urig

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  1. [besonders südwestdeutsch] ...
    1. 1. urwüchsig, urtümlich
    2. 2. urwüchsig-originell, komisch
eWDG

Bedeutung

besonders südwestdeutsch
1.
urwüchsig, urtümlich
Beispiel:
Tatsächlich sind sie [Elche] keineswegs so »urig« und scheu, wie es oft dargestellt wird [ GrzimekWildes Tier248]
2.
urwüchsig-originell, komisch
Beispiele:
ein uriger Bursche, Kauz
er gibt die urigsten Antworten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ur- · urig
ur- Präfix in nominalen Zusammensetzungen. Die nur in alter Zeit bezeugte Präposition ahd. ur (nur 8./9. Jh.), anord. ōr, got. us ‘aus, aus … heraus’ und das darauf beruhende gemeingerm. Präfix ahd. mhd. engl. schwed. ur-, asächs. ur-, or-, mnd. ōr-, aengl. or-, mnl. nl. oor-, anord. ōr-, ør-, mit grammatischem Wechsel got. us-, uz- ‘aus, hinaus, hinauf’ führen auf ie. *ū̌ds, eine Weiterbildung von ie. *ū̌d- (s. ↗aus). Das in Verbalkomposita unbetonte Präfix wird zu ↗er- (s. d.) geschwächt, während Nominalkomposita (als die vermutlich älteren Bildungen) unter Einwirkung der germ. Anfangsbetonung stehen, so daß das Präfix in der Tonstelle seine volle Form ur- bewahren kann. Infolgedessen stehen sich gegenüber Urlaub und erlauben, Urteil und erteilen (erst als junge Ableitung dazu urteilen). Die alte Bedeutung ‘aus, hinaus, hinauf’ zeigen got. uzanan ‘aushauchen’, ahd. urteil ‘Aus-, Zuteilung (des Rechts)’, got. urreisan ‘aufstehen’. Daraus hervorgegangenen privativen bzw. negierenden Sinn zeigt ahd. urtriuwi ‘treulos’ (8. Jh.), resthaft erhalten in Urfehde (s. ↗Fehde); in verstärkender, steigernder Funktion steht das Präfix in uralt (ahd. 8. Jh.), urplötzlich (16. Jh.), urkomisch (19. Jh.). In Verwandtschaftsbezeichnungen bezieht es sich auf die nächstvorhergehende oder nächstfolgende Generation, z. B. Urahn (s. ↗Ahn), Urenkel (s. ↗Enkel1), auch in der Verdopplung Ururgroßvater; daran anschließend urverwandt, Urgesellschaft (beide 19. Jh.). Schließlich kennzeichnet ur- das Erste, das weit Zurückliegende, das Unverfälschte, vgl. Urbild (17. Jh.), Urwald (19. Jh.), urtümlich (19. Jh.). urig Adj. ‘urwüchsig, sonderbar, seltsam, komisch, originell’, wohl unmittelbar gebildet zum Präfix ur- (wie in urwüchsig, urtümlich, urkomisch), im 19. Jh. aus den Mundarten in die Literatursprache eindringend. Nicht verwandt ist schweiz. urchig, schwäb. ur(ch)ig ‘rein, lauter, echt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bodenständig · ↗gehörig · ↗kernig · ↗rustikal · urig · ↗urwüchsig · ↗zünftig  ●  ↗waschecht  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
absonderlich · ↗eigenartig · ↗kauzig · ↗merkwürdig · ↗schrullenhaft · ↗schrullig · ↗schräg · ↗seltsam · ↗skurril · ↗sonderbar · ↗speziell · ↗spinnert · ↗spleenig · ↗ungewöhnlich · urig · ↗verschroben · wie man ihn nicht alle Tage trifft · ↗wunderlich · ↗überspannt  ●  ↗abgedreht  ugs. · strange  ugs., engl.
Assoziationen
  • abenteuerlich · ↗aberwitzig · ↗absurd · befremdend · ↗befremdlich · ↗bizarr · ↗eigenartig · ↗eigentümlich · ↗eigenwillig · ↗fantastisch · ↗grotesk · ↗komisch · ↗kurios · ↗lächerlich · ↗merkwürdig · ↗schräg · ↗seltsam · ↗skurril · ↗sonderbar · ↗ungewöhnlich · ↗verquer  ●  ↗abgedreht  ugs. · ↗abstrus  geh. · ↗dadaistisch  geh. · fällt aus dem Rahmen  ugs.
  • (künstlich) aufgeregt · ↗dandyhaft · ↗exaltiert · ↗extravagant · ↗exzentrisch · ↗snobistisch · ↗überspannt  ●  ↗verstiegen  geh. · überdreht  ugs. · ↗überkandidelt  ugs.
  • leicht verrückt sein · mit jemandem ist kein vernünftiges Wort zu reden · nicht ganz bei Verstand sein · seine fünf Sinne nicht beieinander haben  ●  (jemandem) brennt der Kittel  fig. · einen kleinen Mann im Ohr haben  fig., veraltend · ↗spinnen  Hauptform · (bei jemandem ist) eine Schraube locker  ugs., fig. · (den) Verstand verloren haben  ugs., fig., übertreibend · (ein) Ei am Wandern haben  derb, regional · (en) Pinn im Kopp haben  ugs., norddeutsch · (jemandem haben sie) ins Gehirn geschissen  derb · (jemandem) geht's wohl nicht gut  ugs. · (wohl) einen Sonnenstich haben  ugs., fig. · den Schuss nicht gehört haben  ugs., fig. · die Kappe kaputt haben  ugs. · ein Rad abhaben  ugs. · eine Macke haben  ugs. · eine Meise haben  ugs. · ↗eine Schraube locker haben  ugs., fig. · einen Dachschaden haben  ugs., fig. · einen Ecken abhaben  ugs., schweiz. · einen Hammer haben  ugs. · einen Haschmich haben  ugs. · einen Hau weg haben  ugs. · einen Huscher haben  ugs. · einen Klamsch haben  ugs., österr. · einen Klopfer haben  ugs., österr. · einen Knacks weghaben  ugs. · ↗einen Knall haben  ugs. · einen Pecker haben  ugs., österr. · einen Piep haben  ugs. · einen Piepmatz haben  ugs., fig. · einen Schaden haben  ugs. · ↗einen Schatten haben  ugs. · einen Schlag haben  ugs. · einen Schlag weg haben  ugs. · ↗einen Schuss haben  ugs. · ↗einen Sockenschuss haben  ugs. · einen Spleen haben  ugs. · ↗einen Sprung in der Schüssel haben  ugs., fig. · ↗einen Stich haben  ugs. · einen Triller unterm Pony haben  ugs., scherzhaft · ↗einen Vogel haben  ugs., fig. · ↗einen an der Klatsche haben  ugs. · einen an der Murmel haben  ugs. · einen an der Mütze haben  ugs. · ↗einen an der Waffel haben  ugs. · einen feuchten / nassen Hut aufhaben  ugs., fig. · einen weichen Keks haben  ugs. · gaga sein  ugs. · mit dem Klammerbeutel gepudert (worden) sein  ugs., fig. · neben der Spur (sein)  ugs., fig. · nicht alle Latten am Zaun haben  ugs., fig. · nicht alle Tassen im Schrank haben  ugs., fig. · nicht ganz bei Trost sein  ugs. · ↗nicht ganz dicht sein  ugs. · nicht ganz frisch in der Birne (sein)  ugs. · nicht ganz hundert sein  ugs., schweiz. · ↗nicht ganz richtig im Kopf sein  ugs. · nicht ganz richtig im Oberstübchen sein  ugs., fig. · nicht ganz sauber ticken  ugs. · nicht richtig ticken  ugs. · sie nicht alle haben  ugs. · verpeilt sein  ugs. · verstrahlt (sein)  derb · weiß nicht, was er daherredet  ugs.
  • Freak · Mensch, wie man ihn nicht alle Tage trifft · ↗Sonderling · ↗Unikum · ↗Wunderling · bizarre Person · merkwürdiger Zeitgenosse · schrille Person · seltsamer Patron · skurriler Typ · sonderbarer Zeitgenosse · uriger Typ · verrückte Person  ●  ungewöhnlicher Mensch  Hauptform · ↗Kauz  ugs., fig. · ↗Original  ugs. · ↗Type  ugs. · ↗Urvieh  ugs. · ↗Vogel  ugs., fig. · bunter Vogel  ugs. · irrer Typ  ugs. · komischer Heiliger  ugs. · komischer Kauz  ugs. · komischer Vogel  ugs. · schrille Schraube  ugs., weibl. · schrille Type  ugs. · schräger Fürst  ugs., scherzhaft · schräger Typ  ugs. · ↗schräger Vogel  ugs. · seltsame Type  ugs. · seltsamer Heiliger  ugs. · seltsamer Kauz  ugs. · verrücktes Huhn  ugs., weibl., fig.
  • Angewohnheit · ↗Caprice · ↗Eigenart · ↗Eigenheit · ↗Kaprice · ↗Marotte · ↗Schrulle · ↗Spleen · ↗Tick  ●  ↗Grille  veraltend · ↗Kaprize  österr. · Allüren  geh. · ↗Fimmel  ugs. · ↗Macke  ugs. · ↗Tic  geh.
  • Fieberträume · ↗Phantasterei (häufig Plur.) · blühender Unsinn · der reinen Phantasie entsprungen · wilde Phantasien
  • eigenwillig · unangepasst · ↗unbequem · ↗ungewohnt · ↗ungewöhnlich · ↗unkonventionell · ↗unorthodox · ↗unvertraut · ↗unüblich · wie man ihn nicht alle Tage trifft  ●  ↗kantig  fig. · ↗mit Ecken und Kanten  fig. · ↗sperrig  fig.
  • (total) von der Rolle · ↗geistesgestört · ↗geisteskrank · geistig umnachtet · ↗psychotisch · unter Wahnvorstellungen leidend · ↗unzurechnungsfähig · ↗verrückt (geworden) · ↗wahnsinnig  ●  ↗(total) durchgeknallt  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · durch den Wind  ugs. · durchgedreht  ugs. · ↗gaga  ugs. · ↗irre  ugs. · ↗irrsinnig  ugs. · ↗jeck  ugs., kölsch · narrisch  ugs., bayr. · nasch  ugs., bayr. · von Sinnen  geh., veraltet, literarisch
  • extravagant · ↗verstiegen · ↗überspannt  ●  outriert  geh. · überdreht  ugs.
  • leicht verrückt  ●  ↗abgedreht  ugs., Jargon · abgespaced  ugs. · abgespact  ugs., Jargon · ausgeflippt  ugs. · ↗crazy  ugs. · ↗flippig  ugs. · ↗irre  ugs. · narrisch  ugs., bayr. · nasch  ugs., bayr. · ↗schräg  ugs. · ↗spinnert  ugs. · ↗verdreht  ugs.

Typische Verbindungen zu ›urig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›urig‹.

Verwendungsbeispiele für ›urig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber dann gefalle ihnen die urige Alm doch viel besser.
Die Zeit, 10.07.2012, Nr. 28
Klar, in dieser Atmosphäre fühlte sich der urige Bayer richtig wohl.
Bild, 29.11.2000
Knatternd, knarzend und swingend meldet sie sich zu Wort, mischt urige Glissandi bei.
Der Tagesspiegel, 31.03.2004
So dürfte eine vergleichende Analyse einiger Exemplare dieser urigen Literatursorte nicht unwillkommen sein.
konkret, 1996
Auch unsere Herde züchtet regelmäßig, so daß der Tierpark Berlin längst in die Reihe der Zuchtstätten dieses urigen Rindes gerückt ist.
Dathe, Heinrich: Wegweiser durch den Tierpark, Berlin: OV 1976, S. 14
Zitationshilfe
„urig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/urig>, abgerufen am 06.03.2021.

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