Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

unterbrechen

Grammatik Verb · unterbricht, unterbrach, hat unterbrochen
Aussprache 
Worttrennung un-ter-bre-chen
Wortzerlegung unter- brechen1
Wortbildung  mit ›unterbrechen‹ als Erstglied: Unterbrecher · Unterbrechung  ·  formal verwandt mit: ununterbrochen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. unterbrechenmit etw. (vorübergehend) aufhören, (vorübergehend) aufhören, etw. zu tun
Beispiele:
seine Arbeit, Reise, Fahrt unterbrechen
die Sitzungen, Verhandlungen wurden kurz unterbrochen
die Sendung, Vorstellung, das Konzert musste (für einige Minuten) unterbrochen werden
etw. unterbricht etw.etw. beendet etw. vorübergehend
Beispiel:
kein Laut unterbrach das peinliche Schweigen, die Stille
etw. (in seinem Ablauf, Verlauf) vorübergehend aufhalten, zum Stillstand bringen
Beispiele:
die Zuleitung, den Strom(kreis) unterbrechen
der Verkehr wurde durch das Unglück unterbrochen
die Bahnverbindung, Telefonverbindung, das Telefongespräch war unterbrochen
die Schwangerschaft unterbrechen (= durch ärztlichen Eingriff die Leibesfrucht vor der Geburt abtöten und entfernen)
2.
jmdn. unterbrechenjmdn. nicht ausreden lassen, jmdm. ins Wort fallen
Beispiele:
einen Gesprächspartner scharf unterbrechen
er unterbrach den Redner mit einer Frage, durch Beifallsrufe
er unterbrach mich in meinem Vortrag
ich muss dich leider unterbrechen
unterbrich mich bitte nicht!
die Kinder unterbrachen (= störten) ihn oft bei seiner Arbeit
3.
etw. wird, ist von etw. unterbrochenetw. wird, ist durch etw. gegliedert, unterteilt
Beispiele:
die Hochfläche wird von tiefen Tälern unterbrochen
kahle Moorheiden … von viereckigen schwarzen Teichen unterbrochen [ Suderm.6,95]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

unter · unterbinden · unterbrechen · untergraben · unterernährt · unterentwickelt · unter · Unter · unterdes · Untergrundbahn · Unterseeboot · unterwegs · Unterwelt
unter Präp. Adv. bezeichnet als Präp. eine räumlich im Verhältnis zu einem Bezugspunkt vertikal tiefere Lage oder Richtung (‘niedriger, tiefer’ als der Bezugspunkt), eine Lage, das Sichbefinden in einer Gruppe, Menge (‘inmitten, zwischen’), ferner das Verhältnis innerhalb einer Rangordnung, Stufenfolge (‘dienstlich unterstellt’), weist modal auf einen Begleitumstand (‘mit’), einen Zustand, in dem sich etw. befindet oder in den etw. versetzt wird (unter Druck stehen oder setzen), gibt das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘niedriger, weniger, geringer als’) sowie die Gleichzeitigkeit (‘während’) an; als Adv. bezeichnet unter in Verbindung mit Kardinalzahlen das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘weniger als’, vgl. Jugendliche von unter 14 Jahren). In dem gemeingerm. Wort ahd. untar Präp. ‘in, unter, zwischen’ (8. Jh.), untar Adv. (9. Jh., zweifelhaft), mhd. under, asächs. undar, mnd. under, mnl. nl. onder, aengl. engl. schwed. under, anord. undir, got. undar Präp. sind in germ. Zeit zwei ursprünglich verschiedene Präpositionen zusammengefallen. Die eine, verwandt mit aind. ántaraḥ ‘der innere, der nähere’, antáḥ ‘innen, in, zwischen’, awest. antara- ‘der innere, innen befindlich’, griech. (Plur.) éntera (ἔντερα) ‘Eingeweide’, lat. inter ‘zwischen, unter’ (s. inter-1), air. eter, etir, etar ‘zwischen’, korn. ynter, yntre ‘zwischen’, aslaw. ǫtrь ‘innen, hinein, innerlich’, aruss. utrь ‘drinnen, hinein’, russ. vnutr’ (внутрь) ‘drinnen, hinein’, führt auf ie. *enter, *ṇter ‘zwischen … hinein’, gebildet mit Komparativsuffix zu der unter in (s. d.) behandelten Präposition ie. *en ‘in’; dazu vgl. (mit no-Suffix) ahd. untarn ‘Mittag(essen)’ (9. Jh.), asächs. undorn ‘Vormittag’, aengl. undern ‘Morgen’, anord. undorn ‘Zwischenzeit’, got. undaúrnimats ‘Frühstück, Mittagsmahl’ (d. i. Zwischenmahlzeit). Die andere, verwandt mit aind. adháḥ ‘unten’, ádharaḥ ‘der untere’, lat. īnfer, īnferus ‘der untere’, īnfrā ‘unten, unterhalb, darunter’ (s. infra-) und vielleicht griech. atherízein (ἀθερίζειν) ‘geringachten, verachten, verschmähen’, führt auf ie. *ṇdher ‘unter’. Die alte Bedeutung ‘zwischen’ ist heute noch in Wendungen wie unter uns, unter den Sachen, unter vier Augen erhalten. Mit unter werden zahlreiche Verben gebildet, die zum Teil bis in die ahd. Zeit zurückreichen, wie unterbinden Vb. ‘abschnüren, verhindern, verbieten, unterbrechen’, ahd. untarbintan (9. Jh.), mhd. underbinden ‘zusammenbinden, dazwischentretend trennen, verbieten’; unterbrechen Vb. ‘vorübergehend aufhören, aufhalten, trennen’, ahd. untarbrehhan ‘zerbrechen, zerstören, trennen’ (10. Jh.), mhd. underbrechen ‘verhindern, beendigen’; untergraben Vb. ‘beim Graben darunterbringen, vermengen, auswaschen, unterhöhlen, langsam zerstören’, ahd. untargraban (um 800), mhd. undergraben ‘untergraben, hintergehen, hintertreiben’. unter erscheint aber auch als erster Bestandteil in zusammengesetzten Substantiven (s. unten) und Partizipien wie unterernährt Part.adj. ‘ungenügend ernährt’ (Anfang 20. Jh.), wohl nach engl. underfed; unterentwickelt Part.adj. ‘in der körperlichen, geistigen Entwicklung zurückgeblieben’ (1. Hälfte 20. Jh.). – unter Adj. (heute nur mit Flexionsendung der untere, ein unterer) ‘unten befindlich’, ahd. untaro (um 1000), mhd. under, gebildet zur Präp. (s. oben). Unter m. ihrem Wert nach unter dem Ober stehende, dem Buben, Wenzel entsprechende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (um 1500), daneben bis ins 18. Jh. noch der Untere. unterdes Adv. ‘inzwischen, seitdem, mittlerweile’, mhd. under des, gebildet mit dem Genitiv Neutr. des bestimmten Artikels; gelängt unterdessen (16. Jh.); bis ins 17. Jh. werden beide Formen oft noch getrennt geschrieben (s. auch indessen). Untergrundbahn f. ‘elektrisch betriebene, unter der Erdoberfläche fahrende Schnellbahn in Großstädten’ (um 1880), nach engl. underground railway; heute meist gekürzt U-Bahn. Unterseeboot n. ‘(bewaffnetes) Schiff, das tauchen und längere Zeit unter Wassen fahren kann’ (Ende 19. Jh.), nach einem Bildungstyp engl. under sea vessel; im ersten Weltkrieg in Anlehnung an Bezeichnungen wie U 1, U 2 usw. gekürzt zu U-Boot. unterwegs, älter unterwegen Adv. ‘sich auf dem Wege irgendwohin befindend, auf, während der Reise’, ahd. untar wegun (um 1000), mhd. under wegen und in Zusammenschreibung underwegen ‘auf der Reise’, eigentlich ‘im Verlauf der Wegstrecke’. Im 16. Jh. neben unterwegen auch (seltener) unterweg(e) und (mit adverbialem -s) unterwegens; seit Anfang des 18. Jhs. die heute gültige Form unterwegs. Unterwelt f. ‘was sich unter der Erdoberfläche befindet, die dort gedachte Totenwelt’ (in der griechischen Sage), in christlicher Vorstellung ‘Hölle’, anfangs auch ‘Erdenwelt’ im Gegensatz zur ‘Himmelswelt’ (Anfang 16. Jh., geläufig Mitte 17. Jh.). Zusammenrückung von älterem die unter Welt (15. Jh.). Heute auch ‘asoziale Schichten von Kriminellen (in Großstädten), Verbrecherwelt’ (um 1920), nach engl. underworld.

Thesaurus

Synonymgruppe
außer Kraft setzen · zeitweilig aufheben  ●  (etwas) unterbrechen  Hauptform · intermittieren  technisch
Assoziationen
  • (die) Vollziehung aussetzen · außer Vollzug setzen · nicht vollziehen
  • Frist (bis zu ...) verlängern · unterbrechen · vertagen · zurückstellen  ●  sistieren geh., bildungssprachlich
  • rückgängig machen · wieder abschaffen · wieder außer Kraft setzen · zurücknehmen  ●  kassieren (Gesetz) ugs., fig. · wieder einkassieren ugs., fig.
Synonymgruppe
(jemandem) Umstände machen · Unbequemlichkeiten bereiten · ablenken · behelligen · belästigen · in Anspruch nehmen · irritieren · unterbrechen  ●  (jemanden) stören  Hauptform · (jemandem) Ungelegenheiten bereiten  geh., veraltend · (jemanden) derangieren  geh., veraltet · inkommodieren  geh., lat. · molestieren  geh., veraltend, lat. · nerven  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
(etwas) einwerfen · (jemandem) das Wort abschneiden · (jemandem) ins Wort fallen · (jemanden) keinen Gedanken zu Ende führen lassen · (jemanden) nicht ausreden lassen · (jemanden) nicht zu Wort kommen lassen · (jemanden) unterbrechen · dazwischenrufen · dreinreden  ●  (ungefragt) dazwischenreden  Hauptform · (jemandem) in die Parade fahren  geh. · dazwischenquatschen  ugs. · interpellieren  geh., lat., sehr selten · reingrätschen  ugs., fig. · reinreden  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
pausieren · unterbrechen  ●  (eine) Pause einlegen  Hauptform · (einen) Break machen  Jargon, Anglizismus · innehalten  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Frist (bis zu ...) verlängern · unterbrechen · vertagen · zurückstellen  ●  sistieren  geh., bildungssprachlich
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›unterbrechen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unterbrechen‹.

Verwendungsbeispiele für ›unterbrechen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst wenn sie sich wieder hören ließen, setzte er seine unterbrochene Rede fort. [Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 108]
Er nahm, als ob gar nichts vorgefallen sei, die unterbrochene Arbeit von neuem auf. [May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 177]
Der Abschluß der mehrfach unterbrochenen Arbeiten zog sich bis etwa 1230 hin. [o. A.: Lexikon der Kunst – D. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1989], S. 6872]
Schwach drang der unterbrochene Ton durch die zwei Finger dick gefrorenen Scheiben. [Die Zeit, 02.01.1998, Nr. 2]
Der mehrfach unterbrochene Prozess dauerte am späten Nachmittag noch an. [Die Zeit, 18.07.2013 (online)]
Zitationshilfe
„unterbrechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unterbrechen>.

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