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usurpieren

Grammatik Verb · usurpiert, usurpierte, hat usurpiert
Aussprache 
Worttrennung usur-pie-ren
Wortbildung  mit ›usurpieren‹ als Erstglied: Usurpation  ·  mit ›usurpieren‹ als Grundform: Usurpator
Herkunft aus gleichbedeutend ūsurpārelat, eigentlich ‘durch tatsächlichen Gebrauch in seinen Besitz bringen’ < ūsuslat ‘Benutzung, Anwendung, Gebrauch, Gewohnheit, Praxis’ + raperelat ‘raffen, eilig an sich nehmen, fortraffen, -reißen’
eWDG

Bedeutung

etw. usurpierensich widerrechtlich (und gewaltsam) Macht über etw. aneignen, widerrechtlich (mit Gewalt) Besitz von etw. ergreifen
Beispiele:
Der 21. April 1967, an dem die […] Putschisten die Regierungsgewalt usurpierten [ Tageszeitung1970]
Warum habe ich das Amt eines Vizekanzlers usurpiert? [ KlabundBorgia53]
Denn der Boden … gehört ihm [dem privaten Bauern] nicht, er usurpiert ihn nur [ JahnnNiederschrift1,457]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

usurpieren · Usurpator · Usurpation
usurpieren Vb. ‘unrechtmäßig und gewaltsam Macht an sich reißen, etw. eigenmächtig, widerrechtlich in Besitz nehmen’, entlehnt (2. Hälfte 16. Jh.) aus lat. ūsurpāre ‘von etw. Besitz ergreifen, Gebrauch machen, (sich) widerrechtlich aneignen, sich anmaßen’ (Terminus der Rechtssprache, gebildet aus lat. ūsus ‘Benutzung, Anwendung, Gebrauch, Gewohnheit, Praxis’ und lat. rapere ‘raffen, eilig an sich nehmen, fortraffen, -reißen’), eigentlich ‘durch tatsächlichen Gebrauch in seinen Besitz bringen’. – Usurpator m. ‘wer widerrechtlich die (Staats)gewalt an sich reißt’, insbesondere ‘Thronräuber’ (2. Hälfte 17. Jh.), spätlat. ūsurpātor, im 18. Jh. (unter frz. Einfluß) auch Usurpateur. Usurpation f. ‘widerrechtliche Besitz-, Machtergreifung, Aneignung’ (vereinzelt Ende 16. Jh., häufiger seit Anfang 18. Jh.), lat. ūsurpātio (Genitiv ūsurpātiōnis) ‘widerrechtliche Aneignung, Mißbrauch’, eigentlich ‘Gebrauch, Benutzung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) einverleiben · (sich) widerrechtlich aneignen · widerrechtlich erobern  ●  (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · usurpieren  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›usurpieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›usurpieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›usurpieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die extremen Konservativen glaubten, dass die Liberalen das Establishment usurpiert hätten. [Süddeutsche Zeitung, 29.06.2002]
Die drängende Frage ist, wie heute ein Ort des Protestes gefunden werden kann, der nicht sofort usurpiert wird. [Süddeutsche Zeitung, 30.06.2001]
Lorenz hätte es in seiner zurückhaltenden Art wahrscheinlich nicht gewagt, einen historisch derart vorbelasteten Begriff für ein bestimmtes Verhalten dynamischer Systeme zu usurpieren. [Die Zeit, 28.04.2008, Nr. 17]
Auch im ausgeglichenen fünften Satz hatte er noch alle Chancen, den Thron zu usurpieren. [Die Zeit, 18.08.1961, Nr. 34]
Die weltliche Obrigkeit wird bestätigt oder usurpiert, das Christliche als das konzessionierte Heilsressort betrieben. [Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 202]
Zitationshilfe
„usurpieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/usurpieren>.

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