verbitten

GrammatikVerb · reflexivverbittet sich, verbat sich, hat sich verbeten
Aussprache
Worttrennungver-bit-ten (computergeneriert)
Wortzerlegungver-bitten
eWDG, 1977

Bedeutung

sich [Dativ] etw. verbittennachdrücklich verlangen, dass etw. unterbleibe
Beispiele:
sie verbat sich jede Einmischung in ihre Ehe
einen solchen Ton verbitte ich mir
das möchte ich mir verbeten haben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bitten · bitte · verbitten · Bitte · Abbitte · Fürbitte · Bittschrift · Bittsteller
bitten Vb. ‘höflich auffordern’, ahd. bitten ‘(er)bitten, flehen, (an)beten’ (8. Jh.), mhd. bitten, auch ‘(vor Gericht) laden, wünschen, heißen, befehlen’, asächs. biddian, mnd. mnl. nl. bidden, afries. bidda, anord. biðja, schwed. bedja, got. bidjan (germ. *bedjan). Die Etymologie ist umstritten. Denkbar ist Verwandtschaft mit aind. bā́dhatē ‘drückt, drängt, zwingt’, für das unter Berufung auf aind. jñubā́dh- ‘die Knie beugend’ eine ältere Bedeutung ‘beugt (nieder)’ erschlossen wird. Dazu stellt man toch. B peti ‘Achtung, Verehrung’. Damit ergäbe sich für bitten Zugehörigkeit zu einer Wurzel ie. *bhedh- ‘krümmen, beugen, drücken, plagen’. Doch auch Zusammenhang mit ahd. mhd. beiten ‘vorwärtsdrängen, Zwang ausüben’, aengl. bǣdan ‘dringend bitten, drängen, zwingen’, anord. beiða ‘fordern, verlangen’, got. baidjan ‘antreiben, zwingen’ ist möglich. Dann wäre mit aslaw. běditi ‘nötigen, zwingen’, russ. (älter) bedít’ (бедить) ‘Leid antun’, russ. pobedít’ (победить) ‘(be)siegen’, griech. pé͞ithein (πείθειν) ‘überreden, überzeugen’, medial ‘(ver)trauen, sich überreden lassen’ an die Wurzel ie. *bheidh- ‘zureden, zwingen’, medial ‘sich einreden lassen, vertrauen’ anzuknüpfen. Die germ. Grundform von bitten gehört in diesem Fall zur Schwundstufe der Wurzel und wäre sekundär in die Ablautreihe anderer starker j-Präsentien (wie sitzen, liegen) übergetreten. Auf Grund der These, daß anlautendes ie. gṵh- zu b- geworden sei, tritt Seebold 93 für eine dritte Möglichkeit ein und geht von einer Kontamination der Wurzeln ie. *bheidh- (s. oben) und ie. *gṵhedh- ‘bitten, verlangen’ aus, wozu griech. pothé͞in (ποθεῖν, aus *gṵhodh-) ‘ersehnen’, air. guidid ‘bittet’, lit. gedáuti ‘wünschen, begehren, heischen’, aslaw. žędati ‘dürsten, verlangen, ersehnen’, russ. (älter) žadát’ (жадать) ‘begehren, dürsten, lechzen’, russ. žádnyj (жадный) ‘gierig, unersättlich, habsüchtig, geizig’. S. auch ↗Gebet, ↗betteln. Die adverbial gebrauchte Höflichkeitsformel bitte ist eine im 18. Jh. aufkommende (in gesprochener Sprache wohl ältere) Verkürzung aus ich bitte. verbitten Vb. ‘mit Nachdruck verlangen, daß etw. unterbleibt, entschieden zurückweisen’, besonders sich etw. verbitten (18. Jh.), zuvor ‘etw. erbitten, für jmdn. eintreten’ (16. Jh.). Bitte f. ‘inständig oder höflich vorgetragener Wunsch’, Neubildung des 15. Jhs. zum Verb, ahd. beta ‘Bitte, Gebet’ (9. Jh.), mhd. bet(e), auch ‘Gebot, Abgabe’ (wozu asächs. beda, mnd. bēde, mnl. bede, aengl. bedu, got. bida) ablösend. Abbitte f. ‘Bitte um Verzeihung’, vgl. Abbitte tun, leisten (16. Jh.). Fürbitte f. ‘Bitte (besonders im Gebet) für einen anderen’ (16. Jh.). Bittschrift f. (16. Jh.), für gleichbed. lat. supplicātio. Bittsteller m. ‘wer (an höherer Stelle) eine Bitte um Hilfe vorträgt’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich etwas) verbitten · ↗(sich gegen etwas) verwahren

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angelegenheit Anrede Belehrung Belästigung Bevormundung Bezeichnung CDU-Politiker Duzen Ehrung Einflußnahme Einmischung Einmischungsversuch Ermahnung Gerede Kritik Lebzeiten Mitleid Rauchen Unterstellung Vorverurteilung Zumutung Zusendung ausdrücklich daraufhin derlei energisch entschieden höflich lautstark strikt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verbitten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Leider können wir uns gar nichts verbitten, aber unser Kanzler könnte das.
Die Welt, 11.08.2003
Ich verbitte mir, dass so etwas jemals über mich gesagt wird.
Der Tagesspiegel, 15.03.2003
Ich muß es mir entschieden verbitten, daß Fragen der Verteidigung als »ewige Fragen« bezeichnet werden.
Friedländer, Hugo: Die Kaiserinsel. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 22117
Ich verbitte mir derartige Redensarten; Sie haben am allerwenigsten das Recht, jemanden in dieser Weise zu beleidigen.
Friedländer, Hugo: Der Brand der Neustettiner Synagoge vor den Schwurgerichten zu Köslin und Konitz. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 17980
Ich muß mir entschieden verbitten, in diesem Tone mit Biermann zusammen genannt zu werden.
Friedländer, Hugo: Die Oldenburgischen Spielerprozeße. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 22029
Zitationshilfe
„verbitten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verbitten>, abgerufen am 15.11.2019.

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