verdrießen
GrammatikVerb · verdross, hat verdrossen
Aussprache
Worttrennungver-drie-ßen (computergeneriert)
Wortbildung Ableitung von ›verdrießen‹: ↗Verdrossenheit  ·  mit ›verdrießen‹ als Grundform: ↗verdrossen
eWDG, 1977

Bedeutung

etw. verdrießt jmdn.etw. macht jmdn. missmutig, bereitet jmdm. Ärger
Beispiele:
es verdross sie (tief), dass er sein Versprechen nicht hielt
ihr Verhalten verdrießt ihn
sich etw. nicht verdrießen lassen (= sich nicht den Mut zu etw., die Freude an etw. nehmen lassen)
es sich nicht verdrießen lassen
sie lässt (es) sich keine Mühe verdrießen (= keine Mühe ist ihr zuviel), ihre Gäste festlich zu bewirten
verdrossen
im Part. Prät.
missmutig, mürrisch
Beispiele:
verdrossen und müde ging er nach Hause
er schwieg verdrossen
eine verdrossene Miene
ein verdrossenes Kind
ihr verdrossenes Wesen fiel allen auf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verdrießen · verdrossen · unverdrossen · verdrießlich · Verdrießlichkeit · Verdruß · Überdruß · überdrüssig
verdrießen Vb. ‘Ärger bereiten, mißmutig machen’, ahd. firthrioʒan (11. Jh.; vgl. irthrioʒan, 9. Jh., zithrioʒan, um 900), mhd. verdrieʒen, mnd. vordrēten, mnl. nl. verdrieten, Präfixbildung zu dem untergegangenen Simplex mhd. drieʒen ‘drängen, treiben, drohen’; vgl. asächs. āthriotan ‘verdrießen’, aengl. (ā)þrēotan ‘ermüden, überdrüssig werden, verdrießen’, anord. þrjōta ‘aufhören, ermangeln, mißlingen’, schwed. tryta ‘mangeln, fehlen, ausgehen’, got. usþriutan ‘beschwerlich fallen’ (germ. *þreutan ‘bedrücken, ermüden’). An außergerm. Verwandten sind heranzuziehen lat. trūdere ‘stoßen, drängen’, lit. triū̃sas ‘mühevolle Arbeit’, triū̃sti ‘arbeiten’, aslaw. trudъ ‘Mühe, Anstrengung, das Erarbeitete, Besitz’, truditi sę ‘sich mühen, bemühen, arbeiten’, russ. trud (труд) ‘Mühe, Arbeit’, trudít’sja (трудиться) ‘sich mühen’, so daß ie. *treud- ‘quetschen, stoßen, drücken’ erschlossen werden kann, eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *ter(ə)-, *treu- ‘reiben, drehend reiben, (reibend) durchbohren’ (s. ↗drehen). verdrossen Part.adj. ‘mißmutig, mürrisch, lustlos’, mhd. verdroʒʒen, auch ‘träge’, mit dem Antonym unverdrossen Part.adj. ‘unermüdlich, emsig und ohne Anzeichen von Ärger oder Verdruß’, mhd. unverdroʒʒen. verdrießlich Adj. ‘schlechtgelaunt, mißmutig, ärgerlich, mürrisch, unangenehm’ (15. Jh.); vgl. mnd. vordrēt(e)līk; Verdrießlichkeit f. mhd. verdrieʒlīcheit. Verdruß m. ‘Ärger, Mißmut, Unzufriedenheit’, mhd. verdrōʒ (neben verdrieʒ), ahd. firthrōʒ (9. Jh.) sowie ahd. urthrioʒ (9. Jh.), mhd. urdruʒ ‘Überdruß, Unlust, Ekel’. Überdruß m. ‘durch Übersättigung hervorgerufene Abneigung, Widerwille’ (16. Jh.); vgl. daneben frühnhd. überdrieß, überdrutz (16. Jh.), mhd. überdrōʒ. überdrüssig Adj. ‘Überdruß empfindend, satt, müde, leid’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufregen · ↗ereifern · ↗erregen · ↗vergraulen · ↗vergrämen · ↗vergällen · ↗verärgern · ↗ärgern  ●  ↗echauffieren  franz. · sauer machen  ugs. · verdrießen  geh. · ↗vergrätzen  ugs.
Synonymgruppe
aufbringen · ↗entrüsten · ↗erbittern · ↗erbosen · ↗erzürnen · ↗kränken · schmerzlich berühren · ↗verärgern  ●  verdrießen  geh.
Synonymgruppe
(jemandem jemanden) vergraulen · ↗frustrieren · ↗verärgern  ●  (jemanden) sauer fahren  ugs., fig. · verdrießen  geh.
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktionäre Bürger Leser Mühe Wähler sehr wiederum

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dass er noch nie Erfolg damit hatte, verdrießt ihn nicht.
Süddeutsche Zeitung, 16.01.2001
Aber etwas, und das ist nicht der fließend unkomplizierte Ton, verdrießt uns.
Die Zeit, 09.10.1987, Nr. 42
Doch sollte man es sich nicht verdrießen lassen, sich mit der Wissenschaft des Weines zu beschäftigen.
Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 136
Verdrossen hatte er ein Glas nach dem anderen in den Mund geleert.
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 366
Weil aber nichts geschah, verzog sie den roten Mund wie ein verdrossenes Kind.
Ganghofer, Ludwig: Der Dorfapostel, Stuttgart: Adolf Bonz 1917 [1900], S. 168
Zitationshilfe
„verdrießen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verdrießen>, abgerufen am 23.01.2018.

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