vaterländisch

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache  [ˈfaːtɐˌlɛndɪʃ]
Worttrennung va-ter-län-disch
Wortzerlegung Vaterland -isch
eWDG und ZDL

Bedeutung

veraltend auf das Vaterland bezogen; dem Vaterland gegenüber positiv eingestellt; patriotisch
Kollokationen:
als Adjektivattribut: eine vaterländische Gesinnung, Pflicht, Volksbewegung
als Adverbialbestimmung: vaterländisch gesinnt
in Koordination: vaterländisch und völkisch, christlich
Beispiele:
DDRder Vaterländische Verdienstorden (= hohe staatliche Auszeichnung der DDR)WDG
Schließlich kann sich der Junge sogar noch als vaterländischer Held betrachten, weil es ihm gelingt, einen Versorgungskorridor in die umzingelte Stadt zu entdecken. [Süddeutsche Zeitung, 12.10.2018]
Nur zu Gaspare Spontinis, wie man früher sagt: »vaterländischen« Stoffen à la »Agnes von Hohenstaufen« oder Ruggero Leoncavallos Hohenzollern‑Hommage »Der Roland von Berlin« hatte man nicht mehr die Traute oder Puste [um sie heute zu inszenieren]. [Die Welt, 07.10.2019]
Maduro hat seine Anhänger aufgerufen, ihr Carnet de la Patria, ihr »vaterländisches Kärtchen«, ins Wahllokal mitzubringen und darauf digital registrieren zu lassen, dass sie gewählt haben. [Süddeutsche Zeitung, 18.05.2018]
Mit dem Deutschen Wörterbuch wagen sie sich an ein Titanenwerk, das sie so wenig vollenden können wie die Sprache selbst. Als Wilhelm 1859 stirbt, hat er den Buchstaben D abgeschlossen. Jacob schafft vor seinem Tode 1863 noch das Wort Froteufel (Dämon). Auf dem Hanauer Markt prangt das vaterländische Denkmal dieser Apostel deutschen Gemüts. [Die Zeit, 26.11.2017]
Von der gleichen Bereitschaft, Geist und Körper jederzeit in den Dienst der Stadt und des Vaterlandes zu stellen, gaben Zeugnis die vaterländischen Festspiele, die im Juli im Stadtwalde von über 40.000 Menschen gefeiert wurden. [Kölnische Zeitung (1. Morgenblatt), 03.01.1900]
historisch
Phrasem:
der (Große) Vaterländische Krieg (= besonders in der russischen Geschichtsschreibung übliche Bezeichnung für den Verteidigungskrieg der Sowjetunion 1941 bis 1945 gegen das nationalsozialistische Deutschland und dessen Verbündete)
Beispiele:
Das Deutsch‑Russische Museum in Berlin‑Karlshorst ist den deutsch‑sowjetischen Beziehungen zwischen 1917 und 1945 gewidmet, vor allem dem »Großen Vaterländischen Krieg«. [Die Welt, 27.08.2019]
Als es um die Frage ging, ob ein vereinigtes Deutschland in der Nato bleiben solle, erklärte Gorbatschow, die Deutschen sollten selbst entscheiden, welchem Bündnis sie angehören wollten. In Russland fragten sich einige, ob er damit nicht alles aufgab, was die Rote Armee im Großen Vaterländischen Krieg erkämpft hatte. [Welt am Sonntag, 20.10.2019]
Die aus der Sowjetunion stammenden Jüdinnen und Juden haben zum Beispiel oftmals eine andere Wahrnehmung. Nämlich die, dass ihre Vorfahren im »Großen Vaterländischen Krieg« den Faschismus besiegt hätten – ein Gewinnernarrativ also. [jetzt-Magazin (SZ), 16.10.2018]
Im Laufe des Vaterländischen Krieges gegen die deutschen Eroberer nahmen Tausende Familien von Werktätigen der Sowjetunion Kinder auf, deren Eltern an der Front fielen oder von den Hitlerbanditen zu Tode gequält wurden. [Berliner Zeitung, 21.05.1945]

letzte Änderung:

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Vater · väterlich · Vaterland · vaterländisch · Vaterunser
Vater m. ‘männlicher Elternteil’, ahd. fater (8. Jh.), mhd. vater, asächs. fadar, mnd. mnl. vāder, nl. vader, aengl. fæder, engl. father, anord. faðir, schwed. fader, got. fadar (Hapaxlegomenon, sonst atta), germ. *fader und aind. pitā́ (Stamm pitár-), griech. patḗr (πατήρ), lat. pater, air. athir (aus *pətēr) sind mit dem Suffix für Verwandtschaftsnamen ie. -ter- (s. Mutter) gebildet. Als gemeinsame Ausgangsform ergibt sich ie. *pətḗr ‘Vater, Haupt der Großfamilie’, deren weitere Deutung nicht gesichert ist. Zu einem Lallwort der Kindersprache ie. *pā? Oder zu der unter Futter2 (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *pō(i)- ‘Vieh weiden, hüten’ und weiter ‘schützen’? väterlich Adj. ‘den Vater betreffend, ihm gemäß, wie ein Vater handelnd’, ahd. faterlīh (8. Jh.), mhd. vater-, veterlich. Vaterland n. ‘Land, in dem man geboren ist, zu dessen Volk man gehört’, ahd. faterlant (11. Jh.), mhd. vaterlant, nach gleichbed. lat. patria; vaterländisch Adj. ‘das Vaterland betreffend, liebend, ehrend’ (18. Jh.). Vaterunser n. das mit diesen Worten beginnende Gebet Jesu (Matth. 6, 9ff.), s. Paternoster.

Typische Verbindungen zu ›vaterländisch‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vaterländisch‹.

Zitationshilfe
„vaterländisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vaterl%C3%A4ndisch>.

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