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urteilen

Grammatik Verb · urteilt, urteilte, hat geurteilt
Aussprache 
Worttrennung ur-tei-len
GrundformUrteil
Wortbildung  mit ›urteilen‹ als Letztglied: aburteilen
eWDG

Bedeutung

über jmdn., etw. eine feste Meinung, Ansicht haben und aussprechen, etw., jmdn. beurteilen, einschätzen
Beispiele:
sachlich, richtig, vorurteilsfrei, selbständig, hart, milde, vorschnell, abfällig, abschätzig urteilen
gehobenohne Ansehen, Unterschied der Person urteilen
Die urteilten über Personen, Behörden, Einrichtungen, die er für unantastbar gehalten hatte, mit einer Geringschätzung, daß ihm eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken lief [ PolenzBüttnerbauer1,413]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Urteil · urteilen · aburteilen · Aburteilung · beurteilen · Beurteilung · verurteilen · Verurteilung · Urteilskraft · Urteilsvermögen
Urteil n. ‘richterliche Entscheidung, Meinung, Ansicht, Einschätzung’. Die unterschiedlich gebildeten Substantive ahd. urteili n. (8. Jh.), urteilī f. (9. Jh.), urteila f. (9. Jh.), urteil m. n. (9. Jh.), urteilida f. (um 800), mhd. urteil(e), urtel, urteilde n. f. ‘richterliche Entscheidung, Urteil, Meinung, Ausspruch, Entscheidung’, asächs. urdēli n., mnd. ōrdēl n., mnl. o(o)rdeel, nl. oordeel n., aengl. ordāl m. n., engl. ordeal (‘Gottesurteil’) stehen als Abstrakta zu dem unter erteilen (s. Teil) behandelten Verb (zur unterschiedlichen Lautgestalt des Präfixes s. ur- und er-). Urteil wird von Anfang an in dem rechtssprachlichen Sinne ‘Zuteilung (des Rechts)’ gebraucht; die verallgemeinerte Bedeutung ‘Meinung, Ansicht’ entwickelt sich in der mystischen Literatur des Mittelalters. Neutrales Genus setzt sich im 18. Jh. durch. – urteilen Vb. ‘ein Urteil fällen, eine feste Meinung, Ansicht haben und aussprechen, einschätzen’, mhd. urteilen ‘ein Urteil sprechen, be-, verurteilen’, älteres gleichbed. erteilen verdrängend. aburteilen Vb. ‘rechtskräftig verurteilen’ (Anfang 17. Jh.), zuvor ‘eine Rechtssache, einen Prozeß durch (gerichtliches) Urteil entscheiden’ (Ende 15. Jh.), ‘beurteilen’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. afōrdēlen ‘gerichtlich aberkennen’; Aburteilung f. (2. Hälfte 18. Jh.). beurteilen Vb. ‘ein Urteil abgeben, bewerten, abschätzen, begutachten’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. beȫrdēlen, beōrdēlen ‘urteilen, Urteil finden über’; Beurteilung f. ‘Bewertung, Einschätzung, Begutachtung’ (1. Hälfte 17. Jh.). verurteilen Vb. ‘durch Gerichtsbeschluß eine Strafe über jmdn. verhängen, ablehnend beurteilen, ablehnen’, mhd. verurteilen ‘richterlich entscheiden, ein Urteil verkünden’; vgl. mnd. vorȫrdēlen ‘gerichtlich verurteilen, abfällig urteilen über’; Verurteilung f. (2. Hälfte 16. Jh.). Urteilskraft f. ‘Fähigkeit, sachlich zu urteilen’ (17. Jh., neben Urteilungskraft und Urteilenskraft). Urteilsvermögen n. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
richten · urteilen (nach)

Typische Verbindungen zu ›urteilen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›urteilen‹.

Verwendungsbeispiele für ›urteilen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch kann man in solchen Dingen nicht mit unbedingter Sicherheit urteilen. [Palmer, Robert R.: Der Einfluß der amerikanischen Revolution auf Europa. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 9830]
Später habe ich noch milder über jene Entscheidung urteilen gelernt. [Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 – 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464]
Wir, die wir später geboren sind, sollten nicht so leicht über diejenigen urteilen, die vor uns geboren sind. [Der Spiegel, 29.09.1986]
Ich kann das eigentlich nicht sagen, es fällt mir schwer, zu urteilen. [Brief von Irene G. an Ernst G. vom 19.08.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270]
Niemand schaut sie an, niemand erwartet etwas von ihr, niemand urteilt über sie. [C't, 1996, Nr. 8]
Zitationshilfe
„urteilen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/urteilen>.

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