verbittern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-bit-tern
Grundformbitter
Wortbildung mit ›verbittern‹ als Erstglied: ↗Verbitterung
eWDG, 1977

Bedeutung

etw. verbittert jmdn.etw. verärgert jmdn., macht ihn missmutig, verdirbt ihm die Freude am Leben
Beispiele:
sein ständiger Misserfolg verbitterte ihn, verbitterte ihm das ganze Leben
wir wissen nicht, was ihn so verbittert hat
sich [Dativ] etw. verbitternsich die Freude an etw. verderben
Beispiel:
ich werde mir den schönen Tag doch nicht mit trüben Gedanken verbittern
oft im Part. Prät.
Beispiele:
eine verbitterte (= vergrämte, unzufriedene, enttäuschte) Frau
verbittert und enttäuscht verließen sie uns
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bitter · bitterlich · Bitterkeit · Bitternis · erbittern · Erbitterung · verbittern · Verbitterung
bitter Adj. ‘herb und unangenehm im Geschmack’, übertragen ‘schmerzlich, scharf, beißend’, verstärkend ‘sehr, groß’, ahd. bittar (8. Jh.), mhd. bitter ‘scharf, schneidend, beißend, schmerzhaft, schmerzbereitend’, speziell ‘bitter von Geschmack’, asächs. bittar, mnd. mnl. nl. bitter, aengl. biter, engl. bitter, anord. bitr (germ. *bitra-), mit Hochstufe got. baitrs (germ. *baitra-) gehört mit dem Suffix germ. -ra- zu ↗beißen (s. d.). Die zu erwartende hd. Verschiebung des im Westgerm. durch Einfluß des nachfolgenden r geminierten t zu tz ist unterblieben (vgl. auch Otter, zittern). Ursprünglich ‘beißend, schneidend, scharf’ (die mhd. Dichtung spricht von swerten bitter, eigentlich ‘beißenden Schwertern’), doch wird das Adjektiv schon früh auf den Geschmack und auf andere Empfindungen bezogen (bitterer Ernst, Schmerz, bittere Reue). Seit dem 18. Jh. dient bitter auch zur Verstärkung: bittere Not, Kälte; sich bitter rächen. bitterlich Adj. ‘ein wenig bitter’, verstärkend ‘groß, sehr’, mhd. bitterlich. Bitterkeit f. ‘bitterer Geschmack, bitteres Gefühl, Verbitterung’, mhd. bitterkeit; voraus geht ahd. bittarīgheit ‘Schärfe, Bissigkeit, Verbitterung (der Rede)’ (Hs. 12. Jh.). Bitternis f. gehobener Ausdruck für ‘Bitterkeit, bitteres Gefühl’, Plur. Bitternisse ‘Leiden’ (1. Hälfte 19. Jh.). erbittern Vb. ‘in bitteren Groll, in Zorn versetzen’, mhd. erbittern ‘kränken, zu Zorn und Haß treiben’, gebildet zum Simplex ahd. bitt(a)ren ‘zum Zorn, zur Auflehnung reizen, mit Kummer, Leid, Bitternis erfüllen’, auch ‘mit bittrem, unangenehmem Geschmack, widerlichem Geruch erfüllen’ (9. Jh.), mhd. bittern; dazu Erbitterung f. ‘bitterer Groll’ (17. Jh.). verbittern Vb. ‘verärgern, mißmutig machen’, spätmhd. verbittern; mit verstärkender Vorsilbe ver-. In konkreter Bedeutung ‘bitter machen’ selten, dagegen in übertragenem Gebrauch seit frühnhd. Zeit häufig; früher in bezug auf Personen gleichbed. mit erbittern. In neuerer Zeit bezieht sich erbittern in der Regel auf das Eintreten einer vorübergehenden Erregung, verbittern auf das Entstehen eines anhaltenden Gemütszustandes. Verbitterung f. anfangs ‘augenblickliche, vorübergehende Gemütserregung’ (16. Jh.), heute ‘andauernder Zustand bitteren Grolls’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeiter Heimat Jugend Leben Stimmung Tatsache besonders deprimieren enttäuschen resignieren verarmen verärgern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verbittern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch damit ist es nun vorbei; sie ist heute so verbittert, daß sie es ablehnt, stundenweise zu arbeiten.
Die Zeit, 20.11.1964, Nr. 47
Und da sie fühlt, daß ich dies annahm, ist sie etwas verbittert.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 294
Sie mußten ihr Leben verbittert in untergeordneten Stellungen verbringen und fanden oft leicht den Weg zur revolutionären Bewegung.
Franke, Wolfgang: Chinesische Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 19456
Er spielt den alten, verbitterten Ödipus, der einfach nicht verzeihen kann.
Süddeutsche Zeitung, 09.07.2001
Man könne alles für sinnlos halten und verbittern, das täten die meisten.
Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 221
Zitationshilfe
„verbittern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verbittern>, abgerufen am 23.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
verbitten
Verbissschaden
Verbissenheit
verbissen
Verbiß
Verbitterung
verblasen
verblassen
verblatten
verblättern