verbocken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-bo-cken
Grundformbocken
eWDG, 1977

Bedeutung

umgangssprachlich
siehe auch Bock (Lesart 1)
1.
einen Fehler machen, etw. falsch machen, verderben
Beispiele:
durch seinen Leichtsinn hat er alles verbockt
wenn man etw. verbockt hat, muss man auch dafür einstehen
2.
sich verbockensich bockig, halsstarrig, widerspenstig, störrisch verhalten
Beispiele:
sie verbockte sich und wies jede Hilfe zurück
sein verbocktes Schweigen, Verhalten machte uns misstrauisch
er antwortete verdrossen und verbockt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bock · bocken · verbocken · bockig · bockbeinig · Bockshorn
Bock m. Bezeichnung für das männliche Tier bei verschiedenen geweih- oder gehörntragenden Säugern, vornehmlich ‘Ziegenbock’. Ahd. boc, buc (9. Jh.), mhd. boc, aengl. buc, engl. buck, mnd. buk, bok, mnl. boc, buc, nl. bok, anord. bukkr, bokkr, schwed. bock, dän. buk führen auf germ. *bukkaz. Dies weist Konsonantengemination auf, wie sie zumindest teilweise auch für die kelt. Formen mir. bocc, ir. boc, korn. boch vorausgesetzt wird. Fraglich ist, wieweit es sich dabei um eine Entlehnung des Germ. aus dem Kelt. oder umgekehrt handelt. Offen bleibt, ob germ. bzw. kelt. -kk- auf affektischer Konsonantenschärfung beruht oder auf eine Ausgangsform ie. *bhug̑nós ‘Bock’ hinweist. Aus ie. *bhū̌g̑- leiten sich auch die ostie. Bezeichnungen ab wie awest. būza- ‘Ziegenbock’, armen. buc ‘Lamm’. Im Nhd. wird das Wort im Hinblick auf die Steifbeinigkeit eines störrischen Bockes auf ein hölzernes Gestell (15. Jh.; vgl. Sägebock), eine Belagerungsmaschine (16. Jh.), den Kutschersitz (16. Jh.?, vgl. Kutschbock), das Turngerät für Sprungübungen (19. Jh.) übertragen. In der Sprache der Schützengilden (16. Jh.) bedeutet Bock ‘Fehlschuß’, im 18. Jh. wird es in die Allgemeinsprache für ‘Fehler’ übernommen und ist in der Wendung einen Bock schießen ‘einen großen Fehler machen’ geläufig. Beim Preisschießen der Schützengilden gewann zuweilen der schlechteste Schütze als Verhöhnung (im Hinblick auf den Bocksgeruch) einen Ziegenbock (wie später ein Holz- oder Spielzeuggewehr). In der Jugendsprache steht Bock für ‘Appetit, Lust, innerer Antrieb’ (2. Hälfte 20. Jh.), vgl. (keinen) Bock, Null-Bock haben, wohl anknüpfend an rotw. Bock ‘Hunger’ und geil (‘sexuell erregt’) wie ein Bock. bocken Vb. ‘steifbeinig, widerspenstig sein, nicht gehorchen’ (16. Jh.), ahd. bockōn, bucken (9. Jh.), mhd. bocken ‘wie ein Bock stoßen’. verbocken Vb. ‘etw. falsch machen, verpfuschen’, gebildet (19. Jh.) wohl in Anlehnung an die Wendung einen Bock schießen (s. oben). bockig Adj. ‘störrisch’ (19. Jh.), älter bockicht (16. Jh.). bockbeinig Adj. ‘steifbeinig wie ein Bock’, (16. Jh.), im übertragenen Sinne ‘störrisch, widerspenstig’ im 18. Jh. in die Literatursprache aufgenommen, eigentlich ‘sich mit gespreizten Beinen sträubend wie ein Bock’. Bockshorn n. Horn des Ziegenbocks (mhd. bockes horn, frühnhd. buxhorn, 15. Jh.). Auch Name für Pflanzen, besonders für deren Früchte, sowohl der Röhrenkassie (mhd. bokishorn, 13. Jh.), als auch des Bockshornklees (16. Jh.). Die Fruchthülsen können wegen ihrer Form und ihrer paarweisen Anordnung an die Hörner eines Bockes erinnern; vgl. Marzell 1, 862 und 4, 805. In phraseologischer Wendung jmdn. ins Bockshorn jagen ‘einschüchtern’ (1. Hälfte 16. Jh.); zunächst (1478) jmdn. in ein Bockshorn stoßen (dann auch treiben, zwingen), wofür die Deutungsversuche unsicher bleiben, vgl. Heinermann in: PBB 67 (1945) 248 ff.

Thesaurus

Synonymgruppe
in den Sand setzen  ugs., fig. · in den Teich setzen  ugs. · verbocken  ugs. · ↗vergeigen  ugs. · ↗verhauen  ugs. · ↗vermasseln  ugs. · ↗versaubeuteln  ugs. · ↗versauen  derb · ↗versieben  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
verbocken · ↗verderben · ↗verpfuschen  ●  ↗(etwas) verkacken  derb · ↗depravieren  geh. · ↗verhunzen  ugs. · ↗verkorksen  ugs. · ↗vermasseln  ugs. · ↗vermurksen  ugs. · ↗verpatzen  ugs. · ↗versaubeuteln  ugs. · ↗versauen  derb · ↗versieben  ugs. · ↗verzapfen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Vorgänger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verbocken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie hat den Fehler verbockt und das ist ihr peinlich.
Die Zeit, 11.10.2010, Nr. 41
Schließlich könne der Rühe doch nichts dafür, was die anderen verbockt hätten.
Der Tagesspiegel, 15.02.2000
Ich will als Trainer dafür verantwortlich sein, was man selbst verbockt hat.
Bild, 20.05.1998
Und weil er den Mist mit Schäfer praktisch allein verbockt hat.
Süddeutsche Zeitung, 22.07.1999
Zwei Wochen saß so der Zeuge Flaucher, verbockt, bösartig, und sammelte in seine Brust die Spieße, sie von anderen abzuwehren.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 645
Zitationshilfe
„verbocken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verbocken>, abgerufen am 22.04.2019.

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