urig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
eWDG, 1976

Bedeutung

besonders südwestdeutsch
1.
urwüchsig, urtümlich
Beispiel:
Tatsächlich sind sie [Elche] keineswegs so »urig« und scheu, wie es oft dargestellt wird [GrzimekWildes Tier248]
2.
urwüchsig-originell, komisch
Beispiele:
ein uriger Bursche, Kauz
er gibt die urigsten Antworten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ur- · urig
ur- Präfix in nominalen Zusammensetzungen. Die nur in alter Zeit bezeugte Präposition ahd. ur (nur 8./9. Jh.), anord. ōr, got. us ‘aus, aus … heraus’ und das darauf beruhende gemeingerm. Präfix ahd. mhd. engl. schwed. ur-, asächs. ur-, or-, mnd. ōr-, aengl. or-, mnl. nl. oor-, anord. ōr-, ør-, mit grammatischem Wechsel got. us-, uz- ‘aus, hinaus, hinauf’ führen auf ie. *ū̌ds, eine Weiterbildung von ie. *ū̌d- (s. ↗aus). Das in Verbalkomposita unbetonte Präfix wird zu ↗er- (s. d.) geschwächt, während Nominalkomposita (als die vermutlich älteren Bildungen) unter Einwirkung der germ. Anfangsbetonung stehen, so daß das Präfix in der Tonstelle seine volle Form ur- bewahren kann. Infolgedessen stehen sich gegenüber Urlaub und erlauben, Urteil und erteilen (erst als junge Ableitung dazu urteilen). Die alte Bedeutung ‘aus, hinaus, hinauf’ zeigen got. uzanan ‘aushauchen’, ahd. urteil ‘Aus-, Zuteilung (des Rechts)’, got. urreisan ‘aufstehen’. Daraus hervorgegangenen privativen bzw. negierenden Sinn zeigt ahd. urtriuwi ‘treulos’ (8. Jh.), resthaft erhalten in Urfehde (s. ↗Fehde); in verstärkender, steigernder Funktion steht das Präfix in uralt (ahd. 8. Jh.), urplötzlich (16. Jh.), urkomisch (19. Jh.). In Verwandtschaftsbezeichnungen bezieht es sich auf die nächstvorhergehende oder nächstfolgende Generation, z. B. Urahn (s. ↗Ahn), Urenkel (s. ↗Enkel1), auch in der Verdopplung Ururgroßvater; daran anschließend urverwandt, Urgesellschaft (beide 19. Jh.). Schließlich kennzeichnet ur- das Erste, das weit Zurückliegende, das Unverfälschte, vgl. Urbild (17. Jh.), Urwald (19. Jh.), urtümlich (19. Jh.). urig Adj. ‘urwüchsig, sonderbar, seltsam, komisch, originell’, wohl unmittelbar gebildet zum Präfix ur- (wie in urwüchsig, urtümlich, urkomisch), im 19. Jh. aus den Mundarten in die Literatursprache eindringend. Nicht verwandt ist schweiz. urchig, schwäb. ur(ch)ig ‘rein, lauter, echt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bodenständig · ↗gehörig · ↗kernig · ↗rustikal · urig · ↗urwüchsig · ↗zünftig  ●  ↗waschecht  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›urig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Almhütte Ambiente Bauernhaus Bauernhof Bergdorf Berggasthof Berghütte Biergarten Blockhütte Gasthaus Gasthof Gaststube Gaststätte Gefährt Gemütlichkeit Holzhaus Holztisch Hütte Kneipe Landgasthof Lokal Pub Skihütte Stube Taverne Type Weinstube Wirtshaus gemütlich komfortabel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›urig‹.

Verwendungsbeispiele für ›urig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber dann gefalle ihnen die urige Alm doch viel besser.
Die Zeit, 10.07.2012, Nr. 28
Klar, in dieser Atmosphäre fühlte sich der urige Bayer richtig wohl.
Bild, 29.11.2000
Knatternd, knarzend und swingend meldet sie sich zu Wort, mischt urige Glissandi bei.
Der Tagesspiegel, 31.03.2004
So dürfte eine vergleichende Analyse einiger Exemplare dieser urigen Literatursorte nicht unwillkommen sein.
konkret, 1996
Auch unsere Herde züchtet regelmäßig, so daß der Tierpark Berlin längst in die Reihe der Zuchtstätten dieses urigen Rindes gerückt ist.
Dathe, Heinrich: Wegweiser durch den Tierpark, Berlin: OV 1976, S. 14
Zitationshilfe
„urig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/urig>, abgerufen am 22.02.2020.

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