verbleiben

GrammatikVerb · verblieb, ist verblieben
Aussprache
Worttrennungver-blei-ben
Grundformbleiben
eWDG, 1977

Bedeutung

gespreizt
1.
an einem Aufenthaltsort oder in einem Zustand bleiben
a)
sich an einem Ort, in einem Bereich aufhalten, ihn nicht verlassen
Beispiele:
alle waren gegangen, nur er verblieb noch im Zimmer, in der Wohnung
er wollte noch einen Tag länger am Urlaubsort verbleiben
er verblieb bis zum Abitur im Internat
niemand wusste, wo sie verblieben war
nach diesen Vorfällen war sein weiteres Verbleiben im Dienst nicht mehr möglich
nach der Scheidung verblieb die Hälfte seiner Sammlungen im Besitz seiner Frau
vom Fleckentfernungsmittel dürfen keine Reste im Stoff verbleiben (= zurückbleiben)
das Gemälde kann an seinem Ort verbleiben (= hängenbleiben)
b)
einen bestimmten Zustand beibehalten, nicht ändern
Beispiele:
obwohl sie gewarnt worden war, verblieb sie bei ihrer Absicht
dabei ist es vorläufig verblieben
es verblieb bei der vagen Feststellung, er habe einen fieberhaften Infekt
veraltet mit den besten Grüßen verbleibe ich Ihr Freund K (= Briefschluss)
2.
übereinkommen, etw. vereinbaren
Beispiel:
wir sind so verblieben, dass er mich anruft, wenn es etw. Neues gibt
3.
etw. verbleibt jmdm.etw. bleibt jmdm. übrig
Beispiele:
das wenige Geld, das ihm verblieb, reichte gerade für das Nötigste
die noch verbliebene Zeit, den verbliebenen Raum nutzen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bleiben · verbleiben · Verbleib · unterbleiben · übrigbleiben · Überbleibsel · bleibenlassen · Hinterbliebene(r) · Bleibe
bleiben Vb. ‘einen Ort nicht verlassen, einen bestimmten Zustand beibehalten, übrig sein’, ahd. bilīban ‘(weg-, unter)bleiben’ (8. Jh.), mhd. belīben, blīben, mnd. mnl. blīven, nl. blijven, aengl. belīfan sind Präfixbildungen zu einem untergegangenen Simplex germ. *līƀan, zu dem auch die Kausativa ahd. leiben ‘hinterlassen, übriglassen’, aengl. lǣfan, anord. leifa gehören. Die germ. Formen verbinden sich mit aind. limpáti ‘schmiert, klebt (an)’, griech. lípos (λίπος) ‘Fett’, lit. lìpti ‘kleben (bleiben), klebrig sein’, aslaw. prilьpěti ‘anhaften’ und führen auf ie. *leip- ‘mit Fett beschmieren, kleben’, eine Erweiterung der Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, schmieren’ (s. ↗Leim), so daß für bleiben von ‘klebenbleiben, haften’ auszugehen ist (dazu s. auch ↗leben). Möglich ist für germ. Formen mit der Bedeutung ‘übrigbleiben, -lassen’ aber auch ursprüngliche Zugehörigkeit zur Wurzel ie. *leiku̯- (s. ↗elf und ↗leihen). verbleiben Vb. ‘an einem Aufenthaltsort oder in einem Zustand bleiben’, ferner ‘übereinkommen’, mhd. verblīben, verlīben ‘bleiben, ausbleiben’; dazu Verbleib m. ‘das Verweilen, Aufenthaltsort’ (aus der Kanzleisprache des 18. Jhs.). unterbleiben Vb. ‘nicht geschehen, nicht stattfinden’, seit frühnhd. Zeit belegt, doch vgl. spätmhd. underblībunge. übrigbleiben Vb. ‘als Rest zurückbleiben’ (15. Jh.), älter (heute umgangssprachlich, vornehmlich nordd.) überbleiben, mhd. überbelīben, mnd. ōverblīven, nl. overblijven; vgl. ahd. urbarlīban ‘übrigbleiben’ (9. Jh.); dazu Überbleibsel n. ‘kleiner Rest’ (17. Jh.); vgl. nl. overblijfsel. bleibenlassen Vb. ‘unterlassen, nicht mehr tun’, mhd. in der Fügung belīben lāʒen. Hinterbliebene(r) m. f. ‘Angehörige(r) eines Verstorbenen, Leidtragende(r)’ (18. Jh.), substantiviertes Part. Prät. zu dem heute untergegangenen Verb hinterbleiben ‘zurückbleiben’ gegenüber einem Scheidenden, Weggehenden. Bleibe f. ‘Aufenthaltsort, Unterkunft, Herberge’ (19. Jh.), besonders durch die Jugendbewegung verbreitet; älter, heute aber aufgegeben, sind gleichbed. Bleibeort m. und Bleibestätte f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bestehen bleiben · bleiben · verbleiben · ↗zurückbleiben · ↗übrig bleiben · ↗übrigbleiben  ●  ↗überbleiben  ugs.
Synonymgruppe
(sich) aufhalten · Zeit verbringen · bleiben · ↗herumstehen · verbleiben · ↗verweilen  ●  Wurzeln schlagen  ugs., ironisch, fig. · ↗weilen  geh.
Unterbegriffe
  • (sich) nicht vom Fleck rühren · (sich) nicht von der Stelle bewegen · (sich) nicht wegbewegen · da bleiben, wo man ist
Assoziationen
  • (etwas) sein Zuhause nennen · (irgendwo) zu Hause sein · (sein) Zuhause haben · jemandes Zuhause sein · ↗leben  ●  ↗hausen  abwertend · ↗wohnen  Hauptform · ↗residieren  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abzug Alteigentum Besitz Betriebsergebnis Bilanzgewinn Commonwealth DM Eigentum Gesamtbelastung Gruß Jahresgewinn Jahresüberschuß Reingewinn Rest Risikovorsorge Saldo Speicher Staatsbesitz Steuer Strich Zuständigkeit Zuweisung bis lediglich netto somit vorerst weiterhin zunächst Überschuß

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verbleiben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es sollen aber nur alle 31 verbliebenen Häuser auf einmal verkauft werden.
Bild, 03.04.2001
Zweiundsiebzig Mäuse verblieben am Ende eines vergleichbaren Experimentes, bei dem Milch gefüttert wurde, offenkundig auch gesund.
Die Zeit, 31.05.1996, Nr. 23
Dort dürfte er dann bis zu seinem Tod verblieben sein.
Biba, Otto: Diettenhofer. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1973], S. 22825
Dabei hob er die Augen zu ihr auf, in seiner gebückten Stellung verbleibend.
Doderer, Heimito von: Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre, Gütersloh: Bertelsmann 1996 [1951], S. 451
An barem Gelde verblieben mir dann noch rund 20 Mark.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Zitationshilfe
„verbleiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verbleiben>, abgerufen am 25.03.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Verbleib
verbläuen
verblättern
verblatten
verblassen
verbleichen
verbleien
verblenden
Verblendkrone
Verblendstein