emotionslos
Beispiele:
»Ernährung, das klingt so freudlos und unsinnlich[…] [Die Ernährungsmedizinerin] spricht lieber von gutem, bewusstem Essen. Und das bedeutet für sie vor allem eins: Genuss. [Welt am Sonntag, 14.05.2017, Nr. 20]
Verdammt, der Stachel saß tief: Meine Wahlheimat [Hamburg sei] kunstfernes Ödland. Meine Mitbürger unsinnliche, genussfeindliche Zahlenmenschen. Und ich als letzter Jungautor Hamburgs aussterbendes Kulturgut. [Die Zeit, 27.03.2008, Nr. 14]
Vielleicht hätte ich doch bei Stefan bleiben sollen[…]. Aber er war mir einfach zu unsinnlich mit seinem festgelegten Weltbild, seiner Unspontaneität und seinen Belehrungen. Er geriet viel zu selten in Verlegenheit, war viel zu selten sprachlos, überrascht. [Dückers, Tanja: Spielzone, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2002 [1999], S. 109]
Aber christlicher Glaube, zumal in der protestantischen Version, hat vor allem mit dem Wort zu tun. Das kann man dann »verkopft« nennen und »unsinnlich«, es ist so, und es ist ein wesentliches Element der westlichen Kultur. Also ist ein Kirchentag vor allem etwas für den Hörfunk. [Süddeutsche Zeitung, 14.06.1993]
Der [umstrittene] Münchner Prozeß [gegen eine vermeintliche Doppelmörderin] hat uns eine abseitige, kalte und unsinnliche Welt sehen lassen, eine Welt voll Geltungsdrang, Geldgier und Langeweile, eine Welt, die am Leben vorbeilebt und in ihrer eigenen Kälte erstarrt. [Berliner Zeitung, 07.06.1962]
nicht auf geschlechtlichen Genuss ausgerichtet, enthaltsam, gefühllos, kalt
Beispiele:
Viel wird in das Äußere einer Frau hineininterpretiert: Eine Schwarzhaarige gilt als leidenschaftlich, eine Frau mit Kurven gilt als sinnlich, eine dünne Frau als unsinnlich. [Zeit Magazin, 12.02.2015, Nr. 07]
Wer weiß, wie trostlos hierzulande geflirtet und charmiert wird, ahnt, welche Sterilität im Umgang zwischen den Geschlechtern [durch die neue Sexismusdebatte] droht. Der Spießer war stets eher unsinnlich und steif, sein postmoderner Wiedergänger jedoch giftet besonders jungfernhaft und bitter. [Die Welt, 28.01.2013]
Die erfolgreichste Heerführerin der Weltgeschichte, Johanna von Orleans, »schön zugleich und schrecklich anzusehen«, siegt bei Schiller nur, solange sie hehr und unsinnlich bleibt. In Liebe entbrannt, ist sie nicht einmal mehr gut für den Scheiterhaufen, sondern nur noch für Tod und Niederlage. [Der Spiegel, 13.11.1978, Nr. 46]
Hans Henny Jahnn war niemals ein Dichter der kolossalisch entfesselten Leidenschaft. Man kann nicht einmal sagen, daß es sich bei ihm um erotische Wunschbilder handelt. All diese Werke der expressionistischen Ära – wozu auch das Romanfragment »Perrudja« gehört – wirken höchst unsinnlich. Alles scheint sich in einer ungeschlechtlichen Sphäre zu vollziehen, die eigentlich einen vorgeschlechtlichen Zustand bedeutet. [Die Zeit, 27.11.1964, Nr. 48]

Thesaurus

Synonymgruppe
körperlos · nicht fassbar · nicht fasslich · ↗ungegenständlich · ↗ungreifbar · ↗unkörperlich · unsinnlich · ↗wesenlos · ↗übersinnlich

Typische Verbindungen
computergeneriert

abstrakt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unsinnlich‹.

Zitationshilfe
„unsinnlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unsinnlich>, abgerufen am 27.06.2019.

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