verbrüdern

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungver-brü-dern (computergeneriert)
GrundformBruder
Wortbildung mit ›verbrüdern‹ als Erstglied: ↗Verbrüderung  ·  mit ›verbrüdern‹ als Letztglied: ↗Völkerverbrüderung
eWDG, 1977

Bedeutung

sich mit jmdm. verbrüdernmit jmdm. eng vertraut werden und Brüderschaft schließen; sich mit jmdm. (für ein gemeinsames Ziel) zusammenschließen
Beispiel:
Viele Soldaten ließen sich entwaffnen, andere verbrüderten sich mit den Pariser Arbeitern [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung3,10]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bruder · brüderlich · Brüderlichkeit · Brüderschaft · Bruderschaft · Gebrüder · verbrüdern · Verbrüderung
Bruder m. ‘männliches Geschwister’, ahd. (8. Jh.), mhd. bruoder. Allgemeine Verbreitung des Substantivs im Germ. (asächs. brōðar, mnd. brōder, aengl. brōþor, engl. brother, mnl. nl. broeder, afries. brother, anord. brōðir, schwed. dän. broder, got. brōþar, germ. *brōþēr-) und das Vorhandensein außergerm. Entsprechungen wie aind. bhrā́tā (Stamm bhrā́tar-) ‘Bruder’, griech. phrā́tēr (φράτηρ), phrā́tōr (φράτωρ) ‘Mitglied eines Geschlechterverbands’, lat. frāter ‘Bruder’, aslaw. bratrъ, bratъ, russ. brat (брат) ‘Bruder’ zeugen für ein (auch bei anderen Verwandtschaftsbezeichnungen, z. B. bei ↗Mutter, ↗Schwester, ↗Sohn, ↗Tochter, ↗Vater, s. d., nachzuweisendes) hohes Alter. Als gemeinsame Ausgangsform ergibt sich ie. *bhrāter-, älter vielleicht *bhrātor-, ‘Bruder, Blutsverwandter’, wofür Trier Holz (1952) 88 f. Anschluß an eine Wurzel ie. *bher- ‘flechten, weben’ vorschlägt. Verwendung als Anrede zwischen Mönchen (nach lat. frāter) und Übertragung im Sinne von ‘Vertrauter, Freund’ sind bereits ahd. geläufig. brüderlich Adj. ‘nach Art eines guten Bruders’, ahd. bruoderlīh (9. Jh.), mhd. bruoderlich, brüederlich; dazu Brüderlichkeit f. ‘brüderliche Gesinnung’, frühnhd. bruder-, brüderlicheit, bruderlichkeit nur im 15. Jh. belegt; im jüngeren Nhd. von den 70er Jahren des 18. Jhs. an (Lavater, Campe) für frz. fraternité, engl. fraternity in Gebrauch kommend. Brüderschaft f. ‘brüderliches Verhältnis, enge Freundschaft’, Bruderschaft f. ‘christliche Vereinigung’; die semantische Differenzierung zwischen umgelauteter und nicht umgelauteter Form ist jedoch erst in neuerer Zeit erkennbar und gilt auch in der Gegenwart nicht streng (noch im 20. Jh. z. B. Bruderschaft, Brüderschaft trinken); zunächst ahd. bruoderscaf(t) ‘christliche Brüderlichkeit, brüderliche Liebe’ (9. Jh.), mhd. bruoderschaft, brüederschaft ‘geistliche Vereinigung, brüderliches Verhältnis’, spätmhd. und frühnhd. (wie mnd. brȫderschop, brōderschop) auch als Bezeichnung für nach geistlichem Muster gebildete Gesellenverbände und Handwerkervereinigungen, nhd. dann häufig überhaupt ‘Bund, Gemeinschaft Zusammenschluß’. Gebrüder Plur. ‘Gemeinschaft mehrerer, meist zweier Brüder’ (seit dem 19. Jh. besonders im Geschäftsverkehr), Kollektivbildung zu Bruder wie ↗Geschwister (s. d.) zu Schwester; ahd. gibruoder m. (9. Jh.) ‘Bruder in der christlichen Gemeinschaft’ (als Nebenform zu bruoder), mhd. gebruoder, gebrüeder Plur. ‘Brüder’. verbrüdern Vb. reflexiv ‘mit jmdm. Brüderschaft, ein enges Bündnis schließen’ (17. Jh.); voraus geht gleichbed. mhd. sich gebruodern (hingegen mhd. sich verbruodern ‘sich unter Brüder verteilen’, vom Erbe); dazu Verbrüderung f. ‘das Schaffen eines brüderlichen Verhältnisses, Vereinigung’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
fraternisieren · verbrüdern

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeiter Bevölkerung Demonstrant Fan Gegner Soldat miteinander tanzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verbrüdern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manche verbrüdern sich noch, andere gehen einander schon an den Kragen.
Die Welt, 23.12.2000
Aber mit randalierenden Studenten mochte man sich doch nicht verbrüdern.
Die Zeit, 04.10.1968, Nr. 40
Sie wollten sich sofort mit uns verbrüdern und hetzten noch obendrein gegen die französischen Lageroffiziere.
Töpfer, Carl: Der neue Franz. In: Flieger am Feind, Gütersloh: Bertelsmann 1934 [1934], S. 196
Kosakenabteilungen und Soldaten verbrüderten sich bereits da und dort mit den Massen.
Gitermann, Valentin: Die Russische Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 14703
Nur einmal im Jahr verbrüderte sich die ganze Bevölkerung, nämlich bei der großen Messe, Freimarkt genannt.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 2. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 1226
Zitationshilfe
„verbrüdern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verbrüdern>, abgerufen am 23.11.2019.

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