unterbinden

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungun-ter-bin-den
Wortzerlegungunter-binden
Wortbildung mit ›unterbinden‹ als Erstglied: ↗Unterbindung
eWDG, 1976

Bedeutungen

I.
Grammatik: Präsens ‘unterbindet’, Präteritum ‘unterband’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘unterbunden’
1.
etw. Negatives durch bestimmte Maßnahmen verhindern
Beispiele:
den Fluchtversuch eines Gefangenen unterbinden
eine gefährliche Entwicklung unterbinden
dieser Missbrauch wurde rigoros unterbunden
2.
ein Blutgefäß unterbindenein Blutgefäß (vorübergehend) abschnüren, abbinden
Beispiele:
die Arterie während der Operation unterbinden
Er klemmte die Ader herzwärts ab, unterband sie in Kopfnähe doppelt [NollHolt2,289]
übertragen etw. in seinem Ablauf (vorübergehend) unterbrechen, zum Stillstand bringen
Beispiel:
der Verkehr war für wenige Minuten unterbunden
II.
umgangssprachlich etw. unter etw. binden
Grammatik: Präsens ‘bindet unter’, Präteritum ‘band unter’, mit Hilfsverb ‘hat’, Partizip II ‘untergebunden’
Beispiel:
sie hat ein Tuch untergebunden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

unter · unterbinden · unterbrechen · untergraben · unterernährt · unterentwickelt · unter · Unter · unterdes · Untergrundbahn · Unterseeboot · unterwegs · Unterwelt
unter Präp. Adv. bezeichnet als Präp. eine räumlich im Verhältnis zu einem Bezugspunkt vertikal tiefere Lage oder Richtung (‘niedriger, tiefer’ als der Bezugspunkt), eine Lage, das Sichbefinden in einer Gruppe, Menge (‘inmitten, zwischen’), ferner das Verhältnis innerhalb einer Rangordnung, Stufenfolge (‘dienstlich unterstellt’), weist modal auf einen Begleitumstand (‘mit’), einen Zustand, in dem sich etw. befindet oder in den etw. versetzt wird (unter Druck stehen oder setzen), gibt das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘niedriger, weniger, geringer als’) sowie die Gleichzeitigkeit (‘während’) an; als Adv. bezeichnet unter in Verbindung mit Kardinalzahlen das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘weniger als’, vgl. Jugendliche von unter 14 Jahren). In dem gemeingerm. Wort ahd. untar Präp. ‘in, unter, zwischen’ (8. Jh.), untar Adv. (9. Jh., zweifelhaft), mhd. under, asächs. undar, mnd. under, mnl. nl. onder, aengl. engl. schwed. under, anord. undir, got. undar Präp. sind in germ. Zeit zwei ursprünglich verschiedene Präpositionen zusammengefallen. Die eine, verwandt mit aind. ántaraḥ ‘der innere, der nähere’, antáḥ ‘innen, in, zwischen’, awest. antara- ‘der innere, innen befindlich’, griech. (Plur.) éntera (ἔντερα) ‘Eingeweide’, lat. inter ‘zwischen, unter’ (s. ↗inter-), air. eter, etir, etar ‘zwischen’, korn. ynter, yntre ‘zwischen’, aslaw. ǫtrь ‘innen, hinein, innerlich’, aruss. utrь ‘drinnen, hinein’, russ. vnutr’ (внутрь) ‘drinnen, hinein’, führt auf ie. *enter, *ṇter ‘zwischen … hinein’, gebildet mit Komparativsuffix zu der unter ↗in (s. d.) behandelten Präposition ie. *en ‘in’; dazu vgl. (mit no-Suffix) ahd. untarn ‘Mittag(essen)’ (9. Jh.), asächs. undorn ‘Vormittag’, aengl. undern ‘Morgen’, anord. undorn ‘Zwischenzeit’, got. undaúrnimats ‘Frühstück, Mittagsmahl’ (d. i. Zwischenmahlzeit). Die andere, verwandt mit aind. adháḥ ‘unten’, ádharaḥ ‘der untere’, lat. īnfer, īnferus ‘der untere’, īnfrā ‘unten, unterhalb, darunter’ (s. ↗infra-) und vielleicht griech. atherízein (ἀθερίζειν) ‘geringachten, verachten, verschmähen’, führt auf ie. *ṇdher ‘unter’. Die alte Bedeutung ‘zwischen’ ist heute noch in Wendungen wie unter uns, unter den Sachen, unter vier Augen erhalten. Mit unter werden zahlreiche Verben gebildet, die zum Teil bis in die ahd. Zeit zurückreichen, wie unterbinden Vb. ‘abschnüren, verhindern, verbieten, unterbrechen’, ahd. untarbintan (9. Jh.), mhd. underbinden ‘zusammenbinden, dazwischentretend trennen, verbieten’; unterbrechen Vb. ‘vorübergehend aufhören, aufhalten, trennen’, ahd. untarbrehhan ‘zerbrechen, zerstören, trennen’ (10. Jh.), mhd. underbrechen ‘verhindern, beendigen’; untergraben Vb. ‘beim Graben darunterbringen, vermengen, auswaschen, unterhöhlen, langsam zerstören’, ahd. untargraban (um 800), mhd. undergraben ‘untergraben, hintergehen, hintertreiben’. unter erscheint aber auch als erster Bestandteil in zusammengesetzten Substantiven (s. unten) und Partizipien wie unterernährt Part.adj. ‘ungenügend ernährt’ (Anfang 20. Jh.), wohl nach engl. underfed; unterentwickelt Part.adj. ‘in der körperlichen, geistigen Entwicklung zurückgeblieben’ (1. Hälfte 20. Jh.). unter Adj. (heute nur mit Flexionsendung der untere, ein unterer) ‘unten befindlich’, ahd. untaro (um 1000), mhd. under, gebildet zur Präp. (s. oben). Unter m. ihrem Wert nach unter dem Ober stehende, dem Buben, Wenzel entsprechende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (um 1500), daneben bis ins 18. Jh. noch der Untere. unterdes Adv. ‘inzwischen, seitdem, mittlerweile’, mhd. under des, gebildet mit dem Genitiv Neutr. des bestimmten Artikels; gelängt unterdessen (16. Jh.); bis ins 17. Jh. werden beide Formen oft noch getrennt geschrieben (s. auch ↗indessen). Untergrundbahn f. ‘elektrisch betriebene, unter der Erdoberfläche fahrende Schnellbahn in Großstädten’ (um 1880), nach engl. underground railway; heute meist gekürzt U-Bahn. Unterseeboot n. ‘(bewaffnetes) Schiff, das tauchen und längere Zeit unter Wassen fahren kann’ (Ende 19. Jh.), nach einem Bildungstyp engl. under sea vessel; im ersten Weltkrieg in Anlehnung an Bezeichnungen wie U 1, U 2 usw. gekürzt zu U-Boot. unterwegs, älter unterwegen Adv. ‘sich auf dem Wege irgendwohin befindend, auf, während der Reise’, ahd. untar wegun (um 1000), mhd. under wegen und in Zusammenschreibung underwegen ‘auf der Reise’, eigentlich ‘im Verlauf der Wegstrecke’. Im 16. Jh. neben unterwegen auch (seltener) unterweg(e) und (mit adverbialem -s) unterwegens; seit Anfang des 18. Jhs. die heute gültige Form unterwegs. Unterwelt f. ‘was sich unter der Erdoberfläche befindet, die dort gedachte Totenwelt’ (in der griechischen Sage), in christlicher Vorstellung ‘Hölle’, anfangs auch ‘Erdenwelt’ im Gegensatz zur ‘Himmelswelt’ (Anfang 16. Jh., geläufig Mitte 17. Jh.). Zusammenrückung von älterem die unter Welt (15. Jh.). Heute auch ‘asoziale Schichten von Kriminellen (in Großstädten), Verbrecherwelt’ (um 1920), nach engl. underworld.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausschließen · nicht erlauben · nicht gestatten · unterbinden · ↗untersagen · ↗verbieten · ↗zensieren  ●  zensurieren  österr., schweiz. · ↗prohibieren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
abblocken · ↗abwenden · ↗umgehen · unterbinden · ↗vereiteln · ↗verhindern · ↗verhüten · ↗vermeiden  ●  ↗abbiegen  ugs., fig. · ↗umschiffen  ugs.
Unterbegriffe
  • (etwas) bekämpfen, bevor es entsteht · (etwas) noch vor seiner Entstehung verhindern · (etwas) schon im Ansatz unterdrücken · (etwas) schon im Vorfeld abblocken · ↗(etwas) vereiteln · (gar) nicht (erst) aufkommen lassen · (gar) nicht (erst) einreißen lassen · von vornherein unterbinden  ●  im Keim ersticken  fig., Hauptform · den Anfängen wehren (lit.)  geh.
Assoziationen
  • (etwas) bekämpfen, bevor es entsteht · (etwas) noch vor seiner Entstehung verhindern · (etwas) schon im Ansatz unterdrücken · (etwas) schon im Vorfeld abblocken · ↗(etwas) vereiteln · (gar) nicht (erst) aufkommen lassen · (gar) nicht (erst) einreißen lassen · von vornherein unterbinden  ●  im Keim ersticken  fig., Hauptform · den Anfängen wehren (lit.)  geh.
  • (jemandem) in die Quere kommen · ↗behindern · ↗stören  ●  (jemandem) in die Parade fahren  fig. · (jemandem) ins Gehege kommen  ugs. · (jemandes) Kreise stören  geh.
  • (jemandem etwas) ersparen · ↗(jemanden) verschonen
  • (jemandem / einer Sache) Einhalt gebieten · ↗einschreiten  ●  (etwas) unternehmen gegen  ugs.
Synonymgruppe
(eine Handlung) stoppen · (einem illegalen / fragwürdigen / finsteren ...) Treiben ein Ende machen · (einer unliebsamen Aktivität) ein Ende bereiten · unterbinden  ●  (einen) Sumpf austrocknen  fig. · (einen) Sumpf trockenlegen  fig. · (einer unerwünschten Aktivität) einen Riegel vorschieben  fig. · (jemandem) das Handwerk legen  fig. · dafür sorgen, dass etwas aufhört  ugs. · ↗inhibieren  fachspr.
Assoziationen
  • (etwas) bekämpfen, bevor es entsteht · (etwas) noch vor seiner Entstehung verhindern · (etwas) schon im Ansatz unterdrücken · (etwas) schon im Vorfeld abblocken · ↗(etwas) vereiteln · (gar) nicht (erst) aufkommen lassen · (gar) nicht (erst) einreißen lassen · von vornherein unterbinden  ●  im Keim ersticken  fig., Hauptform · den Anfängen wehren (lit.)  geh.
  • (etwas) darf nicht (so) weitergehen · (etwas) muss aufhören · (mit etwas) muss Schluss sein  ●  (etwas) muss ein Ende haben  Hauptform
  • Einhalt gebieten · ↗aufhalten · ↗eindämmen · zum Stillstand bringen
  • (jemandem) in die Quere kommen · ↗behindern · ↗stören  ●  (jemandem) in die Parade fahren  fig. · (jemandem) ins Gehege kommen  ugs. · (jemandes) Kreise stören  geh.
  • (jemandem / einer Sache) Einhalt gebieten · ↗einschreiten  ●  (etwas) unternehmen gegen  ugs.
  • (jemandem) ein Schnippchen schlagen · ↗(jemandes Plan) durchkreuzen · scheitern lassen · ↗vereiteln (Plan) · ↗verunmöglichen · zu Fall bringen (Gesetzesvorhaben) · ↗zunichte machen · ↗zunichtemachen  ●  (jemandem einen) Strich durch die Rechnung machen  fig. · (jemandem) die Suppe versalzen  fig.
Antonyme
  • unterbinden

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktivität Aufmarsch Ausbreitung Berichterstattung Beschuß Drogenhandel Einfuhr Einreise Einwanderung Geldwäsche Handel Kopieren Lieferung Mißbrauch Nachschub Parken Plünderung Praktik Raketenbeschuss Schmuggel Schwarzhandel Steuerflucht Treiben Verbreitung Waffenlieferung Waffennachschub Waffenschmuggel Weitergabe Zustrom wirksam

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unterbinden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Art der hochgradig politischen Äußerung ließ sich nicht unterbinden.
Müller,Herta: Der König verneigt sich und tötet, München: Carl Hanser Verlag 2003, S. 25
Zumindest vor 1941 hätte sie durch rechtzeitige alliierte Intervention unterbunden werden können.
Süddeutsche Zeitung, 13.10.2001
Mit diesem Argument könnte man am Ende sämtliche öffentlichen Diskussionen unterbinden.
Die Zeit, 19.03.1965, Nr. 12
Aber das Marschieren nahm kein Ende und wurde nicht unterbunden.
Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 193
Aber beinahe ein halbes Jahrhundert lang wurden sie immer wieder hinausgezögert oder unterbunden.
Meyer, Henry Cord: Das Zeitalter des Imperialismus. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 4572
Zitationshilfe
„unterbinden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unterbinden>, abgerufen am 11.12.2019.

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