vererben

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-er-ben
Grundformerben
Wortbildung mit ›vererben‹ als Erstglied: ↗vererbbar · ↗vererblich  ·  mit ›vererben‹ als Letztglied: ↗weitervererben
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdm. etw. vererbenjmdm. etw. als Erbe, Erbteil hinterlassen
Beispiel:
jmdm. ein Haus, Grundstück, Vermögen, eine Wohnungseinrichtung vererben
umgangssprachlich, scherzhaft, übertragen jmdm. etw. schenken, überlassen
Beispiel:
er hat ihm sein altes Radio vererbt
2.
etw. als Erbanlage auf seine Nachkommen übertragen
Beispiele:
eine Krankheit, Eigenschaft, Anlage vererben
er hat die kräftige Konstitution, musikalische Begabung seinem Sohn vererbt
etw. vererbt sich
etw. überträgt sich als Erbanlage auf die Nachkommen
Beispiel:
die Neigung zu allergischen Reaktionen kann sich vererben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Erbe1 · Erbe2 · erben · beerben · vererben · Erbfeind · Erblasser · erblich · Erbschaft · Erbschleicher · Erbsünde
Erbe1 n. ‘Hinterlassenschaft eines Verstorbenen’. Die neutrale ja-Bildung (germ. *arbja-) ahd. erbi (9. Jh.), mhd. erbe ‘Hinterlassenschaft, Vererbung, Erbschaft’, asächs. erƀi, mnd. erve, arve, mnl. erve, nl. erf, afries. erve, aengl. ierfe, anord. erfi ‘Leichenfeier’, got. arbi ist wie das die gleiche Stammbildung (ie. -i̯o-) und Semantik aufweisende air. orb(b)e, orpe ‘das Erbe’, auch ‘der Erbe’, verwandt mit aind. árbhaḥ ‘klein, jung, schwach, Kind’, armen. orb ‘Waise’, griech. orphanós (ὀρφανός) ‘verwaist’, lat. orbus ‘einer Sache beraubt, verwaist’, aslaw. rabъ ‘Knecht, Diener, Sklave’, aruss. robъ ‘Diener, Sklave’, robja ‘Kind’, russ. (mit Vokalassimilation) rebënok (ребёнок) ‘kleines Kind’ und führt mit diesen auf ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ bzw. (für die schutzlose, sich verdingende Waise) ‘Knecht’ (dazu wohl auch ↗Arbeit und ↗arm, s. d.). Ausgangsbedeutung ist für das Germ. und Kelt. ‘das einer Waise Gehörige’, also ‘einer Waise rechtlich zufallendes Besitztum’. Daneben als maskuliner (j)an-Stamm Erbe2 m. ‘wer berechtigt ist, ein Erbe anzunehmen’, ahd. erbo (8. Jh.), mhd. erbe, mnd. mnl. erve, aengl. ierfa, anord. arfi, got. arbja. erben Vb. ‘Erbe sein, eine Hinterlassenschaft erhalten’, ahd. (8. Jh.), mhd. erben, mnd. mnl. nl. erven, aengl. ierfian, anord. erfa (germ. *arbjan). beerben Vb. ‘jmds. Hinterlassenschaft erhalten’, mhd. beerben. vererben Vb. ‘als Erbschaft übertragen, hinterlassen’, mhd. vererben. Erbfeind m. ‘über Generationen hinweg verhaßter Gegner’, mhd. erbevīnt ‘Teufel’, dann übertragen auf die als Nachfahren des Teufels angesehenen heidnischen Türken (15. Jh.), später auf die Franzosen (16. Jh.); wohl in Anlehnung an Erbsünde (s. unten) gebildet. Erblasser m. ‘wer ein Erbe hinterläßt’ (15. Jh.); vgl. mhd. daʒ erbe lān ‘hinterlassen’. erblich Adj. ‘sich vererbend, durch Erbfolge bestimmt, durch Vererbung übertragbar’ (15. Jh.), ahd. arblīh ‘erblich, vererbt’ (10. Jh.), mhd. erbelīchen Adv. Erbschaft f. ‘hinterlassenes Gut’, mhd. erbschaft, auch ‘Erbfolge, Teilnahme am Erbe, Erbanspruch’. Erbschleicher m. ‘wer auf unmoralische Weise oder widerrechtlich in den Besitz eines Erbes zu gelangen sucht’ (Ende 17. Jh.), Übersetzung von gleichbed. lat. hērēdipeta (zu lat. hērēdium ‘Erbgut’ und petere ‘zu erreichen suchen, streben, bitten, sich bewerben’). Erbsünde f. nach christlichem Glauben die dem Menschen durch den biblischen Sündenfall angeborene Sündhaftigkeit, mhd. erbesünde. Zum Komplex vgl. Grønvik The Words for ‘heir’, ‘inheritance’ and ‘funeral feast’ in Early Germanic (1982).

Thesaurus

Synonymgruppe
hinterlassen · vererben · ↗vermachen
Assoziationen
Synonymgruppe
ableiten von · herleiten von · vererben
Synonymgruppe
abtreten · vererben · ↗verleihen · ↗vermachen · ↗überantworten · ↗überlassen · ↗überschreiben · ↗übertragen  ●  ↗anheimstellen  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abonnement Billion Dauerkarte Eigenschaft Elternteil Enkel Erbanlage Gen Generation Grundbesitz Immobilienvermögen Kindeskind Mitochondrium Mutation Nachkomme Neffe Resistenz Sohn Veranlagung Vermögen Vermögenswert X-Chromosom beleihen erben fortpflanzen verpachten verpfänden verschenken veräußern weitervererben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vererben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer sein Haus schlecht bestellt hat, kann es auch nicht vererben.
Der Tagesspiegel, 08.10.2004
Und von den zwei Billionen Euro, die in den nächsten zehn Jahren vererbt werden, möglichst viel gleich noch dazu.
Süddeutsche Zeitung, 26.07.2002
In einigen Fällen wird der Rang der Mutter gleichsam auf die Kinder »vererbt«.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 227
Sie hat offenbar in dieser Art nichts zu vererben gehabt.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 22059
Es vererbt sich von Generation zu Generation und wird wohl kaum auszurotten sein.
Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 323
Zitationshilfe
„vererben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/vererben>, abgerufen am 16.10.2019.

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