Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

utopisch

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung uto-pisch
Wortzerlegung Utopie -isch
Herkunft Utopie
eWDG

Bedeutung

mit den Gegebenheiten derzeitiger Realität nicht vereinbar, undurchführbar, phantastisch
Beispiele:
ein utopischer Plan, Gedanke
eine utopische Vorstellung
ein utopischer Roman (= Roman, in dem derzeit phantastische gesellschaftliche Zustände und technisch-naturwissenschaftliche Gegebenheiten als real existierend dargestellt sind)
historischder utopische Sozialismus (= vormarxistische sozialistische Lehre, die im Unterschied zum wissenschaftlichen Sozialismus nicht oder noch nicht realisierbare Pläne einer sozialistischen Gesellschaft entwickelte)
Der neue Zuschauertyp […] ist natürlich kein utopischer (= kein nur erwünschter), er ist vorhanden, wenn auch bisher nicht im Theater [ BrechtSchriften z. Theater1,76]
ein Zukunftsbild, das uns heute noch utopisch anmutet, aber nicht als unerreichbar abgetan werden sollte [ Urania1965]
Bis vor kurzem mochte eine technische Ausnutzung der in den Atomkernen schlummernden Energie utopisch erscheinen [ PlanckSinn29]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Utopie · utopisch · utopistisch · Utopist
Utopie f. ‘Idealbild von gesellschaftlichen Verhältnissen, die nicht oder unter den gegebenen Bedingungen nicht zu verwirklichen sind, phantastische Vorstellung ohne reale Grundlage, Wunschtraum, Hirngespinst’ (1. Hälfte 19. Jh.). Der Ausdruck geht zurück auf nlat. Utopia, eine Wortschöpfung des englischen Humanisten Thomas Morus (1516 „De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia“, wo das Bild eines republikanischen Idealstaates entworfen wird). Er ist gebildet zu griech. ū (οὐ) ‘nicht’ und tópos (τόπος) ‘Ort, Stelle, Gegend, Land’, also eigentlich ‘Nirgendland’. Daraus im Dt. Utópien ‘Traumland’ (1. Hälfte 16. Jh.) und Utopia (Anfang 17. Jh.), danach (unter Einfluß von frz. utopie) in der oben genannten Form und Bedeutung. utopisch Adj. ‘nur in der Vorstellung möglich, nicht durchführbar, phantastisch’ (2. Hälfte 17. Jh.) und gleichbed. utopistisch Adj. (Mitte 19. Jh.); vgl. utopistischer Sozialismus (Marx und Engels 1848), dann utopischer Sozialismus. Utopist m. ‘wer phantastische, aber undurchführbare Pläne oder Vorstellungen hat’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(all)zu optimistisch · nur in der Fantasie möglich · nur in der Phantasie möglich · realitätsfern · realitätsfremd · unerfüllbar · unrealistisch · utopisch · visionär · wirklichkeitsfremd  ●  über den Wolken schweben  ugs.
Synonymgruppe

Typische Verbindungen zu ›utopisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›utopisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›utopisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Damals haben sie mich alle für verrückt erklärt, für naiv; das sei doch utopisch! [Die Zeit, 07.10.1999, Nr. 41]
Was ich will, klingt utopisch, aber wo wäre die Alternative? [Die Zeit, 06.05.1999, Nr. 19]
Indem sie große Kunst war, war sie sich utopisch genug. [konkret, 1991]
Dieses Ziel erscheint vielen Deutschen zwar erstrebenswert, aber vorläufig utopisch. [konkret, 1981]
Er war immer weltfremd und ist nur seinen Plänen nachgejagt, seinen utopischen Ideen. [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 147]
Zitationshilfe
„utopisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/utopisch>.

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