verbeißen

Grammatik Verb · verbeißt, verbiss, hat verbissen
Aussprache 
Worttrennung ver-bei-ßen
Wortzerlegung ver-beißen
Wortbildung  mit ›verbeißen‹ als Grundform: ↗Verbissenheit · ↗verbissen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
fachsprachlich ein Tier verbeißt einen Baum (= ein Tier beschädigt einen Baum durch Bisse, sodass er im Wachstum geschädigt wird oder auch eingeht)
Beispiele:
Hasen, Rehe und Hirsche verbeißen junge Bäume, die Rinde, Äste und Zweige, Triebe, Blütenknospen
die von ihnen [den Wildtieren] bevorzugten [Pflanzen] werden oft und stark verbissen und gehen daher zurück, während sich die verschmähten ausbreiten können [Natur u. Heimat1955]
2.
die Zähne, Lippen verbeißen (= die Zähne, Lippen fest zusammenpressen)
a)
Beispiel:
er verbiss die Lippen voller Verachtung
verbissendurch Zusammenpressen der Zähne verzerrt, verkrampft
Grammatik: häufig im Partizip II
Beispiel:
ein leichtes Lächeln überzog die verbissenen Züge des alten Mannes
durch starke Erregung verzerrt, verkrampft
Beispiel:
er blickte mit verbissenem Gesicht in die Runde
übertragen
Beispiele:
der Angeklagte antwortete verbissen (= mit scheinbar zusammengebissenen Zähnen, widerwillig) auf die Fragen des Untersuchungsrichters
die ständigen Kränkungen hatten ihn verbissen (= unzugänglich, halsstarrig) und stumm gemacht
sein Gesicht hatte einen verbissenen (= grimmigen, bösartigen) Ausdruck angenommen
b)
umgangssprachlich (sich) [Dativ] etw. verbeißenetw. zurückhalten, nicht zeigen, unterdrücken
Beispiele:
er verbiss (sich) seinen Ärger, Schmerz, Zorn
sie konnte (sich) das Lachen kaum verbeißen
seine Gefühle verbeißen
er verbiss es sich, noch etw. zu sagen
verbissenmühsam unterdrückt
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
sie sprach mit verbissenem Weinen in der Stimme weiter
er stand voll verbissener Wut auf und verließ das Zimmer
wir hatten der Szene mit mühsam verbissenem Lachen zugesehen
3.
sich in etw. verbeißenfest in etw. beißen und es nicht wieder loslassen wollen
Beispiele:
der Hund hatte sich in den Stock verbissen
der Fisch hatte sich so fest am Köder verbissen, dass ich ihn nur mit Mühe losmachen konnte
die wütenden Hunde verbissen sich ineinander
übertragen von etw. nicht loskommen, an einer Sache hartnäckig festhalten, sich ihr mit blindem Eifer widmen
Beispiele:
sich in eine Stimmung, in Trübsinn, in einen Gedanken, in seine Arbeit verbeißen
er hatte sich in die Absicht verbissen, uns zur Feier einzuladen
sie verbiss sich in die Vorstellung, sie müsste in der Lotterie gewinnen
verbissenhartnäckig und zäh
Grammatik: oft im Partizip II
Beispiele:
mit verbissenem Trotz starrte er vor sich hin
mit verbissenem Fleiß, Eifer, mit verbissener Energie arbeitete er an seiner Erfindung
sein verbissenster Feind
sein verbissenes Schweigen machte uns nervös
die Mannschaft kämpfte verbissen um den Sieg
er hatte lange und verbissen nach dem Buche gesucht
ein verbissener (= verstockter, verbohrter) Fanatiker

Typische Verbindungen zu ›verbeißen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verbeißen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verbeißen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der junge Mann sollte nach einem versuchten Raub festgenommen werden, dabei verbiss er sich in den Finger.
Der Tagesspiegel, 30.04.2002
Gerade das aber lassen die seit einem Jahr verbissen verfolgten Pläne vermissen.
Die Welt, 03.03.2000
Ich spürte Lust, mich in diese Frage zu verbeißen, doch war das nicht der Zeitpunkt dafür, ich sah es ein.
Wolf, Christa: Was bleibt, Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag 1990, S. 54
Sie verbiß sich in ihn und ließ ihn nicht zu Worte kommen.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 35
Nachdem wir nun - wir standen beide in jugendlichem Alter - eine Zeitlang vergebens versucht hatten, uns das Lachen zu verbeißen, platzten wir schließlich heraus.
Richter, Alfred: Aus Leipzigs musikalischer Glanzzeit, Erinnerungen eines Musikers. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 43871
Zitationshilfe
„verbeißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verbei%C3%9Fen>, abgerufen am 10.07.2020.

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