verfangen

GrammatikVerb · verfängt, verfing, hat verfangen
Aussprache
Worttrennungver-fan-gen (computergeneriert)
Grundformfangen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
sich in etw. verfangensich in etw. verwickeln, verstricken, an, in etw. hängenbleiben
Beispiele:
das Tier hat sich in einem Netz, Strick, in den Maschen eines Geflechts, Gewebes verfangen
der Schmetterling verfing sich in einem Spinnennetz
bildlich
Beispiel:
der Blick verfing sich im Halbdunkel des Raumes
übertragen
Beispiel:
sich in Widersprüche verfangen (= widersprüchliche Aussagen machen)
in etw. verfangen sein
Beispiel:
er ist in Vorstellungen verfangen, von denen er sich schwer lösen kann
2.
etw. verfängtetw. nützt, wirkt, hilft
Beispiele:
bei ihm verfing kein Zureden, Bitten, keine Ermahnung, Schmeichelei
ein liebevolles Wort verfängt immer bei ihr
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fangen · Fang · Rauchfang · Windfang · Fangschuß · Fangstoß · Fänger · Gefangenschaft · Gefängnis · verfangen · verfänglich
fangen Vb. ‘(er)greifen, zu fassen bekommen, der Freiheit berauben’. Das ursprünglich reduplizierende Verb mit grammatischem Wechsel ahd. fāhan (8. Jh.), mhd. vāhen, vān, nach Nasalausfall vor h und daraus folgender Dehnung des Vokals hervorgegangen aus germ. *fanhan, hat in Infinitiv und Präsens seit dem 16. Jh. eine allmähliche Angleichung des Konsonantismus an die Präteritalformen erfahren; in poetischer Sprache ist fahen jedoch noch bis ins 19. Jh. bezeugt. Das Verb und seine germ. Entsprechungen asächs. fāhan, mnd. vān, vangen, mnl. vanghen, nl. vangen, anord. , schwed. , aengl. fōn, got. fāhan führen mit den außergerm. Verwandten lat. pangere ‘befestigen, einschlagen’, pacīscī ‘ein Übereinkommen treffen, einen Vertrag schließen’ (s. ↗Pakt), griech. pássalos (πάσσαλος) ‘Pflock, Nagel, Haken’, págē (πάγη) ‘alles, was festhält, Schlinge, Falle’, aind. pā́śaḥ ‘Schlinge, Band, Kette’ auf eine Wurzel ie. *pā̌k̑-, *pā̌g̑- ‘festmachen’ (wozu auch ↗Fach, ↗fügen, s. d.). Fang m. ‘das Gefangene, Beute’, jägersprachlich ‘Kralle, Schnabel’ (eines Raubvogels), ‘Reißzahn, Rachen’ (bei verschiedenen anderen Tieren), ‘Todesstoß’ (für krankes Wild); ahd. -fang (nur als Kompositionsglied, z. B. in anafang, s. ↗Anfang), mhd. vanc. Rauchfang m. ‘Rauchabzug, Schornstein’ (15. Jh.). Windfang m. ‘Windschutzvorrichtung, dem Wind ausgesetzte Seite’, ahd. wintfang (9. Jh.), mhd. wintvanc. Fangschuß m. ‘tödlicher Schuß, Gnadenschuß für verwundetes, krankes Wild’ (19. Jh.). Fangstoß m. ‘Gnadenstoß mit einer Stichwaffe’ (19. Jh.), z. B. mit dem Hirschfänger ‘Seitengewehr des Jägers’. Fänger m. ‘wer etw. fängt, auffängt’ (17. Jh.); vgl. ahd. -fangāri als Kompositionsglied z. B. in intfangāri (s. ↗Empfänger). Gefangenschaft f. ‘Freiheitsverlust, Unfreiheit’, mhd. gevangenschaft; vgl. ahd. gifengida ‘Gefangenschaft’ (9. Jh.). Gefängnis n. ‘Freiheitsentzug, Strafe, Zustand und Ort der Unfreiheit, Gewahrsam, Strafvollzugsanstalt’, mhd. (ge)vancnisse, (ge)vencnisse ‘Gefangennahme, Gefangenschaft’, mnd. gevenknisse, mnl. g(h)evangenesse, -nisse, nl. gevangenis. verfangen Vb. ‘wirksam sein, nützen’, ahd. firfāhan ‘ergreifen, umfassen, nützen’ (9. Jh.), mhd. vervāhen, vervān ‘fassen, fangen, gewinnen, wahrnehmen, geistig auffassen, (hart) beurteilen, ausrichten, fördern, nützen’, häufig reflexiv sich verfangen ‘sich verstricken, in Komplikationen geraten’ (bereits mhd.); daher verfänglich Adj. ‘heikel, riskant’, anders mhd. vervanclich, vervenclich ‘nützlich, wirksam’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) verfangen (mit ... in) · ↗(sich) verhaken · ↗hängenbleiben (mit ... an)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Argument Ast Dickicht Drachen Fallschirm Fallstrick Fischernetz Fußangel Gespinst Gestrüpp Geäst Gleitschirm Gleitschirmflieger Haken Hochspannungsleitung Kordel Leinen Masche Netz Oberleitung Schleppnetz Schlinge Schwangau Seil Speiche Spinnennetz Stacheldraht Stromabnehmer Tegelbergbahn verenden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verfangen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei hatten sich zwei der Bäume in den Leitungen verfangen.
Die Welt, 07.10.2003
Aber nicht einmal dieser Tenor verfängt, denn Befürworter wie Gegner des Einsatzes bedienen sich einer glasklaren normativen Sprache.
Die Zeit, 29.04.1999, Nr. 18
Die Opfer, die sich darin verfangen, kommen nicht wieder los.
Dohm, Hedwig: Christa Ruland. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 10066
Seine Füße verfingen sich, er stolperte, aber es war unmöglich, in diesem Gedränge zu stürzen, die Leiber hielten ihn auf.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 11
Diesmal verfing sie sich gar in den Netzen ihres jüngsten Knechtes.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 259
Zitationshilfe
„verfangen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/verfangen>, abgerufen am 21.11.2019.

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