Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

verbinden

Grammatik Verb · verbindet, verband, hat verbunden
Aussprache 
Worttrennung ver-bin-den
Wortzerlegung ver- binden
Wortbildung  mit ›verbinden‹ als Erstglied: Verbinder · Verbindung  ·  mit ›verbinden‹ als Letztglied: weiterverbinden  ·  mit ›verbinden‹ als Binnenglied: völkerverbindend  ·  mit ›verbinden‹ als Grundform: verbunden
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdm. etw. mit einer Binde, einem (Streifen) Tuch verdecken, zubinden
Beispiele:
jmdm. die Augen verbinden
sprichwörtlichdu sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden (= man soll dem, der arbeitet, nicht das Essen vorenthalten)
2.
jmdm. einen Verband anlegen, eine Wunde mit einem Verband bedecken
Beispiele:
er ist verletzt, wir müssen ihn verbinden
einen Verletzten verbinden
jmdn. frisch, notdürftig verbinden
soll ich dir deine Wunde verbinden?
jmdm. den verletzten Fuß verbinden
3.
etw. mit etw. zusammenbringen, zusammenfügen zu einer neuen Einheit
a)
Gegenstände, besonders Bauteile, durch ein zusammenhaltendes Mittel aneinander, miteinander befestigen
Beispiele:
er hatte die Bretter des kleinen Kästchens nur durch Fugen miteinander verbunden
Bretter, Teile von Maschinen durch Schrauben, Bolzen, Stifte miteinander verbinden
er hatte die einzelnen Blätter mit Leim, mit einer Klemme verbunden
die Räder sind durch eine Achse miteinander verbunden
b)
zwei Gegenstände, Orte, Bereiche durch etw. miteinander in Kontakt, Zusammenhang bringen, sodass von einem zum anderen ein sie einendes Band verläuft
Beispiele:
ich habe die vier Eckpfeiler des Schuppens durch Latten verbunden
Kupplungen verbinden die einzelnen Wagen des Zuges
ein Kabel verbindet Steckdose und Bügeleisen
die Brücke verbindet die Insel mit dem Festland, die beiden Ufer
die Straßenbahnlinie verbindet den Norden der Stadt mit dem Süden
die beiden Städte sind durch eine Bahnlinie (miteinander) verbunden
bildlich
Beispiele:
er sprach ein paar verbindende Worte
das verbindende Glied zwischen zwei Hypothesen suchen
c)
etw. zusammenstellen, um ein einheitliches Ganzes daraus zu machen
Beispiele:
Buchstaben zu Wörtern, Wörter zu Sätzen verbinden
Sätze zu einem Text verbinden
d)
verschiedene Sachen, Stoffe zu einem Ganzen vermengen
Beispiel:
Wasser, Kalk und Sand zu Mörtel verbinden
etw. verbindet sich zu etw.
Beispiel:
tauender Schnee, Erde und Geröll verbanden sich zu einem Brei
e)
Chemie etw. verbindet sich mit etw.ein Stoff geht mit einem anderen eine chemische Verbindung ein
Beispiel:
Chlor verbindet sich mit Natrium zu Kochsalz
f)
etw. mit etw. verknüpfen
Beispiele:
in seiner Erziehung verband er Großherzigkeit mit Strenge
das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden
diese Arbeit ist mit großen Schwierigkeiten verbunden
mit einem Wort eine bestimmte Vorstellung verbinden
der Transport per Schiff ist mit geringeren Kosten verbunden
mit seiner Beförderung war eine Gehaltsaufbesserung verbunden
er scheute die mit dieser Aufgabe verbundene Mühe
sein Name war eng, untrennbar verbunden mit dem Kampf gegen Tierversuche
etw. verbindet sich für jmdn. mit etw.
Beispiel:
für ihn verband sich der Abschiedsschmerz von zu Hause mit der Freude, selbständig zu werden
4.
etw. verbindet jmdn. mit etw.etw. schafft jmdm. enge Beziehungen zu etw.
Beispiele:
seine jahrelange Tätigkeit als Herausgeber einer Tageszeitung hatte ihn aufs engste mit dem politischen Leben der Hauptstadt verbunden
eine innige Freundschaft verband den kleinen Jungen mit seinen Tieren
5.
etw. verbindet Menschenetw. schafft und erhält enge Beziehungen zwischen Menschen
Beispiele:
uns verbinden gemeinsame Interessen
gemeinsame schwere Erlebnisse verbanden die beiden Freunde
die beiden Jungen verband eine feste Freundschaft
mit seiner ersten Frau hatte ihn eine große Liebe verbunden
die räumliche Entfernung verband uns mehr, als dass sie uns trennte
jmdm. freundschaftlich, in Liebe verbunden sein
sich verbinden
Beispiele:
sie hatten sich miteinander verbunden
die Bewohner des Hauses verbanden sich zu einem gemeinsamen Ausflug
die Menschen, mit denen er verbunden war, sagten uns nicht zu
seit Jahren verbindet ein Patenschaftsvertrag das Klassenkollektiv mit der ausgezeichneten Brigade des großen Betriebes
sich jmdm. verbunden fühlen (= sich jmdm. zugetan fühlen) (= sich mit jmdm. solidarisch fühlen)
sich zu einem Bündnis zusammentun, sich verbünden
Beispiel:
er hatte sich mit unseren ärgsten Feinden verbunden
6.
gehoben, veraltend jmdm. verbunden seinjmdm. zu Dank verpflichtet sein
Beispiele:
ich bin Ihnen aufrichtig verbunden für Ihre Hilfe
ich bin, fühle mich Ihnen (sehr) verbunden (= ich danke Ihnen)
7.
einen telefonischen Anschluss zwischen zwei Fernsprechteilnehmern herstellen
Beispiele:
jmdn. telefonisch verbinden
ich darf Sie erst verbinden, wenn Sie Ihre eigene Telefonnummer durchgesagt haben
verbinden Sie mich bitte mit dem Direktor!
schon wieder falsch verbunden!
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

binden · Binde · Binder · entbinden · Entbindung · verbinden · Verbindung · Verband
binden Vb. ‘durch Umwinden, Verknüpfen zusammenfügen’, insbesondere ‘fesseln’, auch allgemeiner ‘fest miteinander vereinigen’, ahd. bintan (8. Jh.), mhd. binden ‘umwinden, verknüpfen, fesseln’ führt wie die Entsprechungen asächs. aengl. got. bindan, afries anord. schwed. binda, mnd. mnl. nl. binden, engl. to bind auf germ. *bindan. Es läßt sich mit aind. badhnā́ti ‘bindet’, bandháḥ ‘Band, Fessel’, bándhuḥ ‘Verbindung, Verwandtschaft, Verwandter’, griech. pé͞isma (πεῖσμα) ‘Tau, Seil’, pentherós (πενθερός) ‘Schwiegervater’ (auf die durch Heirat entstehende Bindung bezogen), lat. offendīx ‘Kinnband der Priestermütze’ an ie. *bhendh- ‘binden’ anschließen (s. auch Band1 m. und Band3 n., Bande2, Bund). Binde f. ‘um etw. herumgewundener Stoffstreifen’ (als Verband, Schmuck, Kennzeichen), ahd. binta (8./9. Jh.), mhd. binde ‘Binde, Verband’, aengl. binde, engl. bind ‘Binde, Band’. Binder m. ‘Böttcher’, ahd. bintāri (10. Jh.), mhd. binder ‘Faßbinder’, nhd. bis zur Gegenwart landschaftlich für Böttcher (s. d.). entbinden Vb. ‘lossprechen, befreien’, auch ‘gebären’, ahd. intbintan ‘aufbinden, lösen, befreien, einer Verpflichtung entheben’ (8. Jh.), mhd. enbinden ‘befreien, lösen, erklären’, asächs. antbindan, aengl. onbindan, engl. to unbind, got. andbindan. Das ursprünglich ‘losbinden, von Fesseln befreien’ bedeutende Verb kommt früh und im Nhd. überwiegend in metaphorischen Verwendungen vor; es bezeichnet bereits im 14. Jh. (wohl vom Trennen der Nabelschnur ausgehend) auch den Geburtsvorgang, wobei die Frau oder das Kind als Objekt des transitiven Verbs eintreten. Jung ist dagegen der intransitive Gebrauch ‘Mutter werden, gebären’ (um 1880); dazu Entbindung f. ‘Geburt’ und ‘Befreiung, Entlastung’, anfangs für unterschiedliche Vorgänge des Befreiens, Lösens, frühnhd. enpindung, en(t)pintung ‘Trennung. Auflösung, Erklärung’ (14. Jh.), dann namentlich ‘Absolution, Lossprechung von Sünden’, vgl. mnd. entbindinge ‘Zügellosigkeit’; im Sinne von ‘Niederkunft, Geburt’ seit dem 17. Jh. verbinden Vb. ‘mit einer Binde bedecken, verknüpfen, zusammenfügen’, übertragen ‘enge Beziehungen zwischen Personen herstellen’, ahd. firbintan ‘umwickeln, zubinden’ (um 1000), mhd. verbinden ‘zusammenfügen, zubinden, einschließen, verpflichten’; westgerm. Präfixbildung (vgl. mnd. vorbinden, nl. verbinden, aengl. forbindan), im Dt. die beiden Bedeutungsstränge ‘mit einer Binde bedecken’ (schon ahd.) und ‘fest zusammenfügen’ (mhd.) entwickelnd; in einigen der sich an die zweite Bedeutung anschließenden Verwendungen schwindet die Vorstellung des Umwindens, Verknüpfens völlig; dazu Verbindung f. ‘Zusammenhang, enge Beziehung’, auch ‘Vorgang des Verbindens’, zuerst (15. Jh.) ‘Verpflichtung’, vgl. mnd. vorbindinge ‘Verbindung, Bündnis’; Verband m. ‘eine Wunde bedeckende, schützende Binde’ (18. Jh.), ‘Gruppierung, Vereinigung, Organisation’ (19. Jh.).

Thesaurus

Oberbegriffe
Synonymgruppe
fest (miteinander) verbinden · verbinden · verkleben · verleimen · verschweißen · zusammenkleben · zusammenleimen · zusammenschweißen  ●  zusammenfügen  Hauptform · aneinanderfügen  geh.
Synonymgruppe
anbinden · anklemmen · anschließen · konnektieren · verbinden · verknüpfen · vernetzen  ●  anstöpseln  ugs.
Synonymgruppe
bandagieren · umwickeln · verbinden
Synonymgruppe
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
gemeinsam haben, dass · verbinden
Synonymgruppe
Synonymgruppe
assoziieren · in Verbindung bringen · verbinden · verketten · verknüpfen
Synonymgruppe
(sich) anbinden · (sich) verbinden (mit)  ●  (sich) anheften (an)  fig. · (sich) ankoppeln  fig. · (sich) verkoppeln (mit)  fig. · andocken (Virus)  Hauptform, fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
durchstellen (zu)  ●  (jemanden am Telefon) verbinden (mit)  Hauptform
Synonymgruppe
(mit) hineinnehmen · aufgreifen · einbeziehen · verbinden (mit)  ●  einfließen lassen  fig.

Typische Verbindungen zu ›verbinden‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verbinden‹.

Verwendungsbeispiele für ›verbinden‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dieses wilde Tier bricht dann bei einem mit der Mutter besonders verbundenem Kind durch. [Schücking, Beate: Wir machen unsere Kinder krank, München: List 1971, S. 123]
Sie fanden Gefallen an der damit verbundenen größeren persönlichen Freiheit. [Nahmer, Nöll von der Robert: Weltwirtschaft und Weltwirtschaftskrise. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 18806]
Die damit verbundene Belastung trug zu seinem baldigen Tode bei. [Cudworth, Charles L.: Ashley (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1973], S. 3522]
Er gilt die mit der besonderen Verwendung verbundenen Belastungen ab. [o. A.: Bundesbesoldungsgesetz. In: Sartorius 1: Verfassungs- und Verwaltungsgesetze der Bundesrepublik Deutschland, München: Beck 1998]
Die mit der Software verbundenen Kosten seien für sie durchaus erkennbar. [C't, 1999, Nr. 21]
Zitationshilfe
„verbinden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verbinden>.

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