unter

GrammatikPräposition (mit Dat., mit Akk.)
Aussprache
Worttrennungun-ter (computergeneriert)
eWDG, 1976

Bedeutung

siehe auch unterm, untern, unters
I.
räumlich
1.
mit Dat., mit Akk.
bezeichnet ein Lage- oder Richtungsverhältnis
Gegenwort zu über1
a)
mit Dat.
bezeichnet im Verhältnis zu einem Bezugspunkt eine vertikal tiefere Lage
im (senkrechten) Abstand unterhalb von etw. gelegen
Beispiele:
unter Bäumen stehen
die Bergstation liegt 300 Meter unter dem Gipfel
gehoben er ist der glücklichste Mensch unter der Sonne, unter den Sternen (= auf der Erde)
unter Wasser (= unterhalb der Wasseroberfläche) schwimmen
die Wiesen stehen unter Wasser (= die Wiesen sind überschwemmt)
Bergmannssprache unter Tag(e) (= unterhalb der Erdoberfläche) arbeiten
in unmittelbarer Berührung mit etw. Darüberliegendem
Beispiele:
sie trägt ein Kleid unter dem Mantel
der Zettel liegt unter der Tischdecke
der Brief liegt unter dem Buch
b)
mit Akk.
bezeichnet die Richtung auf eine im Verhältnis zu einem Bezugspunkt tiefer gelegene Stelle   im (senkrechten) Abstand zu etw. Darüberliegendem
Beispiele:
den Tisch unter die Lampe stellen
der Löffel ist unter den Schrank gefallen
unter den Tisch kriechen
sich unter die Dusche stellen
die tiefergelegene Stelle wird von der darüberliegenden unmittelbar berührt
Beispiele:
eine Jacke unter den Mantel ziehen
den Brief unter das Buch legen
die Henne nahm die Küken unter ihre Flügel
eine elektrische Leitung unter Putz legen
2.
mit Dat., mit Akk.
bezeichnet ein Lage- oder Richtungsverhältnis in Bezug auf eine Gruppe, Menge
a)
mit Dat.
bezeichnet die Lage, das Sichbefinden einer Person, Sache in einer Gruppe, Menge   inmitten, zwischen
Beispiele:
unter den Besuchern befanden sich zahlreiche Ausländer
er war unter den Schülern, Zuschauern
er stand (mitten) unter ihnen
umgangssprachlich er wollte unter Menschen (= in Gesellschaft, nicht allein) sein
er ist einer unter (= neben) vielen, unter anderen
unter anderem
der Brief fand sich unter den Papieren
unter den Bewohnern der Südsee leben
einer unter (= von) euch
der beste unter den Schülern erhielt eine Auszeichnung
bezeichnet auch eine Wechselbeziehung   zwischen
Beispiele:
unter den Studenten gab es rege Diskussionen
es gab oft Streit unter den Kindern
die Erben teilten alles unter sich
etw. unter Männern besprechen (= etw. von Mann zu Mann besprechen)
etw. unter Frauen besprechen (= etw. von Frau zu Frau besprechen)
unter sichim vertrauten, engen Kreis, für sich
Beispiele:
sie wollten (ganz) unter sich sein
unter uns gesagt
das bleibt unter uns! (= wird nicht weitergesagt!)
sie wollten die Sache unter sich abmachen, aushandeln
wir sind unter uns (= ohne Zeugen), du kannst es ruhig sagen
Er sagte: »Unter uns (= im Vertrauen gesagt), ich hab diesen Boller für intelligenter gehalten!« [Diggelm.Hinterlassenschaft183]
b)
mit Akk.
bezeichnet die Richtung   in eine Gruppe, Menge hinein, zwischen
Beispiele:
er mischte sich unter die Leute, Menschenmenge, Zuschauer, Gäste
sich unter Menschen (= in Gesellschaft) begeben
er ging nie unter Menschen (= war immer für sich)
umgangssprachlich eine Neuigkeit kommt unter die Leute (= wird bekannt)
umgangssprachlich Geld unter die Leute bringen (= Geld ausgeben)
etw. unter etw. mischen
Beispiel:
Äpfel unter den Reis mischen
3.
räumlich
übertragen
a)
mit Dat.
Beispiele:
umgangssprachlich etw. unter dem Ladentisch verkaufen (= Mangelware für besondere Kunden zurücklegen)
mit jmdm. unter einer Decke stecken (= mit jmdm. gemeinsame Sache machen)
mit jmdm. unter einem Dach (= in einem Haus) leben
gehoben, verhüllend jmd. ist schon lange unter der Erde (= ist schon lange tot)
umgangssprachlich jmdn. unter dem Messer haben (= jmdn. operieren)
der Boden brannte ihm unter den Füßen (= er wollte eiligst weg)
das Geld zerrinnt jmdm. unter den Händen, Fingern (= wird unversehens weniger)
etw. jmdm. unter vier Augen (= ohne Zeugen) sagen
gehoben sie trägt ein Kind unter dem Herzen (= ist schwanger)
b)
mit Akk.
umgangssprachlich
Beispiele:
bei Mutter die Beine unter den Tisch stecken (= sich bedienen lassen)
unter einen Hut kommen (= übereinkommen)
alle unter einen Hut bringen (= alle einigen)
eine Arbeit unter Dach und Fach bringen (= fertigstellen)
umgangssprachlich, verhüllend jmdn. unter die Erde bringen (= jmdn. begraben)
salopp jmd. ist (völlig) unter die Räder gekommen (= moralisch, sozial heruntergekommen, verkommen)
salopp das Haus ist unter den Hammer gekommen (= wurde versteigert)
salopp jmdm. etw. unter die Nase reiben (= jmdm. etw. vorhalten)
jmdm. unter die Arme greifen (= jmdm. helfen)
4.
bezeichnet ein Unterordnungsverhältnis
a)
mit Dat., der Ton liegt auf ›unter‹
weist auf eine Rangordnung, Stufenfolge hin
Beispiel:
er steht unter ihm (= er ist ihm dienstlich unterstellt)
einen Personenkreis, Betrieb unter sich habeneinen Personenkreis, Betrieb leiten
Beispiele:
der Chefarzt hat das Personal, Krankenhaus unter sich
er ist da der Oberste, so wie Zimmer- oder Mauerpolier, un hat wohl hundert unter sich [FontaneIrrungenI 3,237]
ich habe de Getränke unter mir (= bin für die Getränke verantwortlich) [KlugeKortüm311]
weist auf die leitende Tätigkeit einer Person, Gruppe hin
Beispiele:
das Konzert fand unter seiner Leitung statt
unter jmds. Kommando stehen
der Betrieb stand unter seiner Leitung
der Aufbau des Sozialismus unter Führung der Partei der Arbeiterklasse
historisch unter Kaiser Karl V.
b)
mit Akk.
ordnet etw., jmdn. einem bestimmten Bereich zu
Beispiele:
etw. unter ein Thema, Motto stellen
jmd., etw. fällt unter eine Maßnahme (= für jmdn. gilt eine Maßnahme)
etw. fällt unter einen Bereich (= gehört zu einem Bereich)
c)
mit Dat. bei Datumsangaben
Beispiel:
unter dem Datum des 17. Oktober findet sich folgende Eintragung ...
II.
modal
1.
mit Dat.
bezeichnet einen Begleitumstand   mit
Beispiele:
unter Tränen, Angst, Zittern etw. tun
unter großen Schmerzen zugrunde gehen
unter Protest der Anwesenden betrat er den Saal
die Zeit verging unter Scherzen
etw. unter Eid aussagen
unter Vorspiegelung falscher Tatsachen etw. in seinen Besitz bringen
etw. unter größten Schwierigkeiten, unter Aufbietung aller Kräfte erreichen
die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt
papierdeutsch etw. unter Berufung auf Tatsachen sagen
unter einem Vorwand jmdn. ansprechen
bezeichnet außerdem die Bedingung
Beispiele:
unter der Voraussetzung, Bedingung, dass ...
unter diesen, anderen Verhältnissen könnte er es nicht tun
Mathematik unter einem bestimmten Winkelin einem bestimmten Winkel
Beispiele:
die Geraden schneiden, kreuzen sich unter einem Winkel von 40 Grad
die Linie neigt sich unter einem Winkel von 75 Grad
Seemannssprache
Beispiel:
das Schiff fährt unter (= mit) vollen Segeln
bezeichnet außerdem die Zugehörigkeit
Beispiele:
das Buch ist unter folgendem Namen, Pseudonym, Titel bekannt, veröffentlicht
die Hörfolge läuft unter dem Namen des Autors, unter fremdem, falschem Namen
kann ich Sie unter dieser Rufnummer erreichen?
2.
mit Dat., mit Akk.
bezeichnet einen Zustand
a)
mit Dat.
bezeichnet den Zustand, in dem sich etw. befindet
Beispiele:
der Kessel steht unter Dampf, Druck
die Leitung steht unter Strom
den Hochofen unter Feuer (= in Betrieb) halten
unter Vakuum arbeiten
unter Quarantäne stehen
unter Naturschutz, Denkmalschutz stehen
die Stadt lag unter Beschuss (= wurde fortwährend beschossen)
unter Zwang, Zeitdruck stehen
unter Alkohol stehen (= unter der Wirkung von Alkohol stehen, berauscht sein)
b)
mit Akk.
bezeichnet das Versetzen in einen Zustand   unter den Einfluss von etw.
Beispiele:
den Kessel unter Dampf setzen
die Stadt wurde unter Beschuss genommen
jmdn. unter Druck setzen (= jmdn. mit Forderungen bedrängen, mit Drohungen einschüchtern)
3.
mit Dat., mit Akk.
bezeichnet das Unterschreiten einer bestimmten Grenze
a)
mit Dat.
niedriger, weniger, geringer als
siehe auch unter2 (Lesart 1)
Beispiele:
etw. unter seinem Wert, unter dem (Einkaufs)preis abgeben
der Energieverbrauch liegt in diesem Monat unter dem Durchschnitt
umgangssprachlich das ist unter aller Kritik (= das ist sehr schlecht)
umgangssprachlich die Stimmung war unter Null (= sehr schlecht)
b)
mit Akk.
Beispiele:
die Temperatur sinkt unter Null (= unterschreitet Null)
die Stimmung sank unter Null (= wurde sehr schlecht)
Das ist angewandte Musik ... Ich möchte nicht unter ein gewisses Niveau gehen [M. WalserHalbzeit684]
III.
mit Dat., zeitlich
süddeutsch bezeichnet die Gleichzeitigkeit   während
Beispiele:
das Nebenzimmer ist unter der Woche immer frei [M. WalserEiche7]
Die Schmerzbekämpfung unter der Geburt [Urania1961]
IV.
kausal in fester Abhängigkeit von einigen Verben; mit Dat.
bezeichnet den Grund
Beispiele:
unter Kälte leiden
unter Qualen der Krankheit seufzen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

unter · unterbinden · unterbrechen · untergraben · unterernährt · unterentwickelt · unter · Unter · unterdes · Untergrundbahn · Unterseeboot · unterwegs · Unterwelt
unter Präp. Adv. bezeichnet als Präp. eine räumlich im Verhältnis zu einem Bezugspunkt vertikal tiefere Lage oder Richtung (‘niedriger, tiefer’ als der Bezugspunkt), eine Lage, das Sichbefinden in einer Gruppe, Menge (‘inmitten, zwischen’), ferner das Verhältnis innerhalb einer Rangordnung, Stufenfolge (‘dienstlich unterstellt’), weist modal auf einen Begleitumstand (‘mit’), einen Zustand, in dem sich etw. befindet oder in den etw. versetzt wird (unter Druck stehen oder setzen), gibt das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘niedriger, weniger, geringer als’) sowie die Gleichzeitigkeit (‘während’) an; als Adv. bezeichnet unter in Verbindung mit Kardinalzahlen das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘weniger als’, vgl. Jugendliche von unter 14 Jahren). In dem gemeingerm. Wort ahd. untar Präp. ‘in, unter, zwischen’ (8. Jh.), untar Adv. (9. Jh., zweifelhaft), mhd. under, asächs. undar, mnd. under, mnl. nl. onder, aengl. engl. schwed. under, anord. undir, got. undar Präp. sind in germ. Zeit zwei ursprünglich verschiedene Präpositionen zusammengefallen. Die eine, verwandt mit aind. ántaraḥ ‘der innere, der nähere’, antáḥ ‘innen, in, zwischen’, awest. antara- ‘der innere, innen befindlich’, griech. (Plur.) éntera (ἔντερα) ‘Eingeweide’, lat. inter ‘zwischen, unter’ (s. ↗inter-), air. eter, etir, etar ‘zwischen’, korn. ynter, yntre ‘zwischen’, aslaw. ǫtrь ‘innen, hinein, innerlich’, aruss. utrь ‘drinnen, hinein’, russ. vnutr’ (внутрь) ‘drinnen, hinein’, führt auf ie. *enter, *ṇter ‘zwischen … hinein’, gebildet mit Komparativsuffix zu der unter ↗in (s. d.) behandelten Präposition ie. *en ‘in’; dazu vgl. (mit no-Suffix) ahd. untarn ‘Mittag(essen)’ (9. Jh.), asächs. undorn ‘Vormittag’, aengl. undern ‘Morgen’, anord. undorn ‘Zwischenzeit’, got. undaúrnimats ‘Frühstück, Mittagsmahl’ (d. i. Zwischenmahlzeit). Die andere, verwandt mit aind. adháḥ ‘unten’, ádharaḥ ‘der untere’, lat. īnfer, īnferus ‘der untere’, īnfrā ‘unten, unterhalb, darunter’ (s. ↗infra-) und vielleicht griech. atherízein (ἀθερίζειν) ‘geringachten, verachten, verschmähen’, führt auf ie. *ṇdher ‘unter’. Die alte Bedeutung ‘zwischen’ ist heute noch in Wendungen wie unter uns, unter den Sachen, unter vier Augen erhalten. Mit unter werden zahlreiche Verben gebildet, die zum Teil bis in die ahd. Zeit zurückreichen, wie unterbinden Vb. ‘abschnüren, verhindern, verbieten, unterbrechen’, ahd. untarbintan (9. Jh.), mhd. underbinden ‘zusammenbinden, dazwischentretend trennen, verbieten’; unterbrechen Vb. ‘vorübergehend aufhören, aufhalten, trennen’, ahd. untarbrehhan ‘zerbrechen, zerstören, trennen’ (10. Jh.), mhd. underbrechen ‘verhindern, beendigen’; untergraben Vb. ‘beim Graben darunterbringen, vermengen, auswaschen, unterhöhlen, langsam zerstören’, ahd. untargraban (um 800), mhd. undergraben ‘untergraben, hintergehen, hintertreiben’. unter erscheint aber auch als erster Bestandteil in zusammengesetzten Substantiven (s. unten) und Partizipien wie unterernährt Part.adj. ‘ungenügend ernährt’ (Anfang 20. Jh.), wohl nach engl. underfed; unterentwickelt Part.adj. ‘in der körperlichen, geistigen Entwicklung zurückgeblieben’ (1. Hälfte 20. Jh.). unter Adj. (heute nur mit Flexionsendung der untere, ein unterer) ‘unten befindlich’, ahd. untaro (um 1000), mhd. under, gebildet zur Präp. (s. oben). Unter m. ihrem Wert nach unter dem Ober stehende, dem Buben, Wenzel entsprechende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (um 1500), daneben bis ins 18. Jh. noch der Untere. unterdes Adv. ‘inzwischen, seitdem, mittlerweile’, mhd. under des, gebildet mit dem Genitiv Neutr. des bestimmten Artikels; gelängt unterdessen (16. Jh.); bis ins 17. Jh. werden beide Formen oft noch getrennt geschrieben (s. auch ↗indessen). Untergrundbahn f. ‘elektrisch betriebene, unter der Erdoberfläche fahrende Schnellbahn in Großstädten’ (um 1880), nach engl. underground railway; heute meist gekürzt U-Bahn. Unterseeboot n. ‘(bewaffnetes) Schiff, das tauchen und längere Zeit unter Wassen fahren kann’ (Ende 19. Jh.), nach einem Bildungstyp engl. under sea vessel; im ersten Weltkrieg in Anlehnung an Bezeichnungen wie U 1, U 2 usw. gekürzt zu U-Boot. unterwegs, älter unterwegen Adv. ‘sich auf dem Wege irgendwohin befindend, auf, während der Reise’, ahd. untar wegun (um 1000), mhd. under wegen und in Zusammenschreibung underwegen ‘auf der Reise’, eigentlich ‘im Verlauf der Wegstrecke’. Im 16. Jh. neben unterwegen auch (seltener) unterweg(e) und (mit adverbialem -s) unterwegens; seit Anfang des 18. Jhs. die heute gültige Form unterwegs. Unterwelt f. ‘was sich unter der Erdoberfläche befindet, die dort gedachte Totenwelt’ (in der griechischen Sage), in christlicher Vorstellung ‘Hölle’, anfangs auch ‘Erdenwelt’ im Gegensatz zur ‘Himmelswelt’ (Anfang 16. Jh., geläufig Mitte 17. Jh.). Zusammenrückung von älterem die unter Welt (15. Jh.). Heute auch ‘asoziale Schichten von Kriminellen (in Großstädten), Verbrecherwelt’ (um 1920), nach engl. underworld.

Thesaurus

Synonymgruppe
bei · ↗nebst · unter · zusammen mit · ↗zwischen
Synonymgruppe
minder... · ↗nieder... · ↗unter...

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bildrand Bildschirmrand Denkmalschutzbehörde Drehzahlbereich Ebene Einkommen Einkommensgruppe Einkommensschichte Etage Geschoß Instanz Klasse Lohngruppe Mittelfeld Mittelklasse Mittelschicht Naturschutzbehörde Odertal Preisklasse Preissegment Rand Schicht Schichte Schublade Stockwerk Stufe Tabellenhälfte Taxe mittel ober

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unter‹.

Zitationshilfe
„unter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unter#1>, abgerufen am 17.10.2018.

Weitere Informationen …

unter

GrammatikAdverb (in Verbindung mit Kardinalzahlen)
Aussprache
Worttrennungun-ter (computergeneriert)
Wortbildung mit ›unter‹ als Letztglied: ↗hierunter
eWDG, 1976

Bedeutung

bezeichnet das Unterschreiten einer bestimmten Grenze   weniger als
siehe auch unter1 (Lesart II 3 a)
Beispiele:
ein Kind von unter vier Jahren
er ist unter zwanzig Jahre alt
umgangssprachlich er ist unter zwanzig
unter zweihundert ausländische Jugendliche waren anwesend
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

unter · unterbinden · unterbrechen · untergraben · unterernährt · unterentwickelt · unter · Unter · unterdes · Untergrundbahn · Unterseeboot · unterwegs · Unterwelt
unter Präp. Adv. bezeichnet als Präp. eine räumlich im Verhältnis zu einem Bezugspunkt vertikal tiefere Lage oder Richtung (‘niedriger, tiefer’ als der Bezugspunkt), eine Lage, das Sichbefinden in einer Gruppe, Menge (‘inmitten, zwischen’), ferner das Verhältnis innerhalb einer Rangordnung, Stufenfolge (‘dienstlich unterstellt’), weist modal auf einen Begleitumstand (‘mit’), einen Zustand, in dem sich etw. befindet oder in den etw. versetzt wird (unter Druck stehen oder setzen), gibt das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘niedriger, weniger, geringer als’) sowie die Gleichzeitigkeit (‘während’) an; als Adv. bezeichnet unter in Verbindung mit Kardinalzahlen das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘weniger als’, vgl. Jugendliche von unter 14 Jahren). In dem gemeingerm. Wort ahd. untar Präp. ‘in, unter, zwischen’ (8. Jh.), untar Adv. (9. Jh., zweifelhaft), mhd. under, asächs. undar, mnd. under, mnl. nl. onder, aengl. engl. schwed. under, anord. undir, got. undar Präp. sind in germ. Zeit zwei ursprünglich verschiedene Präpositionen zusammengefallen. Die eine, verwandt mit aind. ántaraḥ ‘der innere, der nähere’, antáḥ ‘innen, in, zwischen’, awest. antara- ‘der innere, innen befindlich’, griech. (Plur.) éntera (ἔντερα) ‘Eingeweide’, lat. inter ‘zwischen, unter’ (s. ↗inter-), air. eter, etir, etar ‘zwischen’, korn. ynter, yntre ‘zwischen’, aslaw. ǫtrь ‘innen, hinein, innerlich’, aruss. utrь ‘drinnen, hinein’, russ. vnutr’ (внутрь) ‘drinnen, hinein’, führt auf ie. *enter, *ṇter ‘zwischen … hinein’, gebildet mit Komparativsuffix zu der unter ↗in (s. d.) behandelten Präposition ie. *en ‘in’; dazu vgl. (mit no-Suffix) ahd. untarn ‘Mittag(essen)’ (9. Jh.), asächs. undorn ‘Vormittag’, aengl. undern ‘Morgen’, anord. undorn ‘Zwischenzeit’, got. undaúrnimats ‘Frühstück, Mittagsmahl’ (d. i. Zwischenmahlzeit). Die andere, verwandt mit aind. adháḥ ‘unten’, ádharaḥ ‘der untere’, lat. īnfer, īnferus ‘der untere’, īnfrā ‘unten, unterhalb, darunter’ (s. ↗infra-) und vielleicht griech. atherízein (ἀθερίζειν) ‘geringachten, verachten, verschmähen’, führt auf ie. *ṇdher ‘unter’. Die alte Bedeutung ‘zwischen’ ist heute noch in Wendungen wie unter uns, unter den Sachen, unter vier Augen erhalten. Mit unter werden zahlreiche Verben gebildet, die zum Teil bis in die ahd. Zeit zurückreichen, wie unterbinden Vb. ‘abschnüren, verhindern, verbieten, unterbrechen’, ahd. untarbintan (9. Jh.), mhd. underbinden ‘zusammenbinden, dazwischentretend trennen, verbieten’; unterbrechen Vb. ‘vorübergehend aufhören, aufhalten, trennen’, ahd. untarbrehhan ‘zerbrechen, zerstören, trennen’ (10. Jh.), mhd. underbrechen ‘verhindern, beendigen’; untergraben Vb. ‘beim Graben darunterbringen, vermengen, auswaschen, unterhöhlen, langsam zerstören’, ahd. untargraban (um 800), mhd. undergraben ‘untergraben, hintergehen, hintertreiben’. unter erscheint aber auch als erster Bestandteil in zusammengesetzten Substantiven (s. unten) und Partizipien wie unterernährt Part.adj. ‘ungenügend ernährt’ (Anfang 20. Jh.), wohl nach engl. underfed; unterentwickelt Part.adj. ‘in der körperlichen, geistigen Entwicklung zurückgeblieben’ (1. Hälfte 20. Jh.). unter Adj. (heute nur mit Flexionsendung der untere, ein unterer) ‘unten befindlich’, ahd. untaro (um 1000), mhd. under, gebildet zur Präp. (s. oben). Unter m. ihrem Wert nach unter dem Ober stehende, dem Buben, Wenzel entsprechende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (um 1500), daneben bis ins 18. Jh. noch der Untere. unterdes Adv. ‘inzwischen, seitdem, mittlerweile’, mhd. under des, gebildet mit dem Genitiv Neutr. des bestimmten Artikels; gelängt unterdessen (16. Jh.); bis ins 17. Jh. werden beide Formen oft noch getrennt geschrieben (s. auch ↗indessen). Untergrundbahn f. ‘elektrisch betriebene, unter der Erdoberfläche fahrende Schnellbahn in Großstädten’ (um 1880), nach engl. underground railway; heute meist gekürzt U-Bahn. Unterseeboot n. ‘(bewaffnetes) Schiff, das tauchen und längere Zeit unter Wassen fahren kann’ (Ende 19. Jh.), nach einem Bildungstyp engl. under sea vessel; im ersten Weltkrieg in Anlehnung an Bezeichnungen wie U 1, U 2 usw. gekürzt zu U-Boot. unterwegs, älter unterwegen Adv. ‘sich auf dem Wege irgendwohin befindend, auf, während der Reise’, ahd. untar wegun (um 1000), mhd. under wegen und in Zusammenschreibung underwegen ‘auf der Reise’, eigentlich ‘im Verlauf der Wegstrecke’. Im 16. Jh. neben unterwegen auch (seltener) unterweg(e) und (mit adverbialem -s) unterwegens; seit Anfang des 18. Jhs. die heute gültige Form unterwegs. Unterwelt f. ‘was sich unter der Erdoberfläche befindet, die dort gedachte Totenwelt’ (in der griechischen Sage), in christlicher Vorstellung ‘Hölle’, anfangs auch ‘Erdenwelt’ im Gegensatz zur ‘Himmelswelt’ (Anfang 16. Jh., geläufig Mitte 17. Jh.). Zusammenrückung von älterem die unter Welt (15. Jh.). Heute auch ‘asoziale Schichten von Kriminellen (in Großstädten), Verbrecherwelt’ (um 1920), nach engl. underworld.

Thesaurus

Synonymgruppe
bei · ↗nebst · unter · zusammen mit · ↗zwischen
Synonymgruppe
minder... · ↗nieder... · ↗unter...

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bildrand Bildschirmrand Denkmalschutzbehörde Drehzahlbereich Ebene Einkommen Einkommensgruppe Einkommensschichte Etage Geschoß Instanz Klasse Lohngruppe Mittelfeld Mittelklasse Mittelschicht Naturschutzbehörde Odertal Preisklasse Preissegment Rand Schicht Schichte Schublade Stockwerk Stufe Tabellenhälfte Taxe mittel ober

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unter‹.

Zitationshilfe
„unter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unter#2>, abgerufen am 17.10.2018.

Weitere Informationen …

unter

GrammatikAdjektiv · häufig attributiv
Aussprache
Worttrennungun-ter (computergeneriert)
Wortbildung mit ›unter‹ als Erstglied: ↗Unterterz
eWDG, 1976

Bedeutung

Gegenwort zu ober1
a)
von zwei oder mehreren Dingen   vertikal tiefer als etw. anderes gelegen
Beispiele:
die rechte untere Schublade
das unterste Fach des Bücherregals
der untere Teil des Schrankes
der unterste Klingelknopf
die unterste Sprosse der Leiter
die unterste Stufe der Treppe
er wohnt in einem der unteren Stockwerke
die untere Reihe
der untere Rand des Briefbogens
die unteren Luftschichten, Erdschichten
die untere (= nach Höhenlage niedrigste) Grenze der Vegetation
die untere (= der Mündung näher gelegene Teil der) Elbe
das untere (= dem Kopfende des Tisches gegenüberliegende) Tischende
bildlich
Beispiele:
Musik die unteren Oktaven (= die Oktaven, die tiefer als das eingestrichene C liegen)
umgangssprachlich das Unterste zuoberst kehren (= alles in Unordnung bringen, durcheinanderwerfen)
die unterste (= niedrigste) Gehaltsstufe
die unteren Schulklassen, Jahrgänge (= die ersten, niedrigsten Schulklassen)
b)
rangmäßig, der Stufenfolge nach, in untergeordneter Stellung
Beispiele:
untere Instanzen
die unteren militärischen Ränge, Rangstufen
das Problem wurde zuerst auf unterer Ebene diskutiert
Das ist ein Übergriff unterer Stellen [GoesAber im Winde253]
[er] hat seine Begnadigung so gut wie in der Tasche. Die unteren Organe wissen es nur noch nicht [BrechtRundköpfe10]
die untere Laufbahn (bis Obermeister) [der Volkspolizei] [Tageszeitung1965]
[er ist] Staatsfunktionär auf der untersten Ebene [Einheit1962]
Mancher schöpferische Gedanke, der in den unteren Bereichen und Grundorganisationen der Partei und FDJ geboren wurde [Einheit1958]
in der gesellschaftlichen Rangordnung sozial in niedriger, niedrigster Stellung befindlich
Beispiele:
die unteren Gesellschaftsklassen
historisch die unteren Stände
die unteren Schichten der Bevölkerung [BrechtDreigroschenoperII 3]
Jahrhundertelang hatten die Untern ihr drückendes Elend fatalistisch hingenommen [Feuchtw.Narrenweisheit269]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

unter · unterbinden · unterbrechen · untergraben · unterernährt · unterentwickelt · unter · Unter · unterdes · Untergrundbahn · Unterseeboot · unterwegs · Unterwelt
unter Präp. Adv. bezeichnet als Präp. eine räumlich im Verhältnis zu einem Bezugspunkt vertikal tiefere Lage oder Richtung (‘niedriger, tiefer’ als der Bezugspunkt), eine Lage, das Sichbefinden in einer Gruppe, Menge (‘inmitten, zwischen’), ferner das Verhältnis innerhalb einer Rangordnung, Stufenfolge (‘dienstlich unterstellt’), weist modal auf einen Begleitumstand (‘mit’), einen Zustand, in dem sich etw. befindet oder in den etw. versetzt wird (unter Druck stehen oder setzen), gibt das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘niedriger, weniger, geringer als’) sowie die Gleichzeitigkeit (‘während’) an; als Adv. bezeichnet unter in Verbindung mit Kardinalzahlen das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘weniger als’, vgl. Jugendliche von unter 14 Jahren). In dem gemeingerm. Wort ahd. untar Präp. ‘in, unter, zwischen’ (8. Jh.), untar Adv. (9. Jh., zweifelhaft), mhd. under, asächs. undar, mnd. under, mnl. nl. onder, aengl. engl. schwed. under, anord. undir, got. undar Präp. sind in germ. Zeit zwei ursprünglich verschiedene Präpositionen zusammengefallen. Die eine, verwandt mit aind. ántaraḥ ‘der innere, der nähere’, antáḥ ‘innen, in, zwischen’, awest. antara- ‘der innere, innen befindlich’, griech. (Plur.) éntera (ἔντερα) ‘Eingeweide’, lat. inter ‘zwischen, unter’ (s. ↗inter-), air. eter, etir, etar ‘zwischen’, korn. ynter, yntre ‘zwischen’, aslaw. ǫtrь ‘innen, hinein, innerlich’, aruss. utrь ‘drinnen, hinein’, russ. vnutr’ (внутрь) ‘drinnen, hinein’, führt auf ie. *enter, *ṇter ‘zwischen … hinein’, gebildet mit Komparativsuffix zu der unter ↗in (s. d.) behandelten Präposition ie. *en ‘in’; dazu vgl. (mit no-Suffix) ahd. untarn ‘Mittag(essen)’ (9. Jh.), asächs. undorn ‘Vormittag’, aengl. undern ‘Morgen’, anord. undorn ‘Zwischenzeit’, got. undaúrnimats ‘Frühstück, Mittagsmahl’ (d. i. Zwischenmahlzeit). Die andere, verwandt mit aind. adháḥ ‘unten’, ádharaḥ ‘der untere’, lat. īnfer, īnferus ‘der untere’, īnfrā ‘unten, unterhalb, darunter’ (s. ↗infra-) und vielleicht griech. atherízein (ἀθερίζειν) ‘geringachten, verachten, verschmähen’, führt auf ie. *ṇdher ‘unter’. Die alte Bedeutung ‘zwischen’ ist heute noch in Wendungen wie unter uns, unter den Sachen, unter vier Augen erhalten. Mit unter werden zahlreiche Verben gebildet, die zum Teil bis in die ahd. Zeit zurückreichen, wie unterbinden Vb. ‘abschnüren, verhindern, verbieten, unterbrechen’, ahd. untarbintan (9. Jh.), mhd. underbinden ‘zusammenbinden, dazwischentretend trennen, verbieten’; unterbrechen Vb. ‘vorübergehend aufhören, aufhalten, trennen’, ahd. untarbrehhan ‘zerbrechen, zerstören, trennen’ (10. Jh.), mhd. underbrechen ‘verhindern, beendigen’; untergraben Vb. ‘beim Graben darunterbringen, vermengen, auswaschen, unterhöhlen, langsam zerstören’, ahd. untargraban (um 800), mhd. undergraben ‘untergraben, hintergehen, hintertreiben’. unter erscheint aber auch als erster Bestandteil in zusammengesetzten Substantiven (s. unten) und Partizipien wie unterernährt Part.adj. ‘ungenügend ernährt’ (Anfang 20. Jh.), wohl nach engl. underfed; unterentwickelt Part.adj. ‘in der körperlichen, geistigen Entwicklung zurückgeblieben’ (1. Hälfte 20. Jh.). unter Adj. (heute nur mit Flexionsendung der untere, ein unterer) ‘unten befindlich’, ahd. untaro (um 1000), mhd. under, gebildet zur Präp. (s. oben). Unter m. ihrem Wert nach unter dem Ober stehende, dem Buben, Wenzel entsprechende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (um 1500), daneben bis ins 18. Jh. noch der Untere. unterdes Adv. ‘inzwischen, seitdem, mittlerweile’, mhd. under des, gebildet mit dem Genitiv Neutr. des bestimmten Artikels; gelängt unterdessen (16. Jh.); bis ins 17. Jh. werden beide Formen oft noch getrennt geschrieben (s. auch ↗indessen). Untergrundbahn f. ‘elektrisch betriebene, unter der Erdoberfläche fahrende Schnellbahn in Großstädten’ (um 1880), nach engl. underground railway; heute meist gekürzt U-Bahn. Unterseeboot n. ‘(bewaffnetes) Schiff, das tauchen und längere Zeit unter Wassen fahren kann’ (Ende 19. Jh.), nach einem Bildungstyp engl. under sea vessel; im ersten Weltkrieg in Anlehnung an Bezeichnungen wie U 1, U 2 usw. gekürzt zu U-Boot. unterwegs, älter unterwegen Adv. ‘sich auf dem Wege irgendwohin befindend, auf, während der Reise’, ahd. untar wegun (um 1000), mhd. under wegen und in Zusammenschreibung underwegen ‘auf der Reise’, eigentlich ‘im Verlauf der Wegstrecke’. Im 16. Jh. neben unterwegen auch (seltener) unterweg(e) und (mit adverbialem -s) unterwegens; seit Anfang des 18. Jhs. die heute gültige Form unterwegs. Unterwelt f. ‘was sich unter der Erdoberfläche befindet, die dort gedachte Totenwelt’ (in der griechischen Sage), in christlicher Vorstellung ‘Hölle’, anfangs auch ‘Erdenwelt’ im Gegensatz zur ‘Himmelswelt’ (Anfang 16. Jh., geläufig Mitte 17. Jh.). Zusammenrückung von älterem die unter Welt (15. Jh.). Heute auch ‘asoziale Schichten von Kriminellen (in Großstädten), Verbrecherwelt’ (um 1920), nach engl. underworld.

Thesaurus

Synonymgruppe
bei · ↗nebst · unter · zusammen mit · ↗zwischen
Synonymgruppe
minder... · ↗nieder... · ↗unter...

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bildrand Bildschirmrand Denkmalschutzbehörde Drehzahlbereich Ebene Einkommen Einkommensgruppe Einkommensschichte Etage Geschoß Instanz Klasse Lohngruppe Mittelfeld Mittelklasse Mittelschicht Naturschutzbehörde Odertal Preisklasse Preissegment Rand Schicht Schichte Schublade Stockwerk Stufe Tabellenhälfte Taxe mittel ober

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unter‹.

Zitationshilfe
„unter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unter#3>, abgerufen am 17.10.2018.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
untenstehend
untenstehen
untenliegend
untenhin
untenherum
unter-
Unterabsatz
Unterabschnitt
Unterabteilung
unterackern