unvernünftig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungun-ver-nünf-tig
Wortbildung mit ›unvernünftig‹ als Erstglied: ↗Unvernünftigkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

nicht vernünftig
Beispiele:
ein unvernünftiger Mensch
du benimmst dich wie ein unvernünftiges Kind
unvernünftige Ansichten haben
eine unvernünftige Entscheidung
sei doch nicht so unvernünftig!
es ist sehr unvernünftig, bei diesem Wetter im See zu baden
er hatte das Gefühl, etw. Unvernünftiges gesagt zu haben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vernunft · Unvernunft · vernünftig · unvernünftig
Vernunft f. ‘geistiges Vermögen, Zusammenhänge zu erkennen, zu beurteilen und sich dementsprechend sinnvoll und zweckmäßig zu verhalten, Verstand, Einsicht’. Das nur im Dt. begegnende Substantiv ahd. firnumft (9. Jh.), firnunst (10. Jh.), mhd. vernu(n)ft, vernu(n)st ‘Tätigkeit des Vernehmens, Hörens, Begreifens, sinnliche Wahrnehmung, Verständnis, Einsicht, Klugheit’, mnd. vornu(n)ft, vornumst, vornumpst (mnl. vernu(n)ft, vernonft, nl. vernuft, dän. fornuft, schwed. förnuft aus dem Mnd. entlehnt) ist eine Abstraktbildung zu dem unter ↗nehmen (s. d.) behandelten Präfixverb ↗vernehmen in dessen alter Bedeutung ‘erfassen, begreifen’, bezeichnet also ‘das richtige Auffassen, Begreifen, Aufnehmen’. Doch schon im Ahd. ist die heutige Bedeutung weitgehend (besonders durch Notker) ausgebildet. Zwischen dem Wurzelauslaut m (assimiliert n) und dem ti-Suffix entwickelt sich ein Gleitlaut p bzw. s oder f (wie bei ↗Brunft, s. d., und Kunft, s. ↗kommen). Unvernunft f. ‘Mangel an Vernunft, Torheit’, ahd. unfirnunst (um 1000), mhd. unvernunst, unvernunft ‘Unverstand, Unkenntnis’, mnd. unvornuft. vernünftig Adj. ‘Vernunft besitzend, auf Vernunft gegründet, einsichtig, besonnen, verständig, sinnvoll’, ahd. firnunstīg ‘verständig, kundig, verständlich’ (9. Jh.), mhd. vernünftic, vernunftic, vernunstic; unvernünftig Adj. ‘vernunftwidrig, töricht’, ahd. unfirnunstīg (um 1000), mhd. unvernunftic, unvernumftic.

Thesaurus

Synonymgruppe
aberwitzig · ↗absurd · ↗bescheuert (Sache) · ↗irrational · ↗irre · ↗irrsinnig · ↗irrwitzig · ↗konfus · nicht rational · ohne Sinn und Verstand · ↗paradox · reiner Blödsinn · ↗sinnfrei · ↗sinnlos · ↗unklar · ↗unlogisch · unvernünftig · ↗vernunftwidrig · ↗wahnwitzig · ↗widersinnig  ●  ↗hirnverbrannt  abwertend · ↗töricht  abwertend · ↗unsinnig  Hauptform · ↗(totaler) Quatsch  ugs. · ↗antinomisch  geh. · ↗blöd (Sache)  ugs. · ↗blödsinnig  ugs. · ↗dämlich (Sache)  ugs. · ↗hirnrissig  ugs. · ↗idiotisch  ugs., abwertend · ↗schwachsinnig  ugs., abwertend · selten dämlich (Idee, Aktion, Behauptung ...)  ugs. · ↗verrückt  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • unvernünftig · unvernünftig
Synonymgruppe
dumm (von jemandem) · ↗gedankenlos · nicht zu Ende gedacht · ↗töricht · ↗ungünstig · ↗unklug · unvernünftig · ↗unvorsichtig · ↗unüberlegt · wenig bedacht
Assoziationen
  • (geistig) beschränkt · ↗(geistig) minderbemittelt · ↗blöd · ↗blöde · ↗dämlich · geistig nicht (mehr) auf der Höhe · ↗idiotisch · ↗irrsinnig · keinen Grips im Kopf (haben) · nicht besonders helle · nicht gerade helle · ↗schwachköpfig · ↗stockdumm · ↗strohdumm · ↗stupid · ↗stupide · unintelligent · weiß nicht (mehr), was er sagt · weiß nicht (mehr), was er tut  ●  Stroh im Kopf (haben)  fig. · ↗dumm  Hauptform · ↗talentfrei  ironisch · (das) Pulver nicht erfunden haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit Löffeln gegessen haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit dem Schöpflöffel gegessen haben  ugs. · (ein) Spatzenhirn haben  ugs. · (jemandem) haben sie ins Gehirn geschissen  derb · (so dumm) dich beißen doch die Schweine im Galopp  ugs., Spruch · (so) dumm wie 10 Meter Feldweg  ugs. · (so) dumm wie Bohnenstroh  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Gänse beißen  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Schweine beißen  ugs. · (total) Banane (sein)  ugs. · (voll) panne  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bedeppert  ugs. · ↗behämmert  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · ↗beknackt  ugs. · ↗belämmert  ugs. · ↗bescheuert  ugs. · beschruppt  ugs. · besemmelt  ugs. · ↗bestusst  ugs. · birnig  ugs. · ↗deppert  ugs., süddt. · ↗doof  ugs. · dumm wie Brot  ugs. · dumm wie Schifferscheiße  derb · dümmer als die Polizei erlaubt  ugs. · ↗gehirnamputiert  derb · ↗grenzdebil  derb · hirnig  ugs. · ↗hohl  ugs. · ↗merkbefreit  ugs. · naturblöd  ugs. · nicht (ganz) bei Trost  ugs. · nicht bis drei zählen können  ugs. · nicht ganz dicht  ugs. · ↗saublöd  ugs. · ↗saudoof  ugs. · ↗saudumm  ugs. · selten dämlich (Verstärkung)  ugs. · strunzdoof  ugs. · ↗strunzdumm  ugs. · strunzendumm  ugs. · unterbelichtet  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
  • (es wäre) unklug (von jemandem) · (es wäre) unvernünftig (von jemandem) · (jemand wäre) schlecht beraten (wenn) · sollte besser nicht · sollte lieber nicht  ●  (etwas wäre) nicht anzuraten  geh.
  • vor der Zeit · ↗voreilig · zu früh · zu schnell · ↗übereilig · übereilt  ●  ↗vorschnell  Hauptform
  • blindlings · ↗gedankenlos · ↗unaufmerksam · ↗unbedacht · ↗unbesonnen · ↗unüberlegt · ↗vorschnell  ●  in meinem jugendlichen Leichtsinn  ugs., ironisch
  • (noch) nicht der Weisheit letzter Schluss · ↗(noch) unfertig · nicht ausgereift · nicht durchdacht · nicht zu Ende gedacht · schlecht vorbereitet (sein) · ↗unausgereift  ●  ↗unausgegoren  abwertend · weder Hand noch Fuß haben  fig. · ↗halbgar  ugs., abwertend
  • (so) naiv, wie sie (nun mal) ist · aus (reiner) Dummheit · aus Gedankenlosigkeit · aus Unüberlegtheit · blöd, wie er (nun mal) ist

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autofahrer Fahrweise Forderung Geschöpf Handeln Handlung Lebensweise Lohnforderung Verhalten benehmen gar höchst irrational kurzsichtig naiv schädlich sinnlos ungerecht unmenschlich unmoralisch unrealistisch unsachlich unverantwortlich unwirtschaftlich verhalten vernünftig verrückt willkürlich ökonomisch übertrieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›unvernünftig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur weil ein Verhalten allgemein ist, ist es noch nicht vernünftig, ebensowenig ist ein Verhalten, das selten ist, allein deswegen schon unvernünftig.
konkret, 1980
Denn unvernünftig ist diese Kritik nicht; und sie ist echte Kritik, sie zwingt zur Entscheidung.
Die Zeit, 25.03.1966, Nr. 13
Dieses unerfahrene Volk haust völlig unvernünftig und zerstört nur alles.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 49
Und diese Füße sollte man so unvernünftig behandeln und verkümmern lassen dürfen?
Reile, Bonifaz (Hg.), Kneipp, Sebastian. Das große Kneippbuch, München: Beckstein 1939 [1903], S. 61
Um so ruheloser, zielloser, unvernünftiger das Lesen unserer Zeit ist, um so merkwürdiger scheint es mir.
Hofmannsthal, Hugo von: Der Dichter und diese Zeit. In: Bertram, Mathias (Hg.) Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1907], S. 27817
Zitationshilfe
„unvernünftig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/unvernünftig>, abgerufen am 06.12.2019.

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