verderben

GrammatikVerb · verdirbt, verdarb, ist/hat verdorben
Worttrennungver-der-ben (computergeneriert)
Wortbildung mit ›verderben‹ als Erstglied: ↗Verderber · ↗Verderbnis  ·  mit ›verderben‹ als Grundform: ↗Verderb · ↗Verderben · ↗Verdorbenheit · ↗verderbt
 ·  formal verwandt mit: ↗unverdorben
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
schlecht, unbrauchbar werden
a)
(durch Fäulnis) ungenießbar werden
Beispiele:
das Obst, Fleisch aus der Konservendose verdirbt, wenn es nicht bald gegessen wird
Pilze verderben leicht, schnell
die Wurst, der Fisch ist verdorben
verdorbene Speisen, Medikamente
b)
übertragen moralisch verkommen
Beispiele:
unter den damaligen Verhältnissen wäre er verdorben
ein verdorbener Mensch
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. schlecht, unbrauchbar machen
a)
etw. ungenießbar machen
Beispiele:
zuviel Salz, ein schlechtes Ei kann das ganze Essen verderben
sie hat den Kuchen verdorben
sprichwörtlich viele Köche verderben den Brei
b)
etw. schadhaft machen, ruinieren
Beispiele:
durch Lesen bei ungenügendem Licht verdirbst du dir die Augen
sie hat sich [Dativ] den Magen verdorben (= durch zu reichliche oder nicht einwandfreie Speise eine Magenverstimmung zugezogen)
jmdm. die Freude, Lust, den Spaß, Geschmack an etw., die Laune, Stimmung verderben (= nehmen, zunichte machen)
jetzt hast du mir das Spiel verdorben (= die Freude am Spiel genommen)
seine schlechte Laune verdarb uns den ganzen Abend
ein verdorbener Magen, Geschmack
umgangssprachlich jmdm. das Konzept verderben (= jmds. Pläne durchkreuzen)
sprichwörtlich böse Beispiele verderben gute Sitten
es mit jmdm. verderben(durch eigene Schuld) aus einem bisher guten in ein schlechtes Verhältnis zu jmdm. geraten
Beispiele:
durch dein Verhalten hast du es mit ihm verdorben
sie will es mit niemandem verderben
c)
übertragen jmdn. verderbenauf jmdn. einen (moralisch) schlechten Einfluss ausüben
Beispiel:
durch schlechten Umgang wurde er, sein Charakter verdorben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verderben · Verderb · Verderben · verderblich · Verderbnis
verderben Vb. ‘schlecht, unbrauchbar werden oder machen, einen schlechten Einfluß ausüben’, entstanden aus der Vermischung des starken intransitiven Verbs mhd. verderben ‘zunichte werden, zu Schaden kommen, umkommen, sterben’ mit dem zugehörigen Kausativum mhd. verderben ‘zu Schaden bringen, zunichte machen, zugrunde gehen lassen, zugrunde richten, töten’; vgl. die Partizipialadjektive verderbt ‘moralisch verkommen’, fachsprachlich ‘unleserlich, schwer zu entziffern’, und verdorben ‘verbraucht, ungenießbar, schlecht, moralisch verkommen’. Dazu entsprechend (ebenfalls stark und schwach) mnd. vorderven, mnl. verderven. Zugrunde liegt das starke Verb mhd. (selten) derben, mnd. derven ‘verderben’, aengl. (ge)deorfan ‘sich anstrengen, arbeiten, in Gefahr sein, umkommen’, das mit aengl. (ge)deorf ‘Arbeit, Mühsal, Gefahr’ und außergerm. mit lit. dìrbti ‘arbeiten’, dárbas ‘Arbeit, Tat, Werk’ auf ie. *dherbh- ‘derb, kräftig arbeiten’ (wozu wahrscheinlich auch ↗derb, s. d.) führt. Verderb m. ‘das Unbrauchbar-, Ungenießbarwerden, Unglück, Verhängnis’, mhd. verderp, mnd. vorderf. Verderben n. ‘Untergang, Zerstörung, Vernichtung, moralischer Verfall’, mhd. verderben, substantivierter Infinitiv. verderblich Adj. ‘leicht verderbend, schnell unbrauchbar, ungenießbar werdend, unheilvoll, moralisch schädlich’ (15. Jh.), mnd. vorderflīk ‘verderblich, schädlich, zugrundegerichtet, baufällig, dem Verderben ausgesetzt’. Verderbnis f. ‘das Verdorbensein, schlechter Zustand, (moralische) Verkommenheit’, mhd. verderpnisse, mnd. vorderfnisse ‘Vernichtung, Verwüstung, Untergang, schlechter Zustand, Schaden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
in Verruf bringen · ↗ruinieren · verderben · zu Grunde richten · zugrunde richten
Synonymgruppe
schlecht werden (Lebensmittel) · verderben  ●  ↗(ver)gammeln  ugs., variabel · ↗umkommen  ugs.
Synonymgruppe
verbocken · verderben · ↗verpfuschen  ●  ↗(etwas) verkacken  derb · ↗depravieren  geh. · ↗verhunzen  ugs. · ↗verkorksen  ugs. · ↗vermasseln  ugs. · ↗vermurksen  ugs. · ↗verpatzen  ugs. · ↗versaubeuteln  ugs. · ↗versauen  derb · ↗versieben  ugs. · ↗verzapfen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(Lust) verderben · (Spaß) verderben
Synonymgruppe
schlechte Laune machen · verderben  ●  ↗abturnen  ugs. · ↗herunterziehen  ugs. · ↗miesmachen  ugs. · ↗runterziehen  ugs.
Synonymgruppe
ausarten · ↗degenerieren · ↗entarten · verderben
Synonymgruppe
(sich etwas) ruinieren (Kleidung, Frisur) · (sich) verderben · ↗verhunzen · ↗verunstalten
Synonymgruppe
(es sich) verscherzen (mit) · (jemandes) Gunst verlieren · (sich) jemandes Gunst verscherzen · (sich) unbeliebt machen (bei) · in Ungnade fallen (bei)  ●  (es sich) verderben (mit)  Hauptform · nicht mehr gut zu sprechen sein (auf)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Appetit Brei Börsianer Charakter Ernte Feier Feierlaune Fest Fleisch Freude Genuß Geschmack Geschäft Jugend Kauflaune Koch Laune Lebensmittel Lust Mage Magen Party Sitte Spaß Stimmung Urlaub Vorfreude Weihnachtsfest gründlich vollends

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verderben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zuviel Gage verderbe den künstlerischen Ausdruck, und die Ideen, die heute von Regisseuren umgesetzt werden, seien in erster Linie teuer.
Der Tagesspiegel, 01.08.1999
Unser Charakter ist durch den Druck verdorben, und das muss durch einen anderen Druck wiederhergestellt werden.
Süddeutsche Zeitung, 30.08.1997
Verdorbene Luft - und das ist verräucherte Luft im Wagen - macht müde.
Dillenburger, Helmut: Das praktische Autobuch, Gütersloh: Bertelsmann 1965 [1957], S. 410
Zwölf Jahre lang hat dem Alten die Uniform das Leben verdorben.
Rubiner, Ludwig: Die Gewaltlosen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 16564
Willst du ihr zum Dank dafür das junge Leben verderben?
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18360
Zitationshilfe
„verderben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verderben>, abgerufen am 22.10.2019.

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