unterdrücken

Grammatik Verb · unterdrückt, unterdrückte, hat unterdrückt
Aussprache [ˌʊntɐˈdʀʏkn̩]
Worttrennung un-ter-drü-cken
Wortzerlegung unter-drücken
Wortbildung  mit ›unterdrücken‹ als Erstglied: ↗Unterdrücker · ↗Unterdrückung
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
etw., besonders Gefühlsäußerungen, Laute, zurückhalten, damit sie von anderen nicht wahrgenommen werden
Beispiele:
sie konnte ihren Zorn, Ärger, ihre Empörung, Gefühle nur mit Mühe unterdrücken
ein Weinen, Schluchzen, Lachen mühsam unterdrücken
ein unterdrücktes Lächeln, Gähnen, Husten
ein unterdrückter (Freuden‑)Schrei, Seufzer
einen Wunsch, seine Gedanken unterdrücken
eine Bemerkung, Frage unterdrücken (= nicht aussprechen)
er unterdrückte seinen Protest, seine Kritik
2.
Phrasem:
einen Aufstand unterdrücken (= einen Aufstand gewaltsam verhindern, unterbinden)
Beispiel:
der Aufstand wurde rücksichtslos unterdrückt
3.
jmd. unterdrückt jmdn.jmdn. (unter Androhung oder Ausübung von Gewalt) in seiner Entfaltung behindern, von der Wahrung seiner Rechte, Interessen abhaltenZDL
Beispiel:
er unterdrückte seine Mitarbeiter, Frau
4.
Technik jmd., etw.unterdrückt etw.etw. unter einem bestimmten Niveau haltenZDL
Beispiele:
Brown vermutet, dass Lachgas in den ersten drei Minuten Signale aus dem Hirnstamm unterdrückt, die dafür sorgen, dass man wach bleibt. [Der Standard, 10.07.2015]
Einige Forschungsgruppen begannen […], die zylindrischen Antennen fast bis auf den absoluten Temperaturnullpunkt abzukühlen, um das thermische Rauschen zu unterdrücken. [Neue Zürcher Zeitung, 11.02.2016]
Zusätzlich können die Techniker mit der Software Rauschen und Echos effektiver unterdrücken. [Welt am Sonntag, 14.02.2010]
Bei Experimenten mit zwei unterschiedlich genetisch manipulierten Maus‑Modellen wurde bereits nach zehn Monaten in 99 Prozent aller im Körper zirkulierenden roten Blutkörperchen das eingeschleuste, intakte Gen exprimiert (= herausgedrückt). Die Anzeichen der Krankheit wurden, so L[…], wirkungsvoll unterdrückt. [Der Spiegel, 14.12.2001 (online)]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

drücken · Drückeberger · Druck2 · eindrücken · Eindruck · Drücker · ausdrücken · Ausdruck · ausdrücklich · bedrücken · unterdrücken · Unterdrückung · Unterdrücker
drücken Vb. ‘pressen, belasten, bedrängen’. Bis ins 17. Jh. daneben gleichbed. umlautloses obd.drucken (s. d.). Ahd. thrucken ‘pressen, bedrücken, quälen, bedrängen’ (9. Jh.), mhd. drücken, drucken ‘(be)drängen, pressen, auspressen, sich drängen’, mnd. drücken, mnl. drucken, nl. drukken, aengl. þryccan ‘zerdrücken, drängen, beleidigen, unterdrücken’, schwed. trycka ‘drücken, drucken’ sind Intensivbildungen (germ. *þrukkjan) zu einer Weiterbildung der Verbalwurzel germ. *þrūg-, die innerhalb des Germ. auch in anord. þrūga ‘drohen, unterdrücken, nötigen’ überliefert ist. Mit verwandtem lit. trū́kti ‘entzweireißen, zerspringen, bersten’ stellen sich die germ. Formen zu ie. *treuk-, *trū̌k-, einer zweifachen Erweiterung der Wurzel ie. *ter(ə)- ‘reiben, drehend reiben’, auf die auch ↗drehen und ↗drohen zurückgehen (s. d.). Drückeberger m. ‘wer sich heimlich (vor einer Arbeit) davonmacht, eine Aufgabe nicht übernimmt’ (19. Jh.), scherzhafte Bildung nach dem Typ der Herkunftsnamen auf -berger (vgl. Perleberger ‘einer aus Perleberg’, s. auch ↗Schlauberger), zu sich drücken ‘sich heimlich davonmachen’ (13. Jh.). Druck2 m. ‘das Drücken, Zwang, Belastung’, modern als technischer Terminus in Luft-, Wasser-, Überdruck u. a.; ahd. thruc ‘Druck, Einwirkung’ (um 1000), mhd. druc ‘Druck, feindliches Zusammenstoßen’. eindrücken Vb. ‘eine Spur hinterlassen, einprägen, durch Druck zerstören’, ahd. inthrucken ‘etw. mit Druck einprägen, aufdrücken’ (Hs. 12. Jh.), mhd. īndrucken; für geistige Beeinflussung und Wirkung ist heute beeindrucken üblich (seit etwa 1900). Daraus rückgebildet Eindruck m. ‘Druckspur, Einwirkung auf Fühlen und Denken’, mhd. īndruc ‘Empfindung, nachhaltige Wirkung’, bei den Mystikern gebräuchlich, danach häufig seit dem 18. Jh. (einen guten, tiefen Eindruck ‘Wirkung’ machen, hinterlassen). Drücker m. ‘mechanische Vorrichtung, Handhabe zur Ausübung von Druck’ (17. Jh.), dann ‘Bedienungsknopf zur Herstellung eines elektrischen Kontaktes’; vgl. dagegen mhd. drücker ‘Unterdrücker’, so noch im 19. Jh., dann abgelöst von Unterdrücker (s. unten). ausdrücken Vb. ‘auspressen, (in Worten) darstellen’, mhd. ūʒdrücken ‘auspressen’; seit dem 15. Jh. ‘in Worte fassen, aussprechen’ (Luther: mit ausgedruckten Worten für lat. expressis verbis); im 16. Jh. wird das Part. Prät. ausgedruckt häufig für heutiges ausdrücklich (s. unten) verwendet. Das 18. Jh. verbindet ausdrücken (und Ausdruck) mit dem Sichtbarwerden von Gefühl und seelischer Reaktion und bezieht es auf künstlerische Gestaltung und Formgebung. Ausdruck m. ‘äußerliches Zeichen inneren Geschehens, Erlebens’, spätmhd. ūʒdruc, seit dem 18. Jh. ‘die Art zu sprechen’, auch ‘Redensart, Wort, (künstlerische) Gestaltung’. ausdrücklich Adj. ‘betont, deutlich, klar’ (16. Jh.). bedrücken Vb. ‘belasten’, ahd. bithrucken ‘schänden, niederdrücken, unterdrücken’ (10. Jh.), mhd. bedrücken ‘niederdrücken, überwältigen’. unterdrücken Vb. ‘niederhalten, unterjochen, gewaltsam beherrschen’, mhd. underdrücken ‘nach unten drücken, unterjochen, unterwerfen’; Unterdrückung f. ‘Unterwerfung, (gewaltsame) Beherrschung’ (15. Jh.); Unterdrücker m. (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abwürgen (Diskussion) · ↗ersticken · unterdrücken
Unterbegriffe
  • (etwas) gar nicht (erst) so weit kommen lassen · (etwas) schon im Ansatz unterdrücken · (etwas) schon im Vorfeld abblocken · (etws) von vornherein unterbinden · (gar) nicht (erst) aufkommen lassen · (gar) nicht (erst) einreißen lassen  ●  (etwas) im Keim ersticken  fig., Hauptform · den Anfängen wehren  geh.
Assoziationen
  • (jemanden) am Sprechen hindern · mundtot machen · zum Schweigen bringen  ●  (jemandem) einen Maulkorb umhängen  fig. · (jemandem) das Maul stopfen  derb · dafür sorgen, dass jemand den Mund hält  ugs.
  • Scheinargument  ●  Totschlagargument  Hauptform · Killerphrase  ugs.
Synonymgruppe
abwehren · ↗ausblenden · ↗ersticken (Gefühle) · ↗niederdrücken · ↗supprimieren · unterdrücken · ↗verdrängen
Politik
Synonymgruppe
kleinhalten · ↗knebeln · ↗knuten · unterdrücken · ↗unterjochen · ↗versklaven  ●  ↗opprimieren  geh., veraltet, lat. · ↗unterbuttern  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
nicht aussprechen · unterdrücken  ●  ↗(eine Bemerkung) hinunterschlucken  fig. · ↗(etwas) runterschlucken  fig. · ↗(sich etwas) verbeißen  ugs. · ↗(sich) (eine Bemerkung) verkneifen  ugs. · (sich) auf die Zunge beißen  ugs., fig.
Assoziationen
  • kein Wort über etwas verlieren · mit keinem Wort erwähnen · nicht ansprechen · nicht eingehen (auf) · nicht erwähnen · unerwähnt lassen · ungesagt lassen · ↗unterschlagen · ↗verheimlichen · ↗verleugnen  ●  ↗verschweigen  Hauptform · (mit etwas) hinter dem Berg halten  ugs., variabel · nichts erwähnen (von)  ugs. · nichts erzählen (von)  ugs. · nichts sagen (von)  ugs. · unter den Tisch fallen lassen  ugs., fig. · ↗verhehlen  geh.
  • (aus etwas) ein Geheimnis machen · (die) Diskretion wahren · (etwas) niemandem sonst erzählen · ↗(jemandem etwas) verheimlichen · für sich behalten · in seinem Herzen bewahren · nicht ausplaudern · nicht verraten · nicht weitererzählen · nicht weitergeben (eine Information) · nicht weitersagen  ●  mit ins Grab nehmen  fig. · ↗verschweigen  Hauptform · Stillschweigen bewahren  geh. · in seinem Herzen verschließen (lit.)  geh. · mit niemandem sprechen über  ugs. · nicht preisgeben  geh. · niemandem etwas sagen (von)  ugs., variabel
  • (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · keine Antwort geben · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · ↗schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs., fig. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
  • (z.B. seine Wut) herunterschlucken · ↗(z.B. seinen Ärger) hinunterschlucken · unterdrücken (emotionalen Impuls)  ●  (die) Faust in der Tasche ballen  fig. · (die) Faust im Sack machen  ugs., schweiz., fig. · ↗(z.B. seinen Frust) runterschlucken  ugs.
Synonymgruppe
maßregeln · mit Sanktionen belegen  ●  ↗sanktionieren  fachspr. · unterdrücken  ugs.
Synonymgruppe
abwürgen (Diskussion) · nicht ans Licht der Öffentlichkeit kommen lassen · unterdrücken · zu verheimlichen (ver)suchen  ●  unter den Teppich kehren  fig.

Typische Verbindungen zu ›unterdrücken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unterdrücken‹.

Zitationshilfe
„unterdrücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unterdr%C3%BCcken>, abgerufen am 13.05.2021.

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