verduften

Grammatik Verb · verduftet, verduftete, ist/hat verduftet
Aussprache 
Worttrennung ver-duf-ten
eWDG

Bedeutungen

1.
den Duft verlieren, zu duften aufhören
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
der Kaffee verduftet
2.
salopp schnell (und unauffällig) weggehen, sich entfernen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
der Hochstapler, Betrüger verduftete (ins Ausland)
verdufte! (= mach, dass du fortkommst!)
sich verduften
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
sie hatte sich schleunig verduftet (= wegbegeben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Duft · duften · düften · verduften · duftig
Duft m. ‘angenehmer, feiner Geruch’, ahd. thuft ‘Duft, Hitze’ (um 1000), auch ‘Frost’ (eigentlich ‘gefrorener Dunst’), mhd. tuft ‘Dunst, Nebel, Tau, Reif’ stellen sich wohl mit anord. dupt, duft n. (dupti m.) ‘Staub’, schwed. doft ‘Mehlstaub, Duft’ und den außergerm. Verwandten griech. tȳ́phein (τύφειν) ‘Rauch, Dampf, Qualm machen’, tȳ́phos (τῦφος) ‘Rauch, Dampf, Qualm, Dünkel, Art Fieber’ (s. Typhus) zu ie. *dheubh-, *dhūbh- ‘stieben, rauchen; neblig, verdunkelt’ (s. auch taub, toben), Erweiterung der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə- ‘stieben, wirbeln’, besonders von Staub, Rauch, Dampf, daher auch ‘dampfen, ausdünsten, riechen’. Zur gleichen Wurzel gehören aind. dhūmáḥ ‘Rauch’, griech. thȳmós (θυμός) ‘Geist, Mut, Zorn, Gemütswallung, Leidenschaft’, thȳmiā́n (θυμιᾶν) ‘in Rauch aufgehen lassen, rauchen’, lat. fūmus ‘Rauch, Dampf, Qualm’, aslaw. ∂ymъ ‘Rauch, Dampf, Dunst’, russ. dym (дым) ‘Rauch’; s. auch Dunst, Düne. Weniger wahrscheinlich ist Verwandtschaft mit Dampf (s. d.). Danach wäre Duft als Verbalabstraktum zu mhd. dimpfen ‘dampfen, rauchen’ hervorgegangen aus *dumft, *dunft und in seiner Entwicklung einer Reihe mhd. frühnhd. sowie nd. Formen mit Nasalverlust (wie Vernuft neben Vernunft) vergleichbar. Die Bedeutung ‘Wohlgeruch’ entwickelt sich erst im 18. Jh., zunächst für die ‘feine Ausdünstung’ wohlriechender Pflanzen. Aber noch im 19. Jh. ist Duft in der alten Bedeutung ‘(feiner) Dunst’ gebräuchlich, sie gilt bis heute im Obd. duften, älter auch düften Vb. ‘Wohlgeruch verbreiten’ (im Gegensatz zu stinken, s. d.), mhd. tüften, tuften ‘Dunst, Nebel von sich geben, dampfen, dünsten’, seit dem 17. Jh. in heutiger Bedeutung. verduften Vb. ‘sich in Duft auflösen, Duft verlieren’ (18. Jh.), in scherzhafter Übertragung ‘ohne Aufsehen verschwinden’ (19. Jh.). duftig Adj. ‘dunstig’ (15. Jh.), ‘Wohlgeruch verbreitend’, übertragen ‘leicht, zart’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) entfernen · (sich) zurückziehen · auf und davon gehen · sich unbemerkt verabschieden · verschwinden  ●  (sich) selbständig machen  scherzhaft · davonziehen  altertümlich · enteilen  altertümlich · entfleuchen  scherzhaft, literarisch · weggehen (sich entziehen)  Hauptform · (sich) absentieren  geh., veraltend · (sich) davonmachen  ugs. · (sich) empfehlen  geh. · (sich) retirieren  geh., veraltet · (sich) verdünnisieren  ugs., scherzhaft · (sich) von dannen machen  geh., literarisch · abdampfen  ugs. · abhauen  ugs. · abzischen  ugs. · plötzlich weg sein  ugs. · sich auf Französisch empfehlen  geh. · sich auf Französisch verabschieden  ugs. · verduften  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(das) Weite suchen · die Flucht ergreifen · entfliehen · entkommen · fliehen · flüchten · weglaufen · zu entkommen versuchen  ●  Fersengeld geben  veraltend · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · (sich) dünn(e) machen  ugs. · (sich) verdrücken  ugs. · abhauen  ugs. · ausfliegen  ugs., ironisch · stiften gehen  ugs. · türmen  ugs. · verduften  ugs. · zu entkommen suchen  geh.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›verduften‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Gespenster verdufteten, nur wenige halten sich noch die Nase zu.
Süddeutsche Zeitung, 16.05.1995
Der kräftig ist, natürlich und selbst in schwierigen Momenten nicht verduftet.
Die Zeit, 26.12.2011, Nr. 52
Und siehe da, der Gefürchtete erhob sich und verduftete schweigend.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4905
Er kriegte zweimal vierundzwanzig Stunden Zeit, sich zu verduften, oder sechs Monate Arbeitshaus.
Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 191
Baron Engelhard, zum Beispiel, verduftet und schickt aus der amerikanischen Zone eine hämische Postkarte.
Bieler, Manfred: Der Bär, Hamburg: Hoffmann und Campe 1983, S. 122
Zitationshilfe
„verduften“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verduften>, abgerufen am 28.11.2021.

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