verdämmern

Grammatik Verb · verdämmert, verdämmerte, ist verdämmert
Aussprache [fɛɐ̯ˈdɛmɐn]
Worttrennung ver-däm-mern
Wortzerlegung ver- dämmern
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutung

gehoben
a)
etw. verdämmertvon einer Sache oder FarbeDWDS   langsam, verblassend verschwinden, unsichtbar werden;
in der Helligkeit, Wirkung langsam nachlassen, verblassen, vergehenDWDS
Beispiele:
Keine Sekunde zu spät verdämmert das Licht im Saal. [Die Zeit, 03.04.2017 (online)]
Währenddessen [während die Kneipenbesucher am Pier noch ein letztes Bier tranken] gingen im Hafen gegenüber die Lichter an, und unter einem dunkelroten Himmel begann das Panorama, romantisch zu verdämmern. [Der Tagesspiegel, 23.06.2004]
Das Weiß nimmt verschiedene Töne an, bis es gegen Abend verdämmert. [Süddeutsche Zeitung, 12.11.1993]
Tagsüber geht es im Dorf gemächlich zu, früh bricht der Abend an – die Türen werden geschlossen, dann gehen die Lichter aus und auch der Bildschirmschimmer verdämmert. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.1996]
metonymisch Während vor dem Berliner Hotel allmählich ein Dienstagnachmittag verdämmert, stapft Michael S[…] drinnen, in einer der letzten Pausen, durch das Erdgeschoss und macht ein zufriedenes Gesicht. [Welt am Sonntag, 31.12.2017, Nr. 53]
metonymisch Durch die Fenster fällt gedämpftes Licht, es ist drei Uhr, der Tag beginnt zu verdämmern. [Neue Zürcher Zeitung, 16.03.1996]
Es ist Abend, an den schneebedeckten Flanken des [Berges] Hermon verdämmert der Tag. [Die Zeit, 22.05.1981, Nr. 22]
b)
jmd. verdämmertZeit in einem Dämmerzustand, ohne Anteilnahme oder Tätigsein verbringen; sich in einem geistig teilnahmslosen Zustand befinden, der die Wahrnehmung der Wirklichkeit oder die aktive Teilnahme am Alltag verhindert
Beispiele:
C[…] glitt in Irrsinn und Albträume weg und verdämmerte auf seinem Landsitz bei Fontainebleau. [Süddeutsche Zeitung, 20.04.2018]
Entweder ist die Rückenstütze zu kurz oder das Polster ist so weich, dass man in einen Zwischenzustand rückt – halb sitzend, halb liegend verdämmern viele von uns ihre Tage in der Sitzlandschaft. [Süddeutsche Zeitung, 11.06.2011]
Eine »couch potato«[…] ist eine Person, die ihre Tage auf dem Sofa vor dem Fernseher verdämmert, sich also an Winston Churchills edle Maxime »no sports« hält. [Die Welt, 22.06.2005]
Er [der Regisseur der legendären Frankenstein-Filme] wohnt in einer prachtvollen Villa, würde nicht wagen, unter dem seidenen Hausrock keine Krawatte zu tragen, und verdämmert seinen Ruhestand in kultivierter Langeweile. [Die Welt, 25.05.2000]
Die Vorstellung, ihre letzten Tage im Altersheim zu verdämmern, wirkt auf die rüstige Witwe abschreckend. [Süddeutsche Zeitung, 24.03.2000]
Man kann von jungen Menschen, die man mit 400 Mark im Monat plus Miete abspeist […], nichts anderes erwarten, als daß sie sich im Rausch verlieren, die Tage in abgedunkelten Spielhallen verdämmern […]. [Die Zeit, 12.07.1996, Nr. 29]
Wo Tiger hinter Gitterstäben dösen, als stünden sie unter Valium, wo tranige Pinselaffen in kahlen Glaskästen den Tag verdämmern, bleiben die Besucher fern. [Der Spiegel, 12.04.1993, Nr. 15]
Spätnachts kam ich zu Hause angekrochen und hatte nur noch den Wunsch, vor der Glotze zu verdämmern. [die tageszeitung, 15.12.1993]
Er [der italienische Schriftsteller Gabriele D’annunzio] flüchtete in seine Villa am Gardasee[…] – ein Museum, in dem er selbst zur Antiquität wurde, die Jahre bis zu seinem Tod am 1. März 1938 untätig verdämmerte. [Die Zeit, 30.12.1988, Nr. 01]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) schlägt die Stunde · (jemandes) letztes Stündlein hat geschlagen · (seinen) letzten Atemzug tun · ableben · das Zeitliche segnen · erlöschen · in die ewigen Jagdgründe eingehen · verdämmern · verscheiden · versterben · wegsterben  ●  (die) Augen für immer schließen  verhüllend · (die) Reihen lichten sich  fig. · abtreten  fig. · aus dem Leben scheiden  fig. · davongehen  fig. · entschlafen  fig., verhüllend · fallen  militärisch · gehen  verhüllend · heimgehen  fig., verhüllend · sanft entschlafen  verhüllend, fig. · seinen letzten Gang gehen  fig. · sterben  Hauptform · uns verlassen  verhüllend · von der Bühne (des Lebens) abtreten  fig. · von uns gehen  fig. · (den) Arsch zukneifen  vulg., fig. · (den) Löffel abgeben  ugs., fig., salopp · (seine) letzte Fahrt antreten  ugs., fig. · dahingehen  geh., verhüllend · dahingerafft werden (von)  ugs. · dahinscheiden  geh., verhüllend · den Geist aufgeben  ugs. · den Weg allen Fleisches gehen  geh. · die Grätsche machen  ugs., salopp · die Hufe hochreißen  derb, fig. · dran glauben (müssen)  ugs. · in die Ewigkeit abberufen werden  geh., fig. · in die Grube fahren  ugs., fig. · in die Grube gehen  ugs. · ins Grab sinken  geh., fig. · ins Gras beißen  ugs., fig. · sein Leben aushauchen  geh. · seinen Geist aufgeben  ugs. · seinen Geist aushauchen  geh. · vor seinen Richter treten  geh., religiös, fig. · vor seinen Schöpfer treten  geh., fig.
Assoziationen
  • auf dem Feld der Ehre sein Leben gelassen · gefallen · getötet worden  ●  auf dem Feld der Ehre gefallen  pathetisch · den Heldentod gestorben  pathetisch · im Feld geblieben  fig., verhüllend · draußen geblieben  ugs., Jargon
  • (seinen Verletzungen) erlegen · aus dem Leben geschieden · dahingegangen · dahingeschieden · gestorben · mit jemandem ist es aus · nicht mehr sein · nicht mehr unter den Lebenden · nicht mehr unter uns (weilen) · seligen Angedenkens (nachgestellt) · seligen Gedenkens (nachgestellt) · tot · verschieden · verstorben  ●  (nur) mit den Füßen zuerst  fig. · draußen geblieben  militärisch · gefallen  militärisch · hat uns verlassen  verhüllend, fig. · selig (nachgestellt)  veraltet · tot und begraben  Verstärkung · von uns gegangen  verhüllend, fig. · (jemand) hat es hinter sich  derb · draufgegangen (bei)  ugs. · gehimmelt  ugs. · unterm Torf  ugs., salopp, fig. · verblichen  geh. · weg vom Fenster  ugs., fig.
  • (den) Freitod wählen · (die) (letzte) Konsequenz ziehen · (sein) Leben wegwerfen · (sich) (selbst) richten · (sich) (selbst) töten · (sich) (selbst) umbringen · (sich) das Leben nehmen · (sich) etwas antun · (sich) vom Leben zum Tode befördern · Hand an sich legen · Selbstmord begehen · Suizid begehen · durch eigene Hand sterben · seinem Leben ein Ende machen · seinem Leben ein Ende setzen  ●  (sich selbst) (den) Garaus machen  geh. · (sich) den Tod geben  geh. · (sich) ein Leid antun (lit.)  geh. · (sich) ein Leids antun (lit.)  geh., verhüllend · (sich) entleiben  geh. · (sich) wegschmeißen  derb
  • auslöschen · ermorden · killen · meucheln · tot... · umbringen · ums Leben bringen  ●  (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden  fig. · (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ins Jenseits befördern  fig. · töten (absichtlich)  Hauptform · zum Schweigen bringen  fig. · zur Strecke bringen  fig. · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · abmurksen  ugs. · abservieren  ugs., salopp, fig. · ausknipsen  ugs., fig., salopp · entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs., fig. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · kaltmachen  ugs. · totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs., fig. · umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
  • arbeiten bis zum Schluss · in Ausübung seiner Tätigkeit sterben · in den Sielen sterben · in treuer Pflichterfüllung sterben · jemand arbeitet, bis er tot umfällt
  • knapp überleben · noch einmal mit dem Leben davonkommen · reanimiert werden · von den Toten auferstehen  ●  dem Tod ein Schnippchen schlagen  fig. · dem Tod von der Schippe springen  fig. · wieder auferstehen (von den Toten)  biblisch · beinahe draufgehen bei  derb, variabel

Typische Verbindungen zu ›verdämmern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verdämmern‹.

Zitationshilfe
„verdämmern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verd%C3%A4mmern>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
verdächtigen
verdächtig
verdutzt
verdutzen
verdusseln
verdörren
verdösen
verdübeln
verdünnen
verdünnisieren