verdrängen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ver-drän-gen
Grundform drängen
Wortbildung  mit ›verdrängen‹ als Erstglied: ↗Verdrängung
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. beiseite, von seiner Stelle drängen
Beispiele:
die Indianer in Nordamerika wurden von den europäischen Siedlern verdrängt
jmdn. von seinem Platz, aus seiner Position verdrängen
das Schiff verdrängt 5 000 Tonnen (= füllt den Raum von 5000 Tonnen Wasser aus)
2.
Psychologie etw. aus dem Bewusstsein ausscheiden, nicht mehr zum Bewusstsein kommen lassen
Beispiele:
verdrängte Vorstellungen, Wünsche, Affekte, Triebe
ein verdrängter Ärger
ein peinliches Erlebnis verdrängen

Thesaurus

Synonymgruppe
abdrängen · beiseitedrängen · verdrängen
Synonymgruppe
abwehren · ↗ausblenden · ↗ersticken (Gefühle) · ↗niederdrücken · ↗supprimieren · ↗unterdrücken · verdrängen
Synonymgruppe
abdrängen · verdrängen · ↗wegschieben  ●  auf das Abstellgleis schieben  ugs., fig.
Synonymgruppe
fortschieben · ↗rücken · ↗schieben · ↗umsetzen · ↗umstellen · verdrängen · ↗verrücken · ↗verschieben · ↗wegschieben  ●  ↗deplacieren  veraltet · ↗verfrachten  ugs.
Assoziationen
  • (ein) anderes Zimmer geben (Hotel) · (eine) andere Wohnung geben · (einen) Wohnungswechsel veranlassen · in ein anderes Zimmer verlegen (Hotel) · ↗umquartieren · ↗umsetzen
Synonymgruppe
(es) nicht eilig haben (mit) · (zeitlich) nach hinten schieben · Zeit verstreichen lassen · auf den letzten Drücker erledigen · ↗aufschieben · ↗hinausschieben · ↗retardieren · verdrängen · ↗verschieben · ↗verschleppen · ↗verzögern · ↗zurückhalten  ●  (etwas) auf Eis legen  fig. · ↗(etwas) liegen lassen  fig. · (etwas) (sehr) ruhig angehen lassen  ugs. · ↗auf die lange Bank schieben  ugs., fig. · ↗hintanstellen  geh. · ↗prokrastinieren  fachspr. · vor sich herschieben  ugs., fig., Hauptform
Assoziationen
  • Aufschiebeverhalten · Erledigungsblockade · Handlungsaufschub  ●  ↗Aufschieberitis  ugs. · Procrastination  fachspr. · ↗Prokrastination  fachspr.
  • (sich) gedulden · (sich) in Geduld fassen · (sich) in Geduld üben · ↗abpassen · ↗abwarten · ↗ausdauern · ↗ausharren · ↗beharren · ↗harren · ↗zuwarten  ●  ↗warten  Hauptform · nicht ungeduldig werden  ugs. · ↗teufen  ugs., plattdeutsch, regional
  • (die Dinge) auf sich zukommen lassen · ↗(einfach) abwarten · darauf warten, was kommt · keine vorschnelle(n) Entscheidung(en) treffen (wollen)  ●  Abwarten und Tee trinken.  Spruch · nicht übers Knie brechen (wollen)  fig. · Erst tun mer mal garnix, dann schau'n mer mal, und dann wer'n mer scho' seh'n.  ugs., scherzhaft, süddt., Spruch, variabel · abwarten!  ugs., variabel · der Dinge harren, die da kommen (werden / mögen / sollen)  geh., Redensart · ma kucken!  ugs., ruhrdt. · schau'n mer mal!  ugs., Spruch
  • auf unbestimmte Zeit · bis Ultimo · bis ultimo · bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag  ●  ad ultimo  geh., lat.
  • (abwarten bis) Gras über etwas gewachsen ist · ↗aussitzen (wollen) · darauf spekulieren, dass etwas (mit der Zeit) vergessen wird  ●  Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen.  sprichwörtlich, variabel · hoffen, dass sich etwas von selbst erledigt  variabel
  • Frist (bis zu ...) verlängern · ↗aussetzen · ↗ruhen (lassen) · ↗unterbrechen · ↗vertagen · ↗zurückstellen  ●  auf Eis legen  fig. · ↗sistieren  geh., bildungssprachlich
  • (sich) die Zeit vertreiben · Zeit verbrennen · Zeit vergeuden · Zeit verschwenden · ↗vertrödeln (Zeit) · ↗vertun (seine Zeit) · ↗vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
  • (etwas) eilt nicht · (etwas) hat keine Eile · (etwas) kann warten · (sich) Zeit lassen können · es eilt nicht (mit)  ●  (etwas) hat Zeit  Hauptform · (etwas) läuft (jemandem) nicht weg  ugs., fig.
  • (künstlich) hinauszögern · (sich / etwas) über die Zeit retten · Zeit gewinnen wollen · Zeit herausschinden · versuchen, Zeit zu gewinnen  ●  Zeit schinden  negativ · auf Zeit spielen  fig.
  • (sich) Zeit nehmen · keine Eile haben (mit) · kleinschrittig vorgehen  ●  (sich) Zeit lassen  Hauptform · (sich) nicht überschlagen  ugs. · eine ruhige Kugel schieben  ugs., Redensart · es ruhig angehen lassen  ugs., Hauptform
  • auf einen späteren Termin (ver)legen · auf später verschieben · auf später vertagen · nach hinten schieben · nach hinten verlegen · ↗verschieben · ↗zurückstellen (bis zum)  ●  ↗schieben  ugs., salopp, Jargon
  • Schaffenskrise · ↗Schreibblockade · unproduktive Phase
  • bummelig  ugs. · ↗herumtrödeln(d)  ugs. · ↗saumselig  geh., veraltend · ↗säumig  geh. · trödelig  ugs. · verbummelt  ugs.
  • (leicht) über der Zeit · nicht fahrplangemäß · später als vorgesehen · ↗säumig · ↗unpünktlich · verspätet · zu spät · ↗überfällig
  • Morgen ist auch noch ein Tag.  ●  Kommst du heut' nicht, kommst du morgen.  ironisierend · Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen.  ironisch
Synonymgruppe
ausblenden · nicht sehen wollen · verdrängen · wegblenden  ●  ↗beiseiteschieben  fig.
Assoziationen
  • (einer Sache) Rechnung tragen · ↗bedenken · ↗berücksichtigen · ↗einberechnen · ↗einbeziehen · ↗einkalkulieren · ↗einplanen · ↗einrechnen · ↗erwägen · in Betracht ziehen · in Erwägung ziehen · in Rechnung stellen · in der Kalkulation berücksichtigen · ↗integrieren · mit einbeziehen · nicht vergessen dürfen  ●  ↗einpreisen  fachspr. · im Hinterkopf behalten  ugs. · in Anschlag bringen  geh. · ↗inkludieren  fachspr. · ↗sehen  ugs.
  • (etwas) ausblenden · (sich) keine Gedanken machen (um) · keinen Gedanken verschwenden (an) · nicht denken an  ●  ↗(etwas) nicht auf dem Schirm haben  fig.
  • (absolutes) Stillschweigen bewahren (über) · ↗(eine Sache) totschweigen · ↗geheim halten · nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangen lassen · nichts davon ans Licht der Öffentlichkeit kommen lassen  ●  (den) Mantel des Schweigens breiten (über)  fig. · unter Verschluss halten  fig. · unter dem Deckel halten  fig. · unter der Decke halten  fig. · (über etwas) Gras wachsen lassen  ugs., fig. · unter den Teppich kehren  ugs., fig. · unter den Tisch kehren  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›verdrängen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verdrängen‹.

Verwendungsbeispiele für ›verdrängen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Heute verdrängt das Gestern, um selber verdrängt zu werden.
Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 231
Ich versuche diesen Tod zu verdrängen, doch das verdrängte Trauma verschwindet deswegen nicht, sondern kehrt über die Symptome hartnäckig wieder.
Der Tagesspiegel, 13.11.2000
Doch die zersplitterte Opposition ist nach dem vorläufigen Ergebnis dieser Wahl weit davon entfernt, die LDP von der Macht zu verdrängen.
Die Welt, 27.06.2000
Als solche verdrängte sie diesen nicht, sondern beide bestanden nebeneinander.
Moe, Lawrence: Saltarello. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 9
Er verdrängte mehr Luft, als er je erwartet hatte, Luft zu verdrängen.
Koeppen, Wolfgang: Das Treibhaus. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1953], S. 230
Zitationshilfe
„verdrängen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verdr%C3%A4ngen>, abgerufen am 26.01.2021.

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