verdenken

Grammatik Verb · verdenkt, verdachte, hat verdacht
Aussprache 
Worttrennung ver-den-ken
Wortzerlegung ver-denken
eWDG

Bedeutung

jmdm. etw. übelnehmen, verargen
Grammatik: meist verneint
Beispiele:
man kann es ihm nicht verdenken, wenn er jetzt arbeiten will
das kann ihm niemand, keiner verdenken, dass ...
er würde es keinem verdenken, wenn ...
sie verdachte ihm das Lächeln, obwohl sie ihn weiter und weiter ansehen mußte [ Ch. WolfGeteilter Himmel21]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

denken · gedenken · nachdenken · nachdenklich · verdenken · Denker · Denkzettel
denken Vb. ‘geistig arbeiten, überlegen’, ahd. thenken (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. denken, asächs. thenkian, afries. thanka, aengl. þencan, engl. to think, anord. þekkja (‘wahrnehmen, erkennen’), aschwed. þækkia, got. þagkjan. Das germ. jan-Verb (germ. *þankjan) steht als Kausativum im Ablaut (wie ↗Dank, ↗Gedanke, s. d.) zu einem Verb, das sich in ↗dünken (s. d.) fortsetzt. Es findet eine sichere außergerm. Entsprechung in lat. tongēre ‘kennen, wissen’ und kann mit diesem auf eine Wurzelform ie. *teng-, *tong- ‘denken, fühlen’ zurückgeführt werden. Das Prät. dachte und das Part. Prät. gedacht (beide mit Kürzung des Stammvokals) sind durch Ausfall von -n- und Ersatzdehnung entstanden (ahd. thāhta, githāht, mhd. dāhte, gedāht, aus germ. *þanht-). gedenken Vb. ‘an jmdn., etw. zurückdenken, sich erinnern, beabsichtigen’, ahd. githenken ‘an etw. denken’ (um 800), mhd. gedenken, auch ‘ausdenken, bestimmen, eingedenk sein, sich erinnern’, heute besonders einer Sache, eines Menschen gedenken sowie gedenken, etw. zu tun. nachdenken Vb. ‘eine Sache gründlich durchdenken, überlegen, erwägen’, (selten) ‘etw. in Gedanken nachvollziehen’ (15. Jh.); vgl. mhd. denken nāch ‘mit Gedanken nachfolgen, zurückdenken an’; nachdenklich Adj. ‘zu Überlegungen neigend, in Gedanken versunken, zum Nachdenken anregend’ (Mitte 17. Jh.). verdenken Vb. ‘übelnehmen, verübeln, verargen’ (meist verneint und in Verbindung mit können), ahd. firthenken ‘verachten, geringschätzen’ (8. Jh.), mhd. verdenken ‘(zu Ende) denken, erwägen, sich erinnern, Übles von jmdm. denken, jmdn. in Verdacht haben, verargen’ (s. ↗Verdacht). Denker m. ‘Philosoph’ (1. Hälfte 18. Jh. nach engl. thinker); vgl. vereinzeltes ahd. thenkāri (11. Jh.). Denkzettel m. ‘Merkzettel als Gedächtnishilfe’, übertragen ‘eindringliche Lehre in Form eines Verweises, einer Bestrafung’ (16. Jh.), vgl. rechtssprachliches mnd. denksed(d)del, -cēdel ‘Urkunde, Vorladung, Merkblatt’. Frühnhd. auch Gedenkzedele, -zettul (16. Jh.). S. ↗Zettel2.

Thesaurus

Synonymgruppe
ankreiden · ↗nachtragen · ↗verargen · ↗verübeln · ↗übel nehmen  ●  ↗(jemandem etwas) übelnehmen  Hauptform · verdenken (negativ oder in Frage)  floskelhaft · (auf jemanden) sauer sein  ugs. · ↗krummnehmen  ugs.
Assoziationen
  • beleidigt · ↗gekränkt · ↗nachtragend · schmollend · ↗verletzt  ●  ↗sich auf den Schlips getreten fühlen  fig. · angepiekst  ugs. · eingeschnappt  ugs. · ↗pikiert  geh. · ↗sauer  ugs. · tödlich beleidigt  ugs.
  • (jemandem) etwas wollen · ein kritisches Auge haben (auf)  ●  (es auf jemanden) abgesehen haben  ugs., negativ · (jemandem) eins reinwürgen wollen  ugs., salopp · (jemandem) was wollen  ugs., negativ · (jemanden) auf dem Kieker haben  ugs., negativ
  • (jemandem) unsympathisch sein · (jemanden) nicht mögen  ●  (etwas) haben (gegen jemanden)  ugs. · (jemandem) nicht grün sein  ugs. · (jemandem) was wollen  ugs. · (jemandes) Nase passt jemandem nicht  ugs.
  • (die) Schuld geben (an) · (die) Schuld zuweisen · ↗(jemandem etwas) anlasten · ↗(jemandem etwas) unterstellen · (jemandem etwas) zur Last legen · ↗(jemanden) verdächtigen
  • (etwas) als persönlichen Angriff auffassen · (etwas) zu persönlich nehmen · (sich) angegriffen fühlen · (sich) in der Defensive fühlen · (sich) in der Defensive sehen · beleidigt reagieren · dünnhäutig reagieren  ●  (sich) auf den Schlips getreten fühlen  fig.
  • (jemandem etwas) vorhalten · ↗(jemanden) beschuldigen · Vorhaltungen machen · Vorwürfe machen · ↗anschuldigen · zum Vorwurf machen  ●  ↗(jemandem etwas) unter die Nase reiben  fig. · ↗(jemandem etwas) vorwerfen  Hauptform · (jemandem etwas) aufs Brot schmieren  ugs., variabel, fig.
  • (einen) Groll gegen jemanden hegen · (einen) Pik auf jemanden haben · (einen) heimlichen Groll auf jemanden haben  ●  ↗(jemandem etwas) grollen  veraltet

Typische Verbindungen zu ›verdenken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verdenken‹.

Verwendungsbeispiele für ›verdenken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dass sie uns das nicht zutrauten, kann ich ihnen nicht einmal verdenken.
Die Zeit, 18.05.2009, Nr. 20
Dass er dafür auch Publicity sucht, kann ich ihm nicht verdenken.
Süddeutsche Zeitung, 24.12.2001
Wer kann es uns verdenken, wir waren nicht satt, und es war genug da.
Viersbeck, Doris: Erlebnisse eines Hamburger Dienstmädchens. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 8084
Es war gewiß nichts dabei, dennoch wurde es ihm verdacht.
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 325
Das ist ihr nicht zu verdenken, aber es ist sehr amerikanisch.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 3274
Zitationshilfe
„verdenken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verdenken>, abgerufen am 21.06.2021.

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