verarmen

GrammatikVerb · verarmt, verarmte, ist verarmt
Aussprache
Worttrennungver-ar-men (computergeneriert)
formal verwandt mitarm
Wortbildung mit ›verarmen‹ als Erstglied: ↗Verarmung
eWDG, 1977

Bedeutung

sein Auskommen, Vermögen verlieren, arm werden
Beispiel:
Krieg und Inflation hatten viele Menschen verarmen lassen
bildlich
Beispiele:
die Kanalisierung der Flüsse und Bäche hat die Natur dieses Landstriches verarmen lassen
geistig verarmen
Sie war kaum vom Wochenbette erstanden, äußerst erschöpft, äußerst verarmt an Lebenskräften [Th. MannTristan9,133]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arm · Armut · ärmlich · armselig · verarmen
arm Adj. ‘mittellos, dürftig, bedauernswert’. Die Herkunft von ahd. (8. Jh.), mhd. arm, asächs. mnd. mnl. nl. arm (mnl. auch aerm, arem), aengl. earm, anord. armr, schwed. dän. arm, got. arms ‘beklagenswert, elend, besitzlos’ ist umstritten. Meist wird Verwandtschaft mit ↗Arbeit und ↗Erbe (s. d.) angenommen und germ. *arƀma- im Sinne von ‘vereinsamt, verlassen’ als Bildung mit m-Suffix an das dort behandelte ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ angeschlossen. Weisweiler in: IF 41 (1923) 304 ff. nimmt eine Bedeutungsentwicklung von ‘vereinsamt, verlassen’ über ‘friedlos, rechtlos, schutzlos’ zu ‘beklagenswert’ und ‘arm’ an; unter dieser Voraussetzung wäre eine Verwandtschaft von arm mit griech. erḗmos (ἐρῆμος) ‘einsam, verlassen’ erwägenswert. Armut f. ‘Mittellosigkeit, Not’, ahd. armuoti n., armuotī f. ‘Elend, Mangel, Not’ (8. Jh.), mhd. armuote n., armout f. ‘Armut, ärmliches Besitztum’; vgl. asächs. armōdi n., mnd. armōde n. f., armōt m. f., mnl. armoet, armoede m. f. n., nl. armoede f.; zu ahd. -uotī̌ (nach ahd. muot) aus -ōti, s. ↗Einöde. ärmlich Adj. ‘dürftig, kümmerlich’, ahd. armalīh ‘erbärmlich, böse, gottlos’ (9. Jh.), mhd. ermelich ‘dürftig’; vgl. asächs. armlīk, mnl. armelijc, aengl. earmlic. armselig Adj. ‘kümmerlich, dürftig’, abgeleitet (15. Jh.) von mhd. armsal n. ‘Armut, Elend’. verarmen Vb. ‘arm werden’, mhd. verarmen ‘in Armut, in Not geraten’, Präfixbildung zu ahd. armēn (9. Jh.), mhd. armen ‘arm sein, werden’; vgl. ahd. firermen ‘jmdn. in Armut, in Not bringen’ (10. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
alles verlieren · arm werden · in Armut fallen · verarmen  ●  in Armut geraten  Hauptform
Assoziationen
  • (jemandem) sein Vermögen nehmen · (sein) Vermögen verlieren · ↗ruinieren · um Hab und Gut bringen · verarmen lassen · zum Bettler machen · zum Bettler werden lassen  ●  an den Bettelstab bringen  veraltend, fig. · arm machen  Hauptform
  • (schon) bessere Tage gesehen haben · abgewirtschaftet · an den Bettelstab gekommen · arm geworden · auf den Hund gekommen · ↗heruntergekommen · ruiniert · verarmt · verelendet  ●  in Armut abgesunken  geh. · in Armut gesunken  geh. · prekarisiert  fachspr., Jargon

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alter Bauer Bevölkerung Boden Familie Großteil Inflation Krieg Masse Maß Mittelschicht Mittelstand Nation Sprache Volk entvölkern geistig genetisch isolieren kulturell sonst verbittern vereinsamen vergessen vergreisen veröden völlig weiter zunehmend zusehends

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verarmen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Oder sie seien wirklich verarmt, so genau könne man das nicht erkennen.
Die Zeit, 02.05.2011, Nr. 18
Sonst drohen in einem der reichsten Länder der Welt viele Städte zu verarmen.
Süddeutsche Zeitung, 24.05.2002
Er starb völlig verarmt, so daß die Kirche die Kosten seines Begräbnisses übernehmen mußte.
Adrio, Adam: Engelmann (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1954], S. 23975
Ein wohlsituierter Familienvater wacht eines Morgens auf in der Überzeugung, gänzlich verarmt zu sein.
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 66
Man hungerte zwar nicht, doch war die Sorge zu verarmen da.
Günter de Bruyn, Die Finckensteins: Berlin: Siedler 1999, S. 123
Zitationshilfe
„verarmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verarmen>, abgerufen am 18.11.2019.

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