unterwegs

GrammatikAdverb
Aussprache
Worttrennungun-ter-wegs (computergeneriert)
formal verwandt mitWeg
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
sich auf dem Wege zu einer bestimmten Person, einem bestimmten Ort, Ziel befindend
a)
Beispiele:
er traf unterwegs einen Bekannten
wir waren gerade unterwegs, als es zu regnen anfing
wir wurden unterwegs aufgehalten
unterwegs fiel mir ein, dass ich etw. liegengelassen hatte
die Blumen können wir unterwegs kaufen
unterwegs sein
Beispiele:
ich war schon unterwegs, als er kam
der Bote ist schon unterwegs
die Waren sind schon unterwegs (= sind schon abgeschickt)
b)
unterwegs seinauf den Beinen sein
Beispiele:
die ganze Stadt war unterwegs, um ihn zu sehen
er war den ganzen Tag unterwegs
er ist viel, immer, jeden Abend unterwegs
wer ... soll um diese Zeit noch im Walde unterwegs sein [FalladaWolf1,354]
c)
auf Reisen
Beispiele:
er war drei Monate unterwegs
sie schickten Grüße von unterwegs (= von ihrer Reise)
Crammon ... war seit seinen Jünglingsjahren beständig unterwegs, von einer Hauptstadt Europas zur andern [Wasserm.Wahnschaffe1,9]
2.
umgangssprachlich, verhüllend bei ihr ist ein Kind, etw. Kleines unterwegssie erwartet ein Kind, ist in anderen Umständen
Beispiel:
[sie sagte] bei ihr sei wieder etwas unterwegs [M. WalserHalbzeit860]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

unter · unterbinden · unterbrechen · untergraben · unterernährt · unterentwickelt · unter · Unter · unterdes · Untergrundbahn · Unterseeboot · unterwegs · Unterwelt
unter Präp. Adv. bezeichnet als Präp. eine räumlich im Verhältnis zu einem Bezugspunkt vertikal tiefere Lage oder Richtung (‘niedriger, tiefer’ als der Bezugspunkt), eine Lage, das Sichbefinden in einer Gruppe, Menge (‘inmitten, zwischen’), ferner das Verhältnis innerhalb einer Rangordnung, Stufenfolge (‘dienstlich unterstellt’), weist modal auf einen Begleitumstand (‘mit’), einen Zustand, in dem sich etw. befindet oder in den etw. versetzt wird (unter Druck stehen oder setzen), gibt das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘niedriger, weniger, geringer als’) sowie die Gleichzeitigkeit (‘während’) an; als Adv. bezeichnet unter in Verbindung mit Kardinalzahlen das Unterschreiten einer bestimmten Grenze (‘weniger als’, vgl. Jugendliche von unter 14 Jahren). In dem gemeingerm. Wort ahd. untar Präp. ‘in, unter, zwischen’ (8. Jh.), untar Adv. (9. Jh., zweifelhaft), mhd. under, asächs. undar, mnd. under, mnl. nl. onder, aengl. engl. schwed. under, anord. undir, got. undar Präp. sind in germ. Zeit zwei ursprünglich verschiedene Präpositionen zusammengefallen. Die eine, verwandt mit aind. ántaraḥ ‘der innere, der nähere’, antáḥ ‘innen, in, zwischen’, awest. antara- ‘der innere, innen befindlich’, griech. (Plur.) éntera (ἔντερα) ‘Eingeweide’, lat. inter ‘zwischen, unter’ (s. ↗inter-), air. eter, etir, etar ‘zwischen’, korn. ynter, yntre ‘zwischen’, aslaw. ǫtrь ‘innen, hinein, innerlich’, aruss. utrь ‘drinnen, hinein’, russ. vnutr’ (внутрь) ‘drinnen, hinein’, führt auf ie. *enter, *ṇter ‘zwischen … hinein’, gebildet mit Komparativsuffix zu der unter ↗in (s. d.) behandelten Präposition ie. *en ‘in’; dazu vgl. (mit no-Suffix) ahd. untarn ‘Mittag(essen)’ (9. Jh.), asächs. undorn ‘Vormittag’, aengl. undern ‘Morgen’, anord. undorn ‘Zwischenzeit’, got. undaúrnimats ‘Frühstück, Mittagsmahl’ (d. i. Zwischenmahlzeit). Die andere, verwandt mit aind. adháḥ ‘unten’, ádharaḥ ‘der untere’, lat. īnfer, īnferus ‘der untere’, īnfrā ‘unten, unterhalb, darunter’ (s. ↗infra-) und vielleicht griech. atherízein (ἀθερίζειν) ‘geringachten, verachten, verschmähen’, führt auf ie. *ṇdher ‘unter’. Die alte Bedeutung ‘zwischen’ ist heute noch in Wendungen wie unter uns, unter den Sachen, unter vier Augen erhalten. Mit unter werden zahlreiche Verben gebildet, die zum Teil bis in die ahd. Zeit zurückreichen, wie unterbinden Vb. ‘abschnüren, verhindern, verbieten, unterbrechen’, ahd. untarbintan (9. Jh.), mhd. underbinden ‘zusammenbinden, dazwischentretend trennen, verbieten’; unterbrechen Vb. ‘vorübergehend aufhören, aufhalten, trennen’, ahd. untarbrehhan ‘zerbrechen, zerstören, trennen’ (10. Jh.), mhd. underbrechen ‘verhindern, beendigen’; untergraben Vb. ‘beim Graben darunterbringen, vermengen, auswaschen, unterhöhlen, langsam zerstören’, ahd. untargraban (um 800), mhd. undergraben ‘untergraben, hintergehen, hintertreiben’. unter erscheint aber auch als erster Bestandteil in zusammengesetzten Substantiven (s. unten) und Partizipien wie unterernährt Part.adj. ‘ungenügend ernährt’ (Anfang 20. Jh.), wohl nach engl. underfed; unterentwickelt Part.adj. ‘in der körperlichen, geistigen Entwicklung zurückgeblieben’ (1. Hälfte 20. Jh.). unter Adj. (heute nur mit Flexionsendung der untere, ein unterer) ‘unten befindlich’, ahd. untaro (um 1000), mhd. under, gebildet zur Präp. (s. oben). Unter m. ihrem Wert nach unter dem Ober stehende, dem Buben, Wenzel entsprechende Spielkarte im deutschen Kartenspiel (um 1500), daneben bis ins 18. Jh. noch der Untere. unterdes Adv. ‘inzwischen, seitdem, mittlerweile’, mhd. under des, gebildet mit dem Genitiv Neutr. des bestimmten Artikels; gelängt unterdessen (16. Jh.); bis ins 17. Jh. werden beide Formen oft noch getrennt geschrieben (s. auch ↗indessen). Untergrundbahn f. ‘elektrisch betriebene, unter der Erdoberfläche fahrende Schnellbahn in Großstädten’ (um 1880), nach engl. underground railway; heute meist gekürzt U-Bahn. Unterseeboot n. ‘(bewaffnetes) Schiff, das tauchen und längere Zeit unter Wassen fahren kann’ (Ende 19. Jh.), nach einem Bildungstyp engl. under sea vessel; im ersten Weltkrieg in Anlehnung an Bezeichnungen wie U 1, U 2 usw. gekürzt zu U-Boot. unterwegs, älter unterwegen Adv. ‘sich auf dem Wege irgendwohin befindend, auf, während der Reise’, ahd. untar wegun (um 1000), mhd. under wegen und in Zusammenschreibung underwegen ‘auf der Reise’, eigentlich ‘im Verlauf der Wegstrecke’. Im 16. Jh. neben unterwegen auch (seltener) unterweg(e) und (mit adverbialem -s) unterwegens; seit Anfang des 18. Jhs. die heute gültige Form unterwegs. Unterwelt f. ‘was sich unter der Erdoberfläche befindet, die dort gedachte Totenwelt’ (in der griechischen Sage), in christlicher Vorstellung ‘Hölle’, anfangs auch ‘Erdenwelt’ im Gegensatz zur ‘Himmelswelt’ (Anfang 16. Jh., geläufig Mitte 17. Jh.). Zusammenrückung von älterem die unter Welt (15. Jh.). Heute auch ‘asoziale Schichten von Kriminellen (in Großstädten), Verbrecherwelt’ (um 1920), nach engl. underworld.

Thesaurus

Synonymgruppe
auf Wanderschaft · auf dem Weg (zu) · auf der Durchreise · unterwegs  ●  auf Achse  ugs. · auf Schusters Rappen  ugs. · op Jöck  ugs., kölsch
Assoziationen
  • (einen) Kurzbesuch abstatten · ↗hereinschauen · ↗vorbeigehen (bei) · ↗vorbeikommen · ↗vorbeischauen (bei) (Besuch)  ●  (sich) (kurz) blicken lassen (bei)  ugs. · auf einen Kaffee mit hochkommen  ugs. · auf einen Kaffee mit reinkommen  ugs. · auf einen Kaffee vorbeikommen  ugs. · ↗reinschauen (bei)  ugs.
  • (sich) nicht aufhalten · nicht stehenbleiben · seinen Weg fortsetzen · ↗weitergehen
  • auf Tour · auf Tournee
  • auf Reisen · auf Urlaub · in Urlaub · in Urlaub gefahren · verreist · weggefahren  ●  urläubig  ugs., selten
  • (sich) amüsieren (gehen) · auf Vergnügungstour gehen  ●  (einen) Zug durch die Gemeinde machen  fig. · auf die Piste gehen  fig. · auf Jück gehen  ugs. · auf Trallafitti gehen  ugs., regional · auf den Swutsch gehen  ugs., norddeutsch · auf die Walz gehen  ugs., fig. · op Jöck jonn  ugs., kölsch · um die Häuser ziehen  ugs.
  • immer unterwegs · nie zu Hause  ●  es hält jemanden keine zwei Stunden (an einem Ort)  ugs., variabel · ständig auf Achse  ugs.
Synonymgruppe
abwesend · ausgeflogen (spöttelnd) · ↗aushäusig · außer Haus · nicht daheim · nicht zu Hause  ●  nicht da  ugs. · unterwegs  ugs., Hauptform · weg  ugs.
Assoziationen
  • entschwunden · ↗fort · hat sich verflüchtigt · nicht auffindbar · nicht aufzufinden · nicht zu finden · spurlos verschwunden · ↗unauffindbar · ↗verloren · verloren gegangen · vermisst (werden) · ↗verschollen · verschwunden · vom Winde verweht · von jemandem fehlt jede Spur  ●  weg  Hauptform · (sich) in Luft aufgelöst haben  ugs. · abhanden gekommen  ugs. · ↗dahin  geh. · ↗flöten  ugs. · flöten gegangen  ugs. · ↗futsch  ugs. · futschikato  ugs., scherzhaft · ↗hops  ugs. · ↗perdu  ugs., franz. · ↗sonst wo  ugs. · verschütt gegangen  ugs. · von Windows verweht  ugs., scherzhaft · wie vom Erdboden verschluckt  ugs. · wie weggeblasen  ugs.
  • essen gegangen · in der Mittagspause · zu Tisch  ●  was essen  ugs.
  • unbekannt verzogen  ●  wohnt nicht mehr hier  ugs.
  • (jemandes) Aufenthaltsort ist unbekannt · mit unbekanntem Ziel abgereist
  • auf Reisen · auf Urlaub · in Urlaub · in Urlaub gefahren · verreist · weggefahren  ●  urläubig  ugs., selten
  • abgehauen · ↗abwesend · auf der Flucht · auf und davon · ausgerissen · durchgebrannt · ↗entflohen · ↗entkommen · ↗flüchtig · ↗fort · geflohen · geflüchtet · hat sich abgesetzt · hat sich der Strafverfolgung entzogen · nicht da · weggelaufen  ●  ↗abgängig  Amtsdeutsch · ↗absent  veraltet · ausgeflogen  fig. · (und) ward nicht mehr gesehen (pseudo-literarisch)  geh., Spruch, scherzhaft · ausgebüxt  ugs. · entfleucht  geh., altertümelnd, scherzhaft · getürmt  ugs., Jargon · nicht mehr da  ugs. · stiften gegangen  ugs., regional · weg (= fortgelaufen, weggefahren)  ugs., Hauptform · über alle Berge  ugs., fig.
  • auf Montage · auf einer auswärtigen Baustelle (eingesetzt)
  • (sich) amüsieren (gehen) · auf Vergnügungstour gehen  ●  (einen) Zug durch die Gemeinde machen  fig. · auf die Piste gehen  fig. · auf Jück gehen  ugs. · auf Trallafitti gehen  ugs., regional · auf den Swutsch gehen  ugs., norddeutsch · auf die Walz gehen  ugs., fig. · op Jöck jonn  ugs., kölsch · um die Häuser ziehen  ugs.
  • auf Wanderschaft gehen (Gesellenwanderung) · auf die Walz gehen

Typische Verbindungen
computergeneriert

abfragen abrufen aufladen auflesen aufschnappen aussteigen befindlich begegnen einkehren einsammeln erreichbar grüßen kaputtgehen kreuzen lauern liegenbleiben pflücken schlapp surfen tanken telefonieren umsteigen verhungern verlorengehen versickern vorbeikommen wegwerfen wähnen zusteigen übernachten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unterwegs‹.

Zitationshilfe
„unterwegs“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unterwegs>, abgerufen am 20.03.2019.

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