ver-
GrammatikAffix
Worttrennungver- (computergeneriert)
Wortbildung mit ›ver-‹ als Erstglied: ↗verbarrikadieren · ↗verbeißen · ↗verbleichen · ↗verblocken · ↗verbürokratisieren · ↗verdaten · ↗verdealen · ↗verdenken · ↗verdriften · ↗verdrücken · ↗veredeln · ↗verfolgen · ↗verfüllen · ↗verglosen · ↗verheiraten · ↗verhören · ↗verkehren2 · ↗verklemmen · ↗verkohlen · ↗verkrachen · ↗verkäsen · ↗verlegen1 · ↗verlosen · ↗vermaledeien · ↗vermelden · ↗vermessen · ↗vermüllen · ↗verosten · ↗verpartnern · ↗verpeilen · ↗verpfeffern · ↗verpolitisieren · ↗verproletarisieren · ↗verprügeln · ↗verqualmen · ↗verrotten · ↗verrätseln · ↗verscheißen · ↗verschimpfieren · ↗verschlagworten · ↗verschonen · ↗verschrecken · ↗verschreiben · ↗verschwinden · ↗verschwulen · ↗verselbstständigen · ↗verselbständigen · ↗versparen · ↗versprechen · ↗verstecken · ↗versterben · ↗verstrahlen · ↗versäubern · ↗vertechnisieren · ↗verunedlen · ↗verunklaren · ↗verunklären · ↗verwahren · ↗verwesen · ↗verzwatscheln · ↗verzwatzeln
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
drückt in Bildungen mit Substantiven oder Adjektiven und einer Endung aus, dass sich eine Person oder Sache (im Laufe der Zeit) zu etw. (was im Substantiv oder Adjektiv genannt wird) hin verändert
2.
drückt in Bildungen mit Substantiven oder Adjektiven und einer Endung aus, dass eine Person oder Sache zu etw. gemacht, in einen bestimmten Zustand versetzt, in etw. umgesetzt wird
3.
drückt in Bildungen mit Substantiven und einer Endung aus, dass eine Person oder Sache mit etw. versehen wird
4.
drückt in Bildungen mit Verben aus, dass eine Sache durch etw. (ein Tun) beseitigt, verbraucht wird, nicht mehr besteht
5.
drückt in Bildungen mit Verben aus, dass eine Person mit etw. ihre Zeit verbringt
6.
drückt in Bildungen mit Verben aus, dass eine Person etw. falsch, verkehrt macht
7.
drückt in Bildungen mit Verben aus, dass eine Sache durch etw. beeinträchtigt wird
8.
hat in Bildungen mit Verben die gleiche Bedeutung wie diese
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ver- Präfix bei Verben und zugehörigen Nomina, die in der Regel vom Verb abgeleitet, gelegentlich jedoch auch unmittelbar zum Verbstamm gebildet sind. Die Funktionen von ver- im Nhd. sind vielfältig; vor allem kennzeichnet es ein Beseitigen, Wegschaffen, Aufbrauchen (verrücken, vertreiben, verzehren), ein Fort-, Zugrundegehen (verdunsten, verklingen, verschwinden) oder Irreleiten, Fehlgehen (verführen, verwechseln, sich verzählen) und wird damit auch zum Ausdruck der Negation (verbieten, versagen); ferner hat es resultativen Sinn (verbluten, verpacken, vertilgen), dient der Verstärkung (verschließen, versperren), der Transitivierung intransitiver Verben (verfolgen, verheiraten, verspotten) oder dem Hervorbringen verbaler Ableitungen von Adjektiven und Substantiven (verdeutlichen, vergöttern ‘deutlich, zu einem Gott machen’, verarmen, verholzen ‘arm, zu Holz werden’). Die für nhd. ver- festzustellende Unterschiedlichkeit der Verwendungsweisen findet sich schon bei vorausgehendem ahd. fir-, far-, mhd. ver- und ähnlich bei asächs. far-, for-, mnd. vor-, mnl. nl. ver-, aengl. for-, fer-, engl. for-; sie erklärt sich aus dem Zusammenfall dreier Präfixe, die noch getrennt, wenn auch mit nicht mehr fest abzugrenzenden Bedeutungen in got. fra- (meist ‘fort-, weg-’), faír- und faúr- begegnen; zu letzterem vgl. in frühen Texten belegtes anord. for- mit negativem, verschlimmerndem Sinn (im Unterschied zu anord. for-, fyrir- in jungen Entlehnungen aus dem Dt.). Zugrunde liegen ie. *prō̌ ‘vorwärts, vorn, voran’, vgl. aind. prá- ‘vor-, voran-, fort-’, griech. pró (πρό) ‘vor’, lat. prō ‘vor, für, anstatt’ (s. ↗pro), air. ro- (intensivierendes Präfix), aslaw. pro ‘um … willen’, russ. pro (про) ‘von, über, durch, für’; ie. *per, *peri ‘vorwärts, im Hinausgehen über, im Durchdringen’ (eigentl. Lok.), vgl. aind. pári ‘herum, umher, gegen, darüber hinaus’, griech. péri, perí, mundartlich pér (πέρι, περί, πέρ) ‘ringsum, um … herum, überaus, neben, bei’, lat. per ‘(hin)durch, über … hin, während’ (s. ↗per), aslaw. prě- ‘durch-, über-’, russ. pere- (пере-) ‘über-, herüber-, um-’; ie. *pṛ- ‘hervor’ (wohl Nom. oder Akk. Sing. Neutr.), vgl. aind. pṛ- (in pṛṣṭhám ‘Rücken, Gipfel’), lat. por- (in portendere ‘zeigen, ankündigen’), lit. pir- (in pir̃štas ‘Finger’), aslaw. prь- (in prьstъ ‘Finger, Zehe’, russ. älter perst перст ‘Finger’) ‘hervor-’ (s. auch ↗First). Diese ie. Formen gehören sämtlich zu einem vornehmlich in Adverbien und Präpositionen weiterlebenden Wurzelnomen ie. *per, dessen Bedeutung mit ‘das Hinausführen über’ zu umschreiben ist.
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zu lange sei das öffentliche Interesse von den Interessen der Unternehmen ver-
Die Welt, 05.03.2003
Darum lassen Eltern es gerne im Zimmer ihrer Kinder ver-
Bild, 28.04.2004
Umgeben von vielen schönen Sklavinnen und einer zahlreichen Dienerschar nebst Leibwächtern wartete er gelassen darauf, dass seine kriminelle Tat ver-
Süddeutsche Zeitung, 19.05.2001
Dieser Einspruch ist nach einer Anordnung des Reichsjugendführers für die betreffende H. J.-Dienststelle ver- bindlich.
Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 03.03.1935
Da ist zum Beispiel die Autobahn, das „Ver- H. Sch. teilgenommen hatte. Sch. war früher hier in Klank- Gesundheit der Weichensteller i. R., Jahonn Siemann, seinen.
Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 138
Zitationshilfe
„ver-“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ver->, abgerufen am 22.09.2017.

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