verabschieden

GrammatikVerb · verabschiedete, hat verabschiedet
Aussprache
Worttrennungver-ab-schie-den
Wortbildung mit ›verabschieden‹ als Erstglied: ↗Verabschiedung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdm. auf Wiedersehen sagen
a)
sich (von jmdm.) verabschiedenbeim Aufbruch von jmdm. Abschied nehmen
Beispiele:
sich herzlich, freundlich, schnell von jmdm. verabschieden
als er sich (von dir) verabschiedete, war ich nicht zugegen
ich möchte mich verabschieden
sich mit (einem) Händedruck verabschieden
b)
jmdn. verabschiedeneinen Aufbrechenden zum Abschied grüßen
Beispiele:
jmdn. freundlich verabschieden
die Gäste wurden auf dem Flugplatz feierlich verabschiedet
2.
gehoben jmdn. von seinen bisherigen dienstlichen Verpflichtungen entbinden, entlassen
Beispiel:
jmdn. mit einer Anerkennung verabschieden
3.
etw., besonders ein Gesetz, annehmen und für rechtsgültig erklären
Beispiele:
ein Gesetz verabschieden
ein Programm, das Dokument, Statut verabschieden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Abschied · abgeschieden · Abgeschiedenheit · verabschieden
Abschied m. ‘Aufbruch, Trennung, Entlassung aus einem Dienstverhältnis’, übertragen ‘Tod’, (bis zum 18. Jh.) ‘Beschluß, Vereinbarung, Entscheidung’ (vgl. Reichsabschied, ein Gesetz verabschieden). Das gegen Ende des 14. Jhs. aufkommende Substantiv ist (wahrscheinlich in Analogie zu Ableitungen von anderen starken Verben, vgl. Abstieg zu absteigen) die Konkurrenzform von dem aus dem reduplizierenden Verb abscheiden ‘(sich) trennen’ gebildeten, nur wenig jüngeren Abscheid m., das im 18. Jh. durch Abschied verdrängt wird. Von dem heute vorwiegend fachsprachlich verwendeten Verb abscheiden ‘(sich) absondern, abtrennen’, veraltet ‘weggehen, Abschied nehmen’, übertragen ‘verscheiden, sterben’ (mhd. abescheiden ‘lostrennen, entfernen, entlassen, verabschieden’, vgl. asächs. ofskīðan, mnd. afschēden, got. afskaidan ‘trennen’) ist vor allem das zugehörige abgeschieden Part.adj. ‘entlegen, einsam, zurückgezogen, verstorben, tot’ gebräuchlich, das die im Sprachgebrauch der Mystik (um 1300) entstandene ältere Form abgescheiden ‘losgelöst von irdischen Dingen, weltabgewandt’ im 17. Jh. ablöst. Zur Etymologie s. ↗scheiden. Dazu Abgeschiedenheit f. ‘Entlegenheit, Einsamkeit’ (18. Jh.), in religiösem Sprachgebrauch ‘Weltabgewandtheit’ (17. Jh.), nach älterem, in der Mystik geprägtem Abgescheidenheit (um 1300). verabschieden Vb. ‘(aus dem Dienst) entlassen, in den Ruhestand versetzen, ein Gesetz annehmen und für rechtsgültig erklären’, (reflexiv) ‘auf Wiedersehen sagen, sich empfehlen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) verabschieden · (sich) verabschieden · Abschied nehmen · Adieu sagen · Lebewohl sagen · Tschüs sagen · auf Wiedersehen sagen  ●  ↗(sich) empfehlen  geh. · ↗scheiden  geh., veraltet
Assoziationen
Antonyme
  • (jemanden) verabschieden
Synonymgruppe
(darauf) verzichten, etwas zu tun · (es) dabei belassen · ↗(sich etwas) ersparen · (sich) beherrschen (etwas zu tun) · Abstand nehmen (von etwas) · ↗absehen (von) · ↗aufhören · ↗bleibenlassen · nicht machen · nicht tun  ●  ↗unterlassen  Hauptform · (es) gut sein lassen  ugs. · ↗(etwas) drangeben  ugs. · ↗(sich etwas) abschminken  ugs., fig. · ↗(sich etwas) schenken  ugs. · ↗(sich etwas) sparen  ugs. · ↗(sich etwas) verkneifen  ugs. · (sich etwas) von der Backe putzen  ugs., fig. · (sich) die Mühe sparen (können)  ugs. · (sich) verabschieden (von etwas)  ugs. · (von etwas) die Finger lassen  ugs. · ↗bleiben lassen  ugs. · gar nicht erst versuchen  ugs. · ↗lassen  ugs. · ↗sausen lassen  ugs. · sein lassen  ugs.
Assoziationen
  • erfolglos · ohne Erfolg · ↗umsonst · ↗vergebens  ●  ↗fruchtlos (Anwaltsdeutsch)  Jargon · ↗vergeblich  Hauptform · (an/bei jemandem/etwas ist) Hopfen und Malz verloren  ugs. · außer Spesen nichts gewesen  ugs., Spruch · da kommt nix bei rum  ugs., salopp · dabei kommt nichts (he)rum  ugs. · ↗frustran (medizinisch)  fachspr. · für die Katz  ugs. · für die Tonne  ugs. · für nichts und wieder nichts  ugs. · kannst du knicken  ugs. · kannst du vergessen  ugs. · vergebene Liebesmüh  ugs. · vergebliche Liebesmüh  ugs.
  • (die) Finger lassen (von) · nicht anfassen · nicht anrühren  ●  nicht anpacken  ugs. · nicht gehen an  ugs.
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · ↗aufgeben · ↗beenden · ↗fallen lassen · ↗fallenlassen · hinter sich lassen · ↗sausen lassen · ↗stoppen · ↗vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · ↗beerdigen  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · ↗einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(innerlich) Abstand gewinnen  fig. · (sich innerlich) verabschieden (von)  fig. · ↗loslassen  fig.
Assoziationen
  • (mal) Abstand gewinnen · Urlaub vom Alltag machen · den Alltag hinter sich lassen · die Seele baumeln lassen  ●  ↗(seinen) Akku (wieder) aufladen  fig. · mal rauskommen  ugs.
Synonymgruppe
(die) Erlaubnis erteilen · (die) Zustimmung geben · (einer Sache) seine Zustimmung erteilen · (seinen) Segen geben · ↗absegnen · ↗billigen · ↗einwilligen · ↗erlauben · ↗genehmigen · in Kraft setzen · ↗zustimmen  ●  (sein) Okay geben  ugs. · (sein) Placet geben  geh. · ↗abnicken  ugs. · grünes Licht geben  ugs. · verabschieden  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausfallen · es nicht mehr tun · nicht mehr gehen · nicht mehr laufen · nicht mehr wollen  ●  (den) Geist aufgeben  fig. · nicht mehr funktionieren  Hauptform · (die) Grätsche machen  ugs., fig. · (sich) verabschieden  ugs., fig.
Assoziationen
  • außer Betrieb · funktioniert nicht (mehr) · funktionsunfähig · ↗funktionsuntüchtig · hat seine Funktion eingestellt · in die Brüche gegangen · läuft nicht · nicht funktionierend · nicht mehr benutzbar  ●  ↗defekt  Hauptform · abgekackt  ugs. · fratze  ugs. · geht nicht (mehr)  ugs. · ↗hin  ugs. · im Eimer  ugs. · ↗kaputt  ugs. · verreckt  ugs.
  • (eine) Panne haben · ↗liegen bleiben · ↗liegenbleiben  ●  nicht weiterfahren können  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bundeskabinett Bundesrat Bundestag Delegierte Dezember Donnerstag Entschließung Entwurf Erklärung Freitag Gesetz Gesetzentwurf Haushalt Juni Kabinett Kongreß Landtag Lesung Mehrheit Mittwoch Parlament Parteitag Resolution Richtlinie Ruhestand Senat Sommerpause Stimme einstimmig endgültig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verabschieden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das klingt nicht so, als hätte sich hier schon jemand von der Macht verabschiedet.
Die Zeit, 10.05.2010, Nr. 19
Bis 2.40 Uhr saß er mit seiner Band zusammen am Tisch, dann verabschiedete er sich in seine Suite.
Bild, 07.10.2005
Von welchen Zielen haben Sie sich nach einiger Zeit wieder verabschiedet?
Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 213
Nach einigen Stunden fängt es an, heller zu werden, die Nacht verabschiedet sich.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 331
Um Mittag verabschiedete sich plötzlich der gute Blum von uns.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 26
Zitationshilfe
„verabschieden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verabschieden>, abgerufen am 16.10.2019.

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