unterbrechen

GrammatikVerb · unterbricht, unterbrach, hat unterbrochen
Aussprache
Worttrennungun-ter-bre-chen
Wortzerlegungunter-brechen1
Wortbildung mit ›unterbrechen‹ als Erstglied: ↗Unterbrecher · ↗Unterbrechung  ·  formal verwandt mit: ↗ununterbrochen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. unterbrechenmit etw. (vorübergehend) aufhören, (vorübergehend) aufhören, etw. zu tun
Beispiele:
seine Arbeit, Reise, Fahrt unterbrechen
die Sitzungen, Verhandlungen wurden kurz unterbrochen
die Sendung, Vorstellung, das Konzert musste (für einige Minuten) unterbrochen werden
etw. unterbricht etw.etw. beendet etw. vorübergehend
Beispiel:
kein Laut unterbrach das peinliche Schweigen, die Stille
etw. (in seinem Ablauf, Verlauf) vorübergehend aufhalten, zum Stillstand bringen
Beispiele:
die Zuleitung, den Strom(kreis) unterbrechen
der Verkehr wurde durch das Unglück unterbrochen
die Bahnverbindung, Telefonverbindung, das Telefongespräch war unterbrochen
die Schwangerschaft unterbrechen (= durch ärztlichen Eingriff die Leibesfrucht vor der Geburt abtöten und entfernen)
2.
jmdn. unterbrechenjmdn. nicht ausreden lassen, jmdm. ins Wort fallen
Beispiele:
einen Gesprächspartner scharf unterbrechen
er unterbrach den Redner mit einer Frage, durch Beifallsrufe
er unterbrach mich in meinem Vortrag
ich muss dich leider unterbrechen
unterbrich mich bitte nicht!
die Kinder unterbrachen (= störten) ihn oft bei seiner Arbeit
3.
etw. wird, ist von etw. unterbrochenetw. wird, ist durch etw. gegliedert, unterteilt
Beispiele:
die Hochfläche wird von tiefen Tälern unterbrochen
kahle Moorheiden ... von viereckigen schwarzen Teichen unterbrochen [Suderm.6,95]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

unter · unterbinden · unterbrechen · untergraben · unterernährt · unterentwickelt · unter · Unter · unterdes · Untergrundbahn · Unterseeboot · unterwegs · Unterwelt
unter Präp. Adv. bezeichnet als Präp. eine räumlich im Verhältnis zu einem Bezugspunkt vertikal tiefere Lage oder Richtung (‘niedriger, tiefer’ als der Bezugspunkt), eine Lage, das Sichbefinden in einer Gruppe, Menge (‘inmitten, zwischen’), ferner das Verhältnis innerhalb einer Rangordnung, Stufenfolge (‘dienstlich unterstellt’), weist modal auf einen Begleitumstand (‘mit’), einen Zustand, in dem sich etw. befindet oder in den etw. versetzt wird (unter Druck stehen oder setzen), gibt das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘niedriger, weniger, geringer als’) sowie die Gleichzeitigkeit (‘während’) an; als Adv. bezeichnet unter in Verbindung mit Kardinalzahlen das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘weniger als’, vgl. Jugendliche von unter 14 Jahren). In dem gemeingerm. Wort ahd. untar Präp. ‘in, unter, zwischen’ (8. Jh.), untar Adv. (9. Jh., zweifelhaft), mhd. under, asächs. undar, mnd. under, mnl. nl. onder, aengl. engl. schwed. under, anord. undir, got. undar Präp. sind in germ. Zeit zwei ursprünglich verschiedene Präpositionen zusammengefallen. Die eine, verwandt mit aind. ántaraḥ ‘der innere, der nähere’, antáḥ ‘innen, in, zwischen’, awest. antara- ‘der innere, innen befindlich’, griech. (Plur.) éntera (ἔντερα) ‘Eingeweide’, lat. inter ‘zwischen, unter’ (s. ↗inter-), air. eter, etir, etar ‘zwischen’, korn. ynter, yntre ‘zwischen’, aslaw. ǫtrь ‘innen, hinein, innerlich’, aruss. utrь ‘drinnen, hinein’, russ. vnutr’ (внутрь) ‘drinnen, hinein’, führt auf ie. *enter, *ṇter ‘zwischen … hinein’, gebildet mit Komparativsuffix zu der unter ↗in (s. d.) behandelten Präposition ie. *en ‘in’; dazu vgl. (mit no-Suffix) ahd. untarn ‘Mittag(essen)’ (9. Jh.), asächs. undorn ‘Vormittag’, aengl. undern ‘Morgen’, anord. undorn ‘Zwischenzeit’, got. undaúrnimats ‘Frühstück, Mittagsmahl’ (d. i. Zwischenmahlzeit). Die andere, verwandt mit aind. adháḥ ‘unten’, ádharaḥ ‘der untere’, lat. īnfer, īnferus ‘der untere’, īnfrā ‘unten, unterhalb, darunter’ (s. ↗infra-) und vielleicht griech. atherízein (ἀθερίζειν) ‘geringachten, verachten, verschmähen’, führt auf ie. *ṇdher ‘unter’. Die alte Bedeutung ‘zwischen’ ist heute noch in Wendungen wie unter uns, unter den Sachen, unter vier Augen erhalten. Mit unter werden zahlreiche Verben gebildet, die zum Teil bis in die ahd. Zeit zurückreichen, wie unterbinden Vb. ‘abschnüren, verhindern, verbieten, unterbrechen’, ahd. untarbintan (9. Jh.), mhd. underbinden ‘zusammenbinden, dazwischentretend trennen, verbieten’; unterbrechen Vb. ‘vorübergehend aufhören, aufhalten, trennen’, ahd. untarbrehhan ‘zerbrechen, zerstören, trennen’ (10. Jh.), mhd. underbrechen ‘verhindern, beendigen’; untergraben Vb. ‘beim Graben darunterbringen, vermengen, auswaschen, unterhöhlen, langsam zerstören’, ahd. untargraban (um 800), mhd. undergraben ‘untergraben, hintergehen, hintertreiben’. unter erscheint aber auch als erster Bestandteil in zusammengesetzten Substantiven (s. unten) und Partizipien wie unterernährt Part.adj. ‘ungenügend ernährt’ (Anfang 20. Jh.), wohl nach engl. underfed; unterentwickelt Part.adj. ‘in der körperlichen, geistigen Entwicklung zurückgeblieben’ (1. Hälfte 20. Jh.). unter Adj. (heute nur mit Flexionsendung der untere, ein unterer) ‘unten befindlich’, ahd. untaro (um 1000), mhd. under, gebildet zur Präp. (s. oben). Unter m. ihrem Wert nach unter dem Ober stehende, dem Buben, Wenzel entsprechende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (um 1500), daneben bis ins 18. Jh. noch der Untere. unterdes Adv. ‘inzwischen, seitdem, mittlerweile’, mhd. under des, gebildet mit dem Genitiv Neutr. des bestimmten Artikels; gelängt unterdessen (16. Jh.); bis ins 17. Jh. werden beide Formen oft noch getrennt geschrieben (s. auch ↗indessen). Untergrundbahn f. ‘elektrisch betriebene, unter der Erdoberfläche fahrende Schnellbahn in Großstädten’ (um 1880), nach engl. underground railway; heute meist gekürzt U-Bahn. Unterseeboot n. ‘(bewaffnetes) Schiff, das tauchen und längere Zeit unter Wassen fahren kann’ (Ende 19. Jh.), nach einem Bildungstyp engl. under sea vessel; im ersten Weltkrieg in Anlehnung an Bezeichnungen wie U 1, U 2 usw. gekürzt zu U-Boot. unterwegs, älter unterwegen Adv. ‘sich auf dem Wege irgendwohin befindend, auf, während der Reise’, ahd. untar wegun (um 1000), mhd. under wegen und in Zusammenschreibung underwegen ‘auf der Reise’, eigentlich ‘im Verlauf der Wegstrecke’. Im 16. Jh. neben unterwegen auch (seltener) unterweg(e) und (mit adverbialem -s) unterwegens; seit Anfang des 18. Jhs. die heute gültige Form unterwegs. Unterwelt f. ‘was sich unter der Erdoberfläche befindet, die dort gedachte Totenwelt’ (in der griechischen Sage), in christlicher Vorstellung ‘Hölle’, anfangs auch ‘Erdenwelt’ im Gegensatz zur ‘Himmelswelt’ (Anfang 16. Jh., geläufig Mitte 17. Jh.). Zusammenrückung von älterem die unter Welt (15. Jh.). Heute auch ‘asoziale Schichten von Kriminellen (in Großstädten), Verbrecherwelt’ (um 1920), nach engl. underworld.

Thesaurus

Synonymgruppe
außer Kraft setzen · ↗intermittieren · unterbrechen · zeitweilig aufheben
Assoziationen
  • (die) Vollziehung aussetzen · außer Vollzug setzen · nicht vollziehen
Synonymgruppe
(einen) Cut machen · ↗abbrechen · ↗stoppen · unterbrechen  ●  auf die Bremse treten  fig. · die Notbremse ziehen  ugs., fig. · die Reißleine ziehen  ugs., fig. · ↗schmeißen  ugs.
Assoziationen
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · ↗aufgeben · ↗beenden · ↗fallen lassen · ↗fallenlassen · hinter sich lassen · ↗sausen lassen · ↗stoppen · ↗vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · ↗beerdigen  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · ↗einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(jemandem) Umstände machen · Unbequemlichkeiten bereiten · ↗ablenken · ↗behelligen · ↗belästigen · in Anspruch nehmen · ↗irritieren · unterbrechen  ●  ↗(jemanden) stören  Hauptform · ↗inkommodieren  geh., lat. · ↗molestieren  geh., veraltend, lat. · ↗nerven  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Beeinträchtigung · ↗Betriebsstörung · ↗Fehlfunktion · ↗Störung · ↗Unregelmäßigkeit
  • einreden (auf)  ●  (jemandem) die Hucke volllabern  ugs., salopp · (jemandem) die Ohren vollblasen  ugs. · (jemandem) die Ohren volllabern  ugs. · (jemandem) die Ohren vollquatschen  ugs. · (jemandem) die Ohren vollsülzen  ugs. · (jemandem) ein Ohr abkauen  ugs., fig. · (jemandem) ein Ohr abknabbern  ugs., fig. · (jemandem) einen Knopf an die Backe labern  ugs., fig. · (jemandem) in den Ohren liegen (mit)  ugs. · (jemanden) totquatschen  ugs., fig. · (jemanden) volllabern  ugs. · (jemanden) vollquatschen  ugs. · (jemanden) vollsülzen  ugs., abwertend · (jemanden) zuquasseln  ugs. · ↗(jemanden) zuschwallen  ugs. · (jemanden) zutexten  ugs. · (wie) wild einreden auf (Verstärkung)  ugs.
  • (sich) Vertraulichkeiten herausnehmen · ↗(sich) aufdrängen · ↗bedrängen · ↗belästigen · lästig fallen · lästig sein · lästig werden · nicht in Ruhe lassen · zudringlich werden  ●  (jemandem) auf den Pelz rücken  ugs.
  • (jemanden) ausfragen · intensiv befragen  ●  (jemandem) Löcher in den Bauch fragen  ugs. · ↗(jemanden) ausquetschen  ugs. · ↗(jemanden) löchern  ugs. · ausquetschen wie eine Zitrone  ugs. · ein Loch in den Bauch fragen  ugs.
  • Störfaktor  ●  ein Dorn im Auge  ugs., fig.
  • dazwischenfahren · ↗dazwischengehen · ↗dazwischenhauen · ↗dazwischenkommen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
(etwas) einwerfen · (jemandem) das Wort abschneiden · (jemandem) ins Wort fallen · (jemanden) keinen Gedanken zu Ende führen lassen · (jemanden) nicht ausreden lassen · (jemanden) unterbrechen · ↗dazwischenrufen · ↗hineinreden · ↗hineinrufen  ●  ↗(ungefragt) dazwischenreden  Hauptform · (in einen Wortbeitrag) reingrätschen  ugs., fig. · (jemandem) in die Parade fahren  ugs. · ↗dazwischenquatschen  ugs. · ↗interpellieren  geh., lat. · ↗reinreden  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) unterbrechen · Pause einlegen · ↗innehalten
Synonymgruppe
Frist (bis zu ...) verlängern · ↗aussetzen · ↗ruhen (lassen) · unterbrechen · ↗vertagen · ↗zurückstellen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Applaus Bahnverkehr Bauarbeit Beifall Fahrt Gespräch Minute Partie Prozeß Rede Redefluß S-Bahn-Verkehr Schiedsrichter Sitzung Stille Straßenbahnverkehr Stromversorgung Stromzufuhr Stunde Telefonleitung Telefonverbindung Urlaub Verbindung Verhandlung Verjährung Verkehr Wasserversorgung Werbung Zugverkehr Zwischenruf

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unterbrechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei unterbreche ich immer wieder und frage den Mann, wie er sich fühlt um den Frauen zu spiegeln, wie weit sie tatsächlich gehen könnten.
Die Zeit, 03.10.2007, Nr. 41
Nur wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, hätte man die begonnenen Arbeiten unterbrechen dürfen.
Süddeutsche Zeitung, 26.05.2004
Er hatte gerade wieder einmal vergeblich versucht, seine Frau zu unterbrechen.
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 276
Erst wenn sie sich wieder hören ließen, setzte er seine unterbrochene Rede fort.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 108
Und den Alten hier was unterbrichst du ihn in seinem unaufhörlichen Andenken?
Rilke, Rainer Maria: [Gewitter-Segen]. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 1998 [1914], S. 2200
Zitationshilfe
„unterbrechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unterbrechen>, abgerufen am 06.12.2019.

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