verfahren

GrammatikVerb · verfährt, verfuhr, hat/ist verfahren
Aussprache
Worttrennungver-fah-ren (computergeneriert)
Grundformfahren
Wortbildung mit ›verfahren‹ als Grundform: ↗verfahren2
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
sich verfahrenmit einem Fahrzeug einen falschen Weg fahren
Beispiele:
er hat sich (mit seinem Auto) in der Stadt verfahren
sie hatte sich in der Dunkelheit, im Nebel verfahren
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. durch Fahren, für das Fahren verbrauchen
Beispiele:
bei ihren Ausflügen mit dem Auto verfahren sie viel Benzin
er hat (wegen dieser Sache) viel Geld, Zeit verfahren
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
fachsprachlich eine Schicht verfahreneine Schicht, besonders als Bergmann, ableisten
Beispiele:
seine erste Schicht (unter Tage) verfahren
volle Schichten, Überschichten verfahren
eine verfahrene Schicht
4.
mit Hilfsverb ›ist‹
vorgehen, handeln
Beispiele:
vorsichtig, schonend, milde, (un)gerecht, rücksichtslos, eigenmächtig, streng, freundschaftlich verfahren
(un)praktisch, mechanisch, kaufmännisch, (un)kritisch, konsequent verfahren
methodisch verfuhr er dabei so, dass ...
in herkömmlicher Weise verfahren
nach einer Regel, nach bestimmten Richtlinien, nach alter Gewohnheit, immer nach demselben Schema verfahren
am besten verfahren wir, verfährt man hier wohl folgendermaßen
5.
mit Hilfsverb ›ist‹
mit jmdm., etw. in bestimmter Weise verfahrenmit jmdm., etw. in bestimmter Weise umgehen, jmdn., etw. in bestimmter Weise behandeln
Beispiele:
rücksichtsvoll, ohne Schonung mit jmdm. verfahren
er verfuhr streng mit seinen Schülern
er sagte ihr, sie könne mit dem Haus nach ihrem Gutdünken verfahren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verfahren · verfahren · Verfahren
verfahren Vb. ‘etw. auf bestimmte Weise erledigen, jmdn. behandeln, durch Fahren verbrauchen’, reflexiv ‘in die Irre fahren’, ahd. firfaran ‘wegziehen, weitergehen, etw. (völlig) durchreisen, vergehen, untergehen, zugrunde gehen, sterben’ (9. Jh.), mhd. vervarn ‘vorübergehen, vergehen, dahinfahren, verschwinden, sterben, den falschen Weg gehen, sich verirren’, asächs. farfaran ‘durchfahren’, mnd. vorvāren ‘wegfahren, weggehen, handeln, verwirken, durch Fahren abnutzen, falsch fahren’, mnl. vervāren, aengl. forfaran ‘weggehen, vergehen, untergehen (lassen)’ sind mit verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten des Präfixes (s. ↗ver-) gebildet zu dem unter ↗fahren (s. d.) behandelten Verb. Die heute vorherrschende Bedeutung ‘etw. auf bestimmte Weise erledigen, vorgehen, handeln’ entwickelt sich im 16. Jh. verfahren Part.adj. ‘in eine falsche Richtung gelenkt, falsch ausgeführt und daher ausweglos scheinend’ (eine verfahrene Sache, 19. Jh.). Verfahren n. ‘Art und Weise, wie etw. ausgeführt wird, Methode, Vorgehen’, im Rechtswesen ‘Folge von Rechtshandlungen, die der Erledigung einer Rechtssache dienen’ (um 1700), älteres Verfahrung (16. Jh.) verdrängend; vgl. mhd. vervarn ‘das Verirren’.

Thesaurus

Synonymgruppe
auf verlorenem Posten (stehen) · ↗aussichtslos · ↗ausweglos · ↗chancenlos · ↗hoffnungslos · verbaut · verfahren  ●  festgefahren  fig. · in einer Sackgasse  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Abfahrt verpassen · (die) Abzweigung verpassen · ↗(sich) verirren · in die falsche Richtung fahren · vom Weg abkommen · von der Route abkommen  ●  (sich) verfahren  Hauptform · ↗(sich) verfranzen  ugs.
Assoziationen
  • abdriften · ↗abtreiben · vom richtigen Kurs abdriften · wegdriften
  • (den) falschen Weg einschlagen · (die) Orientierung verlieren · ↗(sich) verirren · den Weg verfehlen · in die falsche Richtung laufen · nicht mehr wissen, wo man ist · nicht zurückfinden · vom Weg abirren · vom Weg abkommen  ●  ↗(sich) verlaufen  Hauptform · ↗fehlgehen  geh.
  • (sich) verfliegen  ●  ↗(sich) verfranzen  Jargon
  • desorientiert (sein) · nicht wissen, wo man (gelandet) ist  ●  keinen Plan haben  ugs., salopp
Synonymgruppe
(etwas) (irgendwie) handhaben · (irgendwie) umgehen mit · (irgendwie) verfahren (mit)  ●  ↗(irgendwie) laufen (es)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Agrarpolitik Angelegenheit Beziehungskiste Debatte Diskussion Karre Karren Kiste Konflikt Lage Sache Schicht Situation Streit Tarifstreit Verfahren Verhältnis gegenwärtig heillos hoffnungslos ohnehin reichlich scheinbar total völlig ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verfahren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ganz so verfahren scheint die Situation auch gar nicht zu sein.
Süddeutsche Zeitung, 13.12.2002
Mit aktuellen Entwicklungen in der biomedizinischen Forschung sollten wir ähnlich verfahren.
Die Zeit, 01.01.2001 (online)
Ich wäre auch mit der Tochter so verfahren, wenn sie so veranlagt wäre.
Späth, Gerold: Commedia, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1980 [1980], S. 29
Beim Aufgehen der Stellung, müssen wir langsam verfahren, nicht jäh.
Riemkasten, Felix: Yoga für Sie, Gelnhausen: Schwab 1966 [1953], S. 178
Genau so versuchte man, wie ich erzählt habe, mit uns zu verfahren.
Peters, Carl: Im Goldland des Altertums, München: Lehmann 1902, S. 76
Zitationshilfe
„verfahren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verfahren#1>, abgerufen am 12.11.2018.

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verfahren

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungver-fah-ren (computergeneriert)
Grundformverfahren1
eWDG, 1977

Bedeutung

umgangssprachlich in eine falsche Richtung gelenkt, geraten, falsch durchgeführt und (zunächst) keinen Ausweg, keine Lösung erkennen lassend
entsprechend der Bedeutung von verfahren1 (Lesart 1)
Beispiele:
eine verfahrene Lage, Situation
das ist eine verfahrene Geschichte
die Angelegenheit ist jetzt ganz verfahren
salopp die Karre (= Angelegenheit) war vollständig verfahren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

verfahren · verfahren · Verfahren
verfahren Vb. ‘etw. auf bestimmte Weise erledigen, jmdn. behandeln, durch Fahren verbrauchen’, reflexiv ‘in die Irre fahren’, ahd. firfaran ‘wegziehen, weitergehen, etw. (völlig) durchreisen, vergehen, untergehen, zugrunde gehen, sterben’ (9. Jh.), mhd. vervarn ‘vorübergehen, vergehen, dahinfahren, verschwinden, sterben, den falschen Weg gehen, sich verirren’, asächs. farfaran ‘durchfahren’, mnd. vorvāren ‘wegfahren, weggehen, handeln, verwirken, durch Fahren abnutzen, falsch fahren’, mnl. vervāren, aengl. forfaran ‘weggehen, vergehen, untergehen (lassen)’ sind mit verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten des Präfixes (s. ↗ver-) gebildet zu dem unter ↗fahren (s. d.) behandelten Verb. Die heute vorherrschende Bedeutung ‘etw. auf bestimmte Weise erledigen, vorgehen, handeln’ entwickelt sich im 16. Jh. verfahren Part.adj. ‘in eine falsche Richtung gelenkt, falsch ausgeführt und daher ausweglos scheinend’ (eine verfahrene Sache, 19. Jh.). Verfahren n. ‘Art und Weise, wie etw. ausgeführt wird, Methode, Vorgehen’, im Rechtswesen ‘Folge von Rechtshandlungen, die der Erledigung einer Rechtssache dienen’ (um 1700), älteres Verfahrung (16. Jh.) verdrängend; vgl. mhd. vervarn ‘das Verirren’.

Thesaurus

Synonymgruppe
auf verlorenem Posten (stehen) · ↗aussichtslos · ↗ausweglos · ↗chancenlos · ↗hoffnungslos · verbaut · verfahren  ●  festgefahren  fig. · in einer Sackgasse  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Abfahrt verpassen · (die) Abzweigung verpassen · ↗(sich) verirren · in die falsche Richtung fahren · vom Weg abkommen · von der Route abkommen  ●  (sich) verfahren  Hauptform · ↗(sich) verfranzen  ugs.
Assoziationen
  • abdriften · ↗abtreiben · vom richtigen Kurs abdriften · wegdriften
  • (den) falschen Weg einschlagen · (die) Orientierung verlieren · ↗(sich) verirren · den Weg verfehlen · in die falsche Richtung laufen · nicht mehr wissen, wo man ist · nicht zurückfinden · vom Weg abirren · vom Weg abkommen  ●  ↗(sich) verlaufen  Hauptform · ↗fehlgehen  geh.
  • (sich) verfliegen  ●  ↗(sich) verfranzen  Jargon
  • desorientiert (sein) · nicht wissen, wo man (gelandet) ist  ●  keinen Plan haben  ugs., salopp
Synonymgruppe
(etwas) (irgendwie) handhaben · (irgendwie) umgehen mit · (irgendwie) verfahren (mit)  ●  ↗(irgendwie) laufen (es)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Agrarpolitik Angelegenheit Beziehungskiste Debatte Diskussion Karre Karren Kiste Konflikt Lage Sache Schicht Situation Streit Tarifstreit Verfahren Verhältnis gegenwärtig heillos hoffnungslos ohnehin reichlich scheinbar total völlig ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verfahren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ganz so verfahren scheint die Situation auch gar nicht zu sein.
Süddeutsche Zeitung, 13.12.2002
Mit aktuellen Entwicklungen in der biomedizinischen Forschung sollten wir ähnlich verfahren.
Die Zeit, 01.01.2001 (online)
Ich wäre auch mit der Tochter so verfahren, wenn sie so veranlagt wäre.
Späth, Gerold: Commedia, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1980 [1980], S. 29
Beim Aufgehen der Stellung, müssen wir langsam verfahren, nicht jäh.
Riemkasten, Felix: Yoga für Sie, Gelnhausen: Schwab 1966 [1953], S. 178
Genau so versuchte man, wie ich erzählt habe, mit uns zu verfahren.
Peters, Carl: Im Goldland des Altertums, München: Lehmann 1902, S. 76
Zitationshilfe
„verfahren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verfahren#2>, abgerufen am 12.11.2018.

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