Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

unterliegen

Grammatik Verb · unterliegt, unterlag, ist/hat unterlegen
Aussprache 
Worttrennung un-ter-lie-gen
Wortzerlegung unter- liegen
Wortbildung  mit ›unterliegen‹ als Grundform: unterlegen2
eWDG

Bedeutungen

1.
jmd. unterliegt jmdm., einer Sachejmd. wird von jmdm., einer Sache besiegt, ist schwächer als jmd., etw.
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
a)
jmd. unterliegt jmdm.
Beispiele:
seinen Feinden, dem Gegner unterliegen
die Mannschaft ist dem Gegner unterlegen, unterlag (mit) 1:3 gegen S
jmdm. im Wettbewerb unterliegen
als bei der Nachwahl unser Kandidat … unterlag [ BebelAus meinem Leben466]
so kann das Gericht den Betrag … von der unterliegenden Partei einziehen [ Neue Justiz1965]
b)
jmd. unterliegt einer Krankheitjmd. erliegt einer Krankheit
Beispiele:
einer Krankheit, Ansteckung, einem Fieber unterliegen
einer Verführung, Versuchung unterliegen
Ohne sie nur berührt zu haben, unterlag ich ihrem Zauber [ HesseSteppenw.4,360]
2.
etw. unterliegt einer Sache
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
etw. wird durch etw. bestimmt, ist einer Sache ausgesetzt
Beispiele:
etw. unterliegt einem Zwang
die Moleküle unterliegen zwangsläufig ständigen Schwankungen
die Mode unterliegt der Zeit
die Kleidung unterliegt der Mode
b)
Beispiele:
diese Angelegenheit unterliegt der Schweigepflicht (= für diese Angelegenheit gilt Schweigepflicht)
dieses Vergehen unterliegt nicht der Verjährung
c)
etw., jmd. unterliegt einer Sache
Grammatik: in Verbindung mit Substantiven, die vornehmlich eine Handlung bezeichnen, im abgeblaßten Sinn von durchgeführt werden, gemacht werden
Beispiele:
etw. unterliegt einer besonderen Behandlung (= wird besonders behandelt)
die Waren unterliegen einer strengen Kontrolle (= werden streng kontrolliert)
das Fahrzeug unterlag einem sorgfältigen Test (= wurde sorgfältig getestet)
jmd., etw. unterliegt einer scharfen Kritik (= wird scharf kritisiert)
Dabei wird besonders beachtet, daß die Frau als Mutter besonderen Belastungen unterliegt (= besonders belastet ist) [ Neue Justiz1966]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

liegen · abliegen · abgelegen · anliegen · Anliegen · Anlieger · angelegen · Angelegenheit · angelegentlich · erliegen · unterliegen · Liege · Liegenschaft
liegen Vb. ‘sich (in waagerechter Lage) befinden, der Länge nach ausgestreckt sein’. Das gemeingerm. starke Verb ahd. liggen (um 800), mhd. ligen, asächs. liggian, mnd. lig(g)en, mnl. ligghen, nl. liggen, aengl. licgan, engl. to lie, anord. liggja, schwed. ligga, got. (ohne j-Präsens) ligan, im germ. Bereich verwandt mit Lage, Lager, Gelichter (s. d.) und den kausativen Verben legen, eigentlich ‘liegen machen’, und löschen2, eigentlich ‘sich legen machen’, sowie löschen1, eigentlich ‘sich legen’ (s. d.), setzt mit griech. léchos, léktron (λέχος, λέκτρον) ‘Lager, (Ehe)bett’, lóchos (λόχος) ‘das Lagern, Kindbett’, gewöhnlich ‘Hinterhalt, (die im Hinterhalt liegende) Schar’, lat. lectus ‘Lagerstatt, Bett’, air. lige ‘Bett, Lager’, laigid ‘legt sich’, gall. legasit ‘legte’, lit. (pa)lė́gti ‘niederlegen, schwächlich, kränklich werden’, palėgỹs ‘Bettlägerigkeit’, aslaw. ležati, russ. ležát’ (лежать) ‘liegen’, aslaw. lešti, russ. leč’ (лечь) ‘sich hin-, niederlegen’, aslaw. lože ‘Lager, Bett’ eine Wurzel ie. *legh- ‘(sich) legen, liegen’ voraus. abliegen Vb. ‘in einigem Abstand, entfernt liegen, entlegen sein’ (15. Jh.), (landschaftlich) ‘durch Lagern oder Liegen an Güte zunehmen, ablagern’ (16. Jh.); dazu abgelegen Part.adj. ‘fern, abseits gelegen, entfernt, entlegen’ (16. Jh.). anliegen Vb. ‘eng am Körper sitzen, wichtig sein, am Herzen liegen, zur Bearbeitung anstehen, jmdn. bewegen, beschäftigen, mit etw. behelligen, beigefügt sein, daneben liegen, benachbart sein’, ahd. analiggen ‘liegen, lasten auf, vorliegen, jmdn. bestürmen, sich erheben, sich jmds. bemächtigen’ (9. Jh.), mhd. aneligen ‘lasten auf, angelegentlich bitten, antreiben, bevorstehen’; substantiviert Anliegen n. ‘Angelegenheit, die einen betrifft, Bitte, Wunsch’ (15. Jh.); Anlieger m. ‘Anwohner, Angrenzer’ (19. Jh.); angelegen Part.adj. besonders in der Wendung sich etw. angelegen sein lassen ‘sich um etw. kümmern, bemühen’ (um 1400), zu anliegen im Sinne von ‘wichtig sein, am Herzen liegen’; Angelegenheit f. ‘Sache, Fall, Affäre’ (17. Jh.); angelegentlich Adj. ‘nachdrücklich, eindringlich, eifrig’ (16. Jh.), ursprünglich zu angelegen, doch schon von Anfang an, wohl unter Einfluß von gelegentlich (s. d.), mit sekundärem t, zuweilen (im 17. Jh.) noch angelegenlich. erliegen Vb. ‘kraftlos werden, ermatten, umkommen, sterben, besiegt werden’, ahd. irliggen (8. Jh.), mhd. erligen. unterliegen Vb. ‘besiegt, bezwungen werden, einer Sache ausgesetzt, unterworfen sein’, ahd. untarliggen (um 800), mhd. underligen ‘nach unten zu liegen kommen, sich unterwerfen, unterworfen sein’. Liege f. ‘gepolstertes Möbel ohne Lehnen zum Liegen’ (1. Hälfte 20. Jh.). Liegenschaft f. ‘Grundstück, Grundbesitz, Immobilien’ (Anfang 19. Jh.), älter liegendes Gut, liegende Güter.

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) (herbe) Niederlage erfahren · (eine) Niederlage einstecken (müssen) · (eine) Niederlage erleiden · (eine) Schlappe erleiden · (eine) Schlappe hinnehmen müssen · (sich) geschlagen geben müssen · abgeschlagen (sein) · besiegt werden · geschlagen werden · unterliegen · verlieren  ●  (eine) Niederlage kassieren  ugs. · (eine) Schlappe kassieren  ugs. · (sich) (eine) Klatsche holen  ugs. · abkacken  derb · abstinken  ugs. · auf einem der hinteren Plätze landen  ugs. · den Kürzeren ziehen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›unterliegen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unterliegen‹.

Verwendungsbeispiele für ›unterliegen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und auf welche Weise jedes Land seine Verpflichtungen etwa in der Nato erfüllt, unterliegt der Interpretation. [Der Tagesspiegel, 19.12.1999]
Alle Abläufe in einer Druckerei unterliegen einer ständig weitergehenden Automatisierung. [Süddeutsche Zeitung, 12.10.1995]
Kann einer, der selber die Einsicht in die Gefahr hat, der Gefahr unterliegen? [Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 204]
Die Höflinge sind mächtig, und sie unterliegen den Gesetzen der Macht. [Commer, Heinrich: Managerknigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1985], S. 8909]
Wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt, so sind die Kosten gegeneinander aufzuheben oder verhältnismäßig zu teilen. [o. A.: Zivilprozeßordnung (ZPO). In: Schönfelder: Deutsche Gesetze : Sammlung des Zivil-, Straf- und Verfahrensrechts, München: Beck 1997]
Zitationshilfe
„unterliegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unterliegen>.

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